mini|Tino Chrupalla (2025) Tino Chrupalla (* 14. April 1975 in Weißwasser) ist ein rechtsextremer (…) Bis eine Entscheidung gefallen ist, wird die AfD also weiterhin nur als Verdachtsfall behandelt. (…) Der Rechtsstreit um die Frage, ob die AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft werden darf, könnte sich über mehrere Jahre hinziehen. deutscher Politiker (AfD). Er wurde 2017 als Direktkandidat des Wahlkreises Görlitz in den Deutschen Bundestag und im November 2019 neben Jörg Meuthen zu einem der beiden AfD-Bundessprecher (Parteivorsitzenden) gewählt. Gemeinsam mit Alice Weidel ist Chrupalla seit September 2021 Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion.

Leben und Beruf Tino Chrupalla wurde als Sohn eines Mechanikers geboren und wuchs in Krauschwitz (Kreis Weißwasser) in der Deutschen Demokratischen Republik auf.Neuer AfD-Chef: Wer ist eigentlich Tino Chrupalla?, rnd.de, 1. Dezember 2019 Nach der Mittleren Reife im Jahr 1991 absolvierte Chrupalla bis 1994 eine Berufsausbildung zum Maler und Lackierer. Danach leistete er seinen Zivildienst in Weißwasser ab. Von 2000 bis 2003 besuchte er die Meisterschule in Görlitz und Dresden. Im Jahr 2003 legte er dort vor der Handwerkskammer die Meisterprüfung ab und gründete ein eigenes Unternehmen im Maler- und Lackiererhandwerk.

Am 1. März 2020 steckten Unbekannte sein Auto in Brand. Die Tat wurde von Spitzenpolitikern verschiedener Parteien verurteilt.

Parteiintern wird Chrupalla in Anspielung auf seinen gelernten Beruf „Pinsel“ genannt.Justus Bender: Ein Malermeister fällt aus der Rolle. In: FAZ, 3. August 2021, abgerufen am selben Tag. Seinen weiteren Spitznamen „Tiny Tino“ erhielt er wegen des Vorwurfs mangelnder Führungsstärke.

Chrupalla ist verheiratet und hat drei Kinder.

Politische Tätigkeit Chrupalla war von 1990 bis 1992 Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben viele Jahre CDU-Wähler.Anna-Sophia Lang: AfD-Erfolg in Görlitz: „Auch ein Besenstiel wäre gewählt worden“, Spiegel online, 9. Dezember 2017. Infolge der Eurokrise, der Flüchtlingsdebatte und der steigenden Bürokratie für Selbstständige trat er 2015 in die zwei Jahre zuvor gegründete AfD ein. Zuvor hatte er bereits an Pegida-Demonstrationen teilgenommen.Die glücklichen Rechten. taz.de, 26. September 2017, abgerufen am 5. Dezember 2017. Im März 2016 übernahm Chrupalla die Leitung der AfD-Regionalgruppe im Altkreis Weißwasser. Im April 2016 wurde er in den Kreisvorstand Görlitz gewählt und zum Mitglied des AfD-Mittelstandsforums Sachsen. Im Februar 2017 übernahm Chrupalla den Vorsitz im Kreisverband Görlitz.Sebastian Beutler: Malermeister erobert die AfD. Sächsische Zeitung, 28. Februar 2017, abgerufen am 25. September 2017.

mini|Tino Chrupalla im Deutschen Bundestag (2019) Im November 2016 wurde er zum Direktkandidaten der AfD im Bundestagswahlkreis Görlitz gewählt. Außerdem wurde er von seiner Partei auf Platz 5 der Landesliste nominiert. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann Chrupalla mit 32,4 % das Direktmandat seines Wahlkreises und setzte sich damit gegen den späteren sächsischen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer durch. SZ-Online, 24. September 2017, abgerufen am 25. September 2017. Die Sächsische Zeitung kürte ihn daraufhin als „Der Eroberer“ neben Kretschmer zu einem von 15 „Menschen des Jahres 2017“.Menschen des Jahres 2017, Sächsische Zeitung, 29. Dezember 2017.Anne Fromm: „Da gehört er hin“, taz, 2. Januar 2018.

Im Bundestag ist Chrupalla ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Zudem gehört er als stellvertretendes Mitglied dem Auswärtigem Ausschuss sowie dem Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen an.

Am 5. Oktober 2017 wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt.

