Ellar ist ein Ortsteil der Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg mit über 1300 Einwohnern. Der Ort, dem im Jahr 1372 Stadtrechte verliehen wurden, entwickelte sich jedoch nie zu einer echten Stadt.
Geographie mini|Luftaufnahme aus Richtung Süden
Geographische Lage Ellar liegt im südlichen Westerwald, etwa 18 km nördlich von Limburg an der Lahn, 14 km westlich von Weilburg und 12 km östlich von Westerburg. Die angrenzenden Orte sind, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn: Hausen, Fussingen, Lahr, Hintermeilingen (alle Gemeinde Waldbrunn), Steinbach (Stadt Hadamar), Hangenmeilingen und Dorchheim (Gemeinde Elbtal). Ellar liegt im Lasterbachtal, oberhalb von etwa 270 m ü. NN, umgeben von teilweise bewaldeten Basalthöhenrücken. Der Lasterbach fließt, von Hausen kommend, durch den Ort in Richtung Dorchheim; unterhalb von Ellar wird er auch als Steinbach bezeichnet. Er mündet bei Dorchheim in den Elbbach. Richtung Westen ist das Lasterbachtal zum Elbbachtal hin geöffnet. Südlich von Ellar erstreckt sich der Höhenrücken Heidenhäuschen mit den Bergen Remelsberg/Rommelsberg (398 m ü. NN), Spitzberg (331 m ü. NN) und Mühlhölzchen (314 m ü. NN). Östlich von Ellar, zwischen Hintermeilingen und Lahr, erstreckt sich ein Höhenrücken bestehend aus den Bergen Oberholz (331,0 m ü. NN), Bühl (303,3 m ü. NN), Steinkopf (329,8 m ü. NN) und Honigberg (311,5 m ü. NN).
Geologie mini|hochkant|Basaltblock am Heidenhäuschen
Der Ort liegt im Übergangsbereich zwischen dem Oberwesterwald und dem Limburger Becken im Oberwesterwälder Hügelland. Geologisch besteht der Untergrund aus oberdevonischem Schiefer, Grauwacke und Quarziten. Diese Schicht hat ein Alter von etwa 320–300 Millionen Jahren; darüber haben sich, vor allem während der Miozänzeit vor etwa 20 Millionen Jahren, tertiäre Ablagerungen gebildet. Diese bestehen im Wesentlichen aus Basalten und Tonen, aber auch aus Braunkohle, Phosphorit, Kupfererzen, Pyrit, Eisenerzen und Manganerzen. Die oberste Bodenschicht, ca. 3–15 Meter, und der Oberboden sind stark lößhaltig. Diese Schichten haben sich während der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren gebildet.
Klima Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,4 bis 7,6 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 750 bis 760 Millimeter und ist damit etwas geringer als im Oberwesterwald und deutlich höher als im Limburger Becken. Durch die mittlere Höhenlage zwischen dem Lahntal und dem hohen Oberwesterwald gibt es weniger als 40 Nebeltage jährlich.
Geschichte Die Geschichte des Ortes ist durch den städtischen Charakter im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit vergleichsweise gut überliefert. Durch die Arbeiten des Heimathistorikers Walter Rudersdorf (ca. 8.000 Veröffentlichungen und 60 Jahre historische und landeskundliche Vorträge) verfügt Ellar über eine der am besten dokumentierten Ortsgeschichten im Westerwald.
Frühgeschichte und Ersterwähnung Der Ort liegt in einem wahrscheinlich vorgermanischen Siedlungsgebiet. Bei Bauarbeiten der Kerkerbachbahn in Fussingen wurde eine Graburne aus der Zeit um 1000 v. Chr. gefunden. Am Lindenberg bei Hausen wurden Keramikscherben aus der Hallstattzeit (Stufe C) um 700 v. Christus gefunden. Von der Dornburg, dem Heidenhäuschen und vor allem dem Nachbarort Lahr sind Funde bekannt, die eine keltische Besiedlung während der La-Tène-Zeit belegen. Der Ortsname stammt wahrscheinlich von dem indoeuropäischen Wort „*pelâg/pelâr“ (zum Sumpf gehörend) ab und bezieht sich auf die ehemals versumpften Bachmulden im Umfeld des Ortes. Die erste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 807 datiert. Damals schenkte ein Starcher in der Allarher oder Allanaher Marka dem Kloster Lorsch einen Hof. Die Urkunde ist nur durch zwei hochmittelalterliche Abschriften erhalten, die für den Ort zwei verschiedene Schreibweisen verwenden. Die Zuordnung der Urkunde ist umstritten. Einige Historiker beziehen sie auf Allna bei Marburg bzw. Aal bei Lahnstein. Für Ellar spricht, dass die Urkunde in enger Verbindung mit Urkunden über andere Orte westlich von Weilburg steht. Seit dem 14. Jahrhundert wird die Schreibweise Ellar verwendet, andere historisch verwendete Schreibweisen sind Eller, Ellair, Ellahr, Ellor, Ellir.
