Die Neuroleptanalgesie (älter auch Neurolept-Analgesie) ist eine seit ihrer Einführung im Jahr 1959 durch die belgischen Anästhesisten Joris de Castro und Paul MundeleerJ. Schüttler, W. Schwarz: In memoriam: Dr. Dr. h.c. mult. Paul Janssen (1926 - 2003). In: Anästhesiologie und Intensivmedizin. Band 45, 2004, S. 384 (Digitalisat).Michael Heck, Michael Fresenius: Repetitorium Anaesthesiologie. Vorbereitung auf die anästhesiologische Facharztprüfung und das Europäische Diplom für Anästhesiologie. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 2001, ISBN 3-540-67331-8, S. 804. – Online. praktizierte Sonderform der Analgesie, bei der ein hochpotentes schnellwirkendes Neuroleptikum (z. B. Droperidol, in der Tiermedizin vor allem Acepromazin) in Kombination mit einem hochwirksamen Schmerzmittel (meist Fentanyl, in der Tiermedizin Levomethadon) einen narkoseähnlichen Zustand ohne eigentliche Narkotika erzeugt. Im Unterschied zur Narkose befindet sich der Patient jedoch nicht in tiefer Bewusstlosigkeit, sondern ist lediglich stark sediert bei erheblich reduziertem Schmerzempfinden. Vorteil dieser, eine Alternative zur Inhalationsnarkose darstellende, Kombination ist die gegenseitige Verstärkung der schmerzstillenden und sedativen Wirkung bei Abschwächung der Brechreiz- und vagusstimulierenden Wirkung des Schmerzmittels. Nachteilig ist vor allem der starke Blutdruckabfall.

Geschichtliches In den 1940er Jahren erfanden zwei Wissenschaftler den lytischen Cocktail. Dieser Cocktail bestand aus: Chlorpromazin, Promethazin und Pethidin. Die Wirkung dieses Cocktails nannten sie Neuroplegie. Die belgischen Anästhesisten Mundeleer und de Castro schlugen dann 1959Joris de Castro, Paul Mundeleer: Anesthésie sans barbiturique: la neuroleptanalgésie (R. 1406, R. 1625, Hydergine, Procaine). In: Anesth’sie Analgésie Réanimation. Band 16, 1959, S. 1022–1056. eine Kombination eines Neuroleptikums aus der Butyrophenonreihe mit einem starken, zentral wirkenden Analgetikum vor, wofür von etwa 1960 bis 1980 Droperidol (genannt auch Dehydrobenzperidol) und Fentanyl verwendet wurden, später Benzodiazepine (Sedativa mit hypnotischer Wirkung wie Flunitrazepam, Lormetazepam und Midazolam) mit zunächst Alfentanil, dann Sufentanil.Otto Mayrhofer: Gedanken zum 150. Geburtstag der Anästhesie. In: Der Anaesthesist. Band 45, 1996, S. 881–883, hier: S. 882 f.

Indikationen Die Neuroleptanalgesie kann bei Eingriffen genutzt werden, die keine tiefe Bewusstlosigkeit erforderlich machen.

Kontraindikationen Bei folgenden Faktoren gilt die Neuroleptanalgesie als kontraindiziert:

Parkinson-Krankheit Anwendung von MAO-Hemmer Drogenabhängigkeit Alkoholabhängigkeit

Neuroleptanästhesie Bei größeren Operationen konnte mit der Neuroleptanalgesie jedoch keine ausreichende Hypnose erreicht werden, deshalb wurde Lachgas als zusätzliches Hypnotikum hinzugefügt.

Die Neuroleptanalgesie bzw. Neuroleptanästhesie wird in der Humanmedizin heute kaum mehr eingesetzt, sie wurde ab 1968 modifiziert.Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 35. So wurde das Neuroleptikum durch Benzodiazepine wie Diazepam (Valium) ersetzt. Sobald die Neuroleptanalgesie mit Lachgas ergänzt wird, spricht man von einer Neuroleptanästhesie. Die Neuroleptanästhesie (oder Neurolept-Anästhesie, kurz NLA) wurde ursprünglich ebenfalls als Neurolept-Analgesie bezeichnet.Hans Anton Adams, Eberhard Kochs, Claude Krier: Heutige Anästhesieverfahren – Versuch einer Systematik. In: Anästhesiologie Intensivmedizin Notfallmedizin Schmerztherapie. Jahrgang 36, Heft 5, Mai 2001, S. 262–267, hier: S. 264. Bei der Kombination von Lachgas und Droperidol wird, in den meisten Fällen, eine ausreichende Bewusstlosigkeit erreicht. Trotzdem war diese Art von Narkose oft zu schwach, weshalb manche Patienten intraoperativ wach wurden. Deshalb wird sie nur noch in speziellen Fällen genutzt (siehe Indikationen).

Literatur Joris de Castro, Paul Mundeleer: Die Neuroleptanalgesie. Auswahl der Präparate, Bedeutung der Analgesie und der Neurolepsie. In: Der Anästhesist. Band 11, 1962, S. 10 ff. R. Dudziak (Hrsg.): Neuroleptanalgesie-Standort und aktuelle Bedeutung einer Anästhesiemethode. 2. Expertengespräch. perimed Fachbuch Verlag, Erlangen 1983, ISBN 3-88429-141-6. Wolfgang Löscher et al.: Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren. 7. Auflage. Parey, 2006, ISBN 978-3-8304-4160-1, S. 87–88. H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 17 und 26. Christoph Weißer: Anästhesie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 54 f., hier: S. 54.

Einzelnachweise

Kategorie:Therapeutisches Verfahren in der Anästhesie Kategorie:Therapeutisches Verfahren in der Tiermedizin