Auf dem Bundesparteitag der AfD 2019 in Braunschweig wurde Chrupalla neben Jörg Meuthen am 30. November zum Parteivorsitzenden gewählt. In einer Abstimmung setzte er sich mit 44,37 % gegen Gottfried Curio (33,1 %) und Dana Guth (22,01 %) durch, news38.de vom 1. Dezember 2019 in der Stichwahl mit 54,51 % gegen Curio (41,23 %).AfD-Parteitag in Braunschweig Chrupalla wird Gaulands Nachfolger. tagesschau.de, 30. November 2019

Im Sommer 2020 wurde bekannt, dass der sächsische Verfassungsschutz Daten über Chrupalla sammelte.Verfassungsschutz will AfD-Abgeordnetendaten erneut prüfen, Die Zeit. 6. Juli 2020

Im Mai 2021 verkündete Chrupalla, gemeinsam mit Alice Weidel als Spitzenteam für die Bundestagswahl 2021 antreten zu wollen. Auf Vorwürfe der AfD-Bundestagsabgeordneten Joana Cotar, mit der er ursprünglich Gespräche über eine Zusammenarbeit als Spitzenteam geführt hatte, Chrupalla und Weidel repräsentierten den rechtsextremen Flügel der Partei, äußerte Chrupalla, dass er und Weidel sowohl die Ost- als auch die Westverbände der Partei vertreten würden. Auf die Aussage Cotars, er habe ihre Anfragen auf eine Zusammenarbeit ignoriert, äußerte sich Chrupalla mit den Worten: „‚Keine Antwort‘ und ‚nicht sprechen‘ ist ja etwas anderes. Frau Cotar hat relativ zeitig oder vor mir im Prinzip bekannt gegeben, mit wem sie antritt. Und damit war für mich folgerichtig, dass ich mit Frau Weidel dann antrete.“ Ende des gleichen Monats wurde das Team Weidel und Chrupalla schließlich mit 71 % der Stimmen zum Spitzenteam für die Bundestagswahl gewählt und konnte sich damit gegen das Team Cotar und Wundrak, die nur 27 % erreicht hatten, durchsetzen. Bei der Bundestagswahl im September 2021 gewann Chrupalla mit 35,8 % der Erststimmen erneut das Direktmandat für seinen Wahlkreis und zog somit in den 20. Deutschen Bundestag ein. Gemeinsam mit Alice Weidel wurde er am 30. September 2021 zum Fraktionsvorsitzenden der AfD-Fraktion im Bundestag gewählt und löste somit Alexander Gauland ab, der im Rahmen der Neubestimmung des Amtes als Ehrenvorsitzender verblieb.

Im Juni 2022 wurde Tino Chrupalla auf dem 13. Bundesparteitag der AfD mit rund 53 % der Stimmen als Bundesvorsitzender wiedergewählt. Zuvor hatten namhafte AfD-Politiker wie Cotar, Wolf und Hansel öffentlich seine Ablösung gefordert. Auf dem Bundesparteitag in Essen im Juni 2024 wurde er mit 82,7 % der Stimmen für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Bei der Wahl 2026 sank sein Stimmanteil, er wurde mit gut 70 % wiedergewählt.

Positionen und Kontroversen

Verwendung rechtsextremen Vokabulars In einem ZDF-Interview nach seiner Wahl zu einem der beiden Bundesvorsitzenden Ende 2019 wurde Chrupalla wegen eines durch ihn getätigten Aufrufs zu gemäßigter Sprache zu eigenen Aussagen befragt. Im Gespräch bestritt Chrupalla, den Begriff „Umvolkung“ verwendet zu haben, obwohl Videoaufzeichnungen davon vorlagen. Chrupalla erwiderte, er halte den Begriff nicht für rechtsextrem und er habe ihn „nicht bewusst gesetzt“. Auch Ausführungen eines Teilnehmers derselben Veranstaltung, der Migration mit einem Genozid, bei dem die Deutschen durch ein „Mischvolk“ ersetzt würden, verglichen und verurteilte Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs als „Jungs, die am Galgen in Nürnberg geendet sind“, bezeichnet hatte, gab Chrupalla damals laut Videoaufnahmen „zum Teil recht“, was er im Interview dann bestritt; stattdessen behauptete er, dem Mann widersprochen zu haben.Tino Chrupalla entlarvt sich im Interview mit einem ZDF-Journalisten selbst. www.stern.de, 2. Dezember 2019Neuer AfD-Chef Chrupalla im ZDF-Interview: Erst gerät er ins Stocken – dann es kommt noch schlimmer, merkur.de, 7. Dezember 2019 Das Deutsche Institut für Menschenrechte hielt in einem Gutachten fest, dass Chrupalla auch auf Nachfrage auf dem Begriff Umvolkung beharrt habe, der konzeptionell und sprachlich im Nationalsozialismus verankert ist. Laut Gutachten „propagiert [Chrupalla] mit diesen Äußerungen, in denen er seine Vorstellung zum Ausdruck bringt, dass Menschen in ihrer Wertigkeit zu unterscheiden seien, unverhohlen national völkisches Gedankengut“.

