Diese Liste enthält kognitive Verzerrungen oder kognitive Fehler ( oder cognitive illusions).
Kognitive Verzerrungen oder kognitive Fehler sind ein kognitionspsychologischer Sammelbegriff: Eigenschaften der zu verarbeitenden Information werden dabei systematisch verzerrt verstanden bzw. mental repräsentiert. Dies kann ggf. fehlerhafte oder suboptimale Entscheidungen oder Handlungen forcieren. Betroffen von der kognitiven Verzerrung der Informationsverarbeitung können Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Emotionen, Motivation, Handlungsregulation und Verhaltenskontrolle sein.
Liste Diese Liste ist eine Auswahl bekannter kognitiver Verzerrungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Da in vielen Beiträgen und auch in der Fachliteratur oft nur der englische Begriff verwendet wird, ist er ebenfalls aufgeführt.
Deutscher Name Englischer Name BeschreibungÄhnlichkeitseffekt (Kontrastfehler)contrast effectEigenschaften, die man selbst besitzt, werden besonders betont wahrgenommen, auch Eigenschaften, die man nicht besitzt, können besonders betont wahrgenommen werden. Das Ausmaß hängt davon ab, ob die Eigenschaften positiv oder negativ bewertet werden. Kontrastfehler: Neigung, beim Gegenüber Eigenschaften zu entdecken, die man sich selbst abspricht. Ankereffekt (Ankerheuristik) Anchoring bias Systematische Verzerrung bei der Urteils- und Entscheidungsfindung. Bewusst getroffene Wahlen werden von vorhandenen, auch irrelevanten Umgebungsinformationen bzw. Reizen (dem Anker) beeinflusst, ohne dass dieser Einfluss bewusst wahrgenommen wird. Die Entscheidung bzw. das Urteil werden systematisch in die Richtung der mit dem Anker verbundenen Assoziation verzerrt.Apophänie Apophenia Der Begriff wurde 1958 von dem Psychiater Klaus Conrad geprägt, als „grundloses Sehen von Verbindungen, begleitet von der besonderen Empfindung einer abnormen Bedeutsamkeit“. Ursprünglich beschrieb er das Phänomen in Bezug auf Wahrnehmungsverzerrungen bei Psychosen; doch wird sein Begriff mittlerweile auch auf ähnliche Tendenzen bei Gesunden angewendet, bei denen keine neurologischen oder seelischen Erkrankungen vorliegen. Attributionsfehler, egozentrischer Fehler Correspondence bias Egocentric bias Die Neigung, die Ursache für ein beobachtetes Verhalten zu oft in (feststehenden) „Charaktereigenschaften“ der handelnden Person und zu selten in den (variablen) Merkmalen der jeweiligen Situation zu suchen. Von einem egozentrischen Fehler spricht man, wenn man sich zu stark auf die eigene Perspektive verlässt, eine höhere Meinung von sich selbst hat als die Perspektive anderer.Auffälligkeitsverzerrung (vergleiche: Salienz)Salience biasWir tendieren dazu, uns nur auf Informationen zu konzentrieren, die unsere Aufmerksamkeit erregen, während wir weniger markante Informationen ignorieren. (Im Falle von Kuchen stehen der Geruch und Geschmack stärker im Vordergrund als die Kalorien und Nährwerte.) Auswirkungsverzerrung Impact bias Verzerrung bei der Gefühlsvorhersage (Affective Forecasting). Intensität und Dauer einer zukünftigen emotionalen Reaktion (z. B. Glücksgefühl oder Trennungsschmerz) werden überschätztD. T. Gilbert, E. C. Pinel, T. D. Wilson, S. J. Blumberg, T. P. Wheatley: Immune neglect: A source of durability bias in affective forecasting. In: Journal of Personality and Social Psychology. Band 75, 1998, S. 617–638, Online-Text (PDF; 2,5 MB). Anthropomorphisierung ("Vermenschlichung") Personifikation (Personifizierung) AnthropomorphismDie Tendenz Tiere, Objekte und abstrakte Konzepte so zu beschreiben als ob sie menschliche Züge, Gefühle und Absichten hätten. Spielt aktuell eine Rolle bei der Auseinandersetzung mit KI. Personifikation ist je nach Kontext eine rhetorische Figur, die Tieren, Pflanzen, Gegenständen, toten Personen oder abstrakten Wesenheiten eine Stimme oder menschliche Züge gibt. Backfire-Effekt Backfire effect Die Neigung, Fakten, die der eigenen Überzeugung widersprechen, als Bestätigung der eigenen Überzeugung zu betrachten. Barnum-EffektBarnum effectBezeichnet die Neigung, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden.Basisratenfehler, PrävalenzfehlerBase Rate NeglectWenn wir uns ein Urteil bilden, neigen wir dazu, uns mehr auf spezifische Informationen als auf Statistiken zu verlassen. Beharren auf Überzeugungen Belief perseverance Das Beharren auf einer hartnäckigen ersten Hypothese, obwohl neue Informationen dieser Überzeugung widersprechen. Überzeugungsbias Belief bias Die Tendenz, glaubwürdige Schlussfolgerungen zu akzeptieren, unabhängig davon, ob sie logisch korrekt aus den Prämissen hergeleitet werden können.Jacqueline P. Leighton, Robert J. Sternberg (Hrsg.): The Nature of Reasoning. Seite 300, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-00928-7. Besitztumseffekt Endowment effect Die Tendenz, ein Gut wertvoller einzuschätzen, wenn man es