mini|Karsten Hilse (2019)

Karsten Hilse (* 12. Dezember 1964 in Hoyerswerda, DDR) ist ein deutscher Politiker (AfD). Seit 2017 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben und Beruf Hilse wuchs im Wohnkomplex II in Hoyerswerda auf und erlernte den Beruf eines Elektromonteurs. Später ging er zur Volkspolizei und arbeitete seit 1986 als Verkehrspolizist. Seit der Wende war Hilse in Hoyerswerda als Polizeibeamter im Streifendienst tätig. 1991 war er während der Ausschreitungen in Hoyerswerda beim Schutz der Wohnheime auf der Albert-Schweitzer-Straße im Einsatz. Zudem arbeitete er nebenberuflich als Journalist beim Lokalfernsehen und als Statist, unter anderem als deutscher Soldat in dem Film Inglourious Basterds, und war als Model tätig, wobei er einmal zum Mister Brandenburg gewählt wurde.

Hilse ist seit 2017 in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder.Sebastian Kositz: „Ich bin kein Nationalist“. Sächsische Zeitung, 11. September 2017, abgerufen am 25. September 2017. Hilse lebt getrennt. Er lebt in Lohsa.

Politische Tätigkeit Hilse wurde 2015 wegen Unzufriedenheit über die Politik der CDU politisch aktiv und ist seit Januar 2016 Mitglied der AfD. Im März 2016 gehörte er zu den Gründern der AfD-Ortsgruppe Hoyerswerda. Im gleichen Jahr lehnte er in einem Interview jegliche politische Gewalt ab und sagte, seine Region habe andere Sorgen als den Islam. Von rassistischen Äußerungen seiner Parteikollegen Alexander Gauland und Jens Maier und Extremisten distanzierte er sich. Die Partei hatte er wegen der Eurorettungspolitik, der Flüchtlingspolitik, Energiewende und Aussetzung der Wehrpflicht gewechselt. Er wurde im Juli 2016 in den AfD-Kreisvorstand Bautzen kooptiert und im November in dessen Vorstand gewählt. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Kreisverbandes Bautzen.

Ende 2016 wurde Hilse zum Direktkandidaten der AfD im Bundestagswahlkreis Bautzen I gewählt. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann Hilse mit 33,2 % der Erststimmen das Direktmandat; der Zweitplatzierte, der CDU-Bewerber Roland Ermer, erhielt 30,6 % der Stimmen.bundeswahlleiter.de (mit zahlreichen weiteren Links)

Zu Beginn des Jahres 2018 war Hilses Kreisverband Gastgeber des Parteitages der AfD Sachsen, für den Hilse dazu aufrief, „das Altparteienkartell zu stürzen“. Zu seiner Aktivität im Bundestag befragt hob er seine Rede gegen die Klimapolitik hervor. Außerdem distanzierte sich Hilse von einem viel kritisierten, rassistischen Tweet seines Fraktionskollegen Jens Maier, dem er aber glaube, dass einer seiner Mitarbeiter den Tweet geschrieben habe und nicht Maier selbst.

Hilse kandidierte im Jahr 2020 dreimal erfolglos für das Amt des stellvertretenden Bundestagspräsidenten. Am 16. Januar 2020 stimmten für Hilse nur 154 Abgeordnete des Bundestages bei 473 Neinstimmen und 30 Enthaltungen. Bei der zweiten Wahl am 5. März erhielt Hilse noch weniger Jastimmen (120), bei 509 Neinstimmen und 15 Enthaltungen. Beim dritten Wahlgang am 7. Mai erhielt er 129 Jastimmen bei 501 Gegenstimmen und 26 Enthaltungen.

Hilse trat zur Bundestagswahl 2021 wieder im Bundestagswahlkreis Bautzen I an und stand außerdem auf Platz 4 der Landesliste der AfD Sachsen. auf wahlen.sachsen.de, abgerufen am 8. September 2021. Er erhielt in seinem Wahlkreis 33,4 % der Erststimmen (CDU: 26,0 %), womit er den Wahlkreis gewann und zog erneut in den Bundestag ein.

Politische Positionen Im Bundestagswahlkampf 2017 nannte er die Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene als sein wichtigstes Ziel. Außerdem wolle er sich für mehr Geld für Bildung einsetzen sowie für Dieselfahrzeuge produzierende Unternehmen und deren Zulieferer, um Arbeitsplätze zu sichern.

