Sie waren zehn ist ein Abenteuer- und Kriegsroman von Heinz G. Konsalik aus dem Jahr 1979, der in der Sowjetunion vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs spielt. Das Buch hat einen, an das historische Unternehmen Zeppelin angelehnten, Anschlag einer Kommandogruppe ausgesuchter Fallschirmjäger auf Stalin zum Thema.
Inhalt Im Sommer 1944 trifft die Abwehrabteilung Canaris die Entscheidung, Stalin zu töten und dadurch noch eine Kriegswende herbeizuführen. Für das Unternehmen „Wildgänse“ werden zehn deutsche Offiziere ausgesucht, die alle Russisch sprechen und eine neue Identität annehmen sollen. Sie werden in einer harten Ausbildung auf diesen Einsatz ausgebildet und schließlich mit dem Fallschirm, getrennt voneinander, vor Moskau abgeworfen. Die Männer sollen sich dort unerkannt unter das Volk mischen, dann unbemerkt in den Kreml eindringen und dort einen Anschlag auf Stalin verüben. Doch dieser hat drei Doppelgänger eingesetzt und kann somit dem Attentat entkommen. Bis auf vier Personen kommen alle Kommandosoldaten um.
Klappentext
Handlung Die Rahmenhandlung beginnt im Jahr 1978 mit der Aussiedlung der Familie Boranow von Moskau nach Deutschland. Der Familienvater Kyrill Semjonowitsch Boranow ist deutschstämmig und war während des Krieges Hauptmann der Wehrmacht. Seine wahre Identität lautet Asgard Kuehenberg. Wegen seiner Vergangenheit musste er zehn Jahre im sibirischen Arbeitslager Kolpotschewa, Arbeitsbezirk Narym, verbringen. Auch wurde er mehrfach vom KGB verhört und gefoltert. Vor ihrer Ausreise werden sie noch von einem sowjetischen Kommissar befragt. Er drückt ihnen seine vollste Verachtung dafür aus, dass sie freiwillig „Mütterchen Russland“ verlassen wollen, erklärt, dass diese Ausreise endgültig ist und sie danach niemals wieder in die Sowjetunion einreisen dürfen, händigt ihnen am Ende aber doch noch ihre Ausreisepapiere aus. Kyrill Semjonowitsch Boranow hatte eine gut bezahlte Arbeit als Inspekteur bei der Straßenbahn und konnte sich für seine Familie ein Leben im bescheidenen Wohlstand leisten. Doch im Alter sehnt er sich immer mehr nach der alten Heimat. Seine Frau Lyra ist Moskowiterin und auch seine Kinder sind in Russland geboren. Doch ihr Entschluss ist unwiderruflich. Ihre Reise soll die Familie Boranow über Bebra, Göttingen ins Lager Friedland führen. Der 62-jährige Kuehenberg will endlich wieder frei sein und hat als Übersiedlungsadresse Köln angegeben, wo ein ehemaliger Kamerad, Oberleutnant Willy Hecht, lebt. Im Lager Friedland wird Kuehenberg von Hauptmann Heinz Wildeshagen, Beamter des BND, abgefangen und zu einer geheimen Wehrmachtsoperation, dem Unternehmen „Wildgänse“, befragt. Am Anfang reagiert Kuehenberg ungehalten darauf, immer wieder zu seiner Vergangenheit befragt zu werden, einer Geschichte, mit der er längst abgeschlossen hat. Wildeshagen ermöglicht der Familie einen Aufenthalt im Kölner Nobelhotel Blum, überweist der Familie, die kaum über finanzielle Mittel verfügt, DM 5.000,- und nimmt Kuehenberg auf die Bonner Hardthöhe mit, wo er bereits erwartet wird. Vorher machen sie Rast auf der Autobahn und Kuehenberg will auf provozierende Weise die neue Freiheit testen, indem er in aller Öffentlichkeit „Bundeskanzler Schmidt ist ein Arschloch!“Heinz Konsalik: Sie waren zehn. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1979, ISBN 3-442-06423-6, S. 22. ausruft. Zu seiner großen Überraschung wird er weder von der Bevölkerung zusammengeschlagen noch von einem Geheimdienst verhaftet. Seitdem ist ihm bewusst, mit der Auswanderung in ein westliches Land den richtigen Schritt gemacht zu haben. Die Familie Kuehenberg ist von der Überflussgesellschaft schwer beeindruckt.
