Albert Wilhelm Alexander Riesle (* 4. Mai 1908 in Hannover; † 14. November 2001 in TaunussteinSterberegister des Standesamtes Taunusstein Nr. 103/2001.) war ein deutscher SS-Hauptsturmführer und verurteilter Kriegsverbrecher.

Leben Riesle war der Sohn eines Uhrmachers Robert Riesle. Er besuchte zunächst die Volksschule, dann eine Mittelschule, die er mit der mittleren Reife 1925 verließ.C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 20. Nach einer bald abgebrochenen kaufmännischen Lehre ging er zunächst auf eine Privatschule und wechselte dann auf eine Oberrealschule in Hannover über, an der er 1930 die Reifeprüfung bestand. Riesle trat als kaufmännischer Lehrling in eine Grossdruckerei in Hannover ein. Nach Beendigung der 2½ jährigen Lehre war Riesle in dieser Firma bis Ende Juni 1939 tätig, zunächst als kaufmännischer Angestellter, ab Oktober 1933 als kaufmännischer Abteilungsleiter.

Er kam bereits als Jugendlicher mit dem Nationalsozialismus in Kontakt und trat zum 1. März 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.512.474).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34970835 Dort konnte er bis zum Betriebszellenleiter aufsteigen; Von Mai 1933 bis Mai 1934 war er Mitglied der SA. Am 1. Juli 1939 wurde Riesle bei der Kriminalpolizei in Hannover angestellt.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion gehörte er ab September 1941 dem Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C unter Paul Blobel an. Das Kommando führte zahlreiche Massenermordungen an Juden, Kommunisten und anderen Personengruppen durch. So wurden u. a. Ende September 1941 im Raum Kiew beim Massaker von Babyn Jar 33.771 Juden ermordet.Anklage gegen Einsatzgruppe C, Anklagepunkt (H). In: Trials of War Criminals Before the Nuernberg Military Tribunals Under Control Council Law No. 10. Vol. IV. District of Columbia 1950, S. 19. Dieser Anklagepunkt stützt sich als Beweisstück u. a. auf den Tätigkeits- und Lagebericht der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der UdSSR Nr. 101 vom 2. Oktober 1941. In: Yitzhak Arad (Hrsg.): The Einsatzgruppen Reports. New York 1989, S. 168. Riesle gehörte mit Unterbrechungen bis Herbst 1942 dem Sonderkommando an. Sein letzter Kommandeur bei dieser Einheit war SS-Standartenführer Eugen Steimle, Riesle war zuletzt SS-Hauptsturmführer. Bis zum Kriegsende war Riesle bei der Kripostelle Karlsruhe, Kriminalabteilung Mannheim tätig.C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 21.

Nach dem Kriegsende 1945 tauchte Riesle als Bernd Claasen in seiner Heimatstadt Hannover unter und betrieb im Jahr 1950 in Wiesbaden ein Taxiunternehmen.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 498

Riesle wurde Mitte der 1960er Jahre von der Staatsanwaltschaft aufgespürt. Am 11. August 1966 wurde Riesle festgenommen und am 12. August 1966 mit dem Vollzug der Untersuchungshaft verschont. Am 29. November 1968 wurde Riesle im Callsen-Prozess zu 4 Jahren Zuchthaus wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Das Urteil wurde im Revisionsverfahren am 5. April 1973 durch den Bundesgerichtshof bestätigt. Am 26. Juni 1975 trat er seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Butzbach an. Am 1. März 1978 wurde er aus der Haft entlassen.

Literatur Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich – Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main, 2. Auflage: Juni 2007. Christiaan F. Rüter (Hrsg.): Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1999, Bd. XXXI, Amsterdam: University Press, 2003, ISBN 978-90-5356-549-0 Yitzhak Arad (Hrsg.): The Einsatzgruppen reports : Selections from the dispatches of the Nazi Death Squads' campaign against the Jews, July 1941 – January 1943. Holocaust Library, New York 1989, ISBN 0-89604-057-7.

Einzelnachweise

Kategorie:Verurteilte Person (NS-Kriegsverbrechen) Kategorie:Person der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Kategorie:Kriminalpolizist (Deutsches Reich) Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 2001 Kategorie:Mann