besitzt. Bestätigungsfehler Confirmation bias Die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen bestätigen.Peter Wason: Reasoning about a rule. In: Quarterly Journal of Experimental Psychology. Band 20, 1968, , S. 273–281. Clustering-Illusion, siehe auch Apophänie und Pareidolie Clustering illusion Die Neigung, in Datenströmen Muster zu sehen, selbst wenn gar keine da sind. Cross-Race-Effect Cross-race effect Das schlechtere Wiedererkennen von Gesichtern, die nicht der eigenen Ethnie entstammen, im Vergleich zu Gesichtern der eigenen ethnischen Gruppe. Decoy-Effekt Decoy effect Die Bevorzugung einer von zwei Optionen, wenn eine dritte Option (Köder) hinzugefügt wird, die einer der beiden Optionen in allen Belangen unterlegen ist. Default-Effekt Default effect Die Bevorzugung derjenigen Option, die in Kraft tritt, wenn ein Akteur keine aktive Entscheidung trifft. Déformation professionnelle "Beruflich bedingte Missbildung" Déformation professionnelle professional deformation or job conditioning Die Neigung, eine berufs- oder fachbedingte Methode oder Perspektive unbewusst über ihren Geltungsbereich hinaus auf andere Themen und Situationen anzuwenden. Dichotomie Dichotomy Ein absolutes Denkmuster und eine kognitive Verzerrung, bei dem eine Person Dinge nur in zwei extreme Stufen bzw. Kategorien unterteilt und ignoriert, dass sich dazwischen noch eine Skala von Graustufen befindet. Daher wird auch vom „Alles-Oder-Nichts-Denken“ gesprochen. Dunning-Kruger-Effekt Dunning-Kruger effect Die Tendenz von wenig kompetenten Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen.Justin Kruger, David Dunning: Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments. In: Journal of Personality and Social Psychology. Herausgeber: American Psychological Association, Volume 77, Issue 6, Seiten 1121–1134. Gegenpol zum Impostor-Syndrom. Emotionale Beweisführung Emotional reasoning Die Neigung, eine empfundene Emotion als Beweis für eine Annahme zu betrachten.Empathy GapEmpathy gap Unterschätzen, wie sehr Gefühle unser Urteils- und Entscheidungsvermögen beeinflussen. Es fällt schwer, die Perspektive von jemandem einzunehmen, der sich in einem anderen mentalen Zustand befindet. Hot-cold empathy gap: wenn die Einflüsse viszeraler Triebe auf ihre eigenen Einstellungen, Vorlieben und Verhaltensweisen unterschätzt werden. Es ist eine Art Empathielücke.Erwartung-Effekte Bestätigungsfehler verwandt Expectation effectsSelbstbezogene Erwartungseffekte beziehen sich auf Erwartungen, die auf sich selbst und die eigenen Reaktionen gerichtet sind. Hierzu zählen der Placebo- und der Nocebo-Effekt, aber auch die Effekte von Selbstwirksamkeitserwartungen. Fremdbezogene Erwartungseffekte beziehen sich auf Erwartungen gegenüber anderen Personen (interpersonale Erwartungen) oder Objekten (objektbezogene Erwartungen; z. B. Computer-Lernprogramme). Hierzu gehören der Pygmalion-Effekt, der Versuchsleitungs-Erwartungseffekt und der Jastrow-Effekt. Eskalierendes Commitment Escalation of commitment Ein Verhalten, das durch die Tendenz gekennzeichnet ist, sich gegenüber einer früher getroffenen Entscheidung verpflichtet zu fühlen und weiter Ressourcen in sie zu investieren, obwohl sich diese Entscheidung bisher als ineffektiv oder falsch erwiesen hat. Etikettierung Labeling Sich selbst oder andere mit einer abwertenden, pauschalen und fixen Bezeichnung versehen, z. B. die Bezeichnung „Verlierer“, wodurch selbsterfüllende Prophezeiungen entstehen können. (vgl. Etikettierungsansatz)Fluch des WissensCurse of KnowledgeBeschreibt die Tendenz, dass Menschen, die etwas wissen oder verstehen, Schwierigkeiten haben, sich in den Zustand eines anderen hineinzuversetzen, der dieses Wissen nicht hat. Menschen neigen dazu, ihre Kenntnisse für allgemein bekannt zu halten.Framing-Effekt (auch Rahmungseffekt)FramingWir reagieren unterschiedlich auf die gleiche Information, je nachdem, wie sie präsentiert wird. Dieser Effekt kann dazu führen, dass wir irrationale Entscheidungen treffen, wenn wir uns von der Formulierung oder Darstellung beeinflussen lassen. (Beispiel: Werbung, wenn etwas als gesund beworben wird) Frequenzillusion Frequency illusion Die Tendenz, etwas vermeintlich häufiger zu bemerken, nachdem es das erste Mal aufgefallen ist, was zum Glauben führt, dass das Betreffende auf einmal häufiger auftritt. Gender Bias Gender bias Vorurteile gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht, welche die eigene Entscheidungsfähigkeit beeinflussen können.Gruppenzwang (auch Konformitätsdruck oder Gruppendruck)peer pressureAngepasstes Verhalten zeigt sich vor allem dort, wo Konformität als Bedingung der Zugehörigkeit gilt und die Gruppe begrenzt ist. Da wechselseitige Orientierung innerhalb der Gruppe eine ordnende Funktion erfüllt, ist Verhaltensanpassung vermutlich evolutionär begründet. Halo-Effekt ("Hofeffekt")