Migrations- und Flüchtlingspolitik Polizei und Justiz sollen personell gestärkt und die deutschen Grenzen durchgängig kontrolliert werden. Zur Reduzierung von Flucht und Einwanderung nach Deutschland fordert Hilse Schutzzonen nahe Kriegsgebieten und eine Wirtschaftspolitik, die die afrikanische Wirtschaft schützt. Ein Einwanderungsgesetz soll die Migration regeln. Nach erfolgter Wahl versprach Hilse den Einsatz für mehr Sicherheit insbesondere in Grenzgebieten, für Verteilung von Wohlstand nach unten, für einen Ausstieg aus dem Euroraum und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Flüchtlingskrise 2015. Außerdem kritisierte er die Entscheidung von Frauke Petry, nicht der AfD-Fraktion anzugehören und aus der Partei auszutreten.

Er stellte sich beim Bundesparteitag der AfD am 10. und 11. April in Dresden an die Seite von Björn Höcke, Vorsitzender der AfD Thüringen. Höcke sprach sich für ein Einwanderungsmodell nach japanischem Vorbildbpb.de: Linkliste aus.

Der Bundesregierung warf Hilse in der Migrationspolitik „Böswilligkeit, getrieben von tief sitzendem Deutschlandhass“ vor.Jochen-Martin Gutsch: Ich bin durch meine Heimat gereist, AfD-Land. Und ich merke: Ich lag falsch. www.spiegel.de, 4. Juni 2026

Leugnung des vom Menschen verursachten Klimawandels, Umwelt- und Naturschutz Im 19. Deutschen Bundestag war Hilse Obmann des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Zudem gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Inneres und Heimat an.

Maßnahmen zur Reduzierung der Luftverschmutzung lehnt er ab, Stickoxid- und Feinstaubgrenzwerte hält er nicht für wissenschaftlich, sondern für „ideologisch“ begründet, weshalb sie seiner Meinung nach abgeschafft werden sollten. Er leugnet zudem den von Menschen verursachten Klimawandel (laut Hilse „ein aus kranken Gehirnen ausgeschwitztes Weltuntergangs-Szenario“AfD-Wahlkampfkundgebung mit Gauland.www.saechsische.de, 15. August 2019.) und behauptete in einer Bundestagsrede, das „sogenannte Weltklima“ gebe es nur in den Köpfen von „Klimaideologen“. Die Menschheit beeinflusse das Klima nicht. Zudem attackierte er Klimaforscher wiederholt mit Schmähungen.Susanne Götze, Annika Joeres: „Leugnerkabinett. Viele Klimaskeptiker bezweifeln auch die Coronagefahren.“ In: Heike Kleffner, Matthias Meisner (Hrsg.): Fehlender Mindestabstand. Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde. Herder, Freiburg 2021, S. 136. Auch lehnt Hilse die Energiewende als zu teuer und nicht umsetzbar ab.

2018 äußerte er im Bundestag, die AfD sage „hier und heute der Irrlehre des von Menschen gemachten Klimawandels den Kampf an“, für die es keine Beweise gebe, und forderte anschließend „den Ausstieg aus allen diesbezüglichen nationalen und internationalen Verträgen und Gremien“. In seinem Abgeordnetenbüro beschäftigt er unter anderem Michael Limburg, den Vizepräsidenten der Organisation EIKE, die die Klimawandelleugnerszene in Deutschland organisiert.Klimaleugner bei der Klimakonferenz. Karsten Hilse glaubt kein Wort. In: taz. 14. Dezember 2018. Abgerufen am 18. Dezember 2018. Im September 2019 berief sich Hilse in einer Rede auf den Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie, Petteri Taalas, der – so Hilse – als „einer der größten Klimaalarmisten in der Vergangenheit“ vor einer Klimahysterie gewarnt habe. Laut Tagesschau taugt Taalas allerdings nicht zum Kronzeugen für eine Abkehr von dem Ziel einer deutlichen Reduzierung der CO2-Emissionen: Er habe zwar gegenüber einer finnischen Zeitung vor einer Radikalisierung gewarnt, jedoch auf dem Klimagipfel in New York – ebenfalls im September 2019 – eine radikale Senkung des Ausstoßes der klimaschädlichen Treibhausgase gefordert.Konstantin Kumpfmüller: AfD-Politiker im Bundestag: Falsches und Verdrehtes zum Klima. www.tagesschau.de, 27. September 2019.

Hilse kritisierte Anfang 2018 die Ansiedlung von Wölfen in der Lausitz, gegen die stärker vorgegangen werden müsse, und vertrat die von Experten als unsinnig bezeichnete These, es handele sich nicht um richtige Wölfe, sondern um Hybriden. Zudem zog er Parallelen zur (laut Hilse) „Migrationskrise“, in der, so Hilse, „überwiegend junge Männer“ zu uns gekommen seien, von denen der „überwiegende Teil […] vom Sozialstaat“ lebe. Ebenso habe man „das Experiment Wolf begonnen“, „[w]ohl wissend, dass es durch die Neuansiedlung Probleme mit der Landbevölkerung geben würde“.Katja Bauer, Maria Fiedler: Die Methode AfD. Der Kampf der Rechten: Im Parlament, auf der Straße – und gegen sich selbst. Klett-Cotta, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-608-98412-5, 98 f.

