Roy Stewart Moore (Aussprache: 8. August 2017: Wahlwerbespot von Roy Moore, abgerufen am 12. November 2017, * 11. Februar 1947 in Gadsden, Alabama) ist ein amerikanischer Jurist und früherer Richter am Alabama Supreme Court; er ist Veteran des Vietnamkriegs und war zeitweise professioneller Kickboxer.badische-zeitung.de, 11. Dezember 2017:
Berufliche Laufbahn Als oberster Richter Alabamas wurde Moore zweimal durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Supreme Court) in Washington, D.C. seines Amtes enthoben: 2003 hatte er im Obersten Gerichtshof Alabamas einen tonnenschweren Granitblock mit einer Gravur der Zehn Gebote der Bibel aufstellen lassen, um seine Überzeugung auszudrücken, dass Staat und Religion nicht getrennt sein dürften und christlicher Glaube Vorrang vor säkularer Rechtspflege habe. Später fuhr er mit dem Granitwürfel auf einem Tieflader (im Volksmund Roy’s Rock, „Roys Felsen“) vor Kirchen und Supermärkten vor.
Vor der zweiten Entlassung als oberster Richter Alabamas hatte er ein Urteil des Supreme Court ignoriert, nach dem gleichgeschlechtliche Ehepartner nicht benachteiligt werden dürfen (zu seiner Haltung gegenüber der LGBT-Community siehe unten).
Kontroverse politische Ansichten Moore vertritt seit Jahren radikale politische Ansichten.Washington Post 9. November 2017: A list of the many righteous things Roy Moore has said about sex and morality, abgerufen am 19. November 2017. Kritiker bezeichneten Moore wegen seiner oft religiös begründeten Positionen als „Ajatollah von Alabama“;Fox News 18. November 2017: Roy Moore's sexual assault allegations cloud Alabama special Senate election, abgerufen am 19. November 2017.New York Magazine 3. Oktober 2017: Democrats Have a Real Chance to Beat Roy Moore — They Should Take It, abgerufen am 19. November 2017.Chicago Tribune 19. November 2017: Not going to miss the Ayatollah of Alabama': State's chief justice removed in gay-marriage dispute, abgerufen am 19. November 2017. seinen demokratischen Gegenkandidaten Doug Jones bei den Senatsnachwahlen im Dezember 2017 in Alabama bezeichnet er als „Abortion-Jones“ (Abtreibungs-Jones), da dieser die bundesstaatlichen Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen nicht verändern will.mini|Roy Moores Granitblock mit den Zehn Geboten der Bibel: Laws of Nature and of Nature’s God („Die Gesetze der Natur und des Gottes der Natur“, August 2003, im Alabama Supreme Court-Gebäude)|alternativtext=|linksIn einem Interview mit einem konservativen US-Radiomoderator aus dem Jahr 2011 äußerte er die Ansicht, dass mit einer Aufhebung aller Zusätze zur Verfassung der Vereinigten Staaten, die nach der Bill of Rights verabschiedet wurden, „viele Probleme gelöst“ würden. Kommentare in den Medien wiesen darauf hin, dass dadurch auch die Abschaffung der Sklaverei (13. Verfassungszusatz) und die Einführung des Frauenwahlrechts (19. Verfassungszusatz) rückgängig gemacht würde.CNN 12. Dezember 2017: Roy Moore in 2011: Getting rid of amendments after 10th would eliminate many problems, abgerufen am 12. Dezember 2017.Vox 12. Dezember 2017: Roy Moore was once again caught making remarks that can be interpreted as okay with slavery, abgerufen am 12. Dezember 2017.
Anfang 2017 erklärte er, die Terroranschläge am 11. September 2001 seien möglicherweise die Strafe für eine Entfremdung der Vereinigten Staaten von Gott, etwa durch das Zulassen von „Sodomy“ und Abtreibungen.Andrew Kaczynski, Nathan McDermott: Senate candidate Roy Moore this year suggested 9/11 might have been punishment for US turning away from God. In: CNN.com, 14. September 2017 (englisch). Nach seinem Sieg bei den Vorwahlen warb Moore dafür, den säkularen Rechtsstaat abzuschaffen und stattdessen „Gottes Gesetz“ als einzig gültiges Recht zu etablieren.Trumps Parteifreund will „Gottes Gesetz“ etablieren. In: FAZ.net, 27. September 2017. Im Jahr 2006 äußerte er in einem Leitartikel die Ansicht, der neu gewählte Kongressabgeordnete Keith Ellison dürfe aufgrund seines muslimischen Glaubens nicht in sein Amt eingeschworen werden. Außerdem sei er überzeugt, der ehemalige Präsident Barack Obama sei nicht in den USA geboren.Politico 27. September 2017: The 7 most inflammatory things Roy Moore has said, abgerufen am 15. November 2017. Er lehnt eigenen Angaben zufolge die Evolutionstheorie ab.Washington Post 21. September 2017: Roy Moore disrupts U.S. Senate race in Alabama, abgerufen am 19. November 2017.