Der Gastgeber auf der Hardthöhe ist sein alter Freund Willy Hecht, mittlerweile zum Generalleutnant der Bundeswehr befördert. Hecht will alles über „Wildgänse“ wissen. Bei ihrer Aufarbeitung der Geschichte des Dritten Reiches und der Wehrmachtsvergangenheit ist die Operation „Wildgänse“ bis jetzt ein Mysterium geblieben. Sämtliche Personalakten aus dieser Zeit sind verschwunden. Auch die Suchmeldungen, die seit 1946 vom DRK abgesetzt wurden, brachten keinen Erfolg. Seine Frage zielt auf die Geschichte und das Schicksal der zehn Männer ab, die vor 34 Jahren an zehn Plätzen vor Moskau abgesetzt wurden. Kuehenberg eröffnet ihm, dass nicht alle zehn umkamen, sondern dass immer noch vier von ihnen unter falschen Identitäten in Russland leben. Unter der Einhaltung einer gewissen Verschwiegenheit verspricht Kuehenberg seinem alten Freund, ihre Geschichte zu erzählen.
Damit setzt die eigentliche Handlung im Jahr 1944 ein.
Oberleutnant Radek kämpft in einem Frontabschnitt bei Pleskau. Es ist ein elender Sektor und um ihn herum tobt das anonyme Sterben. Seine Kompanie muss sich in Erdlöchern vor sowjetischen Scharfschützen in Sicherheit bringen. Täglich entbrennen kleinere Gefechte mit feindlichen Stoßtrupps. Die Hoffnung auf ein baldiges Ausweichen in eine rückwärtige Auffangstellung lässt die Moral nicht komplett zusammenbrechen. Da erhält Radek vom OKW den Befehl, sofort nach Eberswalde bei Berlin zu verlegen.
Oberleutnant von Ranowski ist in einem Abschnitt bei Orscha eingesetzt, in dem derzeit starke Partisanenaktivität herrscht. Er hat den Auftrag, die lebensnotwendige Rollbahn gegen weitere Sabotageakte zu schützen. von Ranowski erlebt den Krieg von seiner schlimmsten Seite. Es ist auf beiden Seiten ein grausames Abschlachten. Der Zivilbevölkerung geht es sehr schlecht und sie muss hungern. Die Rote Armee fordert die Frauen auf, sich für ihr „Vaterland“ auf Geschlechtsverkehr mit den Besatzern einzulassen („Denkt immer daran: Das ist ein Opfer für das Vaterland! […] Man kann es nachher abwaschen, alles kann man abwaschen, liebe Genossinen , es dringt ja nicht in die Seele. Nur die Haut ist’s. Eure Brüder geben ihr Leben…was ist dagegen euer Opfer?“Heinz Konsalik: Sie waren zehn. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1979, ISBN 3-442-06423-6, S. 38.), um sie in einem ungeschützten Moment besser umbringen zu können. Er selbst hat Hemmungen, in der Nacht auf Frauen und Kinder zu schießen, die Sprengladungen an die Eisenbahnschienen anbringen. Da erhält v. Ranowski den Marschbefehl nach Eberswalde.
Leutnant Solbreit, der selbsternannte „Sumpfkönig“ befindet sich in einer Art „Guerillakrieg“ in der lebensfeindlichen Umgebung der Pripjetsümpfe. Hier ist der Krieg anders als an anderen Orten der Ostfront. Anstatt in Panzerschlachten dominiert auf dem sumpfigen Boden der Nahkampf von Mann zu Mann. Es ist in der dichten, unwegsamen Vegetation eine Art „Dschungelkrieg“ gegen einen unsichtbaren Feind, der meist überraschend aus dem Hinterhalt zuschlägt. Nach einem Streifengang in den Wasserläufen wird Solbreit nach Eberswalde befohlen.
Leutnant von Baldenow ist stellvertretender Kommandeur des Kavallerie-Regimentes 2 „Öseler Husaren“. v. Baldenow ist ein Kriegsheld der Panzervernichtung. Mit der PAK hat er neun sowjetische T-34 abgeschossen und ist damit Aspirant auf das Ritterkreuz. Für ihn ging es jedoch nicht um Heldentaten, sondern ums nackte Überleben. Während seines Heimaturlaubs in Ostpreußen erholt er sich von den Strapazen des Frontalltags und genießt bei seinen Waldausritten zahlreiche sexuelle Eskapaden mit adeligen Freifräuleins. Danach muss er auf dem schnellsten Wege nach Eberswalde.
