mini|Mahathir bin Mohamad (2018) mini|Mahathir bei einer Rede vor der UNO am 25. September 2003 in New York Tun Mahathir bin Mohamad, kurz (Doktor) Mahathir oder Dr. M genannt (* 10. Juli 1925 in Alor Setar), ist ein malaysischer Politiker. Er war von 1981 bis 2003 und von Mai 2018 bis März 2020 Premierminister.

Leben Beginn seiner Karriere Mahathir war zunächst Kinderarzt und praktizierte lange Jahre auf der in der Andamanensee gelegenen Inselgruppe Langkawi, bevor er in die Politik ging. In der ständig an der Regierung beteiligten Partei UMNO kam er in den 1970er Jahren an die Macht. Gleichzeitig war er damit führender Politiker des Regierungsbündnisses Barisan Nasional, in dem die UMNO und andere Parteien den Proporz der verschiedenen Ethnien des multikulturellen Malaysia nachbilden.

Premierminister mini|Mahathir mit dem Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten William Cohen (1998) Von 1981 bis zu seinem freiwilligen Rücktritt 2003 war er erstmals Premierminister. Das Regierungsbündnis Barisan Nasional gewann in seiner Amtszeit fünf Parlamentswahlen deutlich. Nachdem er zum Gegner des mit Bereicherungsvorwürfen konfrontierten Premierministers Najib Razak geworden war, verließ er im Februar 2016 die größte Regierungspartei UMNO.New York Times: Mahathir Mohamad Quits Malaysia’s Governing Party, Citing Corruption Er kandidierte bei der Parlamentswahl am 9. Mai 2018 als Spitzenkandidat des Oppositionsbündnisses Pakatan Harapan („Allianz der Hoffnung“), das die absolute Mehrheit errang. Am folgenden Tag wurde Mahatir erneut Premierminister; er war der älteste Regierungschef weltweit. Erstmals seit der Unabhängigkeit Malaysias 1957 kam es damit zu einem Machtwechsel. Mahatir wollte sich für die Begnadigung von Anwar Ibrahim einsetzen, der ihm als Premierminister nachfolgen sollte.Radio Australia: Mahathir Mohamad makes shock return as opposition wins poll

mini|Mahathir und der Außenminister der Vereinigten Staaten Mike Pompeo (2018) mini|Mahathir mit dem Staatspräsident Indonesiens Joko Widodo (2019)

Am 24. Februar 2020 reichte er seinen Rücktritt ein, zugleich erklärte seine Partei Bersatu den Austritt aus der Regierungskoalition. Der König nahm den Rücktritt an, Mahathir solle aber bis zum Amtsantritt eines Nachfolgers geschäftsführender Regierungschef bleiben. Am 1. März 2020 wurde er von Muhyiddin Yassin abgelöst.

Wirtschaftspolitik Mahathir zählt ähnlich wie Singapurs langjähriger Staatschef Lee Kuan Yew zu einer einflussreichen Generation südostasiatischer Staatsmänner, die eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung beförderten, aber autoritär und mit harter Hand regierten – gefürchtet und geschätzt, nicht unbedingt demokratisch (), jedoch nicht ohne Verdienste für ihr Land. Er setzte zum Beispiel das umstrittene Wasserkraftprojekt Bakun in Gang. Seine keynesianische Wirtschaftspolitik ermöglichte die hohen Wachstumsraten der malaysischen Wirtschaft. Dabei wurden die muslimischen Malaien gegenüber der chinesischen und indischen Minderheit bevorzugt (siehe auch Malaysische Neue Ökonomische Politik).

Nach seiner Rückkehr in das Amt des Premierministers stoppte Mahathir 2018 mehrere Großprojekte. Bereits im Mai 2018 annullierte er den Bau der Bahnstrecke High-Speed-Rail (HSR) nach Singapur. Damit unterbrach er das von seinem Vorgänger Razak unterstützte wirtschaftliche Zusammenwachsen mit Singapur. Im August 2018 stoppte er mehrere Projekte mit China, die zum chinesischen Großprojekt One Belt, One Road gehören, denn Malaysia könne sich angesichts seiner Staatsverschuldung die Projekte nicht leisten, und außerdem brauche man diese Infrastruktur gar nicht.

