Christian Rothmann (geboren 1954 in Kędzierzyn, Polen als Krystian Adam Rotman) ist ein deutscher Maler, Fotograf und Grafiker.

Leben mini|Das Atelier von Christian Rothmann in Berlin (2022) Christian Rothmann wuchs in Kędzierzyn (Polen) auf, wo er eine behütete, aber auch entbehrungsreiche Kindheit verbrachte. Die Versorgung damals bezeichnet er als „katastrophal“.Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 412. 1965 zog die Familie als Spätaussiedler nach Deutschland, ins hessische Langen. Nach Tätigkeiten im Untertagebau, als Fotograf, in der Jugendsozialarbeit und einer kurzen Gasthörerschaft an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach 1975/76, unternahm er 1976/77 eine fast einjährige Reise quer durch Kanada, der Westküste der USA entlang bis nach Panama und wieder zurück nach Kanada. 1977 nahm er in Berlin, ein Studium der Kunsterziehung und der Arbeitslehre/Technik an der Pädagogischen Hochschule Berlin auf. Er lebte in einer Wohngemeinschaft am Checkpoint Charlie und dokumentierte die Erneuerung der Mauer durch 3,60 m hohe Segmente fotografisch.Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 415. Sein Studium finanziert er durch das Aufbauen von Einbauküchen, nachts ist er als Roadie für Musiker, unter anderem Rex Gildo tätig. 1980 wechselt Rothmann an die Hochschule der Künste Berlin, wo er 1983 das erste Staatsexamen ablegt. 1981 beteiligt er sich an Hausbesetzungen in Kreuzberg und dokumentiert die Instandsetzung fotografisch.Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 418. 1983 erhält er für ein Jahr einen Lehrauftrag für Malerei an der Hochschule der Künste und bis 1990 einen Lehrauftrag für Fotosiebdruck.Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 421. Von 1990 bis 1995 war er als Lehrbeauftragter und künstlerischer Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt Siebdruck und amerikanische Pop Art tätig. Die Leitung der Siebdruckwerkstatt wurde ihm übertragen. Bis heute ist ein vielseitiges Werk entstanden, das neben Gemälden auch langjährige Fotoprojekte, Videos und Public Art umfasst.

Zahlreiche Gastvorträge, Lehraufträge unter anderem in Greifswald und Weimar, Stipendien und Ausstellungen führten Rothmann regelmäßig auf Reisen ins In- und Ausland. Darüber hinaus war er regelmäßig auf der Insel Naxos, Griechenland, wo er in einem alten Ursulinenkloster Wohnrecht auf Lebenszeit hatte. In der Wendezeit 1989/90 absolvierte er Gastaufenthalte in Glasgow, später an der Winchester School of Art/Großbritannien; am Surikov-Institut, Moskau/Russland; am Government Charukula College, Chittagong; Institute of Fine Arts, University of Dhaka/Bangladesh; Goethe-Institut Kiew/Ukraine; The School of the Art School of Chicago, USA; Universidad de Barcelona, Faculdad de bellas artes, Spanien. Zahlreiche Reisen führten ihn nach Süd-Korea und Japan. Von 1993 bis 1997 war er freier Mitarbeiter und Fotograf für die japanische Kunstzeitschrift „atelier“ und interviewte Georg Baselitz, Helmut Middendorf, A.R. Penck, Emil Schumacher, Richard Long und Markus Lüpertz.

1990 hatte er seine erste Einzelausstellung in einem Museum (in Langen/Hessen). Der Berliner Kurator und Kunstkritiker Christoph Tannert sagte dazu: „Rothmann ist ein Vollblutmaler, einer der mit dem Pinsel singt und rührt und schmeckt. Seine Malerei ist so sinnlich, dass sie einen manchmal fast verzehrenden Zwängen aussetzt: man möchte sich hineinlegen in diese Ur-Suppe, in diesen Strudel aus Phantasie und geschmolzenem Gefühl.“Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 431. Im gleichen Jahr stellte er in der Galerie EIGEN+ART in Leipzig aus. Er arbeitete eng mit Gerd Harry Lybke zusammen.Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 432. 1995 entwarf er zwei Bühnenbilder, eines für Georgette Dee und Terry Truck an der Volksbühne Berlin, das andere für Schmidts Tivoli in Hamburg (s. Projekte). 1998 reiste er erstmals mit einem Stipendium nach Omaha/Nebraska. Seitdem bezeichnet er Omaha als zweites Zuhause. Er begegnete dort der Fotografin Vera Mercer. In den folgenden Jahren kooperierte er bei Ausstellungsprojekten zudem sehr eng mit Matthias Harder, Chefkurator der Helmut Newton Stiftung. Seit 1998 verfolgt er das globale Fotoreiseprojekt „...YOU AND ME?“, bei welchem er authentische Situationen festhält, wobei die fotografierte Person ein Porträt des Fotografen hält, darunter Passanten, Touristen und Ortsansässige. Im Laufe der Jahre gab es prominente Mitwirkende: Wim Wenders, Bazon Brock, Anita Eckberg, Jeff Koons, Gilbert & George, Tom Tykwer und viele Politiker. 2011 und 2014 begann er die partizipativen Fotoprojekte „Mothers & Daughters“ und „Liebespaare – Love Couples“.https://tagree.de/christian-rothmann-the-light-touch/, zuletzt geprüft am 18. April 2022, 22:10 Uhr.

