Eidelstedt ist ein Stadtteil im Bezirk Eimsbüttel am nordwestlichen Rand der Freien und Hansestadt Hamburg.
Geografie Benachbarte Stadtteile und Gemeinden Eidelstedt grenzt im Norden an den Hamburger Stadtteil Schnelsen, im Osten an Niendorf, im Süden an Stellingen und Bahrenfeld, im Südwesten an Lurup und im Nordwesten an die schleswig-holsteinischen Gemeinden Halstenbek und Rellingen.
Gliederung des Stadtteils Eidelstedt blickt, wie viele Stadtteile des heutigen Hamburgs, auf eine lange Geschichte als Bauerndorf zurück. Davon sind jedoch nicht viele Zeugnisse übrig geblieben: aufgelockerte Wohnbebauung aus den 1950er bis 1970er Jahren mit Hochhäusern, Wohnblöcken und Einfamilienhäusern und dazwischen zahlreiche vielbefahrene Hauptverkehrswege prägen das Ortsbild. Trotz viel Beton und gelbverklinkerter Einfamilienhäuser ist Eidelstedt ein recht grüner Stadtteil geblieben, der abseits der Hauptstraßen eine ruhige Nähe zum ländlichen Umland zeigt. Das Ortszentrum am Eidelstedter Platz, einem Verkehrsknotenpunkt, hat den Charakter eines mittelgroßen, etwas verstreuten Einkaufszentrums. Eine Erweiterung des Einkaufszentrum wurde 2012 durch einen Bürgerentscheid abgelehnt.Eidelstedt Center darf nicht wachsen. Welt Online, Hamburg, 30. Mai 2012. Die Eidelstedter Feldmark im östlichen Drittel des Stadtteils, jenseits der Autobahn, ist Weideland geblieben und soll als naturnaher Zwischenraum zwischen zwei Hamburger Siedlungsachsen erhalten bleiben. Heute gibt es hier nur noch einen landwirtschriftlichen Betrieb im Vollerwerb.Zeitschrift an der Kollau - Geschichte zwischen Lokstedt, Niendorf und Schnelsen, Ausgabe 2026, Hamburg 2026, Funke Medien S. 12–13
Geschichte alt=|mini|Die Windmühle (um 1910) am Mühlenteich (heute Nähe Reichsbahnstraße), früheres Wahrzeichen von Eidelstedt mini|Die Mühlenau in der Nähe der Straße Möhlenort (früher stand dort die Mühle) (2021) Eidelstedt, das weit bis ins 18. Jahrhundert hinein noch Eilstede, Eylstedt oder Eylenstede genannt wurde, wurde erstmals 1347 im Verzeichnis des Pastors der Eppendorfer Kirche genannt.Otto Beneke: Die Amtseinkünfte der hamburgischen Landpastoren in älterer Zeit. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, 1875, 6, S. 345–405, S. 386. Zu dieser Zeit wurde auch die Eidelstedter Mühle erstmals erwähnt. Als klar umgrenzte Feldmark im Jahre 1588 bestand Eidelstedt aus „acht vollen und fünf halben Bauernhöfen“ sowie zwölf Katen, von denen eine für den Gemeindehirten bestimmt war.
Der Name mit der Nachsilbe -stedt weist möglicherweise bereits auf die sächsische Gründung eines Runddorfes hin, durch einen ersten Siedler namens Eyler und bedeutet entsprechend Wohnstätte des Eylers. Nach einer anderen Lesart wird er jedoch von Ilenstätten abgeleitet, einer Blutegelstätte, da bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in der durch den Ort führenden Mühlenau und im Mühlenteich Blutegel zur medizinischen Verwertung gefangen wurden.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten. Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 34.
Mit dem Gottorfer Vergleich kam Eidelstedt 1768 als Teil der Herrschaft Pinneberg zum dänischen Gesamtstaat. Das Dorf wurde von dem Eppendorfer Kirchspiel abgetrennt und zur neuen Niendorfer Kirche eingepfarrt.
1880 entstand an der Elbgaustraße eine schlichte zweigeschossige Schule. 1929 fügte Gustav Oelsner einen modernistisch-sachlich verputzten Erweiterungsbau an. Große Teil des Schulgebäudes wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1980 endete die Schulnutzung.
1908 noch berichtete Henning Oldekop in seiner Topographie des Herzogtums Holstein von einer überwiegend ländlichen Struktur mit vorwiegend Milchwirtschaft, Garten- und Gemüsebau und zehn Baumschulen und Gärtnereien. Dennoch gab es schon eine ausgedehnte Industrieproduktion (Lack und Firnis, Holzessig, Drahtnetze, Kalksandstein, Dünger, Fischkonserven und Bier), die den Anwohnern der Produktionsstätten im wahrsten Sinne des Wortes „stank“. In den 1920er Jahren verschwand dann das Jaarsmoor im Nordwesten. Der Eidelstedter Brook im Norden und das Sprützfeld im Westen wurden abgeholzt und bebaut.
