mini|Der Brausenwerther Platz mit Kaiserdenkmal, Stadttheater (Mitte) und Schwimmanstalt (rechts), um 1895 miniatur|Aktie über 300 Mark des Theater-Vereins zu Elberfeld vom 17. Februar 1883 mini|Brausenwerther Platz, Luftaufnahme von 1928. In der Mitte des Bildes ist das Theater zu erkennen.

Das Stadttheater am Brausenwerth war ein Theater, das von 1888 bis 1943 auf dem Brausenwerther Platz 2 in Elberfeld bestand (ab 1929 zu Wuppertal gehörend).

Geschichte Zwischen der Wupper und der Badeanstalt Brausenwerth wurde bis 1888 das Stadttheater am Brausenwerth errichtet. In: wuppertal.de Die Baukosten betrugen ca. 700.000 Mark.L. Lassar: Deutscher Bühnen-Almanach. 1889. S. 234. Den Bauplatz hatte die Stadt Elberfeld kostenlos zur Verfügung gestelltKlaus Goebel: Geschichte der Stadt Wuppertal. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1977. ISBN 3-87294-108-9, S. 73. und einen Baukostenzuschuss in Höhe von 150.000 Mark bewilligt.Uwe Eckardt: S. 69. Der Vorhang und die malerische Ausschmückung stammten von Fritz Roeber.Wolfgang Müller: Sechs Jahrzehnte Zeitgeschehen im Spiegel der Heimatzeitung. General-Anzeiger der Stadt Wuppertal, 1887–1945. W. Girardet, Wuppertal 1959. S. 116.

Im gleichen Jahr wurde die Spielstätte mit einem allegorischen Festspiel des Elberfelder Dichters Friedrich Roeber eröffnet. Die Musik hatte der ebenfalls im Tal der Wupper als Dirigent und Komponist wirkende Julius Buths geschaffen. Am ersten Tag wurde neben Roebers Festspiel Johann Wolfgang von Goethes Iphigenie auf Tauris aufgeführt, dann folgten Ludwig van Beethovens Fidelio und am dritten Tag Gotthold Ephraim Lessings Minna von Barnhelm. Dem Theaterdirektor Ernst Gettke stand der aktive Theater-Verein zu Elberfeld zur Seite, der mit Unterstützung der Stadt Elberfeld die Voraussetzungen für den Bau des Hauses geschaffen hatte. Unter Gettke erhielt der Komponist Franz Lehár sein erstes Engagement.Norbert Linke: Franz Lehár. Rowohlt Taschenbuch, 2001. ISBN 3-499-50427-8, S. 19.

Unter Richard Balder, Direktor des Theaters bis 1898, erlebte das Haus seine erste Blütezeit. Die Aufführungen von Werken Richard Wagners (Ring, Tristan, mit Bayreuther Gästen und Dirigenten wie Karl Panzner, Georg Richard Kruse oder Rudolf Krzyzanowski)Karl Gustav Fellerer: Beiträge zur Musikgeschichte der Stadt Wuppertal. Band 5, Staufen-Verlag, 1954. S. 19. erregten großes Aufsehen. Der Nachfolger Balders wurde Hans Gregor, der auch die Leitung des Barmer Stadttheaters übernahm. 1900 fanden die ersten Mozartfestspiele statt, 1901 wurde Hans Pfitzners Die Rose vom Liebesgarten hier uraufgeführt. Der Komponist Hans Knappertsbusch und der spätere Schauspieler am Wiener Burgtheater Ewald Balser, beide Elberfelder, begannen hier ihre Karriere. Das Engagement des Regisseurs Saladin Schmitt 1906 hielt nur eine Spielzeit lang.Matthias Uecker: Zwischen Industrieprovinz und Großstadthoffnung: Kulturpolitik im Ruhrgebiet der zwanziger Jahre. Springer-Verlag, 2013. ISBN 3-663-14520-4, S. 71.

Andere Künstler, die am Stadttheater am Brausenwerth Engagements hatten, waren (Auswahl): Clotilde Barth, Theaterschauspielerin, 1901 Hans Basil, Theaterschauspieler und Opernsänger, 1895 Felix Baumbach, Theaterschauspieler Elsa Bielitz, Theaterschauspielerin, 1997 (Antrittsrolle „Hermione“ in Wintermärchen) Fritz Birrenkoven, Opernsänger, von 1905 bis 1913 Ernst Bornstedt, Theaterschauspieler, nach 1888 Maria Bossenberger, Opernsängerin, von 1902 bis 1903 Jella Braun-Fernwald, Opern- und Konzertsängerin, von 1922 bis 1924 Jenny Broch, Opernsängerin und Theaterschauspielerin, 1900 Gaston Demme, Theaterschauspieler, nach 1888 („Hermann“ in Haubenlerche) Theodora von Fiedler-Wurzbach, Theaterschauspielerin, vor oder im Jahr 1869 Jacques Goldberg, Oberregisseur, von 1918 bis 1919 Anny Konetzni, Opernsängerin, vor oder im Jahr 1929 Vana Kovic, Theaterschauspielerin, 1900 Ida Krzyzanowski-Doxat, Opernsängerin, 1890 Ella Lachmann, Opernsängerin, 1891 Franz Mikorey, Kapellmeister, von 1900 bis 1901 Erich Ochs, Kapellmeister, von 1907 bis 1908 Walter Rieß, Opernsänger, von 1920 bis 1921 Max Ruhbeck, Schauspieler, nach 1888 Otto Sauter-Sarto, Schauspieler, nach oder im Jahr 1908 Josef Turnau, Heldentenor und Regisseur, 1918 Hermann Hans Wetzler, Kapellmeister, von 1908 bis 1909Heinrich Aerni: Zwischen USA und Deutschem Reich. Hermann Hans Wetzler (1870–1943). Dirigent und Komponist (= Schweizer Beiträge zur Musikforschung. Bd. 22). Bärenreiter, Kassel 2015, ISBN 978-3-7618-2358-3, S. 72. Julius Zarest, Opernsänger, um 1890

1917 übernahm die Stadt Elberfeld den Theaterbetrieb,Franz Irsigler, Günter Löffler: Geschichtlicher Atlas der Rheinlande. Rheinland-Verlag, 2002. S. 50. am 1. Mai 1919 erfolgte die Zusammenlegung der beiden Stadttheater Elberfeld und Barmen. 1939 wurde das Theater geschlossen,Kurt Schnöring: Band 2. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1981. ISBN 978-9-02885-479-6. S. 26, 27. 1943 wurde es mit seinen umstehenden Gebäuden bei dem Luftangriff auf Elberfeld zerstört, die Ruinen beseitigt und nicht wieder aufgebaut. An seiner Stelle durchquert heute die Bundesstraße 7 das Tal der Wupper.

Einzelnachweise

Stadttheater Stadttheater Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren