mini|Historisches Beispiel: Notation „523 Beschreibende Astronomie“ mit aufsteigender Hierarchie „52 Astronomie“ und „5 Naturwissenschaften“ (Abb. in: Karl Wilhelm Bührer und Adolf Saager, Die Welt-Registratur. Das Melvil-Deweysche Dezimal-System, München 1912) Die Dewey-Dezimalklassifikation (engl. Dewey Decimal Classification, kurz DDC) ist die international am weitesten verbreitete Klassifikation für die Sacherschließung von Bibliotheksbeständen. Sie ist nach dem US-amerikanischen Bibliothekar Melvil Dewey benannt, der 1876 die erste Ausgabe veröffentlichte, und wird hauptsächlich im englischen Sprachraum eingesetzt. Die DDC ist aber auch darüber hinaus in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden und wird in mehr als 135 Ländern in über 200.000 Bibliotheken weltweit eingesetzt. In über 60 Ländern wird die Nationalbibliografie nach der DDC gegliedert. Sie hat daher eine große Bedeutung für den internationalen Datenaustausch zwischen Bibliotheken. Die Deutsche Nationalbibliothek setzt die DDC seit 2004 zur Gliederung der Sachgruppen ein, seit 2006 schrittweise auch für die klassifikatorische Inhaltserschließung, seit 2007 für die Veröffentlichungen des Verlagsbuchhandels (Reihe A der Deutschen Nationalbibliografie). Die Klassifikation wird seit 1998 von der Organisation OCLC lizenziert; die deutsche Übersetzung steht seit 2010 unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-NC-ND 3.0 zur Verfügung.

Geschichte Die DDC beruht auf einer Dezimalklassifikation, die ursprünglich von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) erdacht wurde und die der US-amerikanische Bibliothekar Melvil Dewey (1851–1931) als Student am Amherst College weiterentwickelte.

Im Oktober 2005 erschien die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte deutsche Übersetzung der DDC, die seit Januar 2006 von der Deutschen Nationalbibliothek verwendet wird. Die DNB hatte von 2002 bis 2005 dieses Projekt gemeinsam mit der Fachhochschule Köln entwickelt. Der in MelvilSearch dargestellte Teil der Dewey-Dezimalklassifikation ist seit Februar 2010 unter der Creative-Commons-Lizenz „CC-BY-NC-ND 3.0“ frei verfügbar.

Abgrenzung der DDC von der Universellen Dezimalklassifikation Außerhalb des anglo-amerikanischen Sprachraums existiert noch die Universelle Dezimalklassifikation (UDC), die von den belgischen Bibliothekaren Paul Otlet und Henri La Fontaine 1895 als europäische Variante kreiert wurde (in Deutschland vom Deutschen Normenausschuss/DIN als DK verbreitet), weil die DDC für den internationalen Gebrauch teilweise zu speziell amerikanisch war. Es existieren also zwei Systeme, die DDC und die UDC. Für das Internet entwickelte der Amerikaner David A. Mundie das System CyberDewey. In Japan wird sie als Basis der Nippon Decimal Classification (NDC) verwendet, die seit August 1995 in der 9. Auflage aktuell ist.

Die DDC unterscheidet sich von der UDC unter anderem in folgenden Punkten: Die DDC verwendet angehängte Nullen, um auch auf den beiden obersten Gliederungs-Ebenen dreistellige Notationen zu erhalten Die oberste Gliederungsebene unterscheidet sich in der Behandlung von Literatur und Linguistik: DDC: 4 = Sprache/Linguistik; 8 = Literatur UDC: 4 = unbesetzt; 8 = Linguistik und Literatur (UDC sieht die Trennung von Literatur und Linguistik als unzulässig an) Auf den tieferen Gliederungs-Ebenen haben sich im Laufe der Jahrzehnte teilweise erhebliche Unterschiede entwickelt Sowohl DDC als auch UDC besitzen eine Reihe von Hilfstafeln zur Untergliederung nach Raum, Zeit, Sprache, Form etc. Die DDC verwendet auch bei den Hilfstafeln ausschließlich die Ziffern 0 bis 9, während die UDC eine Vielzahl von Symbolen verwendet und sich so bereits optisch von der DDC deutlich unterscheidet.

