Als Marschbahn wird eine in Schleswig-Holstein gelegene Eisenbahnhauptstrecke bezeichnet, die die Bahnhöfe Elmshorn im Süden und Westerland auf Sylt bzw. Tondern als dänischen Grenzbahnhof im Norden miteinander verbindet. Sie ist Teil einer 237 Kilometer langen, durchgehenden Eisenbahnverbindung von Hamburg-Altona nach Westerland (Sylt) und in den Fahrplänen der Deutschen Bahn als verzeichnet.

Streckenbeschreibung Die Marschbahn zweigt in Elmshorn von der Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel ab, auf dieser verkehren Züge bis nach Flensburg. Zusammen mit den Regionalzügen auf der Relation Hamburg–Elmshorn (Linien R61 nach Itzehoe und R71 nach Wrist im HVV) ergibt sich ein sehr starkes Verkehrsaufkommen. Beeinträchtigungen durch den Engpass südlich von Elmshorn wirken sich daher auch auf den Betrieb der Marschbahn aus.

Ab Elmshorn verläuft die Marschbahn-Strecke in einem Bogen über Glückstadt nach Itzehoe. Dieser Abschnitt durchquert zunächst die Kollmarer Marsch und ab Glückstadt die Kremper Marsch. Nachdem in Itzehoe die Stör passiert wird, führt die Strecke im weiteren Verlauf durch die Wilstermarsch in die Stadt Wilster. Die Bahnstrecke schwenkt hier erneut gen Norden und führt im weiteren Verlauf auf die Hochbrücke Hochdonn zu. Nach Überquerung dieses Bauwerkes wird bei Burg die Dithmarscher Geest erreicht.

Auf dem Geestrücken verläuft die Marschbahn zunächst in westlicher Richtung nach St. Michaelisdonn, danach in nördlicher Richtung über Meldorf nach Heide (Holst). Nach Querung der Eiderbrücke zwischen den Haltepunkten Lunden und Friedrichstadt wird der Kreis Nordfriesland erreicht. Weiter führt die Strecke durch die Südermarsch zum Bahnhof Husum. Über Bredstedt und Langenhorn verläuft die Strecke dann zum Bahnhof der Stadt Niebüll und durch die Wiedingharde weiter nach Klanxbüll, dem letzten Haltepunkt auf dem nordfriesischen Festland.

Nach Überquerung des Syltdamms wird die nördlichste der Nordfriesischen Inseln, Sylt, erreicht. Endpunkt hier ist der Bahnhof im Ortsteil Westerland der Gemeinde Sylt. Vorgelagerte Bahnhöfe befinden sich in den Ortsteilen Morsum und Keitum.

Besondere Streckenabschnitte mini|links|Hochbrücke Hochdonn mini|links|Eisenbahnbrücke der Marschbahn über die Eider bei Friedrichstadt mini|links|Syltdamm

Die Marschbahn verläuft an mehreren Orten auf Ingenieurbauwerken, die einen reizvollen Blick auf Natur und Landschaft der Marschen ermöglichen. So überqueren die Gleise auf der 42 Meter hohen Hochbrücke Hochdonn den Nord-Ostsee-Kanal mit einer Gesamtlänge von 2218 Metern und einer Stützweite von 143 Metern direkt über dem Wasserlauf. Hier lässt sich – bei entsprechender Witterung – in südlicher Richtung bis nach Brunsbüttel mit seinen Industrieanlagen blicken.

Die Kanalbrücke wurde 1920 als Ersatz für eine Drehbrücke in Taterphahl bei Eddelak eröffnet (Näheres siehe Abschnitt Geschichte).Hans Bock: Die Marschbahn von Altona nach Westerland. Boyens, Heide 1989, ISBN 3-8042-0458-9 Einzelne Teile der erwähnten Drehbrücke wurden nach der Demontage in der Klappbrücke bei Lindaunis (siehe Lindaunisbrücke) wiederverwendet.

Zwischen den Bahnhöfen Klanxbüll und Morsum wird die Strecke seit 1927 über den Hindenburgdamm oder Syltdamm durch das nordfriesische Watt geführt. Auf dem Damm befindet sich die Blockstelle Hindenburgdamm, deren Personal in der Vergangenheit bei Betriebshalten von Planzügen abgesetzt oder aufgenommen wurde. Seit 1996 wird sie mit selbsttätigem Streckenblock ohne Personal betrieben.

