Die Rote Liste gefährdeter Arten 2024 der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources listet 164 Vogelarten, die nach dem Jahre 1500 weltweit ausgestorben sind. Die globale Vogelnamenliste des International Ornithological Congress aus dem Jahr 2023 verzeichnet hingegen 162 rezent ausgestorbene Vogelarten und 91 Unterarten. Darüber hinaus gilt eine unbekannte Anzahl von Vogeltaxa als verschollen oder vermutlich ausgestorben, da sie entweder seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen wurden oder ihr Lebensraum so stark zerstört ist, dass ein weiteres Überleben unwahrscheinlich erscheint. Das Jahr 1500 gilt für die IUCN als Schlüsseljahr, da ab diesem Zeitpunkt die Entdeckung und Besiedelung der entlegensten Erdwinkel durch die Europäer eingeleitet wurde und sowohl die Menschen als auch faunenfremde Tierarten, wie Katzen und Ratten, ein Massenaussterben vieler Vogeltaxa verursachten. In der Wissenschaftszeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Berechnungen ergaben, dass heutzutage rund zwölf Prozent aller Vogelarten akut vom Aussterben bedroht und weitere zwölf Prozent gefährdet sind. Aufgrund der Datenlage gehen die Forscher davon aus, dass am Ende des 21. Jahrhunderts mindestens zehn Vogelspezies pro Jahr aussterben werden.12 Prozent aller Vogelarten von Ausrottung bedoht. Auf: wissenschaft.de vom 7. Juli 2006. Vor allem endemische Arten auf abgelegenen Inseln sind vom Aussterben betroffen. Auch der Bestand auf der relativ kleinen Insel Guam wurde durch das Auftreten der Braunen Nachtbaumnatter schwer getroffen. Dennoch werden von Zeit zu Zeit vermeintlich ausgestorbene Vogelarten wiederentdeckt. In Europa sind in historischer Zeit mindestens drei Arten ausgestorben, der Riesenalk, der Kanaren-Austernfischer und der Dünnschnabel-Brachvogel.
Nach 1500 ausgestorbene Vogelarten und -unterarten † = ausgestorbene Familie
Struthioniformes Strauße Unterarten Arabischer Strauß, Struthio camelus syriacus, Arabische Halbinsel, 1966
Casuariiformes Emus und Kasuare Unterarten hochkant|links|mini|Tasmanischer Emu hochkant|links|mini|Schwarzer Emu Tasmanischer Emu, Dromaius novaehollandiae diemenensis, Tasmanien, 1873 Schwarzer Emu, Dromaius novaehollandiae ater (King Island, Australien, 1822) Starb ca. 1805 in der Wildnis aus. Das letzte Exemplar in menschlicher Obhut starb 1822 im Botanischen Garten von Paris, Jardin des Plantes. Känguru-Insel-Emu, Dromaius novaehollandiae baudinianus (Känguru-Insel, Australien, 1827)
Sphenisciformes Pinguine Arten Waitaha-Pinguin, Megadyptes waitaha (Südinsel, Neuseeland, 16. Jahrhundert) Verschwand zwischen 1500 und 1550 vor der Entdeckung durch die Europäer
Anseriformes Entenvögel, Gänsevögel und Schwäne mini|Schopfgans (Tadorna cristata) mini|Labradorente (Camptorhynchus labradorius) Illustration Louis Agassiz Fuertes, aus A Natural History of Ducks, 1922 mini|Aucklandsäger (Mergus australis) Illustration John Gerrard Keulemans, aus A History of the Birds of New Zealand, Vol. II, 1888 Arten Schopfgans, Tadorna cristata (Nordostasien, spätes 20. Jahrhundert?) Eine urtümliche Halbgans aus Nordostasien. Offiziell als „vom Aussterben bedroht“ gelistet, obwohl der letzte gesicherte Nachweis aus dem Jahre 1964 stammt. Réunion-Gans, Alopochen kervazoi (Réunion, Maskarenen, ca. 1690er Jahre) Mauritius-Gans, Alopochen mauritiaa (Mauritius, Maskarenen, ca. 1690er Jahre) Amsterdamente, Mareca marecula (Amsterdam-Insel, südlicher Indischer Ozean, ca. 1800) Mauritiusente, Anas theodori (Mauritius und Réunion, Maskarenen, ca. 1690er Jahre) mini|Rosenkopfente (Rhodonessa caryophyllacea) Illustration William Foster, aus The game birds of India, Burmah, and Ceylon, Vol. III, 1881 Finschs Ente, Chenonetta finschi aus Neuseeland. Überwiegend nur durch subfossile Knochenfunde bekannt. Ein Fund einer unbekannten Entenart aus dem Jahre 1870 könnte auf diese Art schließen. Rosenkopfente, Rhodonessa caryophyllacea (Ostindien, Bangladesch, nördliches Myanmar, 1945?) – ein Vorschlag, die Art in die Gattung Netta zu stellen, ist nicht allgemein akzeptiert. Offiziell als „vom Aussterben bedroht“ gelistet; jüngste Expeditionen zur Wiederentdeckung dieser Art sind bisher fehlgeschlagen Labradorente, Camptorhynchus labradorius (nordöstliches Nordamerika, ca. 1880) Aucklandsäger, Mergus australis (Auckland-Inseln, Südwestpazifik, ca. 1902)
Unterarten Rennell-Weißkehlente Anas gibberifrons remissa (Rennell, Salomonen, 1959 zuletzt nachgewiesen) Nördliche Spitzschwanzente Anas georgica niceforoi (Kolumbien, 1950er Jahre) Die letzten bekannten Exemplare wurden 1956 nachgewiesen. Borreros Zimtente Spatula cyanoptera borreroi (Kolumbien, spätes 20. Jahrhundert) 1974 bereits für ausgestorben gehalten, wurden in den 1990er Jahren ein paar Exemplare kurzfristig wiederentdeckt.
