Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 14 7 5 26 2 10 13 7 30 3 9 15 13 37 4 9 8 6 23 5 6 6 2 14 6 6 – 3 9 7 5 2 5 12 8 5 2 4 11 9 4 6 7 17 10 4 1 3 8 Vollständiger Medaillenspiegel

Die Olympischen Winterspiele 2010 (auch XXI. Olympische Winterspiele genannt) wurden vom 12. bis 28. Februar 2010 in Vancouver, der größten Stadt der kanadischen Provinz British Columbia, ausgetragen. Verschiedene Wettkämpfe fanden auch im Wintersportort Whistler sowie in den Vororten Richmond und West Vancouver statt. Sowohl die Olympischen Winterspiele als auch die daran anschließenden Winter-Paralympics wurden vom Vancouver Organizing Committee (VANOC) organisiert. Kanada war 2010 zum dritten Mal Gastgeber von Olympischen Spielen, nach den Sommerspielen 1976 in Montreal und den Winterspielen 1988 in Calgary. Bereits 1976 hatte sich Whistler, wo die meisten Wettkämpfe in den Schneesportarten stattfanden, erfolglos um die Ausrichtung beworben.

Wahl des Austragungsortes mini|Logo der Kandidatur In der innerkanadischen Ausscheidung des Canadian Olympic Committee setzte sich Vancouver gegen Calgary (das eine zweite Austragung nach 1988 anstrebte) und Québec (das mit der Kandidatur für die Winterspiele 2002 gescheitert war) durch. Nachdem ein Bestechungsskandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 nach Salt Lake City aufgeflogen war, führte das Internationale Olympische Komitee (IOC) 1999 ein neues Auswahlverfahren ein, das bedeutend mehr Wert auf die technischen Aspekte einer Kandidatur legt und Korruption unterbinden soll. Seither prüft ein Evaluationsausschuss die einzelnen Bewerbungen und nimmt eine Vorselektion vor. Olympische Charta. Internationales Olympisches Komitee, 2007, S. 73–74.

Andere Kandidatenstädte waren Pyeongchang in Südkorea und Salzburg in Österreich. Bern in der Schweiz zog seine Kandidatur zurück, nachdem sich die Bevölkerung in einem Referendum zu 80 % gegen die Ausrichtung der Spiele ausgesprochen hatte. Zuvor hatte die Evaluationskommission des IOC bereits die Bewerbungen von Andorra la Vella in Andorra, Harbin in der Volksrepublik China, Jaca in Spanien und Sarajevo in Bosnien und Herzegowina, wo bereits die Olympischen Winterspiele 1984 stattfanden, nicht zugelassen. Anlässlich des 115. IOC-Kongresses, der in Prag stattfand, wählten die IOC-Mitglieder Vancouver am 2. Juli 2003 in der zweiten Runde. Bereits im Februar desselben Jahres hatte in Vancouver eine Volksabstimmung stattgefunden; 64 % stimmten damals für die Ausrichtung Olympischer Spiele. Wahlresultate Stadt Land 1. Runde 2. Runde Vancouver 40 56 Pyeongchang 51 53 Salzburg 16 –

Logo, Maskottchen und Motto Das 2005 entworfene Logo der Spiele stellt einen Inuksuk dar und trägt den Namen Ilaanaq (Inuktitut für „Freund“). Ein ähnlicher Inuksuk befindet sich seit der Expo 86 am Strand von English Bay in Vancouver.

Die offiziellen Maskottchen heißen Miga (ein mythischer Seebär, teils Orca, teils Kermodebär), Quatchi (ein Bigfoot) und Sumi (ein Fabelwesen mit den Flügeln eines Donnervogels (englisch: thunderbird) und den Beinen eines Schwarzbären). Als zusätzlicher Werbeträger kommt Mukmuk (Vancouver-Murmeltier) als Plüschtier in den Verkauf. Die Maskottchen sind traditionellen Kreaturen der First Nations nachempfunden.

Das Motto dieser Olympischen Winterspiele thematisiert die offizielle Zweisprachigkeit Kanadas. Es wurden zwei Auszüge aus der kanadischen Nationalhymne O Canada gewählt: Das englischsprachige Motto lautet „With glowing hearts“ (deutsch: „Mit glühenden Herzen“) und das französischsprachige Motto „Des plus brillants exploits“ (deutsch: „Außergewöhnlichste Leistungen“).

