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Das Zeughaus ist ein Baudenkmal an der Prachtstraße Unter den Linden 2 im Berliner Ortsteil Mitte und Teil des Forum Fridericianum. Errichtet 1695 bis 1706 von Johann Arnold Nering, Martin Grünberg, Andreas Schlüter und Jean de Bodt im Stil des Barock als Zeughaus für die Brandenburgisch-Preußische Armee, wandelte es sich 1880 zum Museumsgebäude („Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee“). Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde es 1948 bis 1965 wiederaufgebaut. Von 1952 bis 1990 beherbergte es das Museum für Deutsche Geschichte als zentrales historisches Museum Ost-Berlins. Seit 1990 beheimatet es das Deutsche Historische Museum.

Im Juni 2021 schloss das Zeughaus wegen Instandsetzung des Gebäudes und einer Neugestaltung der Dauerausstellung. Bis Anfang 2026 hatten die Bauarbeiten noch nicht begonnen, sollen jedoch 2031 beendet sein. Der Museumsbetrieb findet im benachbarten Pei-Bau statt.Sanierung im Deutschen Historischen Museum verzögert sich um Jahre. Beitrag von rbb24 vom 23. Januar 2026.

Baugeschichte mini|Auf- und Grundriss des Zeughauses, Zeichnung von Jean de Bodt, vor 1706 mini|Kolonnade des Louvre, Vorbild für das Zeughaus mini|Kronprinzenpalais (links) und Zeughaus (rechts), Stich von J. G. Rosenberg, 1780 mini|Blick vom Blücher-Denkmal (rechts) zum Zeughaus (links), um 1900

Beginn unter Friedrich III. Bereits 1667 verfügte Kurfürst Friedrich Wilhelm in seinem politischen Testament, dass „ein schönes Zeughaus allda angelegt werden muss“. Der Pariser Hofarchitekt François Blondel wurde mit der Anfertigung eines Entwurfs beauftragt, den er bis 1685 einreichte. Ein Standort in unmittelbarer Nähe der Berliner Befestigungsanlagen und allgemeine Vorstellungen zum Bau wurden festgelegt, doch es fehlte das Geld. Erst am 28. Mai 1695 ließ Kurfürst Friedrich III. den Grundstein für das älteste Bauwerk an der Prachtstraße Unter den Linden legen. Seine Krönung zum König in Preußen (1701) und militärische Erfolge der Armee Brandenburg-Preußens beförderten die Absicht, Berlin als Residenzstadt mit repräsentativen Gebäuden zu schmücken.

Erster Baumeister war Johann Arnold Nering, der bereits 1688 mit der Planung beauftragt worden war. Nach Nerings frühem Tod 1695 wurde Martin Grünberg sein Nachfolger, fühlte sich aber schon 1698 überlastet durch seine vielfältigen Aufgaben als Hofbaumeister und bat um seine Entlassung vom Zeughausbau. Ende März 1698 übernahm Andreas Schlüter die Bauleitung. Schlüter hatte als Bildhauer großen Anteil an der Ausgestaltung des Zeughauses, sein Beitrag als Architekt blieb jedoch unbedeutend, da seine Entwürfe kaum über die Planung Nerings hinausgingen und von seinem Nachfolger überarbeitet werden mussten. Schlüter wies auf bautechnische Mängel hin, die er vorgefunden hatte, eine Untersuchung wurde durchgeführt und blieb ohne Folgen. Am 5. August 1699 stürzte ein Pfeiler des Ostflügels ein. Die Schuldfrage war wegen des häufigen Wechsels der Baumeister nicht eindeutig zu klären, offensichtlich aber reichten Schlüters Maßnahmen nicht aus, die Misere zu beheben.

Im Herbst 1699 übernahm der französische Architekt Jean de Bodt die Bauleitung am Zeughaus. Nach kurzem Architekturstudium in Paris hatte er Frankreich 1685 verlassen, um Verfolgungen wegen seines protestantischen Glaubens zu entgehen. Als Offizier im Dienste Prinz Wilhelms III. von Oranien fand er Gelegenheit, neben der Teilnahme an verschiedenen Feldzügen seine Studien in den Niederlanden und in England fortzusetzen. Er war erst 29 Jahre alt, als er für die Leitung des gesamten Bauwesens nach Berlin berufen wurde und mit umfangreichen Sicherungsmaßnahmen am Zeughaus begann. Danach veränderte er schrittweise die alten Pläne und fand neue Formen, die durch die französische Klassik, insbesondere die 1667 bis 1674 von Claude Perrault erbaute Kolonnade des Pariser Louvre, und die englische Architektur des ausgehenden 17. Jahrhunderts beeinflusst waren. Wesentliche Elemente des Gebäudes gehen auf seine Konzepte zurück.

