Waldemar Herdt (* 28. November 1962 in Sabelowka, Kasachische SSR) ist ein deutscher Politiker (parteilos, vormals PBC und AfD) sowie prorussischer Propagandist.AfD-Politiker verbreitet Fake News im russischen TV. In: n-tv. 24. Januar 2023. Von 2017 bis 2021 war er Abgeordneter der AfD im 19. Deutschen Bundestag. Herdt war laut Tagesschau Teil eines evangelikalen Netzwerks der AfD, das unter anderem sexuelle Minderheiten bekämpfte.

Werdegang Waldemar Herdt wuchs als Angehöriger der russlanddeutschen Minderheit in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan auf und leitete dort als Agraringenieur eine Kolchose. Er wanderte 1993 mit seiner Familie nach Deutschland aus, arbeitete drei Jahre als Futtermeister in einem Schweinemastbetrieb in Neuenkirchen-Vörden und später in der Baubranche. Herdt gilt als sehr gläubig. Er engagiert sich (Stand 2017) in einer evangelikalen Gemeinde und war Mitglied des Bundesvorstands der Partei Bibeltreuer Christen, bevor er zur AfD wechselte.

Er wurde bei den Kommunalwahlen 2016Normann Berg: Neun Bewerber für den Kreistag. In: Oldenburgische Volkszeitung. 21. Juli 2016.Marcus Alwes: Grundsteuern A und B steigen ab Januar 2018 in Vörden. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 28. Oktober 2017. Mitglied des Gemeinderates von Neuenkirchen-Vörden. An dessen Sitzungen nahm er jahrelang nicht teil. Der Rat beschloss, an Mitglieder, die mehr als fünf Monate lang bei keiner Sitzung erscheinen, keine Aufwandsentschädigung mehr zu zahlen.

Er gehörte als Beisitzer dem AfD-Kreisvorstand Cloppenburg-Vechta an. Innerhalb des Vereines „Christen in der AfD e. V.“ war er einer der beiden Sprecher der Region Nord (die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen).

Herdt kandidierte bei der Bundestagswahl 2017 als Direktkandidat im Wahlkreis Osnabrück-Land und auf der niedersächsischen AfD-Landesliste, über die er in den Bundestag einzog. Dort war er Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, stellvertretender Sprecher der AfD-Landesgruppe Niedersachsen und des Arbeitskreises Religionspolitik in der AfD-Fraktion, Gründungsmitglied der Gruppe „Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten“ innerhalb der AfD-Fraktion sowie Mitglied der deutschen Delegationen in der Interparlamentarischen Union und in der Ostsee-Parlamentarier-Konferenz.

Im März 2018 berichteten u. a. Kai Biermann und Astrid Geisler über Recherchen, wonach 18 Bundestagsabgeordnete der AfD rechtsextreme Mitarbeiter für ihre Mandatsaufgaben und parlamentarische Arbeit beschäftigen.Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke, Tilman Steffen: AfD-Abgeordnete beschäftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde. In: Die Zeit. 21. März 2018. Laut Recherchen des Magazins Focus stellte Herdt den „putintreuen Aktivisten“Christian Neef: Putins Propagandist in Deutschland. In: Spiegel Online. 6. Februar 2016. Heinrich Groth ein, der „im Visier der Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz“ stehe. Groth hatte beispielsweise im Januar 2016 im Zusammenhang mit einer frei erfundenen Vergewaltigung eines Mädchens durch Flüchtlinge im Fall Lisa eine Demonstration mehrerer Hundert Russlanddeutscher und Rechtsextremisten vor dem Kanzleramt in Berlin angemeldet.Henriette Jedicke: Strippenzieher mit Verbindung zur extremen Rechten: Das sind die radikalen AfD-Hintermänner. In: Focus. 22. März 2018.Alexej Hock: Radikale Einflüsterer. In: Die Welt. 21. März 2018. Herdt entließ Groth im Jahr 2019 und stellte den russlanddeutschen Kulturschaffenden und freien Journalisten Edgar Seibel ein. Dieser kündigte nach kurzer Zeit und beklagte eine unerträgliche Atmosphäre am Arbeitsplatz.

Bei der Europawahl 2019 trat Herdt für die christlich-konservative, EU-skeptische Centra Partija in Lettland an.

Herdt erhielt vor der Bundestagswahl 2021 keinen Platz auf der AfD-Landesliste. Er kandidierte im Wahlkreis Cloppenburg – Vechta für ein Direktmandat, erhielt in diesem Wahlkreis nur 7,75 % der Erststimmen und verpasste somit den Einzug in den Bundestag.

Herdt war Mitglied des AfD-nahen „Koordinierungszentrums der Russlanddeutschen“ und bevollmächtigter Sprecher des „Internationalen Konventes der Russlanddeutschen“. Er ist (Stand März 2024) Vorsitzender des 2018 gegründeten „Internationalen Volksrats der Russlanddeutschen“.

Herdt baute ein weltweit operierendes Netzwerk aus fundamentalistischen Christen auf, dessen Ziel es ist, die Rechte sexueller Minderheiten durch Einflussnahme auf die Gesetzgebung einzuschränken. Er war Vorsitzender der von der AfD im Bundestag gegründeten „Interparlamentarischen Menschenrechtskommission“ (IPMK), die sich nach eigenen Angaben für „christlich-konservative Werte“ einsetzt, deren primäres Ziel es jedoch ist, Resolutionen auszuarbeiten, die auf die Einschränkung der Rechte sexueller Minderheiten abzielen. Herdt unterhielt oder unterhält enge, freundschaftliche Verbindungen zum lettischen Prediger Alexey Ledyaev, Kopf der evangelikalen Gruppierung „Watchmen on the Wall“, die sich dem Kampf gegen Homosexuelle verschrieben hat, sowie Verbindungen zum brasilianischen Prediger und Politiker Marco Feliciano, der in seinem Land als wichtigstes Bindeglied zwischen Freikirchen und der Politik gilt und wiederholt durch rassistische und homophobe Äußerungen auffiel.