Fackellauf mini|hochkant|Arnold Schwarzenegger trug die Fackel am 12. Februar 2010 in Vancouver Nach der Entzündung der olympischen Flamme am 22. Oktober 2009 in Olympia begann der Fackellauf am 30. Oktober 2009 von der Provinzhauptstadt Victoria auf Vancouver Island aus durch ganz Kanada.Eine interaktive Karte zum Fackellauf findet sich . Sie legte dabei 45.000 Kilometer zurück. Zuerst ging es in nördlicher Richtung durch die drei Territorien in der kanadischen Arktis. Bei der Inselgruppe Haida Gwai wurde sie von den Haida in einem traditionellen Kanu transportiert. Den nördlichsten Ort im Yukon erreichte die Fackel am 4. November in Old Crow, als sie mit einer Boeing 737 eingeflogen wurde. Ab St. John’s (Neufundland) wurden die zehn Provinzen in Ost-West-Richtung durchquert. Dabei wurden 118 traditionelle Gebiete der First Nations (Indianer) durchquert. Die Ankunft in Vancouver erfolgte am 11. Februar 2010.

Es wurde mit rund 12.000 Fackelträgern gerechnet, die zu Fuß, auf Hundeschlitten, auf Schneemobilen, zu Pferd, in Flugzeugen und mit anderen Fortbewegungsmitteln unterwegs waren. Allerdings musste die Route aufgrund von Protesten in Reservaten der Irokesen, genauer der Oneida of the Thames bei London, geändert werden.Martha Worboy: Canwest News Service, 22. Dezember 2009. Andere Gruppen entschieden sich, Olympische Spiele und Kritik an der Indianerpolitik ihrer jeweiligen Provinz nicht zu vermischen, sondern feierten, wie die Aamjiwnaang First Nation in Ontario, die Ankunft der Fackel.

Wettkampfstätten mini|Karte der Wettkampfstätten Im Austragungsort selbst wurden die Wettbewerbe in den Sportarten Eishockey, Shorttrack, Curling und Eiskunstlauf in insgesamt vier Hallen ausgetragen. Im südlich angrenzenden Vorort Richmond fanden die Wettbewerbe der Eisschnellläufer, im 20 Kilometer entfernten West Vancouver jene der Ski-Freestyler und Snowboarder statt. Im 125 Kilometer von Vancouver entfernten Whistler wurden die alpinen und nordischen Skiwettbewerbe ausgetragen, ebenso die Wettbewerbe in den Sportarten Biathlon, Bob, Rodeln und Skeleton.

mini|Das olympische Dorf in Vancouver Es gab zwei olympische Dörfer, am False Creek lag das olympische Dorf in Vancouver und das andere in Whistler. Medienzentrum war das Vancouver Convention & Exhibition Centre. Das überdachte BC Place Stadium war Austragungsort der Eröffnungs- und der Schlussfeier, womit diese Zeremonien erstmals überhaupt nicht unter freiem Himmel stattfanden.

Vancouver BC Place Stadium – Eröffnungs- und Schlussfeier, Siegerehrungen Canada Hockey Place – Eishockey Pacific Coliseum – Eiskunstlauf, Shorttrack Hillcrest Park – Curling UBC Thunderbird Arena – Eishockey

Richmond Richmond Olympic Oval – Eisschnelllauf

West Vancouver Cypress Mountain – Freestyle-Skiing, Snowboard

Whistler Whistler Creekside – Ski Alpin Callaghan Valley: Whistler Olympic Park – Biathlon, Skilanglauf, Nordische Kombination Whistler Olympic Park Ski Jumps – Skispringen, Nordische Kombination Whistler Sliding Centre – Bob, Rodeln, Skeleton

Teilnehmer mini|Die an den Winterspielen 2010 teilnehmenden Staaten sind grün gekennzeichnetEs haben sich Athleten aus 82 Nationen für die Olympischen Winterspiele in Vancouver qualifiziert. Damit waren zwei Nationen mehr vertreten als noch bei den vorigen Winterspielen in Turin. Europa (1825 Athleten aus 47 Nationen) (1) (6) (4) (2) (50) (9) (5) (19) (18) (153) (30) (95) (108) (8) (7) (52) (6) (4) (3) (109) (18) (59) (6) (8) (4) (7) (6) * (1) (34) (99) (81) (50) (1) (29) (177) (1) (106) (146) * (10) (73) (50) (18) (92) (5) (47) (16) (2) Amerika (447 Athleten aus 11 Nationen) (7) (1) (5) (1) (3) (1) (206) * (1) (1) * (3) (215) Asien (293 Athleten aus 16 Nationen) (90) (1) (1) (3) (4) (94) (38) (2) (2) (46) (3) (2) (2) * (1) (1) (3) Ozeanien (56 Athleten aus 2 Nationen) (40) (16) Afrika (7 Athleten aus 6 Nationen) (1) (1) * (1) (1) (1) (2) (Anzahl der Athleten) * erstmalige Teilnahme an Winterspielen

Zeremonien Eröffnungsfeier mini|Empfang durch die vier First Nations Die Eröffnungsfeier der XXI. Olympischen Winterspiele fand am Abend des 12. Februar 2010 im überdachten BC Place Stadium in Vancouver statt. Produzent und künstlerischer Direktor der Eröffnungsfeier war der Australier David Atkins, der schon die Eröffnungs- und Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney und die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie der 15. Asian Games 2006 in Doha mit seiner Firma David Atkins Enterprise (DAE) verantwortet hatte.

