mini|Die Annur-Moschee in Dili

Etwa 0,2 % der Bevölkerung in Osttimor bekennen sich zum Islam. Meistens handelt es sich dabei um Sunniten.

Übersicht Bei der Volkszählung 2022 gaben 3.202 Einwohner Osttimors an dem Islam anzugehören.Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2023. 2015 lebten 1.695 Muslime in der Gemeinde der Landeshauptstadt Dili, 258 in Baucau, 236 in Lautém, 212 in Viqueque, 113 in Manufahi, 106 in Liquiçá und der Rest in den anderen Gemeinden.Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.

Seit 2005 sind, neben den zahlreichen christlichen Feiertagen, auch das Fest des Fastenbrechens (Ende des Ramadan) und das Islamische Opferfest öffentliche Feiertage.SAPO Notícias: , abgerufen am 12. Februar 2016.

Als Präsident des Konsellu Nasionál Izlámiku Timor-Leste KONISTIL () wurde Ahmad Ali Alayudi 2019Facebook-Auftritt des Präsidenten: PREZIDENTE REPÚBLIKA RONA KONFISAUN RELIJIOZA NO EMPREZÁRIU SIRA-NIA HANOIN KONA-BA ORSAMENTU JERÁL ESTADU 2019, 10. Januar 2019. von Pascoal Sidik Lemorai abgelöst.Tatoli: Prezidente KONISTIL Apela Atu Hametin Pás no Estabilidade, 5. Juni 2019, abgerufen am 20. April 2020. Präsident des Zentrums der Islamischen Gemeinde in Osttimor (Konsellu Nasionál Islamika Timor-Leste CENCITIL) ist Arif Abdullah Sagran (Stand 2020)Suara Muslim: Minim pendidikan Islam, Pelajar Timor Leste Banyak yang Tidak Mau Kembali ke Negaranya., 15. August 2018, abgerufen am 22. Januar 2019. und Boaventura da Silva, der Repräsentant des Konsellu Superiór Musulmanu Timor-Leste.Tatoli: Konfisaun Relijioza Konfia Xefe Estadu Hakotu Impase, 31. Januar 2020, abgerufen am 20. April 2020.

Moscheen Größte Moschee im Lande ist die Annur-Moschee in Dili. Sie befindet sich im Stadtteil Kampung Alor, dem ehemaligen Viertel der arabischen Minderheit Osttimors, und stammt aus dem Jahr 1981.The National: Mosque hangs on as example of tolerance, 22. Juni 2008, abgerufen am 3. Mai 2013. Sie besitzt auch eine eigene Schule.Reliefweb: Supporting all faiths in Timor-Leste, abgerufen am 3. Mai 2013. Weitere Moscheen gibt es in Baucau, Lospalos und Liquiçá.

Geschichte mini|Osttimoresische Muslime beim Zuckerfest (2019)

Malaiische und arabische Händler besuchten schon früh die Insel Timor – trotzdem kam es nicht zu einer Missionierung der Bevölkerung.Laura Suzanne Meitzner Yoder: (PDF; 1,5 MB). Yale University 2005. Zwar brachte die Konvertierung zum Islam Timoresen eine Bevorzugung in den Handelsbeziehungen, aber brauchten die Händler nicht-muslimische Regionen, die Sklaven liefern konnten, was zum Beispiel nach der Islamisierung von Java dort nicht mehr möglich war. Zudem waren im 17. Jahrhundert viele der Bugis- und Makassar-Händler nur nominell muslimisch und folgten noch selbst lokalen Ritualen. 1641 griff der muslimische Herrscher Kanjilo aus Makassar Timor an. Mehrere Liurais wurden tributpflichtig. Der muslimische Einfluss verschwand aber bald wieder.Andrew McWilliam, David Bulbeck, Sally Brockwell, Sue O’Connor: The Cultural Legacy of Makassar Stone in East Timor, The Asia Pacific Journal of Anthropology, Vol. 13, No. 3, June 2012, S. 262–279, Australian National University, 2012.