Bei einer AfD-Parteiveranstaltung im Jahr 2021 in Belm verglich Herdt die Pflicht, wegen Covid-19 eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, mit dem Judenstern im NS-Staat. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück leitete ein Prüfverfahren ein; im Raum stand demnach eine Straftat nach Paragraf 130 (Volksverhetzung) des Strafgesetzbuches.

2021 begrüßte Herdt mit seinen Parteifreunden Maximilian Krah und Petr Bystron den Putin-nahen Oligarchen Wiktor Medwedtschuk im Deutschen Bundestag. In einer russischen Propagandashow, die seit September 2022 aus Belarus sendet und von der Ehefrau des Medwedtschuk-Vertrauten Oleg Voloshyn moderiert wird, trat Herdt bislang (Stand Ende Dezember 2024) 19-mal auf.Jonas Mueller-Töwe: Propaganda-Show legt AfD-Kontakte nach Russland offen www.t-online.de, 26. Dezember 2024 Herdt kandidierte erfolglos zur Landtagswahl in Niedersachsen am 9. Oktober 2022 als Direktkandidat der AfD im Landtagswahlkreis Vechta.

Herdt trat 2024 aus der AfD aus (laut AfD im Februar 2024.) und betreibt (Stand Juli 2024) Propaganda für das Putin-Regime.t-online.de 27. Juli 2024: Früher im Bundestag, jetzt im Dienst des Kremls

Positionen Im November 2017 beantragte Herdt gemeinsam mit Roman Reusch und Norbert Kleinwächter im Bundestag die Förderung der Rückkehr syrischer Flüchtlinge, mit der Behauptung, die Sicherheitslage in großen Teilen Syriens hätte sich in den Monaten zuvor substantiell verbessert. Sie beriefen sich dabei auf die International Organization for Migration (IOM), wonach „allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017 insgesamt über 600.000 Syrer“ in ihre Heimat zurückgekehrt wären, und forderten, die Bundesregierung (Kabinett Merkel IV) solle ein Abkommen mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad schließen, damit Flüchtlinge von nun an wieder „sicher und kostenfrei“ in das Bürgerkriegsland ziehen könnten.Sechs-Punkte-Plan – Abkommen zur Förderung der Rückkehr syrischer Flüchtlinge. In: Deutscher Bundestag (Drucksache 19/48). 13. November 2017. Die IOM hatte zwar eine Meldung unter einer derartigen Überschrift veröffentlicht, doch an Stelle einer besseren Sicherheitslage beschrieb dieser das Gegenteil: 93 % dieser 600.000 Menschen hatten laut IOM Syrien gar nicht erst verlassen, sie waren innerhalb des Landes geflüchtet. Im selben Zeitraum seien zudem mehr als 800.000 Syrer vertrieben worden. 10 % der Rückkehrer hätten ein zweites Mal fliehen müssen. Der Bericht schloss, eine Heimkehr sei „nicht unbedingt freiwillig, sicher oder nachhaltig“ (englisch: „not necessarily voluntary, safe or sustainable“).Over 600.000 Displaced Syrians Returned Home in First 7 Months of 2017. In: IOM. 11. August 2017. Laut späteren IOM-Zahlen mussten zwischen Januar und Oktober 2017 sogar fast 1,5 Millionen Menschen innerhalb Syriens fliehen. Die Abgeordneten der übrigen Fraktionen reagierten mit Kopfschütteln;Birgit Schmeitzner: AfD verändert Debattenkultur. In: Bayerischer Rundfunk. 22. November 2017. sie warfen der AfD „Zynismus“ und „Taschenspielertricks“ vor.Jörg Köpke, RND: In: Göttinger Tageblatt. 28. November 2017. In der Süddeutschen Zeitung wurde die Vorstellung des Antrags mit „Alternative Fakten für Deutschland“ betitelt,Michael Bauchmüller, Kristiana Ludwig: Alternative Fakten für Deutschland . In: Süddeutsche Zeitung. 26. November 2017. der BR nahm eine veränderte Debattenkultur wahr, auch der MDR berichtete von einer neuen Streitkultur, zu der „laute und schrille Töne sowie Provokationen“ zählen würden.Cecilia Reible: In: MDR. 24. November 2017. Im Kontext seines Auftritts im russischen Fernsehen schrieb n-tv im Januar 2023: In seiner vierjährigen Zeit als Bundestagsabgeordneter für die AfD fiel Waldemar Herdt unter anderem durch antisemitische Äußerungen und religiösen Extremismus auf. Jetzt spricht der gebürtige Kasache im russischen Staatssender Rossija 1, wo er Verschwörungsmythen im Sinne des Kreml verbreitet.AfD-Politiker verbreitet Fake News im russischen TV, n-tv 24. Januar 2023

Privates Herdt ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er ist (Stand 2021) Mitglied der Pfingstgemeinde Lebensquelle in Osnabrück.

Weblinks Waldemar Herdt auf bundestag.de Waldemar Herdt auf abgeordnetenwatch.de AfD-Politiker gründet mit Lawrow neue Russland-Bewegung, t-online.de, 16. März 2023

Einzelnachweise

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