Galliformes Hühnervögel und Verwandte Arten Raoulinsel-Großfußhuhn, Megapodius sp. (Raoul Island, Kermadecinseln, 1876) Ein Großfußhuhn, das auf der Raoulinsel vorkam, bis die Population durch einen Vulkanausbruch ausgelöscht wurde. Könnte konspezifisch mit dem Tonga-Großfußhuhn (Megapodius pritchardii) gewesen sein. Neuseeländische Schwarzbrustwachtel, Coturnix novaezelandiae (Neuseeland, 1875) Himalayawachtel, Ophrysia superciliosa (Nordindien, spätes 19. Jahrhundert?) Offiziell als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Seit 1876 nicht mehr gesichert nachgewiesen. Im Jahre 2003 gab es im Naini-Tal (Nepal) unbestätigte Sichtungen.
Unterarten Francolinus francolinus ssp. (Sizilien, Mittelmeer, ca. 1869) Heidehuhn (Tympanuchus cupido cupido), (Martha’s Vineyard, 1932), isolierte östlich Unterart und Nominatform des Präriehuhns Tympanuchus phasianellus hueyi (New Mexico, Nordamerika, 1954), südlichste Unterart des Schweifhuhns Numida meleagris sabyi (Marokko, ca. 1950), isolierte nördliche Unterart des Helmperlhuhns Colinus virginianus insulanus (Florida, ca. 1888), Unterart der Virginiawachtel auf der Inselkette der Florida Keys
Charadriiformes Regenpfeiferartige, Möwen und Alkenvögel mini|Riesenalk (Alca impennis) Illustration Heinrich Harder, aus Tiere der Urwelt, ca. 1900 Arten Javakiebitz, Vanellus macropterus (Java, Indonesien, Mitte des 20. Jahrhunderts) Offiziell als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Dieser auffällige Vogel wurde seit 1940 nicht mehr gesichert nachgewiesen, daher ist zu befürchten, dass er ausgestorben ist. Tahiti-Südseeläufer, Prosobonia leucoptera (Tahiti, Gesellschaftsinseln, 19. Jahrhundert) Kiritimati-Südseeläufer, Prosobonia cancellata (Kiritimati, Kiribati, 19. Jahrhundert) nur von einer Zeichnung bekannt. Wurde vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts durch Ratten ausgerottet. Moorea-Südseeläufer (Prosobonia ellisi) (Moorea, Gesellschaftsinseln, wurde zuletzt 1777 gesichtet) Eskimobrachvogel, Numenius borealis (nördliches Nordamerika, Überwinterungsplätze: Südamerika, spätes 20. Jahrhundert?) Wurde 1963 zuletzt gesichtet; offiziell als „vom Aussterben bedroht (vermutlich ausgestorben)“ gelistet. Dünnschnabel-Brachvogel, Numenius tenuirostris (unbekannte Brutgebiete, ursprünglich in Sibirien, Anfang des 21. Jahrhunderts?) Erlebte in den vergangenen Jahrzehnten einen dramatischen Rückgang, die letzte bestätigte Sichtung war im Jahr 1995. Wurde 2025 für ausgestorben erklärt. Riesenalk, Pinguinus impennis (Nordatlantik, ca. 1844) Kanaren-Austernfischer, Haematopus meadewaldoi (Fuerteventura und Lanzarote, Kanarische Inseln), seit den 1940er Jahren nicht mehr gesichert nachgewiesen. Nordinsel-Schnepfe, Coenocorypha barrierensis (Nordinsel, Neuseeland, 1870er Jahre) Stewartschnepfe, Coenocorypha iredalei (Südinsel, Neuseeland und Stewart Island, 1964) Neukaledonien-Laufhühnchen Turnix novaecaledoniae (Neukaledonien, Melanesien, frühes 20. Jahrhundert) Wurde zeitweise als Hybride, eingeführte Art oder Unterart des Buntlaufhühnchens betrachtet. Zahlreiche subfossile Knochen sind jedoch ein Indiz dafür, dass es sich um eine valide endemische Form handelt. Der Holotypus wurde vor 1889 gesammelt, ein weiteres Exemplar im Jahr 1911 von Fritz Sarasin. Bald darauf dürfte dieses Taxon ausgestorben sein.