Das „alte“ Amt Ellar
Ellar ist der historische Zentralort der Ellarer Mark und dem aus der Mark hervorgegangenen Amt Ellar. Ursprünglich umfasste die Ellarer Mark wahrscheinlich die Zenten rund um das Heidenhäuschen: Lahr, Frickhofen und Niederzeuzheim. Die Zent Elsoff wurde dem Amt vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt, vor 1337, angegliedert. Für das Amt Ellar wurde auch die Bezeichnung „Vierzentisches Amt“ oder „Herrschaft Vier Zente“ verwendet. Ellar gehört innerhalb des Amtes Ellar zur Zent Lahr. Gegen Ende der Karolingerzeit gehörte das Gebiet zum Niederlahngau des Herzogtum Franken. Sitz des Landgerichts für das Amt Ellar war der Remelsberg, Sitz des Zentgerichtes war der Steinkopf zwischen Lahr und Ellar. Es bestanden mehrere Hubengerichte in der Zent. Das Zentgericht ging bereits im 13. Jahrhundert an die Grafschaft Diez. Die Grafen von Diez verpfändeten das Gebiet mehrfach, zuletzt 1367; dabei traten sie das Amt Ellar an die Grafschaft Katzenelnbogen ab. Auf Bestreben der Grafen von Katzenelnbogen wurden Ellar im Jahr 1372 Limburger Stadtrechte verliehen. Nach dem Ende des Erbfolgestreits der Grafschaft Nassau-Hadamar erhielt das Haus Nassau-Dillenburg mit dem Schiedsspruch zu Bacharach am 28. Juli 1408 ein Drittel des Amtes Ellar, der Rest verblieb bei der Grafschaft Katzenelnbogen. Mit dem Aussterben des Hauses Katzenelnbogen kam es zu einem lang anhaltenden Streit zwischen den Grafen von Nassau-Dillenburg und der Landgrafschaft Hessen. Die Landgrafen ergriffen Besitz von dem Katzenelnbogener Erbe. Mit dem Frankfurter Vertrag kam es zu einem Vergleich im Katzenelnbogener Erbfolgestreit 1557. Das Amt Ellar gehörte nun zu Nassau-Dillenburg. Bei der Erbteilung des Hauses Nassau-Dillenburg im Jahr 1607 wurde das Amt Ellar der neu gegründeten Grafschaft Nassau-Hadamar zugeschlagen. Die nassauisch-ottonischen Herrscher blieben trotz Restitutionsedikt im Besitz ihrer Länder, nachdem Johann Ludwig von Nassau-Hadamar 1629 in Wien zur römisch-katholischen Konfession konvertiert war. Im Jahr 1650 wurde die Grafschaft zum Fürstentum erhoben.
Neuzeitliche Landeshoheit mini|hochkant|Karte von 1828 des Amtes Hadamar im Herzogtum Nassau
Nach dem Aussterben des Hauses Nassau-Hadamar im Jahr 1711 wurde das Fürstentum mehrfach zwischen den übrigen ottonischen Linien des Hauses Nassau geteilt. Von dieser Teilung war auch das Amt Ellar betroffen. Die beiden Zenten Frickhofen und Lahr wurden mit dem Amt Mengerskirchen zum kombinierten Amt Mengerskirchen-Ellar mit Sitz in Mengerskirchen zusammengefasst. Ellar fiel 1717 an das Haus Nassau-Dillenburg, ab 1739 an das Haus Nassau-Diez, 1742/43 an das Haus Nassau-Siegen (katholisch) und 1743 abermals an Nassau-Diez (Oranien-Nassau) als letzte ottonische Linie. Bei einer Verwaltungsreform der oranisch-nassauischen Gebiete in Deutschland wurde das Amt Ellar mit Dienstsitz Ellar 1790 wiederhergestellt. 1806 wurde Ellar in das Großherzogtum Berg eingegliedert. Der Ort gehörte zur Mairie Lahr im Canton Hadamar. Dieser gehörte zum Arrondissement Dillenburg und damit zum Département Sieg. Nach der Niederlage von Napoléon Bonaparte in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde die oranisch-nassauische Landeshoheit 1813 wiederhergestellt. Das Haus Oranien-Nassau tauschte seinen Besitz auf dem Westerwald jedoch schon auf dem Wiener Kongress 1815 mit dem Königreich Preußen gegen Luxemburg. Das Königreich Preußen übergab noch am selben Tag das Gebiet an das Herzogtum Nassau im Austausch gegen Gebiete um Wetzlar und Koblenz. Bei der Neugliederung der Ämter im Herzogtum Nassau zum 1. Juli 1816 wurde das Amt Ellar mit dem Amt Hadamar vereinigt. Dienstsitz wurde Hadamar.