Vollendung unter Friedrich Wilhelm I. Im Jahre 1706 stellte der französische Bildhauer Guillaume Hulot das Hauptportal mit dem vergoldeten Brustbild König Friedrichs I. fertig. Damit galt der Bau als errichtet. In Wahrheit war er noch lange nicht fertig. Die Arbeiten gerieten immer wieder ins Stocken, die Verwendung billiger Baumaterialien verursachte sogar erste Anzeichen drohenden Verfalls. Friedrichs I. Politik, Berlin durch einen aufwändigen Hofstaat und umfangreiches Mäzenatentum zu einer berühmten königlichen Residenz in Europa zu machen, überforderte die ökonomischen Möglichkeiten Brandenburg-Preußens deutlich. Die Baugeschichte des Zeughauses wurde zum Spiegelbild der oft verzweifelten finanziellen Situation.

1713 starb Friedrich I., sein Sohn Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) versuchte, die zerrütteten Staatsfinanzen durch strenge Sparsamkeit zu sanieren. Er beendete die umfangreiche öffentliche Bautätigkeit und behandelte das Zeughaus nicht mehr als Repräsentationsobjekt, sondern als reinen Nutzbau. Abzulesen war das am Innenausbau des Gebäudes, der im Vergleich zu den prächtigen Fassaden schlicht und zweckbetont wirkte. Erst 1729 wurden die letzten notwendigen Mittel bewilligt, nach 35-jähriger Bauzeit konnte das Zeughaus seiner Bestimmung übergeben werden. Entstanden war ein monumentaler, streng gegliederter zweigeschossiger Bau mit einem fast quadratischen Grundriss von 90 Metern Seitenlänge und mit zahlreichen schmückenden Skulpturen. Er umschließt einen ebenfalls beinahe quadratischen Innenhof von 38 Metern Seitenlänge. Am Hauptportal ist eine programmatische lateinische Inschrift zu lesen:

Iustitiae armorum terrori Host[ium] / Tutelae suorum pop[ulorm] et foederat[orum] / Fridericus I / Rex Boruss[iae] PPP Aug[ustus] inv[ictus] / Hoc armamentarium omni instrum[entorum] bell[icorum] / Nec non spolior[um] milit[um] / Ac trophaeor[um] genere refertum / A fundam extruendum cur[avit] MDCCVI.

Den Waffentaten zur Anerkennung, den Feinden zum Schrecken, seinen Völkern und Bundesgenossen zum Schutz, hat Friedrich I., der erhabene und unbesiegte König von Preußen dieses Zeughaus zur Bergung aller Kriegswerkzeuge sowie kriegerischer Beute und Trophäen von Grund auf erbauen lassen im Jahre 1706.Übersetzung von Eva Zwach: Deutsche und englische Militärmuseen im 20. Jahrhundert. LIT Verlag, Berlin–Hamburg–Münster 1999, S. 67.

Einbau der Ruhmeshalle mit Kuppel Kaiser Wilhelm I. ließ das Zeughaus zwischen 1877 und 1880 zur „Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee“ umbauen; Friedrich Hitzig leitete die Arbeiten.

Zerstörung und Wiederaufbau mini|Wiederaufbau des Zeughauses, 1953 mini|Blick von der Kuppel des Berliner Doms zum Zeughaus, 2006 Während des Zweiten Weltkriegs wurden ab September 1944 Teile der Sammlungen zu deren Schutz ausgelagert; dabei entstanden große Lücken in den Beständen. Gegen Kriegsende erlitt das Gebäude selbst schwere Schäden durch Bomben und Granaten. Die Fassaden wurden mehrfach durchbrochen, das Dachgeschoss brannte aus, die Gewölbe wurden erschüttert. Mit Ausnahme der gesicherten Kriegerköpfe Schlüters waren 60 Prozent der Skulpturen beschädigt.Götz Eckardt (Herausgeber): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Band 1. Henschel, Berlin 1980, Seite 47 f. Im Jahr 1945 verfügte die Alliierte Kommandantur das Ende des Kriegsmuseums Zeughaus in Berlin. Die Sowjetische Besatzungsmacht ordnete nach einem zuvor in Auftrag gegebenen Gutachten mit dem Befehl Nr. 148 den schnellen Wiederaufbau des Hauses an.Akte im LA Berlin: C Rep. 109 Nr. 903 1946–1947: Bericht über den baulichen Zustand (Februar 1946); Wiederaufbau des Zeughauses (Unter den Linden) gemäß Befehl Nr. 148 des sowjetischen Militärkommandanten vom 24. Oktober 1947; Schreiben des Direktors der ehemaligen staatlichen Museen zur Situation des Gebäudes.- Gutachten zur Wiederherstellung.- Baukorrespondenz. Gebäudenachweis vom 20. Juni 1911 (Abschrift). - Indexnummer: 494.