2021 nahm er an der jährlichen Konferenz der Klimawandelleugnerorganisation EIKE teil.Leugnen, bis die Erde brennt: Das Netzwerk der Klimawandelleugner. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 13. Dezember 2021. Abgerufen am 14. Dezember 2021.

Nach der Bundestagswahl 2021 nominierte ihn die AfD als Vize-Vorsitzenden des Klimaausschusses.

Als klimapolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestritt Hilse im August 2026 einen Zusammenhang zwischen den verheerenden Waldbränden des Sommers 2026 und dem Klimawandel. Im „Gegensatz zum Klimawandel“ seien „Waldbrände zu 99 Prozent menschengemacht, meist durch fahrlässige Brandstiftung“, so Hilse. Die Herstellung eines Zusammenhangs diene den anderen Parteien dazu, Klimaschutz-Maßnahmen zu rechtfertigen; damit „instrumentalisieren sie das Leid der Betroffenen für ihre politischen Ziele“. Vielmehr führe der Ausbau erneuerbarer Energien zu einer „für jedermann sichtbaren Naturzerstörung“. Damit widersprach Hilse dem Konsens von Wissenschaft und Brandschutzexperten. Die Hitzewellen und die Austrocknung der Vegetation begünstigen durch unachtsames oder vorsätzliches Verhalten von Menschen ausgelöste Waldbrände.AfD-Bundestagsfraktion bestreitet Zusammenhang zwischen Waldbränden und Klimawandel www.n-tv.de, 16. August 2026

Pandemieschutz-Maßnahmen Hilse trat mehrfach als Redner bzw. Organisator bei Demonstrationen und Protestaktionen gegen Corona-Beschränkungen auf. Unter anderem behauptet er wiederholt: „Die Corona-Toten sind erstunken und erlogen. Jeder, der angeblich deswegen gestorben ist, wäre sowieso bald gestorben.“AfD nutzt Corona-Protest in Bautzen. In: Sächsische Zeitung. 10. Mai 2020. Abgerufen am 21. Mai 2020. Wenige Tage später erklärte er im Bundestag, es sei die „Einschätzung der AfD-Fraktion, dass eine epidemische Notsituation nicht existent ist“. Daher werde sich die AfD im Bundestag nicht an Schutzmaßnahmen vor der COVID-19-Pandemie halten, insbesondere an die Reduzierung der Zahl der Abgeordneten bei Abstimmungen.Eklat um AfD: Partei widersetzt sich Corona-Beschränkungen - „Notsituation nicht existent“. In: Oberbayerisches Volksblatt. 14. Mai 2020, abgerufen am 21. Mai 2020. Anfang November 2020 wurde er von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth offiziell gerügt, weil er bei einer Rede im Bundestag ein T-Shirt der Querdenken-Initiative getragen hatte.AfD-Abgeordneter trägt "Querdenker"-T-Shirt im Bundestag. In: n-tv.de. 4. November 2020, abgerufen am 19. November 2020.

Im April 2021 brachte Hilse auf dem AfD-Parteitag einen von ihm verfassten Antrag für eine Corona-Resolution ein, die sich gegen Corona-Tests und Impfungen richtete und die sofortige Beendigung des Lockdowns einforderte. Zudem sollten alle Bürger selbst entscheiden können, ob sie sich gegen das Corona-Virus schützen oder nicht.Schulterschluss mit den Querdenkern und ein sehr präsenter Höcke. In: Nürnberger Blatt. 11. April 2021, abgerufen am 12. April 2021. Gefordert wurde ebenso, dass die Bundesregierung statt einer „Politik der Angst“ das Immunsystem stärkende Maßnahmen einführe. In dem Antragstext wurde behauptet, dass erst 0,18 % der deutschen Bevölkerung positiv auf das Virus getestet worden seien – ohne Erklärung des Zustandekommens dieses Wertes. Zu dem Zeitpunkt gab es laut dem Robert Koch-Institut in Deutschland bei rund 83 Mio. Bürger etwa 3 Mio. Infizierte. Auch sei, so die Resolution, in Altersheimen nach Impfungen sowohl die Zahl der Infizierten als auch der Toten gestiegen.Höcke-Lager setzt sich durch. AfD fasst Radikalresolution zu Corona-Kurs. In: n-tv.de. 10. April 2021, abgerufen am 12. April 2021. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.