Unterarten Tawi-Tawi-Laufhühnchen Turnix sylvatica suluensis (Tawitawi, Philippinen, Mitte des 20. Jahrhunderts) Unterart des Laufhühnchens von Tawitawi und Jolo, zuletzt in den 1950er Jahren gesichtet.
Gruiformes mini|Lord-Howe-Purpurhuhn (Porphyrio albus) Illustration Sarah Stone, aus Journal of a Voyage to New South Wales, 1790 Rallen und Verwandte Arten Hawkins-Ralle, Diaphorapteryx hawkinsi (Chatham-Inseln, Südwestpazifik, 19. Jahrhundert) Mauritius-Ralle, Aphanapteryx bonasia (Mauritius, Maskarenen, ca. 1700) Leguats Sumpfhuhn, Erythromachus leguati (Rodrigues, Maskarenen, Mitte des 18. Jahrhunderts) Fidschi-Ralle, Hypotaenidia poeciloptera (Viti Levu, Polynesien, ca. 1980) Pelzralle (Gallirallus lafresnayanus) (Neukaledonien, Melanesien) Offiziell als „vom Aussterben bedroht“ gelistet, galt zwischen 1904 und 1984 schon einmal als ausgestorben. Interviews mit Bewohnern und eine Suche nach der Art im Jahr 1998 blieben erfolglos. Wake-Ralle, Hypotaenidia wakensis (Wake-Insel, Mikronesien, 1945) Rotschnabelralle, Hypotaenidia pacifica (Tahiti, Gesellschaftsinseln, 19. Jahrhundert) Dieffenbach-Ralle, Hypotaenidia dieffenbachii (Chatham-Inseln, Südwestpazifik, Mitte des 19. Jahrhunderts) Chathamralle, Cabalus modestus (Chatham-Inseln, Südwestpazifik, ca. 1900) Ascension-Ralle, Mundia elpenor (Ascension, Atlantik, spätes 17. Jahrhundert) – ehemals in die Gattung Atlantisia gestellt St.-Helena-Sumpfhuhn, Porzana astrictocarpus (St. Helena, Atlantik, frühes 16. Jahrhundert) Laysanralle, Zapornia palmeri (Laysan, Hawaiʻi, 1944) Hawaiiralle, Zapornia sandwichensis (Big Island, Hawaiʻi, ca. 1890) Kosrae-Sumpfhuhn, Zapornia monasa (Kosrae, Karolinen, ca. Mitte des 19. Jahrhunderts) St.-Helena-Ralle, Aphanocrex podarces (St. Helena, Atlantik, frühes 16. Jahrhundert) – ehemals in die Gattung Atlantisia gestellt Lord-Howe-Purpurhuhn, Porphyrio albus (Lord-Howe-Insel, Südwestpazifik, frühes 19. Jahrhundert) Nordinsel-Takahē, Porphyrio mantelli. Bekannt von subfossilen Knochen, die auf der Nordinsel Neuseelands gefunden wurden, könnte bis zum Jahre 1894 oder später überlebt haben. Marquesaspurpurhuhn, Porphyrio paepae (Hiva Oa und Tahuata, Marquesas, 1937) Samoapfuhlhuhn, Pareudiastes pacificus (Savaiʻi, Samoa, 1907?) Aufgrund von unbestätigten Sichtungen in den 1990er Jahren hat die IUCN den Status von „ausgestorben“ auf „vom Aussterben bedroht“ geändert Blaustirn-Pfuhlhuhn, Pareudiastes silvestris (Makira, Salomonen, Mitte des 20. Jahrhunderts) Nur durch ein einziges Exemplar und eine Sichtung aus dem Jahr 1953 bekannt; manche Wissenschaftler stellen sie in eine eigene Gattung Edithornis. Da es in jüngerer Zeit immer wieder unbestätigte Sichtungen gab, wird sie von der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Tristanteichhuhn, Gallinula nesiotis (Tristan da Cunha, Atlantik, spätes 19. Jahrhundert) Maskarenen-Blässhuhn, Fulica newtonii (Mauritius und Réunion, Maskarenen, ca. 1700) Maskarenen-Purpurhuhn, Porphyrio caerulescens (Réunion, frühes 18. Jahrhundert) Neukaledonien-Purpurhuhn, Porphyrio kukwiedei (Neukaledonien, nur von subfossilen Knochen bekannt, könnte aber bis in die 1860er Jahre überlebt haben, falls sich ein Bericht von Marc Athanase Parfait Œillet Des Murs und Jules Verreaux auf diese Art bezieht) Réunion-Ralle, Dryolimnas augusti (Réunion, 17. Jahrhundert, nur durch subfossiles Material bekannt) Dryolimnas chekei (Mauritius, 17. Jahrhundert, nur durch subfossiles Material bekannt) Miller-Sumpfhuhn, Zapornia nigra (Tahiti, ca. 1800, nur durch zwei Illustrationen von Georg Forster und John Frederick Miller sowie zwei nachfolgende Beschreibungen von Gmelin und Latham bekannt) Neuseeländisches Pfuhlhuhn, Tribonyx hodgenorum (Neuseeland, 18. Jahrhundert)