Bei einem Großbrand im Old Market, Omaha/Nebraska wurden 71 Gemälde, 40 Papierarbeiten und 23 Fotografien von ihm zerstört. 2019 erhielt er die Anerkennung als Paul Harris Fellow, Rotary International Munich. Christian Rothmann ist seit 2014 mit Macie Largado verheiratet und lebt in Berlin.

Künstlerische Entwicklung und Rezeption Neben der Fotografie sind für Christian Rothmann die Malerei und der Siebdruck wichtigste Ausdrucksmittel. Von 1977 bis 1983 hat er eine fotorealistische Phase. Durch Aquarellieren und durch die Ölmalerei widmet er sich der Wirklichkeit. In Berlin malte er die Spuren der (Kriegs-)Zerstörung und der Nutzung und verwendete hierfür kleine Pinsel, malte mit den Fingerspitzen und aus dem Handgelenk. Im Anschluss entstanden großformatige abstrakte, dynamische Bilder, welche er mit vollem Körpereinsatz und mit verlängerten langstieligen Pinseln malt. „Landschaft in Bewegung, Wasserfälle und Federn. Schweben, Fliegen und Strudeln werden zum Thema.“Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 422. 1987 kamen Kunstaktionen im öffentlichen Raum dazu. Wim Wenders schrieb über ihn: „Christian Rothmann ist der einzige Maler, dessentwillen ich eine Vollbremsung gemacht habe. Ein BVG-Bus war mir entgegengekommen, und erst im letzten Moment, im Vorbeifahren, war mir die bemalte Seite und die gelbe Figur mit den dünnen Beinchen (oder Fühlern?) aufgefallen, die ich am Vortag schon auf einer Plakatwand unter den Yorckbrücken entdeckt und derentwegen ich ein Chaos ausgelöst hatte, indem ich im dichtesten Verkehr eine Kehrtwende machte.“Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 427. Wenders besuchte ihn im Atelier und schrieb zwei Katalogtexte für ihn. Seit 1991 hielt er sich oft in Südkorea und Japan auf. Dies erweiterte seinen Horizont im Bereich Kunst und Natur, Performance und temporäre Installationen.Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 436. 2008 Teilnahme an der Geumgang Nature Art Biennale in Südkorea. Geumgang Nature Art Biennale

Wim Wenders: „Christian Rothmann ist ein Erforscher unbekannter Farbalphabete. Er malt Atlanten von neuen Zeichen. Er steckt Landkarten ab für noch unentdeckte Gegenden voller rätselhafter Formen. Er ist ein Fremdenführer durch bislang ungesehene Bildergrammatiken. Er erfindet Spiele, für die noch keiner die Regeln kennt, aber die sofort einleuchten. Er dekliniert auf dem Papier und auf der Leinwand Farben und Formen. Er ist ein Sprachforscher der Malerei. Ich empfehle Ihnen eine Vollbremsung.“Wim Wenders in: Jürgen Ebertowski, Christian Rothmann, Color Islands, Michael Imhof Verlag: Petersberg 2022, S. 427; zuerst veröffentlicht in Lose Bande – die Ateliergemeinschaft z-Art, Kunstamt Kreuzberg 1988.

F. W. Bernstein: "Die leichte Hand. Christian Rothmann wird nicht schwer darüber. Ich beneide ihn darum."In: Christian Rothmann. Ping-Pong, Kunstamt Kreuzberg, Hochschule der Künste Berlin, 1993.

Daniela Kloock: "Es geht nicht um die dargestellten Gegenstände, sondern um ihre Wirkung, um Ihre auratische Kraft. Die mediterranen Farb- und Lichtpunkte, diese unorthodoxen Sommerbilder, voller Poesie und Leichtigkeit, wirken wie bunte, sichtbar gemachte Anti-Bazillen, nicht Krankheitserreger, sondern Gesunderreger, visuelle Energiebällchen."In: Landauf-Landab, Museum der Stadt Langen, DruckVerlag Kettler: Bönen 1998.

