Bernhard Nowak (Künstlername Cavon)Bernhard Nowak benutzte das Pseudonym "Cavon", ein Anagramm seines Nachnamens Nowak für sein Frühwerk. Besonders in der Salzburger Zeit (in den Jahren 1929 bis 1932) nannte er sich ‚Bernhard Nowak-Cavon‘ und unterzeichnete seine Werke mit diesem Künstlernamen, unter dem er auch in der Forschung und im Kunsthandel geführt wird. (* 4. Mai 1904 in Aubing bei München; † 29. Juli 1985 in Berlin) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker der Moderne und ein Kulturredakteur der DDR.
Als Vertreter der verschollenen Generation erzielte Nowak Aufmerksamkeit als Maler und Grafiker, wurde durch die Vorgaben der Nationalsozialisten in seiner künstlerischen Entwicklung jedoch so massiv behindert, dass es ihm nach Kriegsende nicht möglich war, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Privat war Nowak bis ins hohe Alter künstlerisch tätig und fertigte neben Zeichnungen, Grafiken und Gouachen im Spätwerk vor allem Collagen, die seinen Wurzeln in der Neuen Sachlichkeit verpflichtet blieben.
Aufgrund seines kulturpolitischen Engagements als Bildredakteur des Magazins, als Leiter der Kulturredaktion der Neuen Berliner Illustrierten, als künstlerischer Leiter des Satiremagazins Eulenspiegel und als Vorstand des Plakatarchivs der Akademie der Bildenden Künste Berlin nahm Nowak zentralen Einfluss auf das kulturelle Leben in der DDR.
Leben und Werk
Jugend Bernhard Nowak wurde 1904 als unehelicher Sohn der Verkäuferin Helene Nowak in Aubing geboren und evangelisch getauft. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er bei seinen Pflegeeltern Johann (Polsterarbeiter) und Cäcilie Bauer in München, bevor ihn seine Mutter zu sich nach Bad Reichenhall holte. Sie hatte dort ein eigenes Reiseandenken- und Galanteriegeschäft eröffnet, nachdem sie ihre Anstellung im Geschäft von Nowaks leiblichem Vater, Antonio Luisi, aufgegeben hatte. Dieser wurde 1866 in Torre del Greco bei Neapel als Sohn von Weinbauern geboren und war späterer Mitinhaber der Korallen- und Bijouteriewarengeschäfte A. und A. Luisi in Neapel, Zürich, Berlin, München und Bad Reichenhall.
Nowaks Mutter Helene kam am 22. März 1872 in Berlin als Tochter des Wagenhalters im königlichen Marstall Johann Nowak und dessen Ehefrau Elisabeth zur Welt. Sie besuchte wie ihre sieben Geschwister die Volksschule und kam nach ihrer Lehrzeit um ca. 1895 als Verkäuferin in die Firma A. und A. Luisi, Berlin Friedrichstraße, später nach München und Bad Reichenhall. Ihrer eigenen Geschäftsgründung 1904 in Bad Reichenhall folgten bald weitere in Arco (Südtirol), Bad Gastein, Bad Kissingen und München.
Der Grund für die Trennung seiner Eltern ist nach Aussage Nowaks in der bigotten und konservativen Haltung der streng katholischen Familie seines Vaters zu sehen.Nowak, Bernhard: Kurzbiographie, geschrieben an die Chefredaktion der NBI im Mai 1953.
1912 heiratete Helene Nowak den Rittmeister a. D. Ernst Schoenfeld, zu dem Nowak keinerlei emotionale Bindung aufbauen konnte. Der Stiefvater verkörperte für ihn den Typus des wilhelminischen Offiziers, der in Nowak wegen der Glorifizierung des Militärs eine starke Abneigung gegen alles Martialische hervorrief.
1914 verstarb Helene Nowak mit 42 Jahren bei der Geburt ihres zweiten Kindes, das ebenfalls nicht überlebte. Schoenfeld übertrug die Vormundschaft für Nowak auf dessen Onkel Arnold Kratzert, der als Modelleur und Bildhauer in Berlin lebte, wohin Nowak als Zehnjähriger übersiedelte. Kratzert war mit Elise Kratzert, geb. Nowak, der ältesten Schwester von Nowaks Mutter, verheiratet. Durch Kratzert, der für bekannte Bildhauer als Modellformer in deren Ateliers arbeitete, wurde Nowak erstmals näher an die Kunst herangeführt.
Ab Weihnachten 1914 bis Ostern 1916 besuchte Bernhard Nowak die Höhere Knabenschule, Kurfürstendamm 59 in Berlin, und erzielte trotz seiner ungünstigen Lebensumstände respektable Ergebnisse.
