mini|Bauernhaus in Großdingharting
Der Landkreis München ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () und der bevölkerungsreichste Landkreis im Freistaat Bayern. Er liegt in der Mitte des Regierungsbezirks Oberbayern und umschließt im Norden, Osten und Süden die Landeshauptstadt München. Die bevölkerungsreichste Kommune des Landkreises ist die Stadt Unterschleißheim.
Verwaltungssitz des Landratsamtes München ist die Landeshauptstadt München, die selbst kreisfrei und daher nicht Teil des Landkreises ist. München ist die größte Stadt Deutschlands, die Verwaltungssitz eines Landkreises ist. Der Landkreis ist von Beginn an ein typischer Kragenkreis, also ein Landkreis, der die Metropole umschließt und daher einen großen Teil des Speckgürtels der Metropole umfasst.
Geographie Lage Der Landkreis liegt im Wesentlichen in der Münchner Schotterebene, die im Süden vom Hochufer der Isar durchschnitten wird. Der höchste Punkt des Kreisgebiets liegt mit 703 m bei Zell in der Gemeinde Schäftlarn, der niedrigste Punkt mit 471 m bei Unterschleißheim.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Dachau, Freising, Erding, Ebersberg, Rosenheim, Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Starnberg und Fürstenfeldbruck.
Geschichte Stadt- und Landgerichte Auf dem Gebiet des heutigen Landkreises München wurde 1803 das Landgericht München gebildet. Es war für das Münchner Umland zuständig. Für das Stadtgebiet gab es ab 1804 das Stadtgericht München. Ab 1809 wurde München zur kreisunmittelbaren Stadt mit einem eigenen Polizeidirektor. Stadt- und Landgericht München gehörten zum Isarkreis, der 1838 in Oberbayern umbenannt wurde. Bereits 1831 wurde das Landgericht München aufgeteilt. Es entstand das neue Landgericht Au. Nach der Eingemeindung von Au, Giesing und Haidhausen in die Stadt München am 1. Oktober 1854 wurde für die neuen Stadtteile das „Stadtgericht München rechts der Isar“ geschaffen, aus dem bisherigen Stadtgericht München wurde das „Stadtgericht München links der Isar“. Gleichzeitig fand eine Umorganisation der Landgerichte des Umlandes statt: Aus dem Landgericht München wurde das „Landgericht München links der Isar“ und aus den Restgemeinden des bisherigen Landgerichts Au das „Landgericht München rechts der Isar“.
Bezirksämter Aus diesen beiden Landgerichten gingen 1862 bei Trennung von Verwaltung und Justiz die gleichnamigen Bezirksämter hervor. Dabei wurden dem Bezirksamt München links der Isar auch das Landgericht Starnberg und dem Bezirksamt München rechts der Isar das Landgericht Wolfratshausen zugeteilt. Am 1. Januar 1864 wurde Ramersdorf nach München eingemeindet und am 1. Januar 1877 Sendling.
Die Bezirksämter München links der Isar und München rechts der Isar wurden am 1. Januar 1880 aufgelöst und zwei neue Bezirksämter errichtet: München I umfasste den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes München II und München II umfasste die Zuständigkeitsbereiche der Amtsgerichte Starnberg und Wolfratshausen. In der Folgezeit gab das Bezirksamt München I weitere Gemeinden an die Stadt München ab; am 1. Januar 1890 Neuhausen, am 20. November 1890 die Stadt Schwabing, am 1. Januar 1892 Bogenhausen, am 1. Januar 1899 Nymphenburg sowie am 1. Januar 1900 Laim und Thalkirchen.
Am 1. Oktober 1902 wurde das Bezirksamt München II aufgelöst und in die beiden neuen Bezirksämter Starnberg und Wolfratshausen aufgeteilt. Gleichzeitig wurde das Bezirksamt München I in Bezirksamt München umbenannt.
Am 1. Januar 1912 wurde die bis dahin zum Bezirksamt München gehörende Gemeinde Forstenried in die Stadt München eingegliedert. Am 1. April 1913 kam Milbertshofen hinzu. Berg am Laim, Moosach und Oberföhring folgten am 1. Juli 1913. Am 1. Januar 1930 wurden Daglfing und Perlach in die Landeshauptstadt eingegliedert. Am 1. Oktober 1931 kam noch die Gemeinde Freimann hinzu, am 1. April 1932 auch Trudering. Am 1. April 1938 wurden Feldmoching, Großhadern sowie die Stadt Pasing der Landeshauptstadt zugesprochen und am 1. Dezember 1938 folgten Allach, Ludwigsfeld, Obermenzing, Solln sowie Untermenzing.