Weitere Brückenbauwerke der Strecke mit umfangreicher Geschichte sind die Störbrücke in Itzehoe, die Eiderbrücke zwischen Lunden und Friedrichstadt und die Klappbrücke am Übergang zwischen Binnen- und Außenhafen in Husum.

Die älteste Brücke der Strecke über die Stör vor Itzehoe war eine Drehbrücke. Sie wurde von der Deutschen Reichsbahn durch eine zweiflügelige Klappbrücke ersetzt. Zur Elektrifizierung der Strecke musste der Klappmechanismus der Brücke durch Verschweißen stillgelegt werden. Zuvor war sicherzustellen, dass die Brücke für Schiffe nicht mehr aufgeklappt werden musste, wozu das Wendebecken für Frachtschiffe auf die Westseite der Brücke verlegt wurde. Die heutige Betonbrücke an gleicher Stelle konnte erst zu Beginn des Jahres 2012 fertiggestellt werden.

Die Eider wurde ursprünglich durch eine zweigleisige mechanische Drehbrücke überquert, die beim Umbau durch eine eingleisige hydraulisch betriebene Anlage ersetzt wurde.

Auf einer einflügeligen Klappbrücke nördlich des Bahnhofs Husum überquert die Marschbahn die Husumer Au, die an dieser Stelle beidseits zu Hafenanlagen ausgebaut ist. Dieser 1991 errichtete Brückenkörper löste eine ursprünglich 1910 errichtete zweigleisige Klappbrücke ab, die 1963 auf ein Gleis reduziert wurde. Vor 1910 bestand auch hier eine eingleisige Drehbrücke.

Abzweigende Strecken In Betrieb Die Bahnstrecke Itzehoe–Lägerdorf ist eine am 19. November 1951 eröffnete 7,7 Kilometer lange Güterzugstrecke. Für den Betrieb wurde eigens die Bahnbetriebsgesellschaft Lägerdorf gegründet (bis 1982).

Die heutige Stichstrecke Wilster–Brunsbüttel(koog) besteht größtenteils aus dem ursprünglichen Verlauf der Marschbahntrasse. Ab 1. Mai 1893 wurde Brunsbüttelkoog über eine Stichstrecke von Sankt Margarethen aus angebunden. Aus diesen beiden Streckenabschnitten wurde später die südliche Stichstrecke nach Brunsbüttel. Diese bindet heute die Industrieareale dort an. Noch bis zum 27. Mai 1988 wurde diese Trasse auch im Personenverkehr bedient, seither nur noch im Güterverkehr.

Die Verlegung der Marschbahntrasse wurde erforderlich, um den Nord-Ostsee-Kanal auch nach seiner Verbreiterung weiterhin queren zu können. Diese Maßnahme war ursprünglich für das Jahr 1914 geplant worden, verzögerte sich jedoch. Die bis 1920Frank Schwedler, Ulrike Schwedler, Jürgen H. Ibs, Björn Ahrens (Hrsg.): Interaktiver Historischer Atlas Schleswig-Holstein 1867–2000, Abschnitt Entwicklung des Eisenbahnnetzes in Schleswig-Holstein 1844–1999, Wachholtz-Verlag in Betrieb befindliche Drehbrücke bei Taterpfahl war eine der Engpassstellen für den Ausbau. Sie wurde durch die Hochbrücke Hochdonn ersetzt. Um diese Hochbrücke erschließen zu können, mussten kilometerlange Rampen errichtet werden, die zur Verlegung der Trasse zwischen den Bahnhöfen Wilster und Sankt Michaelisdonn führten.

Die Bahnstrecke Sankt Michaelisdonn – Brunsbüttel Nord besteht ebenfalls aus dem 1920 verbliebenen Rest der Marschbahn westlich des Nord-Ostsee-Kanals, der durch den Bau der Hochbrücke Hochdonn entstand. Hier stellte die Deutsche Bundesbahn im Jahr 1969 den Personenverkehr ein. Auf diesem Streckenast erfolgt nur noch Güterverkehr zum Anschluss der Firma Sasol in Brunsbüttel.

Die Bahnstrecke Heide–Büsum besteht aus dem Abschnitt Heide–Weddinghusen der ursprünglich von Heide ans Eiderufer gegenüber Tönning gebauten ersten Eisenbahn in Heide und ihrer Fortsetzung nach Büsum, die regen Personenverkehr aufweist.

