Zum Straßenradsport werden die Disziplinen des Radsports gezählt, die auf Straßen ausgetragen werden. Dies unterscheidet den Straßenradsport z. B. vom Bahnradsport, Cyclocross, Mountainbikesport, Gravelrennen und dem BMX-Rennsport.
Bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften werden die Disziplinen Straßenrennen, Einzelzeitfahren und Mannschaftszeitfahren ausgetragen. Zu den wichtigsten Straßenradrennen gehören neben den Weltmeisterschaften die großen Landesrundfahrten (Grand Tours) und die klassischen Eintagesrennen. Diese und andere sind in der UCI WorldTour bzw. der UCI Women’s WorldTour organisiert.
Im Breitensportbereich werden Radmarathons, Radtourenfahrten und Jedermannrennen organisiert.
Geschichte 1817–1892 mini|James Moore (r.)
Im Jahr 1817 erfand der Deutsche Karl von Drais die Laufmaschine, die Draisine genannt wurde. Diese gilt als erster Vorläufer des heutigen Fahrrads. Am 20. April 1829 fand das erste Zweirad-Rennen der Welt statt. Auf der 4,5 km langen Strecke zwischen Münchens Karolinenplatz und Schloss Nymphenburg nahmen 26 Fahrer teil. Der Sieger, auf einem Laufrad des Münchner Stellmachers Semler, legte die Distanz in 31 Minuten und 30 Sekunden zurück.Germanisches Nationalmuseum: Leben und Arbeiten im Industriezeitalter. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 1985, ISBN 3-8062-0443-8, S. 62.
Im Jahr 1861 entwickelte der Franzose Pierre Michaux ein Vehikel, das Veloziped genannt wurde. Bei diesem wurde am Vorderrad ein Pedalantrieb angebracht.
Am 7. November 1869 wurde zwischen Paris und Rouen erstmals ein Rennen ausgetragen, das von einer Stadt in eine andere führte. Der Engländer James Moore gewann das Rennen über 123 km in einer Zeit von 10:45 Stunden. Auch Frauenrennen waren zu dieser Zeit sehr beliebt. Zu den erfolgreichsten Fahrerinnen zählte „Miss America“, die auch an zahlreichen Männerrennen teilnahm, u. a. an Paris–Rouen, wo sie mit einem Rückstand von 12:10 h auf Moore ins Ziel kam.
In den 1870er-Jahren wurden in England und den Vereinigten Staaten sogenannte Hochräder gebaut. Durch ein deutlich größeres Vorderrad konnte die Abrollqualität verbessert werden. In den 1880er-Jahren wurden dann vermehrt sogenannte Niederräder gebaut. Durch die Anbringung eines Kettenantriebs am Hinterrad und die Verwendung von Luftreifen konnte die Sturzgefahr verringert werden.
1892–1935 mini|Maurice Garin (m.)
Im Jahr 1892 wurde das Eintagesrennen Lüttich–Bastogne–Lüttich, das älteste der fünf „Monumente des Radsports“, erstmals ausgetragen. Das Rennen über 250 km gewann der Belgier Léon Houa. Paris–Roubaix wurde erstmals 1896 ausgetragen, die Lombardei-Rundfahrt 1905, Mailand–Sanremo 1907 und die Flandern-Rundfahrt 1913.
Bei den Olympischen Sommerspielen 1896, den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, wurde ein Straßenrennen über 87 km durchgeführt. Erster Olympiasieger im Straßenrennen wurde der Grieche Aristidis Konstantinidis.
Im Jahr 1903 wurde das Etappenrennen Tour de France, die älteste der drei Grand Tours, erstmals ausgetragen. Das Rennen über 2.428 km, das in sechs Etappen durchgeführt wurde, gewann der Franzose Maurice Garin. Der Giro d’Italia wurde erstmals 1909 ausgetragen, die Vuelta a España 1935.
Der im Jahr 1900 gegründete Weltradsportverband UCI veranstaltete im Jahr 1921 erstmals eine Straßen-Weltmeisterschaft über eine Distanz von 190 km. Erster Weltmeister im Straßenrennen wurde der Schwede Gunnar Sköld.
1935–1998 mini|Eddy Merckx (r.)
Zwischen 1966 und 1976 gewann der Belgier Eddy Merckx fünfmal die Tour de France, fünfmal den Giro d’Italia, einmal die Vuelta a España, siebenmal Mailand–Sanremo, zweimal die Flandern-Rundfahrt, dreimal Paris–Roubaix, fünfmal Lüttich–Bastogne–Lüttich, zweimal die Lombardei-Rundfahrt und dreimal die Straßen-Weltmeisterschaft. Er ist damit der einzige Fahrer, der alle drei „Grand Tours“, alle fünf Monumente des Radsports und die Straßen-Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Er wurde allerdings während seiner Karriere dreimal positiv auf Doping getestet.