Bei einer Veranstaltung im September 2017 beantwortete er die Frage, wann Amerika zum letzten Mal „großartig“ gewesen sei mit dem Satz: „Ich denke, dass es großartig war, als die Familien einig waren, obwohl wir Sklaverei hatten... unser Land hatte Orientierung ...“ und blendete damit zurück auf das Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei derselben Veranstaltung bezeichnete er amerikanische Ureinwohner und asiatische Amerikaner als „Rote und Gelbe“.In Alabama, the heart of Trump country, many think he's backing the wrong candidate in Senate race, Lisa Mascaro, Los Angeles Times, 21. September 2017
Muslimen möchte Moore das passive Wahlrecht aberkennen, also die Möglichkeit, sich in ein politisches Amt wählen zu lassen.
Positionen zur LGBT-Community Während seiner Karriere als Richter und Politiker nahm Moore in zahlreichen Erklärungen und Gerichtsentscheidungen eine äußerst kritische Haltung zur LGBT-Community ein. Initiativen zur Gleichstellung, insbesondere von Transgender-Personen und Homosexualität, lehnte er entschieden ab. Seine Aussagen wurden in der öffentlichen Diskussion als homophob und transphob bezeichnet.Baltimore Sun 19. November 2017: Hogan says Alabama GOP candidate Moore is 'unfit for office,' criticizes his defenders, abgerufen am 19. November 2017.Boston Globe 19. November 2017: Roy Moore is unfit for the Senate — will any Republican say so?, abgerufen am 19. November 2017.Washington Post 10. November 2017: Accusations against Roy Moore just added fuel to the LGBT community’s fire, abgerufen am 19. November 2017.
Moore zeigte sich in seinen Entscheidungen als Richter ablehnend gegenüber der Eheschließung und dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. In einem Gerichtsurteil als oberster Richter bezeichnete er in einer concurring opinion homosexuelles Verhalten als Scheidungsgrund, „Verbrechen gegen die Natur“ und einen „Akt unbeschreiblicher Abscheulichkeit“:
In einem Fernsehinterview im Jahr 2005 äußerte er die Ansicht, homosexuelles Verhalten sollte kriminalisiert werden. Mit der Entscheidung Lawrence v. Texas, die 2003 zur Aufhebung aller „Sodomie“-Verbote führte, habe der Supreme Court sich widerrechtlich der gesetzgebenden Gewalt bemächtigt. Alabama hatte zu den 13 Staaten gehört, in denen bis zur Entscheidung des Obersten Gerichts Gesetze bestanden, die Geschlechtsverkehr unter Männern unter Strafe stellten.C-SPAN 21. September 2017: Roy Moore in 2005 with Bill Press (1:58), abgerufen am 19. November 2017. Die Fernsehsender CNN und NBC News wiesen auf ein YouTube-Video (wahrscheinlich von 2015) hin, in dem Moore seine Aussage zur Kriminalisierung in ähnlicher Form wiederholt.CNN 19. November 2017: Senate candidate Roy Moore in 2005: Homosexual conduct should be illegal, abgerufen am 19. November 2017; YouTube, Upload am 23. Mai 2015: Interview mit Roy Moore (9:27), abgerufen am 19. November 2017; NBC News 22. September 2017: Homosexual Conduct Should Be Illegal, Roy Moore Said in Interview, abgerufen am 19. November 2017.