Vor Beginn verkündete die Hallensprecherin, dass die Feier im Gedenken an den wenige Stunden zuvor tödlich verunglückten Rennrodler Nodar Kumaritaschwili aus Georgien stünde. Es folgte ein Einspielfilm, in dem ein Snowboarder aus den Bergen nahe Vancouver hinunter Richtung Stadt fährt. Am Ende springt der Snowboarder durch die olympischen Ringe in der Halle. Daran schloss sich die Begrüßung des IOC-Präsidenten Jacques Rogge und der Generalgouverneurin Michaëlle Jean sowie der Einzug der kanadischen Fahne in das Stadion an. Die Flagge wurde gehisst, während die Sängerin Nikki Yanofsky die kanadische Nationalhymne sang. Es folgte der Einzug der Chiefs der vier an der Austragung der Spiele beteiligten First Nations in die Halle. Vier Willkommens-Totems erschienen in der Mitte der Halle, um die herum indianische Tänze und Gesänge dargeboten wurden, die an traditionelle Feste bei großen Zusammenkünften erinnerten (Potlatch). Dabei sprachen die vier Gastgebernationen Squamish, Musqueam, Lil’wat und Tsleil-Waututh Begrüßungsworte in ihren Sprachen. Die ersten beiden Stämme repräsentierten dabei die Kultur der Küsten-Salish und ihre Geschichte, eine von Fischerei und monumentalen Schnitzwerken geprägte Kultur der Pazifischen Nordwestküste, die letzteren die der Binnen-Salish, die stärker von Jagd und Reiternomadismus geprägt ist.

mini|Nelly Furtado und Bryan Adams mini|Einmarsch der kanadischen Sportler Es folgte der Einmarsch der teilnehmenden Nationen, der früher als gewöhnlich stattfand. Traditionell eröffnete die griechische Mannschaft diesen Programmpunkt. Als die georgischen Sportler die Halle betraten, erhoben sich die Zuschauer, um ihre Trauer und Anteilnahme zu zeigen. Fahnenträger der deutschen Mannschaft war Bobpilot André Lange, für Österreich waren es Andreas und Wolfgang Linger (es war ein Wunsch von Andreas Linger gewesen, dass diese Ehre auch seinem Partner, mit dem er in Turin zur Goldmedaille gefahren war, zuteilwird), für die Schweiz war es Eiskunstläufer Stéphane Lambiel und für das Gastgeberland Clara Hughes. Nach dem Einmarsch sangen Bryan Adams und Nelly Furtado gemeinsam Bang the Drum, woran sich die Zuschauer mit dem Schlagen von Trommeln beteiligten. Es folgte ein unter dem Leitmotiv landscape of a dream stehender Showteil, (www.vancouver2010.com). der stark von der indianischen Vergangenheit und Geschichte Kanadas geprägt war. Dargestellt wurden unter anderem ein schwebender Kermodebär, die von den Indianern verehrten Sternbilder der vier Himmelsrichtungen sowie die Meeresfauna mit insbesondere den Walen und Lachsen. Zu einem Lied von Sarah McLachlan trat das Alberta Ballet auf. Ein weiterer musikalischer Beitrag beinhaltete Violinenspiel und Stepptanz während des Indian Summers in Ostkanada. Der kanadische Schauspieler Donald Sutherland zitierte anschließend aus „Who Has Seen the Wind“, einem Roman von W.O. Mitchell, der von einem Jungen, der kanadischen Prärie und dem Wind erzählt. Zum Song „Both Sides, Now“ von Joni Mitchell schwebte Thomas Saulgrain, ein Ensemblemitglied der nationalen Zirkusschule Montreal, über die symbolisierte Prärie. Eine Darstellung der Rocky Mountains schloss sich an: An den nachempfundenen Bergen, auf die Sportbilder projiziert wurden, schwebten Darsteller entlang, die die olympischen Wintersportarten imitierten. Das Ende des Showteils markierte ein Slam-Poet, der den Charakter Kanadas einzufangen versuchte.