Der Begriff Zukunftsmusik war zunächst eine Spottbezeichnung für die Musik Richard Wagners. Wagner unterstellt in seiner Schrift Das Judenthum in der Musik (1869), der Kölner Musikzeitschriftenverleger und Kritiker Ludwig Bischoff (1794–1867) habe den Begriff geprägt und spiele auf Wagners Schrift Das Kunstwerk der Zukunft (1850) an: „Professor Bischoff [trat] in der Kölnischen Zeitung mit der Begründung des von jetzt an gegen mich befolgten Systemes der Verleumdung auf: dieser hielt sich an meine Kunstschriften, und verdrehte meine Idee eines ‚Kunstwerkes der Zukunft‘ in die lächerliche Tendenz einer ‚Zukunftsmusik‘, nämlich etwa einer solchen, welche, wenn sie jetzt auch schlecht klänge, mit der Zeit sich doch gut ausnehmen würde.“Das Judenthum in der Musik. 1869, S. 36. (wikisource).

Der Wagner-Biograph Martin Gregor-Dellin bemerkt dazu: .Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner – Sein Leben – Sein Werk – Sein Jahrhundert. München 1980, S. 876.

Noch vor Bischoff benutzte Friedrich Wieck nicht nur diverse Verbindungen der Begriffe Musik und Zukunft, sondern auch den Ausdruck „Zukunftsmusik“ und „Zukunftsmusiker“ in einigen Originalkapiteln seiner Aufsatzsammlung Clavier und Gesang (1853: Kapitel 7, 12 und 13), allerdings nicht in den bereits vorher anderswo erschienenen Aufsätzen. Die Bedeutung entspricht genau den etwas späteren, viel beachteten Verwendungen des Wortes. Einer der Herausgeber der Wieck-Schriften Tomi Mäkelä behandelt die Begriffsgeschichte mit Blick auf diese bisher missachtete Quelle im Einführungsessay. Detlef Altenburg und Frieder Reininghaus schreiben den Begriff jedoch dem Richard-Wagner-Kritiker August Ferdinand Riccius zu, der ihn aber in einer (anonymen) Besprechung des Buches von Wieck in der Rheinischen Musik-Zeitung am 4. Dezember 1852 (siehe Wikisource) verwendet; das Buch lag also bereits vor.

Wagners Broschüre Zukunftsmusik, 1860 geschrieben, erschien 1861 in Leipzig bei J. J. Weber, als offener Brief An einen französischen Freund [Frédéric Villot] als Vorwort zu einer Prosa-Übersetzung meiner Operndichtungen. Er nahm darin den Begriff im positiven Sinne wieder auf, indem er nach einer kurzen Geschichte der Oper seinen eigenen Weg erklärte und rechtfertigte. In diesem Zusammenhang prägte er den Begriff der Unendlichen Melodie.ludwig-feuerbach.de

Georg Büchmann trug zur falschen Begriffsgeschichte bei, indem er in seiner vielgelesenen Zitatensammlung Geflügelte Worte kolportierte: Georg Büchmann: Geflügelte Worte. 19. Auflage, 1898. Zitiert nach: susning.nu Büchmann fährt fort:

Weitere Bedeutungen Im Sprachgebrauch des 20. Jahrhunderts wird der Begriff Zukunftsmusik hauptsächlich noch im übertragenen Sinne verwendet für Projekte, deren Verwirklichung noch in weiter Ferne, in der Zukunft liegt. In physikalischen Experimenten mit dem Tunneleffekt wurde eine (rechnerische) Überlichtgeschwindigkeit ermittelt. Zur Demonstration wurde Musik durch den Tunnel übertragen. Dies geschah mit Überlichtgeschwindigkeit – und heraus kam Zukunftsmusik (so wurde es vom leitenden Physiker Hans-Peter Dürr scherzhaft genannt). Eine Initiative für Neue Musik in Augsburg trägt den Namen Zukunft(s)Musik.zukunft-musik.de zukunft-musik.de

Quellen

Kategorie:Musik des 19. Jahrhunderts Kategorie:Musikästhetik Kategorie:Redewendung Kategorie:Richard Wagner