Zur Bekämpfung des Dopings im Radsport führte der Radsportweltverband UCI erst 1966 verbindliche Anti-Doping-Bestimmungen in sein Reglement auf. Nachdem sich im gleichen Jahr die drei Erstplatzierten des Flèche Wallonne (Michele Dancelli, Lucien Aimar und Rudi Altig) der Dopingkontrolle entzogen hatten, fand bei der Tour de France 1966 erstmals eine unangemeldete Dopingkontrolle statt. Gegen diese Maßnahmen streikten die Rennfahrer bei der nächsten Etappe. Durch einen Todesfall wurden die Gefahren der Dopingpraxis im Radsport später drastisch verdeutlicht: Bei der Tour 1967 starb Tom Simpson beim Anstieg zum Mont Ventoux unter Einfluss von Amphetaminen und Alkohol.
Seit 1998 Bei der Tour de France 1998 wurde die breite Öffentlichkeit erneut auf das systematische Doping im Straßenradsport aufmerksam. In einem Auto des französischen Festina-Teams wurden 400 Ampullen Epo und Anabolika gefunden. Nachdem der Teamchef Bruno Roussel organisiertes Doping innerhalb der Mannschaft gestanden hatte, wurde das Team nach der fünften Etappe von der Tour ausgeschlossen. Im Laufe der Tour kam es zu Ermittlungen gegen weitere Mannschaften, bei denen mehrere Personen festgenommen wurden. Auf die Behandlung ihrer Kollegen durch die Polizei reagierten die Fahrer mit einem Streik auf der 17. Etappe. Die Mannschaften ONCE, Banesto, Riso Scotti, Kelme, Vitalicio Seguros und TVM-Farm Frites stiegen aus der Tour aus. Der Italiener Marco Pantani gewann die Rundfahrt, ihm konnte allerdings nachträglich Doping mit Epo nachgewiesen werden.
Im Vorfeld der Tour de France 2006 wurde der größte Dopingskandal in der Geschichte des Straßenradsports öffentlich. In der Wohnung des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes fand die Polizei 1000 Einheiten Anabolika, 100 Beutel Blut, Mittel für Blutmanipulationen und Geräte für Bluttransfusionen. Zwei Tage vor Beginn der Tour veröffentlichte der spanische Radiosender Cadena Ser eine Liste von 58 Fahrern, die bei Fuentes Dopingmittel erworben haben sollen. Darunter befanden sich der Italiener Ivan Basso und der Deutsche Jan Ullrich, die beiden Favoriten auf den Gesamtsieg. Einen Tag später einigten sich die Teamchefs der teilnehmenden Mannschaften, dass die verdächtigten Fahrer nicht antreten würden und keine Fahrer nachnominiert werden dürften. Daraufhin wurde die spanische Mannschaft Astana-Würth von der Tour ausgeschlossen, da sie nicht die Mindestanzahl von sechs Fahrern melden konnte. Der US-Amerikaner Floyd Landis gewann die Rundfahrt, er wurde allerdings positiv auf Doping mit Testosteron getestet, sodass ihm der Sieg nachträglich aberkannt wurde.
Am 12. Juni 2012 klagte die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA Lance Armstrong, den Rekordsieger der Tour de France, wegen Dopings an. In Blutproben von 2009 und 2010 konnte Doping mit Epo oder Bluttransfusionen nachgewiesen werden, außerdem beschuldigten mehrere ehemalige Teamkollegen, darunter Floyd Landis, Armstrong des jahrelangen Dopings. Am 24. August erkannte ihm die USADA alle Titel seit dem 1. August 1998 ab und verhängte eine lebenslange Sperre gegen ihn, nachdem er erklärt hatte, sich nicht mehr vor dem Schiedsgericht verteidigen zu wollen. In einem am 17. Januar 2013 ausgestrahlten Fernsehinterview gestand Armstrong gegenüber Oprah Winfrey erstmals jahrelanges Doping mit verschiedenen Substanzen. Daraufhin erkannte ihm das Internationale Olympische Komitee auch die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren bei den Olympischen Spielen 2000 ab.
In einem im März 2015 veröffentlichten Bericht einer durch UCI eingesetzten Cycling Independent Reform Commission wurden auf zahlreiche Verstöße der UCI gegen das Antidoping-Reglement und gegen Good-Governance-Prinzipien während dieses Zeitraums hingewiesen.