Der Wiederaufbau des Zeughauses als Museum für Deutsche Geschichte dauerte von 1948 bis 1965.Dehio-Handbuch Berlin, S. 67 ff. Das Haus wurde in seiner ursprünglichen Form, ohne die nachträglichen Einbauten der Ruhmeshalle von Friedrich Hitzig aus dem späten 19. Jahrhundert, wiederhergestellt. Nachdem sich die Bausubstanz als bedeutend schlechter erwiesen hatte als angenommen, begann 1950 die vollständige Entkernung des Zeughauses. Das Innere wurde durch eine moderne Konstruktion aus Stahl und Beton ersetzt, erhalten blieben nur die barocken Außenmauern mit dem skulpturalen Schmuck. Die Eingangshalle erhielt in den 1950er Jahren eine repräsentative Gestaltung im Stil des sozialistischen Klassizismus.

Nach der Wiedervereinigung erfolgte bis 2003 eine umfangreiche Sanierung, bei der die roséfarbene Fassadengestaltung wiederhergestellt und der barocke Skulpturenschmuck restauriert wurde. Auf der Rückseite entstand nach Plänen des chinesisch-amerikanischen Architekten I. M. Pei ein postmoderner Ausstellungsbau, der durch einen unterirdischen Gang mit dem Zeughaus verbunden ist. Pei entwarf auch das gewölbte Glasdach im Innenhof.

Skulpturen mini|Trophäen über dem Haupteingang Unter den Linden mini|Innenhof mit den Skulpturen von Andreas Schlüter mini|Kopf eines sterbenden Kriegers im Innenhof

Programm Mit der Zweckbestimmung des Zeughauses war auch der Themenkatalog für seine bauplastische Ausstattung vorgegeben. Es ging um die Verherrlichung der Kriegskunst und um eine Huldigung an den Kriegsherrn. Von 1696 bis 1699 wurde das Programm der Skulpturen maßgeblich von Andreas Schlüter gestaltet, danach bestimmte Jean de Bodt als leitender Architekt Themenwahl und Formgebung für die Balustradenplastik und die drei Giebelreliefs. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch Hulot. Als künstlerisch wichtigste Beiträge gelten die Skulpturen Schlüters. Auf einer Italienreise 1696 hatte er Arbeiten von Michelangelo und Bernini kennengelernt und war von ihnen beeinflusst worden. Ihm und seiner Werkstatt werden alle 76 Schlusssteine an den Außenfassaden des Erdgeschosses zugeschrieben. Unter den Federbüschen barocker Prunkhelme, die als Siegestrophäen zu verstehen sind, sieht man Löwen, Adler, verschiedene Fabelwesen, Lorbeerzweige, Sklavenfiguren und andere Motive in phantasievoller Gestaltung.

Außenfassade Die Ost-, Süd- und Westfassade des Zeughauses werden durch Mittelrisalite mit einem bekrönenden Giebeldreieck hervorgehoben. Die Dachbalustraden tragen 44 einfache, aus Rumpf und Helm bestehende Einzeltrophäen und 12 große, pyramidal komponierte Trophäengruppen. Je zwei Trophäengruppen sind hinter den Giebeldreiecken postiert (Giebeltrophäen) und je eine rechts und links über den Seitenportalen (Seitentrophäen).#Müller 1994, Seite 98–99, #Dautel 2001, Seite 33–34. Unter der Dachtraufe verläuft über alle Fassaden hinweg ein durchgängiger Triglyphen- und Metopenfries, dessen Metopen mit Waffenreliefs besetzt sind. Die Fenster unter den Giebel- und Seitentrophäen tragen im ersten Stock Giebelverdachungen, die von einer Maske mit zwei flankierenden Trophäen bekrönt werden.