Die Mariä-Geburt-Kirche in Kumielsk ist ein Bauwerk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Kumilsko (1938–1945 Morgen). Jetzt ist sie Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei Kumielsk in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Kumielsk liegt südlich der polnischen Landesstraße 58 und ist von der Stadt Biała Piska () aus über eine Nebenstraße zu erreichen. Innerorts endet außerdem eine Nebenstraße, die von der Landesstraße 63 anzweigt und über Liski (Lisken) hierher führt.
Der Standort der Kirche befindet sich im Nordteil des Dorfes zwischen der Hauptstraße und dem Jezioro Kumielskie.
Kirchengebäude Eine erste Kirche wurde in Kumilsko im Jahre 1502 erwähnt.Kumielsk – Kumilsko/Morgen bei ostpreussen.net Sie überstand den Tatareneinfall 1656/57, brannte jedoch im Jahr 1720 ab. Die wiederaufgebaute Kirche – für sie fertigte der Königsberger Orgelbaumeister Adam Gottlob Casparini 1751 die Orgel an – wurde 1849 bis auf die Grundmauern ebenfalls durch Feuer zerstört.
In den Jahren 1850 und 1851 entstand unter Verwendung noch verwertbarer Teile ein neues Gebäude in Feldsteinmauerwerk.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 120. Es wurde am 30. November 1851 feierlich eingeweiht. Der langgestreckte Saalbau hatte Rundbogenfenster, eine Sakristei im Norden und eine Vorhalle im Süden. Der Kirchturm mit spitzem Dachreiter wurde erst 1874 angefügt.
Der Innenraum der Kirche ist von einer offenen Balkendecke überdeckt. Der Altar und die Kanzel sind Arbeiten des 19. Jahrhunderts unter Verwendung älterer Schnitzwerke aus der Zeit um 1720. Aus der Vorgängerkirche stammen noch zwei Figuren und zwei Kerzenengel.
Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahr 1860, angefertigt von Orgelbaumeister Johann Rohn aus Wormditt (heute ).
Nach 1945 wurde das Gotteshaus umgestaltet und den veränderten liturgischen Ansprüchen als katholische Pfarrkirche angepasst. Es wurde neu geweiht und Kościół Narodzenia Najświętszej Marii Panny („Mariä-Geburt-Kirche“) genannt.
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Bereits in vorreformatorischer Zeit gab es in Kumilsko eine Kirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. Bald nach Einführung der Reformation in Ostpreußen übernahmen hier lutherische Geistliche ihren Dienst. Im 17. und 18. Jahrhundert waren hier sogar zwei Pfarrer gleichzeitig tätig.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 78. Als 1846 die Kirche Gehsen (heute ) gegründet wurde, wurden einige Kirchspielorte von Kumilsko nach dort umgepfarrt.
Bis 1715 gehörte Kumilsko zur Inspektion Lyck (polnisch Ełk), später dann bis 1945 zum Kirchenkreis Johannisburg (polnisch Pisz) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. 1925 zählte die Pfarrei Kumilsko 3.736 Gemeindeglieder, die in mehr als 20 Orten, Ortschaften und Wohnplätzen lebten. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Behörden.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Leben der evangelischen Gemeinde in Kumilsko/Morgen ein Ende. Heute hier lebende evangelische Einwohner halten sich zur Kirchengemeinde in Biała Piska (Bialla, 1938–1945 Gehlenburg), die der Pfarrei Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugehörig ist.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Kumilsko resp. Morgen gehörten – neben dem Pfarrort – bis 1945 die Orte:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Adlig Rakowen (Domäne) Raken Rakowo Kosaken Wächtershausen Kosaki *Adlig Rakowen (Dorf) Raken (Ostpr.) Rakowo Piskie *Kowalewen Richtwalde Kowalewo Bagensken Lehmannsdorf Bagieńskie Kuckeln Kukły *Bogumillen Brödau Bogumiły Lissaken Drugen Lisaki *Grodzisko Burgdorf Grodzisko *Lisken Liski *Gruhsen Gruzy Mykutten Mikutten Mikuty *Gusken Guzki Poseggen Pożegi Jakubben Jakuby Sokollen (ab 1935)Falkendorf Sokoły Jeroschen Jerosze Soldahnen Sołdany Klarheimbis 1903: Dlugikont Długi Kąt *Symken Simken Szymki *Kosken Kózki *Zwalinnen Schwallen Cwaliny
Pfarrer Zwischen 1530 und 1945 taten an der Kirche Kumilsko (Morgen) als evangelische Pfarrer Dienst:
Johann Blumenstein, 1530–1580 Albert Willamowius, 1580–1610 Jacob Szczucki, um 1581 Jacob Aleczki N. Schützki Simon Hoffmann, 1610–1655 Kaspar Soltmann (Idzko) Stanislaus Pilski, 1656–1677 Marcus Trentowius, 1659–1709 Jacob Turowski, 1677–1706 Paul Trentowius, 1695–1710 Friedrich Trentovius, 1706–1741 Heinrich Engelland, 1710–1739 Jacob Goburreck, 1740–1773 Johann Christoph Gregorowius, 1742–1758 Christian Rosocha, 1758–1779 Johann Friedrich Hauer, 1774–1800 Adam Cerulli, 1779–1788 Benjamin Ursinus, 1788–1798 Johann Gottfried Schütz, 1799–1823 Friedrich Fabian Salomo Kiehl, 1800–1805 Johann Salkowski, 1823–1844 August Ferdinand Raphael, 1847–1857 Friedrich Otto Hermann Groß, 1857–1858 Michael Mendrzyk, 1858–1886Angehöriger des Corps Masovia Adolf Julius Leopold Skopnick, 1886–1896 Adalbert Montzka, ab 1892 Wilhelm Zimmeck, 1894–1917 Gerber, Ewald Franz, ab 1901 Otto Karl Matern, 1919–1925 Franz Hammler, 1925–1934 Friedrich Kwiatkowski, 1940–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarre Kumilsko/Morgen sind erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1791 bis 1797 Trauungen: 1790 bis 1823 Kommunikanten: 1745 bis 1756, 1785 bis 1785, 1804 bis 1823.
Römisch-katholisch Vor 1945 lebten nur sehr wenige Katholiken in der Region Kumilsko resp. Morgen. Sie waren in die Pfarrkirche in Johannisburg () im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg) im Bistum Ermland eingepfarrt.Kumilsko – Morgen bei Familienforschung Sczuka
Nach 1945 siedelten sich hier polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Sie nahmen die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus in Anspruch.Parafia Kumielsk im Bistum Ełk Seit 1957 wurden hier eigene Geistliche eingesetzt, und im Jahr 1962 wurde Kumielsk zur Pfarrei erhoben. Mit der Filialkirche in Rakowo (Adlig Rakowen (Domäne), 1938–1945 Raken) gehört sie heute zum Dekanat Biała Piska im Bistum Ełk der römisch-katholischen Kirche in Polen.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1850er Jahren Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Mariä-Geburt-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Biała Piska