1970 zählte man in Portugiesisch-Timor gerade einmal 450 Muslime bei einer Bevölkerung von 610.000 Menschen.Luís Filipe Thomaz: East Timor: A Historical Singularity, 2014, Human and Social Studies. Ende des 19. Jahrhunderts waren Araber aus dem Hadramaut nach Portugiesisch-Timor eingewandert. Während der indonesischen Besatzungszeit (1975–1999) kamen noch muslimische Indonesier dazu, von denen viele nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Osttimors das Land wieder verließen.Geoffrey C. Gunn: , verfügbar vom Centro de Estudos sobre África, Ásia e América Latina, CEsA der TU-Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).

Seit Gouverneur Filomeno da Câmara de Melo Cabral (1911–1913) gehörte das Oberhaupt der arabischen Gemeinde, wie jener der chinesischen als Vertreter zur kommunalen Kommission von Dili.Gunn: History of Timor, S. 134. 1940 begann die arabische Minderheit mit dem Bau des ersten Moscheegebäudes in Dili, der Haji-Hasan-Moschee. Jaime Garcia Goulart, Bischof von Dili, spendete nach dem Zweiten Weltkrieg Ziegelsteine für den Wiederaufbau und besuchte später, wie auch Nachfolger von ihm, die Moschee an muslimischen Feiertagen.Asiaweek: A home away from home, 8. September 2000, abgerufen am 3. Mai 2013.

Ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges unterstützten Teile der arabischstämmigen Bevölkerung Bestrebungen, die Kolonie Portugiesisch-Timor an Indonesien anzuschließen. 1975 besetzte Indonesien Osttimor. In der Hochzeit der Transmigrationspolitik Suhartos erreichte der Anteil der Bevölkerung Osttimors, die aus Indonesien stammte, nach indonesischen Angaben bis zu 20 %. Auffällig ist, dass der Anteil an Muslimen trotzdem nur auf 4 % kam. Dies lag mit daran, dass hauptsächlich Katholiken einwanderten. (PDF; 1,1 MB) Etwa 4.000 Kinder wurden in den 24 Jahren Besatzung aus Osttimor durch indonesische Soldaten, Beamte und religiöse Organisationen gebracht. Nach einem geheimen Militärdokument sollten indonesische Soldaten die Überführung von Kindern nach Indonesien unterstützen, um den Islam in Osttimor zu verbreiten. Viele Kinder kamen in strenge muslimische Schulen und wurden zwangskonvertiert. Die Verschleppung war allerdings nie offizielle Staatspolitik. Zahlreiche Kinder sind bis heute einfach verschwunden.Kate Lamb: East Timor’s stolen children, Global Post, 8. Juli 2012, abgerufen am 11. Juli 2012. In der Besatzungszeit konvertierten viele Osttimoresen zum katholischen Glauben, als Gegenbewegung gegen die mehrheitlich muslimischen Besatzer.

Im Dezember 2002 wurde die Annur-Moschee in Dili von Demonstranten angezündet, die gegen den damaligen Premierminister Alkatiri protestierten, der muslimischen Glaubens ist und zur arabischstämmigen Minderheit gehört.ETAN, 31. Dezember 2002, CNS: East Timor bishop apologizes for rioting, attack on mosque Dilis Bischof Basílio do Nascimento bat die Muslime dafür um Entschuldigung.The Free Library: Bishop apologizes for riot, attack on mosque., abgerufen am 3. Mai 2013.

Auch bei den Ausschreitungen nach den Parlamentswahlen 2012 versuchten einige Demonstranten die Moschee zu beschädigen. 16 von ihnen wurden von der Polizei verhaftet.Guido Goullart (AP): East Timor president calls for security forces to restore order after post-election violence, 16. Juli 2012, abgerufen am 4. Januar 2016.

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Einzelnachweise