1916 übersiedelte Nowak mit seinen Pflegeeltern von Berlin nach Bad Reichenhall, wo Kratzert das Stammgeschäft von Helene Nowak übernahm, das er ohne kaufmännische Ausbildung nur mit Mühe über die Zeit des Ersten Weltkriegs retten konnte. Die meisten anderen Filialen wurden aufgelöst, den Laden in Bad Gastein führte Nowaks Tante Elise weiter.
Nowak verbrachte die Jahre 1917 und 1918 im Alpinen Studien- und Erziehungsheim Matthaeum in Bad Reichenhall und ging dort auch zur Schule.Zeugnisse vom 14. Juli 1917 und vom 13. Juli 1918.
In den ersten Jahren nach dem Krieg setzte Nowak seine Schulzeit in München am Dr. Friedrich Ustrichschen Pädagogium fort, an dem er 1921 als Siebzehnjähriger sein Abitur ablegte. Im selben Jahr lernte Nowak in München seine spätere erste Frau Else Gisler, geboren am 6. Mai 1901, kennen.
Ausbildung und Studium Von Dezember 1921 bis April 1922 besuchte Nowak die staatlich anerkannte Malschule Schule für zeichnende Künste und Malerei von Moritz Heymann in München, Türkenstraße 52, finanziell unterstützt von seiner Tante Elise.Bestätigung für die Aufnahme an die Akademie der Bildenden Künste in München, ausgestellt im Oktober 1926, unterschrieben von Moritz Heymann. In dieser Zeit entstanden die ersten wichtigen künstlerischen Arbeiten, mit denen Nowak unter dem Pseudonym Cavon in Erscheinung trat.
1922 bis zum Hitlerputsch 1923 war Nowak kurze Zeit Mitglied der NSDAP, mit deren Ideologie er sich aber nicht identifizieren konnte. Es handelte sich vielmehr um einen Akt der Auflehnung gegen seinen leiblichen Vater Antonio Luisi, der zu dieser Zeit erstmals Kontakt zu ihm suchte.
In den Zwanzigerjahren erhielt Nowak eine gebrauchsgrafische Ausbildung in München. Am 8. Januar 1924 wurde der gemeinsame Sohn von Bernhard Nowak und Else Gisler, Helmut Wolfgang Nowak, unehelich geboren.
1926 begann Nowak ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, das er 1928 erfolgreich abschloss.
In diesen Jahren unternahm er zahlreiche Reisen: Sommerbesuche bei seiner Tante in Bad Reichenhall, Wien und Berlin sowie Erholungs- und Studienreisen nach Oberitalien sind durch etliche Bilder dokumentiert.
Im Frühjahr 1927 verbrachte Nowak als Student einige Zeit mit einer Studiengruppe in Gardone Riviera, wo zahlreiche zeichnerische Werke entstanden.Informationen abgelesen aus dem künstlerischen Werk Nowaks, aus Fotos, aus schriftlichen Notizen des Künstlers, aus Briefen. Enthalten im Nachlass.
Am 4. Mai 1927 schloss Nowak die Ehe mit Else Nowak, geb. Gisler.
1928 war Nowak Mitglied im Künstlerbund Die Unabhängigen in München, für den er sich auch engagierte.Mitgliedskarte und Quittung über den Jahresbeitrag sind vorhanden. Nowak gestaltete u. a. Einladungskarten für Veranstaltungen des Künstlerbunds.
Künstlerstipendium in Salzburg
Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Kunststudiums bewarb sich Nowak für ein Stipendium des Künstlerhauses in Salzburg, das vom Kunstverein unter dem Vorsitz Moritz Stummer-Traunfels verwaltet wurde.Das geht aus einem Schreiben hervor, das Karl Reisenbichler an den Vorsitzenden des Gaues Berlin im Reichsverband bildender Künstler am 10. Mai 1933 schickte, nachdem Nowak diesen darum gebeten hatte. Dieses Schreiben wurde auch vom Präsidenten des Salzburger Kunstvereins namens Stummer-Traunfels unterzeichnet. Nowak erhielt eines der 24 Ateliers im Künstlerhaus in der Hellbrunner Straße 3, in dem er von 1929 bis 1932 kreativ tätig sein konnte. Er nahm seinen Wohnsitz in der Bergheimerstraße 37.An diese Adresse sind einige Briefe und Postkarten an Nowak geschickt worden. Schon bald erhielt er das Amt des Schriftführers im Zentralverband bildender Künstler Österreichs unter dem Vorsitz von Karl Reisenbichler. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Gebrauchsgrafiken (unter anderem für die Stieglbrauerei, das Fremdenverkehrsamt und das Schauspielhaus Salzburg).Von Nowak entworfene Postkarten für die Stieglbrauerei, ein Prospekt zur Unterstützung des winterlichen Fremdenverkehrs im Salzburger Land und Skizzen für die Bühnengestaltung usw. liegen vor. Neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit erteilte Nowak Zeichen- und Grafikunterricht und hatte unter anderen so prominente Schüler wie Heinrich Ferdinand von Habsburg und Veva Tončić.Veva Tončić war eine junge begabte Künstlerin, die auf Empfehlung Habsburgs bei Nowak Zeichenunterricht nahm. Der Brief von Habsburg an Nowak liegt (undatiert) vor. Als künstlerischer Mitarbeiter von Reisenbichler war Nowak bei umfangreichen Aufträgen für dekorative Wandmalereien in Salzburg beteiligt. In dieser Zeit entstanden auch erste Zeichnungen und Wortbeiträge für belletristische Zeitschriften, Tageszeitungen und Magazine. Als Stipendiat beschickte Nowak regelmäßig Ausstellungen im Künstlerhaus sowie die Jahresausstellungen des Zentralverbands im Schloss Mirabell.Ausstellungsplakate und Einladungen wurden von Nowak selber entworfen und liegen vor.