Einzel- und Zweipersonenausstellungen mini|Rothmann bei der Bemalung der Gasdruckregelstation des Kesselhauses in Lübeck (2017) 1990 Museum der Stadt Langen 1990 Eigen + Art, Leipzig 1990 Burganov-House, The Moscow-State-Museum 1997 Za Moca Foundation, Tokyo, Japan 1997 Plaza Gallery, Tokyo, Japan 1998 Museum der Stadt Langen 2000 Culture Ex-Change, Hong Kong - Berlin 2000 Asian Fine Arts, Berlin 2001 Bemis Center for Contemporary Arts, Omaha, USA 2002 Light Factory, Charlotte, North Carolina, USA 2008 Gal-On Gallery, Tel Aviv, Israel 2011 Portraits, Garden of the Zodiac Gallery, Omaha/NE, USA 2012 ArtThiess, München, Germany 2013 The Moving Gallery / Garden of the Zodiac, Omaha/NE, USA 2013 Mother & Daughter, Goethe-Institut, Trieste, Italien und German Embassy, Tokyo, Japan 2013 Robotnics, Galerie Jordanow, Munich, Germany 2013 Anderson O’Brien Fine Art, Omaha/NE, USA 2014 @CvH16, POSITIONS Berlin Art Fair 2014 The Moving Gallery / Garden of the Zodiac, Omaha/NE, USA 2015 POSITIONS, Galerie 20/21, München 2016 Mother & Daughter @ 966 Dunearn Road, Singapur 2017 Art Karlsruhe, Druckgrafik, Galerie 20/21 München 2017 Farbinseln, BOK Offenbach 2017 Kunst im Kesselhaus, Lübeck 2017 Kunst im Kutscherhaus, München 2018 Circles on the Move, Garden of the Zodiac, Omaha/NE, USA 2020 Kunstsalon „Dosenfisch“, München

Gruppenausstellungen 1984 Städtisches Museum, Gelsenkirchen 1989 WASPS Gallery, Glasgow / Großbritannien 1990 „Altar, Geist und Körper“, Museum für Dt. Geschichte, Berlin 1990 V. Triennale, Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt / Leipzig 1991 „Vier + Four“, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 1991 Kunsthalle Kong-Ju, Kunsthalle Tae’chon, Süd-Korea 1992 „Kunst und Norm“, Deutsches Institut für Normung (DIN), Berlin 1992 „Artists and Environment“, Shilpakala Academy, Dhaka, Bangladesh 1992 „Com - Art - Show“, Süd-Korea 1993 „Alive and Printing“, McLellan Galleries, Glasgow, Großbritannien 1993 „Nature - Art - Network“, Gallery Lunami, Tokyo, Japan 1993 Za Moca Sebu-kodo, Kyoto, Japan 1993 „A Barrel of Whisky“, Kyoni Gallery, Tokyo 1994 „The Present Order“, Kunsthalle Elsterpark, Leipzig 1995 Kunsthalle Kong-Ju, Kunsthalle Tae’chon, Süd-Korea 1997 Tannan Art Festival, Fukui, Japan 1998 Last Night Auktion, Deutsche Guggenheim, Berlin 1998 „Fragments - Renga“, Galerie Où, Osaka; Street Gallery, Kobe 1998 Gallery Art Works, Mishima, Shizuoka, Japan 1998 The Performance Space, Sydney, Australien 1998 Noosa Regional Gallery, Queensland, Australien 1998 „12 Fotografen“, empty rooms, Berlin 1998 Bemis Center for Contemporary Arts, Omaha, NE, USA 1998 „White Asia“, Asian Fine Arts Factory, Berlin 1999 „Puschkin und Goethe“; Haus der Russ. Föderation, Berlin 1999 „Allegorien der Materie“, Larissa Contemporary Art Centre/ 1999 „Body and Urbanism“, Tirana / Albanien 2000 „Shadows of Desire“, Plaza Gallery, Tokyo / Japan 2000 „Shadows of Desire“, Kulturbrauerei, Berlin 2001 „Portrait: Berlin“, Plaza Gallery, Tokyo / Japan 2002 „Portrait: Berlin“, Fotoforum Bozen / Italien 2003 „Portrait: Berlin“, Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt 2005 „Premio di fotografia contemporanea Omaggio a Federico Vender“, 2005 Palazzo dei Panni, Arco, Italien 2005 „Look!“, Six photographic positions, Berliner Kunstprojekt, Berlin 2006 Building a Legacy, Bemis Center for Contemporary Arts, Omaha/NE, USA