Im Wahlkampf für den Senatssitz in Alabama bekräftigte er mehrfach seine ablehnende Haltung gegenüber der LGBT-Community. Am Beginn der TV-Debatte mit seinem Konkurrenten Luther Strange zur Vorwahl der Republikaner erklärte Moore, er wolle das Land von der Political Correctness und „sozialen Experimenten“ wie der Gleichberechtigung „befreien“. Das Land werde von „Kriminalität, Korruption, Unsittlichkeit, Abtreibung und sexueller Perversion“ überschwemmt (“Crime, corruption, immorality, abortion, sodomy, sexual perversion sweep our land.”). Tugend und Moral müsse wieder im Land einkehren.Golden State Times (YouTube-Kanal) 21. September 2017: TV-Debatte zwischen Roy Moore und Luther Strange (7:45), (9:08), (8:40), abgerufen am 19. November 2017. In einem Interview mit dem Guardian sagte er, wie einst Ronald Reagan über Russland könne man heute über die Vereinigten Staaten sagen, dass diese ein „Brennpunkt des Bösen in der Welt“ („focus of evil in the world“) seien, denn die US-Regierung setze sich für „viele schlechte Dinge“ wie die gleichgeschlechtliche Ehe ein.Guardian 9. Dezember 2017: 'Maybe Putin was right': Roy Moore remark on same-sex marriage resurfaces, abgerufen am 9. Dezember 2017. Eine TV-Debatte mit seinem demokratischen Konkurrenten Doug Jones lehnte er ab und begründete dies mit dessen „liberaler Haltung zur Transsexualität“.The Hill 10. November 2017: Moore refused debate because of Dem rival’s stance on transgenderism, abgerufen am 19. November 2017.
Auf einer Pressekonferenz im November 2017 erklärte er, Transgenderpersonen stünden keine verfassungsmäßigen Rechte zu.The Hill 9. November 2017: Roy Moore: The transgenders don't have rights, abgerufen am 15. November 2017.
Verlorene Nachwahl zum US-Senat 2017 mini|Wahlwerbung für Moore als Gouverneur
Moore war Kandidat der Republikaner für die Wahl am 12. Dezember 2017. Bei dieser wurde der Sitz im US-Senat neu besetzt, den Jeff Sessions bis zu seiner Ernennung als US-Justizminister in der Regierung Trump innehatte.
Nach Sessions’ Ernennung bestimmte der damalige Gouverneur Alabamas Robert J. Bentley Luther Strange kommissarisch zu dessen Nachfolger. Strange bewarb sich auch in der Vorwahl innerhalb der Republikanischen Partei für die Aufstellung als Kandidat für die Nachwahl und wurde dabei von der Parteiführung auf Bundesebene unterstützt, unter anderem von US-Präsident Donald Trump und vom Mehrheitsführer im US-Senat Mitch McConnell. Gegen Strange trat Roy Moore in der Vorwahl als Vertreter des rechtskonservativen Parteiflügels der Christlichen Rechten an und wurde dabei von Rechtspopulisten wie Stephen Bannon – der bis August 2017 Berater Trumps im Weißen Haus gewesen war – und dessen Breitbart News Network unterstützt: Moore gewann die Stichwahl am 26. September 2017 mit 54,6 % der Stimmen (Strange: 45,4 %).Alabama Election Results: Roy Moore Advances in Race for U.S. Senate Seat. In: The New York Times, 27. September 2017 (englisch). Daher trat Moore Mitte Dezember 2017 bei der außerordentlichen Nachwahl für die bis zur regulären Wahl 2020 verbleibende Wahlperiode gegen den Demokraten Doug Jones an. Die Washington Post bezeichnete Stranges Niederlage als „politischen Blitzschlag“ mit Auswirkungen auf den „Bürgerkrieg“ innerhalb der Republikanischen Partei: Dadurch würden Mandatsinhaber im Kongress demoralisiert, die sich Vorwahlherausforderern aus dem rechtspopulistischen Bereich gegenübersähen. Das Ergebnis brachte auch Fragen dazu auf, wie stark Trumps Einfluss auf seine rechte Unterstützerbasis noch ist.Robert Costa: After Alabama, GOP anti-establishment wing declares all-out war in 2018. In: The Washington Post, 26. September 2017 (englisch).
Da mit Moore ein Kandidat vom rechten Rand der Republikanischen Partei antrat, sahen die Demokraten eine Außenseiterchance, diese Nachwahl im konservativ geprägten Bundesstaat Alabama zu gewinnen. Zugleich galt das Ergebnis der republikanischen Vorwahl als richtungsweisend für die Wahlen in den Vereinigten Staaten 2018. Bei der Nachwahl unterlag Moore mit wenigen zehntausend Stimmen Unterschied gegen Jones.Steffens, Frauke: Senats-Nachwahl: Alabama sagt Nein zu Roy Moore – und zu Trump. In: faz.net, 13. Dezember 2017 (abgerufen am 13. Dezember 2017).
Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs auch von Minderjährigen