1927 wurde Eidelstedt nach Altona eingemeindet, 1937 dann ein Groß-Hamburger Stadtteil.
Am 27. September 1944 wurde am Friedrichshulder Weg, im heutigen Stadtteil Lurup, das Frauenlager Eidelstedt als Außenlager des KZ Neuengamme eingerichtet.
Seit 1951 gehört Eidelstedt zum Hamburger Bezirk Eimsbüttel.
1979 kam es zu einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Hamburg wegen chemischer Kampfmittel- und Giftfunde auf dem Gelände der Chemischen Fabrik Stoltzenberg am Farnhornstieg im südlichen Zipfel von Eidelstedt.
Statistik (Quelle:Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023. (PDF; 6,4 MB) statistik-nord.de)
Anteil der unter 18-Jährigen: 18,6 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 19,9 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 22,7 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 6,9 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Eidelstedt 37.192 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
Politik Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Eidelstedt zum Wahlkreis Stellingen – Eimsbüttel-West. Bei Bezirksversammlungswahlen gehört der Stadtteil zum gleichnamigen Wahlkreis Eidelstedt. Bei Bundestagswahlen zählt Eidelstedt zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Eimsbüttel.
Bürgerschaftswahl SPD CDU Grüne AfD Linke FDP Übrige202538,7 %18,2 %13,8 %9,9 %9,4 %1,8 %8,3 %202045,7 %10,6 %18,6 %7,6 %8,9 %2,9 %5,7 %201554,1 %13,9 %8,4 %7,5 %7,3 %4,9 %3,2 %201155,9 %20,2 %8,1 % –6,4 %4,5 %4,9 %200838,3 %41,7 %6,3 % –6,7 %4,1 %2,8 %200435,4 %46,7 %7,3 % – –2,5 %8,2 %200139,9 %24,6 %5,3 % –0,3 %3,7 %26,2 %199742,7 %28,5 %9,1 % – –2,4 %17,3 %199346,0 %23,1 %9,1 % – –3,1 %18,7 %
Wappen mini|links|120px|Das Eidelstedter Stadtteil-Logo „Wappen für Eidelstedt“ Blasonierung des Eidelstedter Stadtteil-Logos „Wappen für Eidelstedt“: In Gold wurzelt eine schwarzstämmige Doppeleiche mit breiter grüner Laubkrone und siebzehn goldenen Eicheln. Rechts und links von den Wurzeln der Wahlspruch UP EWIG UNGEDEELT. Unterer Schild geteilt: rechts – durch die Schildrundung angeschnitten – in rotem Feld eine silberne dreitürmige Burg mit geschlossenem Tor, über den Turmspitzen ein Kreuz und zwei Sterne (Hamburg Wappen), links in blauem Feld eine silberne vierflügelige Holländerwindmühle. Über dem Wappen kann Schwarz und in voller Wappenbreite der Schriftzug HAMBURG-EIDELSTEDT stehen.
Das Wappen für Eidelstedt wurde in den Jahren 2008 bis 2010 unter Einbeziehung der Eidelstedter Bevölkerung entwickelt. Initiatoren dieses Prozesses waren das Eidelstedter Bürgerhaus, der Eidelstedter Bürgerverein und der Sportverein Eidelstedt. Jeder in Eidelstedt soll die Möglichkeit haben, das Stadtteil-Logo unentgeltlich als Identitätssymbol für seine Zwecke einzusetzen.Wappen für Eidelstedt. Initiatoren des Wappens zur Entwicklung des Stadtteil-Logos; abgerufen am 27. September 2012.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Blick auf das ehemalige Bürgerhaus am Eidelstedter Marktplatz mini|steeedt - Haus für Kultur, Bildung und Begegnung Im Oktober 1980 wurde im Gebäude der alten Schule Elbgaustraße das Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus gegründet. 1984 fand hier der erste Chaos Communication Congress statt, ein vom Chaos Computer Club jährlich organisiertes Treffen. Ebenfalls 1984 gründeten Bürger aus dem Stadtteil im Gebäude das Eidelstedter Heimatmuseum, in dem über die Jahre mehr als 7.500 Exponate aus privaten Haushalten, von Vereinen und Institutionen gesammelt wurden. Von Mitte 2020 bis Mitte 2022 ist das Gebäude umfassend saniert und um einen Anbau ergänzt worden. Unter dem Namen steeedt - Haus für Kultur, Bildung und Begegnung befinden sich jetzt neben dem Kulturhaus Eidelstedt, die Elternschule Eidelstedt, die Bücherhalle Eidelstedt sowie ein Café unter einem gemeinsamen Dach. Das Eidelstedter Heimatmuseum trägt seit 2022 den Namen Museum am Markt.
