Raben Steinfeld ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie liegt südöstlich der Landeshauptstadt Schwerin und wird vom Amt Crivitz mit Sitz in Crivitz verwaltet.

Lage Raben Steinfeld befindet sich am Südostufer des Schweriner Sees nördlich der Lewitz-Niederung. Umliegende Städte sind Schwerin und Crivitz. Ein Großteil der Gemeinde (fast 50 Prozent) ist bewaldet und Bestandteil eines Natur- und Landschaftsschutzgebietes. Der Ort besteht aus zwei getrennten Ortsteilen. Das Unterdorf liegt südlich der B 321, das Oberdorf beginnt nördlich der Bundesstraße am Auslauf des Charlottenberges und erstreckt sich von dort nach Norden und Westen.

Geschichte Raben Steinfeld wurde erstmals urkundlich am 11. Januar 1410 erwähnt, aber bereits 1160 befand sich hier eine deutsche Burg. Der Name setzt sich aus „Raben“ von der Familie von Raben und „Steinfeld“ von den sehr steinigen Feldern der Umgebung (Endmoräne) zusammen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 kam der Ort zu Mecklenburg, und das Gut ging in herzoglichen Besitz über. 1847 wurde es zum Hausgut der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. 1881 eröffnete das großherzogliche Gestüt. 1886/1887 wurde das ehemalige Jagdschloss zur großherzoglichen Sommerresidenz umgebaut. Auf Schloss Raben Steinfeld wuchs u. a. Heinrich zu Mecklenburg auf.Wilhelmina: Einsam und doch nicht allein. Deutsche Übertragung aus dem Holländischen von Hans Fischer. Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart 1961, , S. 95 (Originaltitel: Eenzaam maar niet alleen). Mit seiner Frau, der niederländischen Königin Wilhelmina, kam er als Prinz der Niederlande häufig zu Besuch.Wilhelmina: Einsam und doch nicht allein. Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart 1961, , S. 101–103, 112–113 und öfter. Wilhelmina liebte „Schloss Steinfeld“, wie sie es nannte. Später diente das Schloss den Großherzoginnen von Mecklenburg auch als Witwenresidenz.

In der Nähe des Ortes an der Stör endete am 2. Mai 1945 der Todesmarsch für 18.000 der insgesamt 33.000 entkräfteten Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen. Noch in der darauffolgenden Nacht ermordeten verbliebene Angehörige der Waffen-SS 71 Häftlinge (Endphaseverbrechen).

Am 3. Mai 1945 begann im Tagesverlauf die kampflose Besetzung von Raben Steinfeld durch die Rote Armee und Soldaten der US-Armee.

Die Stör am Ortsrand und das Ostufer des Schweriner Sees wurde für einige Wochen Demarkationslinie zwischen den Truppen der Sowjetunion und der Westmächte. An der Stör befindet sich seit 1973 eine Mahn- und Gedenkstätte für den Todesmarsch.

Im herzoglichen Schloss wurde 1946 eine Ingenieurschule für Forstwirtschaft gegründet. Sie wurde 1995 geschlossen.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 679 1995 723 2000 1154 2005 1147 2010 1093 2015 1021 Jahr Einwohner 2020 1055 2021 1062 2022 1068 2023 1049 Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Raben Steinfeld besteht aus zehn Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 82,1 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 60,0 % 6 40,8 % 4 Wir für Raben Steinfeld (WfRS) – – 34,5 % 3 Stark für unser Dorf (SfuD) – – 19,8 % 2 SPD 23,8 % 2 5,0 % 1 Einzelbewerber Ralf Heinze 6,6 % 1 – – Einzelbewerber Frank Salomo 5,2 % 1 – – Einzelbewerber Bernd Schöne 4,4 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10

Bürgermeister seit 2019: Klaus-Dieter Bruns

Bei der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 wurde Bruns mit 52,4 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 Bei der Bürgermeisterstichwahl am 23. Juni 2024 wurde er mit 60,2 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 23. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)

Wappen

Die Gemeinde verfügt über keine amtlich genehmigte Flagge.§ 2 Hauptsatzung der Gemeinde Raben Steinfeld vom 23. März 2020. (PDF; 2,5 MB) In: amt-crivitz.de, abgerufen am 2. Dezember 2020.

Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift „GEMEINDE RABEN STEINFELD“.

Sehenswürdigkeiten

Großherzogliches Jagdschloss, Backsteinbau, ehemals auch Sitz des herzoglichen Gestüts, im Stil der Neorenaissance von 1886/1887 Zwölf Familiengestütswärterhäuser, nach englischem Vorbild zwischen 1863 und 1869 erbaut Englischer Landschaftspark mit den 34 Raben Steinfelder Eichen (die stärkste hat einen Umfang von 7,40 Metern). Gedenkstein von 1949 vor der Brücke über die Stör zur Erinnerung an die befreiten Häftlinge des Todesmarsches der KZ Sachsenhausen und KZ Ravensbrück vom April 1945 Mahn- und Gedenkstätte aus dem Jahre 1973 mit Monumentalplastik von Bildhauer Gerhard Thieme, Die Mutter, dazu seit 1976 vier Reliefstelen des gleichen Künstlers Gedenkstelle von 1996 an der B 321 im Forst hinter der Autobahnabfahrt von dem Bildhauer Wieland Schmiedel zum Gedenken an die Opfer des Todesmarsches Steingarten als Außenstandort der Bundesgartenschau 2009 Geologisches Museum Raben Steinfeld Wasserturm im Park, zu einem Quartier für Fledermäuse umgebaut

Verkehr Die Gemeinde liegt an der Bundesstraße 321 in unmittelbarer Nähe der Autobahn A 14. Die Anschlussstelle Schwerin Ost ist etwa zwei km entfernt.

Persönlichkeiten Marie von Schwarzburg-Rudolstadt (1850–1922), Großherzogin von Mecklenburg, Witwensitz in Raben Steinfeld Karl Bötefür (1875–1952), Offizier, Kolonialbeamter, Abgeordneter und Landrat, lebte seit den 1920er Jahren in Raben Steinfeld, hier auch gestorben Friedrich Carl Holtz (1882–1939), Schriftsteller, in Raben Steinfeld geboren Karl-Friedrich Olechnowitz (1920–1975), Historiker, in Raben Steinfeld geboren Günter Millahn (1930–2018), Forstmann und Autor; 1957–1995 Dozent an der Forstfachhochschule Raben Steinfeld

Literatur Günter Millahn: Raben Steinfeld. Geschichte einer Forstschule. Bjoern-Verlag, Krefeld 1997, ISBN 3-922348-03-3. Margot Krempien u. a.: Mahn- und Gedenkstätte Raben Steinfeld. 2. Auflage. Historisches Museum Schwerin, Schwerin 1986. Hans-Dieter Krienke, Karsten Obst: Raben Steinfeld und die Eiszeit: Landschaftsentwicklung und geologische Sehenswürdigkeiten südöstlich von Schwerin. In: Brandenburgische geowissenschaftliche Beiträge. Jg. 18 (2011), H. 1/2, , S. 107–123 (lbgr.brandenburg.de [PDF; 3,0 MB]).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Ludwigslust-Parchim Kategorie:Ersterwähnung 1410