Im Oktober 2022 schrieb der Spiegel, Chrupalla rede „wie ein Reichsbürger“, wenn er sage, „dass Deutschland kein ‚souveränes Land‘ sei, solange US-amerikanische Truppen in der Bundesrepublik stationiert seien“, er rede „wie ein Rechtsextremist“, wenn er sage, „dass alle anderen Parteien ‚derselbe Sumpf‘ seien und nur die AfD die Lösung sei“, und „wie ein Verschwörungsideologe“, wenn er sage, dass es gerade einen „von Habeck angezettelten Wirtschaftskrieg“ gebe.Ann-Katrin Müller: „Der wahre Parteichef“. In: Der Spiegel, 41/2022, S. 33–37, hier S. 35

Umgang mit Rechtsextremisten Im August 2021 stimmte Chrupalla im Bundesvorstand der AfD gegen einen Beschluss für ein Parteiausschlussverfahren gegen Matthias Helferich, welcher sich in Chatnachrichten positiv auf den Nationalsozialismus bezogen hatte.

Im Oktober 2021 nahm Chrupalla als Gast an der sogenannten „5. Düsseldorfer Runde“ teil. Bei diesem Treffen wurde unter anderem ein Plan zum Aufbau eines digitalen Radio- und Fernsehsenders namens Nice TV vorgestellt, welcher als möglichst rechtssichere Plattform für rechtsextreme Influencer und Medienschaffende geplant war. Eingeladen hatte der frühere Zahnarzt und ehemalige Bundesführer der 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend Gernot Mörig, welcher später in dieser Veranstaltungsreihe auch das als Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023 bekannt gewordene „Düsseldorfer Forum“ organisierte.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz nannte Chrupalla namentlich in seinem Gutachten, das die Einstufung der AfD als Prüffall begründet. Grund dafür ist, dass er dem Rechtsextremisten und verurteilten Holocaustleugner Nikolai Nerling im Juni 2018 ein bei YouTube veröffentlichtes Interview gegeben hatte.

Klimawandel 2026 bezeichnete Chrupalla den Anteil, den die Menschheit am Klimawandel trägt, als „wirklich sehr gering“. Mit Blick auf die Dürre und Hitze in Europa 2026 sprach er von „Panikmache“ und einem „Klima-Hype“. Er führte aus: „Ich habe auch für diesen Sommer nicht gesehen, dass wir einen exorbitant unterschiedlichen Sommer hatten zu anderen Jahren“. Deutschland könne kühler werden, wenn Wald aufgeforstet und dort keine Windkraftanlagen gebaut würden.

Außenpolitik Anfang September 2021 sprach Chrupalla sich dafür aus, die Taliban als offizielle afghanische Regierung anzuerkennen, um ausreisepflichtige Zuwanderer wieder nach Afghanistan abschieben zu können. Auch die Deutsche Botschaft Kabul solle wieder eröffnet werden. Diplomatische Beziehungen dürften nicht davon abhängig gemacht werden, ob man die Weltanschauung eines Landes teile.

Noch während des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Regierung gegen die landesweiten Proteste, zu denen es aufgrund der Ermordung von Jina Mahsa Amini gekommen war, forderte die AfD die Bundesregierung zu Verhandlungen mit dem Iran über Gaslieferungen auf, denn wenn man „fehlendes russisches Gas kompensieren“ wolle, so Chrupalla, brauche man „jeden Lieferanten“. Deutschland dürfe zudem „keinen Regime-Change unterstützen“, denn „[g]ute Außenpolitik“ ziele „darauf ab, dass wir uns nicht in innere Angelegenheiten anderer Länder einmischen, sondern gute Beziehungen zu allen Regierungen pflegen“.Stefan Dietl: Antisemitismus und die AfD. Verbrecher Verlag, Berlin 2025, S. 41 f.