Privates Mahatirs ist der Großvater des Skirennläufers Othman Mirzan, welcher als erster Malaysier an Alpinen Skiweltmeisterschaften teilnahm.

Affären Affäre um Anwar Ibrahim Sein langjähriger Vize-Premier und vorgesehener Nachfolger Anwar Ibrahim wurde 1998 von Mahathir entmachtet und im nächsten Jahr inhaftiert (wegen angeblicher Korruption, später auch wegen angeblicher homosexueller Praktiken). 2004 wurde er aus der Haft entlassen. Der damalige US-Vizepräsident Al Gore übte auf einer APEC-Konferenz scharfe Kritik an der Behandlung Anwar Ibrahims und erklärte seine Unterstützung für die demokratische Reformbewegung des Landes.Asia-Pacific Malaysian anger at Gore rebuke. BBC News, 17. November 1998.

Kriegsverbrecherkommission 2007 gründete Mahathir die bis 2013 tätige Kuala Lumpur War Crimes Commission („Kuala-Lumpur-Kriegsverbrecherkommission“) als Alternative zum internationalen Gerichtshof in Den Haag, welchem er eine Voreingenommenheit bei der Auswahl von Verfahren zuschrieb.

Antisemitismus Mahathir bin Mohamad hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten rassistisch und antisemitisch über Juden geäußert.Till Fähnders: Ferne Freunde der Hamas. Malaysia gehört zu den vehementesten Unterstützern der Terrororganisation. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. November 2023, S. 8. So behauptete er, sie seien „nicht bloß hakennasig, sondern verstehen Geld instinktiv“. Schindlers Liste, Steven Spielbergs berühmter Film über den Holocaust, wurde von Mahathirs Regierung mit der Begründung verboten, der Film wäre „zu pro-jüdisch“.Rousing Muslim bigotry. The Boston Globe, 23. Oktober 2003. Hohe Wellen schlug besonders eine Eröffnungsrede, die der malaysische Staatschef auf der Tagung der Organisation der Islamischen Konferenz im Jahr 2003 hielt. Darin sagte er:

Auf Deutsch:

Während westliche Kommentatoren entsetzt reagierten, verteidigten Vertreter mehrerer muslimischer Staaten, darunter Afghanistans Präsident Hamid Karzai, Mahathirs Rede.https://web.archive.org/web/20100127210532/http://findarticles.com/p/articles/mi_m0WDQ/is_2003_Oct_20/ai_109021654

Im Jahr 1984 untersagte er den New Yorker Philharmonikern die Einreise nach Malaysia, da diese ein Stück des jüdischen Komponisten Ernest Bloch aufführen wollten. Er machte „die Juden“ für die asiatische Finanzkrise im Jahr 1997 verantwortlich und verteilte auf einem Kongress seiner Partei UMNO antisemitische Schriften wie die Protokolle der Weisen von Zion sowie Henry Fords Der internationale Jude.Wolfgang Benz: Die Protokolle der Weisen von Zion – Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung. Verlag C.H. Beck, 2007, ISBN 978-3-406-53613-7, S. 101

Aufruf auf Twitter 2020 Am 29. Oktober 2020, kurz nachdem ein Islamist eine Frau in einer Kirche in Nizza enthauptet und zwei weitere Menschen getötet hatte, veröffentlichte bin Mohamad eine Serie von Kurznachrichten auf Twitter. Darin setzte er sich zunächst mit dem islamistisch motivierten Mord an einem Lehrer in Paris auseinander und erhob die Behauptung, er verstehe, warum Muslime wütend seien. Die Franzosen hätten auch Millionen von Personen ermordet, darunter Muslime. Deshalb hätten Muslime das Recht, „Millionen von Franzosen“ zu töten.Muslims have a right to ‘kill millions of French people' over past actions, former Malaysian PM suggests, The Independent, 29. Oktober 2020 Seitens Twitter wurde diese Äußerung zuerst als Verstoß gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen eingestuft und einige Stunden später gelöscht.

Auszeichnungen 1997 – Internationaler König-Faisal-Preis für Verdienste um den Islam 2005 – Internationaler Gaddafi-Preis für Menschenrechte 2018 – Großkreuz des Ordens der Paulownienblüte2018 Autumn Conferment of Decoration on Foreign Nationals, Internetseite des japanischen Außenministeriums (englisch)

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Einzelnachweise

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