Aufbau der Klassifikation Die Klassifikation besteht aus ca. 36.000 Klassen (sog. Haupt- bzw. Hilfstafeln). Diese ermöglichen durch Notationssynthese die Bildung von ca. einer Milliarde synthetischer Notationen. Einzelne Notationen sind dabei numerisch und bestehen aus mindestens 3 und in Sonderfällen bis zu über 20 Ziffern. Die DDC ist unbegrenzt in tiefere Hierarchieebenen erweiterbar („hospitality in chain“), allerdings nur begrenzt auf gleicher Ebene („hospitality in array“). +Erste EbeneKlasseInhalt000Informatik, Informationswissenschaft, allgemeine Werke100Philosophie und Psychologie200Religion300Sozialwissenschaften400Sprache500Naturwissenschaften und Mathematik600Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften700Künste und Unterhaltung800Literatur900 Geschichte und Geografie +Zweite Ebene: InformatikKlasseInhalt000Informatik, Informationswissenschaft, allgemeine Werke010Bibliographien020Bibliotheks- und Informationswissenschaften030Enzyklopädien & Sachbücher040Nicht zugeordnete050Zeitschriften, Journale060Nachrichtenmedien, Journalismus & Verlagswesen070Nachrichtenmedien080Angebote090Manuskripte & seltene Bücher +Zweite Ebene: Philosophie und PsychologieKlasseInhalt100Philosophie110Metaphysik120Erkenntnistheorie130 Parapsychologie & Okkultismus140Philosophische Denkschulen150Psychologie160Philosophische Logik170Ethik180Antike, mittelalterliche & östliche Philosophie190Moderne westliche Philosophie +Zweite Ebene: ReligionKlasseInhalt200Religion210Philosophie und Religionstheorie220Die Bibel230Das Christentum240Christliche Praxis & Beachtung250Christliche Pastoralpraxis & Ordensgemeinschaften260Christliche Organisation, Sozialarbeit & Anbetung270Geschichte des Christentums280Christliche Konfession290Andere Religionen Quelle:

Beispiele

Eine Suche bei der Deutschen Nationalbibliothek nach dem Stichwort Blog liefert den Sachbegriff Weblog und die DDC-Notation 006.752. Der Begriff schlüsselt sich wie folgt auf: KlasseInhalt0––.–––Informatik, Informationswissenschaft, allgemeine Werke00–.–––Informatik, Wissen, Systeme006.–––Spezielle Computerverfahren006.7––Multimediasysteme006.75-Einzelne Arten von Multimediasystemen006.752Blogs Weitere Beispiele:

Eichhörnchen = 599.362: Naturwissenschaften → Tiere (Zoologie) → Einzelne taxonomische Gruppen von Tieren → Verschiedenen Ordnungen von Eutheria (Plazentatiere) → Sciuridae (Hörnchen) → Sciurus (Eichhörnchen)

Gummibärchen werden eingeordnet unter 641.853 und 664.153. 641.853: Technik → Hauswirtschaft & Familie → Essen und Trinken → Kochen einzelner Arten von Gerichten und Zubereitung von Getränken → Konfitüren und Süßwaren → Süßwaren. 664.153: Technik → Chemische Verfahrenstechnik → Lebensmitteltechnologie → Zucker, Sirup, daraus entstandene Produkte → Zuckerprodukte → Süßwaren.

Quelle:

Literatur Heidrun Alex: DDC-Sachgruppen der Deutschen Nationalbibliografie: Leitfaden zu ihrer Vergabe; Leipzig 2004, ISBN 3-933641-57-8

Karl W. Bührer, Adolph Saager: Die Welt-Registratur. Das Melvil-Deweysche Dezimal-System. Seybold, Ansbach 1912 (Digitalisat) Lois Mai Chan, Joan S. Mitchell: Dewey-Dezimalklassifikation: Theorie und Praxis. Saur, München 2006, ISBN 978-3-598-11747-3 (Lehrbuch zur DDC 22) Melvil Dewey: A Classification and Subject Index for Cataloguing and Arranging the Books and Pamphlets of a Library. (Dewey Decimal Classification). 1876, E-Text (Project Gutenberg; englisch) Dewey-Dezimalklassifikation und Register: DDC 22;, begründet von Melvil Dewey, hrsg. von J. S. Mitchell unter Mitwirkung von J. Beall, G. Martin, W. E. Matthews, Jr., G. R. New (deutsche Ausgabe), 4 Bände, Saur, München 2005, ISBN 3-598-11651-9. Britta Haßelmeier: Die Dewey Decimal Classification: Eine Einführung im Zusammenhang mit dem Projekt „DDC Deutsch“; PDF – informative Hausarbeit 2003/2004 Konrad Umlauf: Einführung in die bibliothekarische Klassifikationstheorie und -praxis. Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Berlin 1999, (Letzte Änderung: 3. Februar 2015), PDF-Dokument Walther Umstätter: DDC in Europa. Hat der Einsatz in der Deutschen Nationalbibliothek … weitergebracht? … In: Bibliotheksdienst 42, S. 1194–1221. 2008.

Weblinks Offizielle deutsche DDC-Website Lizenz und Pflege der DDC Konsortium der UDC DDC-Suche: Deutsche Nationalbibliothek Geschachtelte Liste der Ebenen der DDC Suchmaschine für DDC-Klassen DeweyDigger Projektseite des DFG-Projekts DDC Deutsch

Einzelnachweise

Kategorie:Bibliotheksklassifikation