Landkreis Am 1. Januar 1939 wurde im Deutschen Reich einheitlich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurde aus dem Bezirksamt München der Landkreis München.
Am 1. April 1942 wurden die Gemeinden Aubing und Langwied vom Landkreis München abgetrennt und der Stadt München eingemeindet.
Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde der Landkreis am 1. Juli 1972 vergrößert. Aus dem aufgelösten Landkreis Wolfratshausen kamen die acht Gemeinden Arget (heute zur Gemeinde Sauerlach), Baierbrunn, Dingharting (1978 zu Straßlach), Eichenhausen (heute zu Sauerlach), Oberbiberg (heute zu Oberhaching), Sauerlach, Schäftlarn und Straßlach (heute Straßlach-Dingharting) sowie das gemeindefreie Gebiet Deisenhofener Forst-Süd (heute zu Oberhaching) zum Landkreis hinzu und aus dem aufgelösten Landkreis Bad Aibling die Gemeinde Helfendorf (heute zu Aying) sowie das gemeindefreie Gebiet Hofoldinger Forst-Süd.Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971. Der Landkreis erreichte damit seine heutige Ausdehnung.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung im Landkreis München seit 1840 mini|hochkant|Bevölkerungspyramide für den Landkreis München (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis München, Alter und Geschlecht.)
Von 1987 bis 2016 gewann der Landkreis München über 90.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um rund 37 %. Seit 1970 hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987:
+ Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 12.393 20.521 59.377 96.475 123.369 168.336 249.784 271.615 279.007 295.247 309.080 323.015 340.003 349.685 353.994
Konfessionsstatistik Früher war eine Mehrheit der Einwohner katholisch. Nach 1945 sank der Katholiken-Anteil durch Zuzüge (zum Beispiel Zuzug zahlreicher Heimatvertriebener in den Nachkriegsjahren und Zuzug von Gastarbeitern ab 1960). Laut dem Zensus 2011 waren 42,7 % der Einwohner römisch-katholisch, 16,5 % evangelisch und 40,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Die Zahl der Katholiken und Protestanten sank auch durch zahlreiche Kirchenaustritte., Zensus 2011. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand 2022) 33,0 % der Einwohner katholisch, 12,4 % evangelisch und 54,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 18. Juli 2024.
Es gab (Stand 2017) im Landkreis 47 katholische Pfarreien. Drei davon waren eigenständige Pfarreien (St. Nikolaus in Neuried, St. Severin von Noricum in Garching und St. Laurentius in Großdingharting); die übrigen 44 sind in 19 Pfarrverbänden unterschiedlicher Größe organisiert.merkur.de Der größte dieser Pfarrverbände, Vier Brunnen Ottobrunn, hat sieben Pfarreien.www.pv4brunnen.de
Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis:
Parteien und Wählergemeinschaften2026 2020 2014 2008 2002 1996%Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern38,127 36,6 26 41,5 29 39,7 28 46,1 33 41,8 30 Grüne Grüne Bayern20,715 26,1 19 16,0 11 13,8 10 9,6 7 10,5 7 SPD SPD Bayern13,09 13,2 9 23,5 16 24,9 18 26,6 19 27,0 19 AfD AfD Bayern8,46 4,6 3 – – – – – – – – FW Freie Wähler Bayern5,64 10,4 7 11,5 8 11,3 8 – – – – FDP FDP Bayern3,93 4,3 3 4,9 4 7,9 5 4,9 3 4,8 3 Linke Die Linke Bayern3,52 1,8 1 – – – – – – – –UBMLUnabhängige Bürgergemeinschaft München-Land3,12––––––––––JUJunge Union1,91–––––––––– ÖDP Ökologisch–Demokratische Partei1,71 3,0 2 2,5 2 2,4 1 1,8 1 2,6 2 FW/Pf/BV Freie Wähler Bayern/Parteifreie/Bürgervereinigung–– – – – – – – 9,7 7 11,0 8 REP Die Republikaner–– – – – – – – – – 2,3 1 gesamt99,970 100,0 70 99,9 70 100,0 70 98,7 70 100,0 70 Wahlbeteiligung63,3 % 59,8 % 53,8 % 58,4 % 60,4 % 65,6 %
Landräte
Landrat des Landkreises München ist seit dem 1. Mai 2014 Christoph Göbel (CSU). Er setzte sich 2020 mit 64,1 Prozent gegen den Kandidaten der Grünen, Christoph Nadler, in der Stichwahl durch.
Landtags- und Bundestagsabgeordnete Bayerischer Landtag Der Landkreis München ist in zwei Stimmkreisbezirke unterteilt.
Der direkt gewählte Landtagsabgeordnete im Stimmkreis München-Land-Nord ist Maximilian Böltl (CSU). Die direkt gewählte Landtagsabgeordnete im Stimmkreis München-Land-Süd ist Kerstin Schreyer (CSU).
Außerdem wurden aus dem Landkreis München in den Landtag gewählt: Markus Büchler für Bündnis 90/Die Grünen Claudia Köhler für Bündnis 90/Die Grünen Nikolaus Kraus für die Freien Wähler
Deutscher Bundestag Der Landkreis München ist dem Bundestagswahlkreis München-Land zugewiesen (seit 2017 deckungsgleich mit dem Landkreis München).
Direkt gewählter Abgeordneter für den Deutschen Bundestag ist Florian Hahn (CSU). Über die Landesliste zogen Anton Hofreiter (Grüne) und Gerold Otten (AfD) in den Deutschen Bundestag ein.
mini|180x180px|Grenztafel des Landkreises München
Wappen
Wirtschaft, Wissenschaft, Infrastruktur Im sogenannten „Zukunftsatlas“ aus dem Jahr 2016 belegte der Landkreis München Platz 1 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Landkreisen mit „Top Zukunftschancen“.
Wirtschaftliche Schwerpunkte Die Gemeinden Unterföhring und Ismaning im Nordosten des Landkreises zählen zu den wichtigsten Medienstandorten Deutschlands. Neben dem Bayerischen Rundfunk, der hier ein Fernsehstudio und den Sender Ismaning betreibt, haben sich auch private Medienunternehmen wie ProSiebenSat.1 Media, Sky Deutschland, Sport1 Medien und Home Shopping Europe angesiedelt.
Das Max-Planck-Institut für Biochemie und das 2023 im Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz aufgegangene Max-Planck-Institut für Neurobiologie (beide im Planegger Ortsteil Martinsried) haben zahlreiche Ansiedelungen und Neugründungen von Biotech- und Pharmaunternehmen nach Planegg gezogen. In unmittelbarer Nähe zu den beiden Forschungseinrichtungen entstand ab 1995 auf Betreiben des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Technologie das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB), welches Labor- und Büroflächen für Biotechnologie-Start-ups zur Verfügung stellt und erfolgreiche Gründungen wie Morphosys und Medigene beherbergte.
Im großen Gewerbegebiet Garching-Hochbrück unterhalten u. a. Voith Turbo, Zeppelin Baumaschinen mit Caterpillar, Suss Microtec, M. Braun Inertgas-Systeme und BMW Standorte. Es gibt einige Ausgründungen aus dem Hochschul- und Forschungszentrum Garching.
Börsennotierte Unternehmen mit Sitz im Landkreis DAX Infineon, Neubiberg
MDAX Hensoldt, Taufkirchen
SDAX Adtran Networks, Planegg Deutsche Pfandbriefbank, Garching Dermapharm, Grünwald ProSiebenSat.1 Media, Unterföhring SFC Energy, Brunnthal Sixt, Pullach Suss Microtec, Garching
Wissenschaft Das Hochschul- und Forschungszentrum in Garching ist der größte Campus der Technischen Universität München und Sitz vieler universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. In der Gemeinde Neubiberg befindet sich die Universität der Bundeswehr München. Wichtiger Forschungs- und Technologiestandort ist auch Taufkirchen, wo am Ludwig Bölkow Campus die Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München angesiedelt ist. In Planegg liegt der biowissenschaftliche Campus Martinsried, der zusammen mit der Fakultät für Chemie und Pharmazie sowie dem Genzentrum und dem LMU Klinikum im angrenzenden Münchner Stadtteil Großhadern einen der größten Standorte der Ludwig-Maximilians-Universität München bildet.
Verkehrsgeschichte Eisenbahn mini|Münchner S-Bahnlinie S7 zwischen Hohenbrunn und Wächterhof