mini|Haus „Koyen“ älteste Haus (1793) in Eidelstedt mit einem Reetdach. Seit 1973 unter Denkmalschutz. Dörpsweg 2 Seit 1906 steht im Stadtteil eine Kirche des Architekten Hugo Groothoff, die seit den 1950er Jahren den Namen Elisabethkirche trägt. In der Nähe der Kirche steht das Haus „Koyen“, das seit 1973 unter Denkmalschutz steht. Es ist das älteste Haus in Eidelstedt mit einem Reetdach und wurde 1793 von C. Behrmann als Kätnerstelle gebaut und stand damals im Dorfkern.Stellingens Nachbar: Eidelstedt. Neues Stellingen.
Parks An der Kieler Straße nördlich der Güterumgehungsbahn liegt der Sola-Bona-Park (). Er bildet das südliche Eingangstor zur Eidelstedter Feldmark und hat seinen Namen von einer Inschrift an einer Villa im Park, die heute als Kita genutzt wird: sola bona quae honesta („Gut [ist] allein, was ehrenhaft [ist].“). Der ehemalige Besitzer war ein katholischer Geistlicher, der in Hamburg zum Protestantismus übergetreten war. Er richtete hier einen Gasthausbetrieb ein. Im Park legte er allerlei Laubengänge und Verstecke ein.Sola-Bona-Park. hamburg.de Insbesondere finden sich hier viele botanische Raritäten, häufig nicht-heimische wie z. B. Rotzedern (die heute aus Gründen des Arten- und Vogelschutzes so nicht mehr in öffentlichen Parks gepflanzt werden), sowie eine Stieleiche, deren Alter zwischen 320 und 420 Jahren geschätzt wurde.Stieleiche im Sola-Bona-Park. hamburg.de Der Baum, der vor Jahren bereits mehrere große Äste verloren hatte, wurde am Wochenende 28./29. Oktober 2017 durch den Sturm „Herwart“ vollständig seiner Krone beraubt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr Durch den Stadtteil verläuft in Nord-Süd-Richtung die Autobahn A 7, am Autobahndreieck Hamburg-Nordwest zweigt davon die A 23 nach Heide (Holstein) ab. Die frühere Altona-Kieler Chaussee verlief innerhalb von Eidelstedt über den Straßenzug der heutigen Kieler Straße und Holsteiner Chaussee. Die Bundesstraße 4 verläuft durch Eidelstedt zwischen den Autobahn-Anschlussstellen Hamburg-Stellingen (Nr. 26, im gleichnamigen Stadtteil und an der A 7 gelegen) und Hamburg-Eidelstedt (Nr. 21, an der A 23) auf der Autobahn-Trasse, die hier 1964 zur Umgehung des Eidelstedter Ortskerns eröffnet wurde. Dennoch ist bis heute die frühere Strecke der B 4 bzw. der vorigen Altona-Kieler Chaussee über Kieler Straße und Holsteiner Chaussee eine vielbefahrene Durchgangsstraße geblieben. Sie wurde in einigen Teilen zweispurig ausgebaut, besitzt jedoch eine Reihe von ein- und anderthalbspurigen Engpässen. Am Eidelstedter Platz trifft sie mit der äußersten der drei Hamburger Ringstraßen, dem Ring 3, zusammen, der im Bereich von Eidelstedt fast durchgehend einspurig ist. Regelmäßige Verkehrsstauungen zu den Spitzenzeiten sind die Folge. Davon mit betroffen sind die Busse des öffentlichen Personennahverkehrs, die ihre hier entstandenen Verspätungen bis in entfernte Stadtteile tragen.
Am südwestlichen Rand Eidelstedts verläuft die Eisenbahnstrecke Hamburg-Altona–Elmshorn mit den umfangreichen Anlagen des Bahnbetriebswerks Hamburg-Eidelstedt, das 1991 auf dem Gelände des stillgelegten Rangierbahnhofs Eidelstedt eröffnet wurde, wo auch die Wartung der ICE-Züge vorgenommen wird. Am nördlichen Rand der Bahnanlagen verläuft die Strecke Diebsteich–Pinneberg der S-Bahn Hamburg mit den Bahnhöfen Eidelstedt und Elbgaustraße der Linien S3 (Pinneberg – Neugraben) und S5 (Elbgaustraße – Stade). Nordwestlich des letzteren befindet sich das Instandhaltungswerk Elbgaustraße der S-Bahn Hamburg. deutschebahn.com, Stand 2010; abgerufen am 30. Dezember 2015.