Wettbewerbe Sieger eines Straßenradrennens ist grundsätzlich derjenige, der eine bestimmte Strecke am schnellsten zurückgelegt hat. Es gibt aber auch Wettbewerbsformen, bei denen es darauf ankommt, wer an einem bestimmten Streckenpunkt an wievielter Stelle den Zielstrich überfährt. Dabei werden Punkte (siehe Kriterium) sowie gelegentlich Zeitgutschriften (siehe Zwischensprints bei Etappenrennen) vergeben. Diese werden bei Kriterien im Verlauf des Rennens addiert, bei Rundfahrten dem jeweiligen Tagesergebnis in Punkten beziehungsweise in der Fahrtzeit hinzugerechnet beziehungsweise abgezogen, jedoch ausschließlich im Gesamtergebnis berücksichtigt.
Im Straßenradsport tritt üblicherweise eine größere Zahl von Radrennfahrern gegeneinander an. Die Wettbewerbe werden für Männer und Frauen veranstaltet. Im von den Mitgliedsverbänden der UCI organisierten Straßenradsport werden die Rennen für männliche und weibliche Teilnehmer getrennt ausgeführt.
Die wichtigsten Straßenradsportwettbewerbe sind:
Eintagesrennen (Straßenrennen) mini|Straßenrennen
Als Eintagesrennen (auch Straßenrennen oder Einerstraßenfahren) werden Straßenradrennen mit Massenstart bezeichnet, bei denen der erste Fahrer, der das Ziel erreicht, der Sieger ist. Abzugrenzen sind sie von den Rundstreckenrennen. Sie stellen die älteste Disziplin des Radsports überhaupt dar. Die Streckenlängen von Eintagesrennen können stark variieren, betragen mit wenigen Ausnahmen nicht mehr als 250 Kilometer. Die ältesten und berühmtesten Eintagesrennen werden als Klassiker bezeichnet. Eintagesrennen können zu Rennserien mit gemeinsamer Wertung zusammengefasst werden.
Rundstreckenrennen und Kriterien miniatur|Kriterium
Bei Kriterien und Rundstreckenrennen (im internationalen Sprachgebrauch und den Regeln der UCI werden auch Rundstreckenrennen als Kriterien bezeichnet) wird im Gegensatz zu den Eintagesrennen ein meist innerstädtischer Rundkurs befahren, der zwischen 800 Meter und zehn Kilometer messen muss. Rundstreckenrennen bieten sich mit ihren kurzen Kursen besonders in Städten an, da im Gegensatz zu normalen Eintagesrennen der Aufwand an Straßensperrungen minimiert wird. So können die Zuschauer die Fahrer mehrmals hautnah erleben und den Rennverlauf durch den Sprecher an der Strecke live nachvollziehen. Aufgelockert werden solche Rennen häufig durch Prämienwertungen, bei denen die Sieger von Zwischensprints Geld- oder Sachprämien erspurten können.
Eine Form von Rundstreckenrennen stellen die sogenannten Kriterien dar, bei denen der Sieger nicht derjenige Fahrer sein muss, der am Ende des Rennens zuerst die Ziellinie überquert. Bei Kriterien finden in regelmäßigen Abständen (beispielsweise alle fünf Runden) Punktewertungen statt, bei denen üblicherweise die ersten vier Fahrer 5, 3, 2 und einen Punkt erhalten. Sieger wird der Fahrer, der am Schluss des Rennens die meisten Punkte auf seinem Konto verbuchen kann. Allerdings geht ein Rundengewinn dem Gewinn dieser Punkte vor, sodass durchaus ein Fahrer gewinnen kann, der keine einzige Wertung gewonnen hat.
Einzel- und Mannschaftszeitfahren mini|Einzelzeitfahren mini|Mannschaftszeitfahren
Eine Sonderform des Straßenradrennens bilden die Zeitfahren, bei denen entweder einzelne Fahrer (Einzelzeitfahren) oder ganze Mannschaften (Mannschaftszeitfahren) nacheinander starten und der Sieger durch die individuelle Zeitnahme ermittelt wird. Zeitfahren werden häufig innerhalb von Etappenrennen ausgetragen oder finden im Rahmen von nationalen Meisterschaften statt. Einzelzeitfahren sind auch Bestandteil der Olympischen Spiele, Mannschaftszeitfahren waren es.
Etappenrennen (Rundfahrten) Als Etappenrennen werden Veranstaltungen bezeichnet, bei denen an mehreren Tagen nacheinander einzelne Wettkämpfe – sogenannte Etappen – ausgetragen werden, deren jeweilige Ergebnisse in einer Gesamtwertung nach Zeit addiert und damit zusammengefasst werden. Etappenrennen, die ein Land oder eine Region abdecken, werden häufig als Rundfahrten bezeichnet. Als ältestes und berühmtestes Etappenrennen der Welt gilt die Tour de France. Die einzelnen Etappen bestehen aus Massenstartrennen, die nach den Regeln für Eintagesrennen ausgetragen werden, Einzel- und Mannschaftszeitfahren.
Andere Wettbewerbe