Nowak erhielt positive Kritiken seines künstlerischen Werkes sowie breite Anerkennung in der Kunstszene. Zahlreiche Presserezensionen zeugen von der hohen Qualität des Nowakschen Œuvres, das unter anderem als „malerische Nachkommenschaft von Toulouse-Lautrec“ gewürdigt wurde.Presseberichte über ihn, Ausstellungsbesprechungen und Kritiken wurden von Nowak gesammelt und liegen vor.
Politische Anfeindungen und antifaschistische Arbeiten
Aufgrund der zunehmenden Etablierung des nationalsozialistischen Gedankenguts in Österreich sah sich Nowak, der eine linksliberale Politik befürwortete, mehr und mehr politischen Anfeindungen ausgesetzt. Aufgrund der Teilnahme an einer Kollektivausstellung 1932, in der Nowak klare antifaschistische Zeichnungen zeigte und damit eindeutige politische Stellung bezog, wurde ihm die Mitarbeiterstelle im Zentralverband gekündigt. In dieser Zeit lernte Nowak den österreichischen Maler und Grafiker Slavi Soucek kennen, der ihm künstlerisch und menschlich eine große Stütze war und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.Eisler, Anette: Slavi Soucek. Salzburg: Verlag Galerie Welz, 1998, S. 13, S. 23.
Da sich seine Arbeitsbedingungen zusehends verschlechterten, sah sich Nowak schließlich gezwungen, seine Künstlerexistenz in Salzburg aufzugeben.
Übersiedlung nach Berlin und Berufsverbot als Künstler Im Spätherbst 1932 übersiedelte Nowak nach Berlin und nahm in der Oranienburger Straße 92 seinen Wohnsitz.Polizeiliche Anmeldung vom 15. Januar 1933 liegt vor. Mit einer Empfehlung hoffte er auf eine Anstellung als Pressezeichner beim 12 Uhr Blatt. Doch dieser Plan zerschlug sich mit der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933.
Erschwerend kam hinzu, dass starke Magenblutungen Nowak zu einem mehrmonatigen Aufenthalt im Virchow-Krankenhaus zwangen. Anfang Mai 1933 wurde er entlassen und bemühte sich um eine Zulassung als hauptberuflich freischaffender Künstler und Grafiker, welche ihm aber verwehrt wurde. Von 1933 bis 1937 war Nowaks Leben von Arbeitslosigkeit bestimmt. Als Afü-Arbeiter war er als Hilfsarbeiter dem Stadtbauamt zugeteilt.
Zudem waren Nowak und seine Frau erneut politischen Anfeindungen und Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Else Nowak hatte sich in einem Prozess gegen Helmuth Klotz, der unter anderem durch die Publikation seiner Druckschrift Der Fall Röhm vehemente Kritik an der nationalsozialistischen Ideologie übte, als Zeugin zur Verfügung gestellt. Sie hatte Klotz während ihrer Tätigkeit als Sekretärin in München kennengelernt und bestätigte im Gerichtsverfahren dessen frühere NSDAP-Parteizugehörigkeit, die der spätere Propagandaminister Joseph Goebbels vehement bestritten hatte. Die Folge waren verschärfte Repressalien gegen Else Nowak, denen sie auf Dauer psychisch nicht gewachsen war. Mit 33 Jahren nahm sie sich am 4. Juni 1934 das Leben. Im selben Jahr wurde der gemeinsame Sohn Helmut Wolfgang Nowak dem Potsdamer Großen Waisenhaus, einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt, übergeben.