Nach der Annexion des Herzogtums Nassau gehörte der Ort ab 1866 wieder zum Königreich Preußen und dort zur Provinz Hessen-Nassau und zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Im Jahr 1866 wurde durch die preußische Kreis- und Provinzialordnung die nassauische Ämterteilung aufgehoben. Ellar gehörte zum Oberlahnkreis und ab 1886 zum neu gegründeten Kreis Limburg. 1945 wurde der Ort der US-amerikanischen Besatzungszone zugeteilt und damit wurde er Teil Hessens; er gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Mit dessen Auflösung im Mai 1968 wurde er Teil des Regierungsbezirks Darmstadt und am 1. Januar 1981 Teil des Regierungsbezirks Gießen. Im Juli 1974 wurde der Ort schließlich Teil des neu gebildeten Landkreises Limburg-Weilburg.
Die Herren „von Ellar“ In Ellar war die niederadlige Familie der Herren „von Ellar“ ansässig. Es handelt sich um eine Seitenlinie der Familie „Sprikast zu Waldmannshausen“. Wie diese führten die von Ellar einen geschachten Schragen, darüber ein Stern, im Wappen. Die von Ellar standen vor allem im Dienst des Hauses Katzenelnbogen und des Hauses Isenburg. Mit Heinrich dem Alten von Ellar wurde im Jahr 1348 erstmals ein Vertreter der Familie erwähnt. Weitere wichtige Vertreter der Familie von Ellar waren:
Gerhard Crae von Ellar (vor 1366–1374) siegelte mehrfach als Zeuge Urkunden der Grafen von Katzenelnbogen. Er galt gemeinsam mit einem Ritter Busse in der Stadt Limburg als berüchtigter Räuber. Dies nahmen die Limburger im Oktober 1374 zum Anlass, die Stadt Ellar niederzubrennen. Angeblich wurde Crae von Ellar im Jahr 1374 in Limburg gehängt. Crae ist vermutlich das Vorbild des Ritters „Ruprecht von Ellar“, der in mehreren regionalen Sagen auftritt.
Junker Heinrich von Ellar der Junge (1370–1420) wurde 1370 als nassauisch-weilburgischer Burgmann in Weilburg erstmals erwähnt. Im Jahr 1386 erhielt er ein kurtrierisches Burglehen in Niederbrechen. Die Herren von Runkel übertrugen ihm 1389 ein Burglehen auf der Burg Runkel. Im Jahr 1393 ist er als Amtmann des Herrn von Limburg sowie kurtrierischer Amtmann in Niederbrechen belegt. 1396 wurde er auch noch Schultheiß zu Runkel.
Wirtschaftsentwicklung Ellar lag im Mittelalter zwischen zwei Hohen Straßen. Östlich des Ortes führte die Hohe Straße von Mainz über Limburg nach Siegen vorbei. Die Straße folgte bei Ellar der Wasserscheide zwischen dem Kerkerbach und dem Lasterbach. Vermutlich wurde diese Straße bereits zur Zeit der Karolinger als Königsstraße angelegt. Westlich des Ortes verlief die Alte Landstraße durch den Forstwald. Auch diese verband Limburg mit Siegen. Am Knoten trafen die Straßen auf eine Hohe Straße von Frankfurt über Weilburg nach Köln. Für die Alte Landstraße durch den Forstwald bestand bei Ellar an der Lasterbachbrücke der Gadelheimer Mühle eine Zollstation. Wahrscheinlich diente die Burg Ellar ursprünglich als Straßenfestung für die Fernstraßen. Seit dem Jahr 1590 nutzte das Haus Nassau diese Straße für eine ständige Postlinie zwischen den Residenzen Dillenburg, Herborn, Hadamar und Diez. Mit dem Bau der neuen Mainzer Landstraße (heute Bundesstraße 54) ab 1780 verloren die Altstraßen im Bereich Ellar ihre Bedeutung, die Zollerhebung wurde eingestellt. Die Bevölkerung lebte überwiegend vom Ertrag der Landwirtschaft auf den eher kargen Böden. Eine wichtige Rolle spielte über lange Zeit die Schafzucht. Die Landwirtschaft war seit dem Mittelalter in der Dreifelderwirtschaft organisiert. Die Lage im Lasterbachtal ermöglichte den Bau zahlreicher Mühlen. Bereits im Jahr 1324 ist mit der Oberen Gadelheimer Mühle die älteste Mühle erwähnt. Die Mittlere Gadelheimer Mühle wurde erstmals 1691 erwähnt. Die Ellarer Mühle (Jeuckenmühle) wurde 1693 erbaut, sie brannte 1938 ab und wurde nicht wiederhergestellt. 1716 folgte der Bau der Unteren Gadelheimer Mühle. Mit der Neumühle wurde 1805 die fünfte Mühle am Ort erbaut.
Ortsgeschichte Stadt Ellar mini|Burg Ellar mini|Reste der Stadtmauer und des Hungerturms