Leutnant Poltmann liegt mit einem leichten Steißschuss verletzt im Lazarett der Etappe von Mogilew und wird aufgrund seiner blonden Locken von den Schwestern und Schwesternhelferinnen angehimmelt. Er genießt seine starke erotische Anziehungskraft auf die „Karbolmäuschen“,umgangssprachlich für Krankenschwester „Blitzmädchen“, Nachrichtenhelferinnen und Krankenschwestern, bei denen er eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Mit einem Flugzeug wird er nach Eberswalde geflogen.
Oberleutnant Adler, ein Liebhaber klassischer Musik, hat im Gegensatz zu vielen Kameraden großes Glück und ist im äußerst ruhigen Norwegen eingesetzt, wo es kaum Feindseligkeiten gibt und er ungestört faulenzen, Lachse angeln, sonnenbaden und dabei die paradiesische Natur im Sauda-Fjord genießen kann – bis er nach Eberswalde aufbrechen muss.
Hauptmann Kuehenberg hat für besondere Tapferkeit das Deutsche Kreuz in Gold verliehen bekommen und wird dafür bei seiner Familie auf dem Gut Thernauen im lettischen Livland, in der Nähe von Dünaburg, gefeiert. Sein Vater Elmfried ist besonders stolz auf ihn und während eines Heimaturlaubes wird er auf verschiedenen gesellschaftlichen Empfängen des Landadels „herumgereicht“. Asgard warnt seinen Vater vor einer bevorstehenden Offensive. Doch der will nichts davon wissen und sieht seinen Platz auf dem landwirtschaftlichen Gut und seiner Trakehnerzucht. Nur wenige Wochen später wird er von einem Rotarmisten mit einem Gewehrkolben erschlagen. Asgar ist längst in Eberswalde und wird in das Unternehmen „Wildgänse“ eingeweiht.
Ein Spähtrupp unter der Führung von Leutnant Semper requiriert von armen Bauern ein Schwein in der Nähe der „Frontnase von Kowel“. Es ist eine Gegend mit ebenfalls starker Partisanenaktivität und die Bevölkerung kämpft gegen den Hungertod. Die Frontsoldaten verspüren große Verachtung gegenüber den wohlgenährten Soldaten in der Etappe. Bevor jedoch das Schwein geschlachtet wird, muss Semper überraschend zu einem Sonderunternehmen nach Deutschland.
Der Ritterkreuzträger Major von Labitz feiert in Tiraspol die Geburt seines Stammhalters, Heiko von Labitz, in der fernen Heimat. Dazu lädt er Offiziere mehrerer Bataillone und den Divisionskommandeur für ein opulentes Mahl ein. Dann muss er einem Befehl des OKW folgen und sich unverzüglich in Eberswalde einfinden. Seinen Sohn Heiko bekommt er nie zu Gesicht.
Fähnrich Dallburg ist der Jüngste, der „Benjamin“Der Glückliche der „Zehn“. Er dient in Frankreich beim Regiment 914 der 352. Infanterie-Division. Die derzeit einzige „Gefahr“ im ruhigen Frankreich ist, sich mit Tripper zu infizieren. Dallberg verliebt sich in die Gelegenheitsprostituierte Gabrielle, wird quasi aus ihrem Bett gezerrt und muss sich in Eberswalde melden.
Nach und nach treffen die zehn Offiziere in der Offiziersreitschulemöglicherweise ist die Heeres Reit- und Fahrschule und Kavallerieschule Krampnitz gemeintDie Geschichte der Kaserne Krampnitz. Von der Reitschule zur Filmkulisse. In: Potsdamer Neuste Nachrichten. 20. Januar 2013. in Eberswalde ein. Leiter des Unternehmens sind Oberst von Renneberg und Oberstleutnant Hansekamm. Zuvor haben Renneberg und der Chef des OKW, Generalfeldmarschall Keitel, eine Unterredung mit Hitler in der Wolfsschanze und dort eine Freigabe für die Geheime Reichssache erwirkt. Es wird nach eigener Darstellung „das größte und riskanteste Unternehmen des Krieges“ werden. Offiziell sind die zehn Offiziere von ihren Einheiten verschwunden, sie werden für tot erklärt und ihre Personalakten vernichtet. Zu dieser Geheimoperation existieren weder schriftliche Unterlagen noch irgendwelche Notizen. Durch die Liquidierung von Stalin erhofft sich das OKW eine Lähmung Russlands und das Verhindern eines totalen Zusammenbruchs der deutschen Kriegsfronten quasi „in letzter Minute“. Nicht einmal Himmler und Bormann werden von dieser Operation unterrichtet.
Währenddessen findet am 6. Juni 1944 die Invasion in der Normandie statt und der Fokus steht nicht mehr auf der Ostfront.