Die Bahnstrecke Neumünster–Heide ist die alte Stammstrecke der westholsteinischen Eisenbahn.

Die Bahnstrecke Jübek–Husum entstand aus der Flensburg–Husum–Tönninger Eisenbahn (FHTE), nachdem Preußen nach 1868 das Eisenbahnnetz in Südschleswig umstrukturiert hatte.

Die Bahnstrecke Husum – Tönning – Bad Sankt Peter-Ording ist im Abschnitt Husum–Tönning aus der FHTE entstanden und wurde nach 1920 bis Sankt Peter erweitert.

Die Bahnstrecke Niebüll – Dagebüll entstand 1895 als meterspurige Kleinbahn und ist seit 1926 in Normalspur eine für den Touristenverkehr nach Föhr und Amrum wichtige Anschlussstrecke.

Die Fortsetzung der Marschbahn Niebüll – Bramming wurde 1887 als ursprüngliche Marschbahn gebaut und verlor 1920 mit der Abtretung an Dänemark nach der Volksabstimmung an Bedeutung. Der Streckenast zwischen Niebüll über Tondern nach Esbjerg wird heute als Nebenbahn betrieben.

Außer Betrieb mini|Bahnhof Elmshorn mit Abzweigung der Marschbahn (rechts), 1999

Die Hafenbahnen von Glückstadt, Itzehoe und Husum wurden bei einer großen Stilllegungsaktion der Eisenbahndirektion Altona 1970 außer Betrieb genommen.

Die Bahnstrecke Wrist–Itzehoe ist abgebaut.

Die Bahnstrecke St. Michaelisdonn–Friedrichskoog ist ab Marne abgebaut. Die Reststrecke zwischen St. Michaelisdonn und Marne kann mit Draisinen befahren werden.

Die Bahnstrecke Flensburg Weiche–Lindholm ist zwar seit 1981 buchmäßig stillgelegt, ihre teilweise Reaktivierung wird aber immer wieder diskutiert.

Abgebaute Strecken Die Elmshorner Hafenbahn, die hinter dem nördlichen Ende der Bahnsteige mit den Verzweigungen nach Westerland und nach Kiel von dem unmittelbar zur Marschbahn abgehenden Gleis nach Süden abzweigte und hinter der Brücke über die Krückau nach Westen verschwenkte, wurde Ende der 1980er Jahre aufgegeben und 2003 demontiert. Die schnurgerade Trasse der abgebauten Bahnstrecke Heide–Karolinenkoog kann ab Wittenwurth aus vorbeifahrenden Zügen noch verfolgt werden. Von nördlich des Rastplatzes „Weißes Moor“ bis kurz hinter Hemmerwurth verläuft die Bundesstraße 5 auf der ehemaligen Trasse. Von der Bahnstrecke Husum–Schwabstedt–Erfde–Rendsburg liegt noch das Gleis bis kurz vor die Stadtgrenze Husums, es wird gelegentlich als Abstellgleis genutzt. Strecke Husum–Löwenstedt–Flensburg Von der Bahnstrecke Bredstedt–Löwenstedt ist der für diese Strecke erbaute Wasserturm in Bredstedt zu sehen.

Ausbaustand Die Strecke ist zum größten Teil zweigleisig. Eingleisige Abschnitte gibt es im Bereich der Eiderbrücke bei Friedrichstadt sowie zwischen den Bahnhöfen Husum und Husum Nord, Hattstedt und Bredstedt, Niebüll und Klanxbüll, schließlich zwischen Morsum und Westerland.

Durch aufwändiges kreuzungsfreies Ausfädeln der Bahnstrecke Heide–Büsum aus Heide,Gespräche mit als Nachbarn aufgewachsenem Eisenbahner bei Inbetriebnahme elektronischer Stellwerke in Husum und Itzehoe 1989–1992 Ersatz der Eiderbrücke vor Friedrichstadt durch eine neue Drehbrücke und teilweise zweigleisigen Ausbau der Strecke bis WesterlandGespräche mit Fahrdienstleitern und Unterhaltungsbeamten bei Inbetriebnahme der ESTW Husum (Hf), Itzehoe (If) und Hamburg-Eidelstedt (Ef) 1989–1992 wurde die Marschbahn bereits in den 1950er und 1960er Jahren für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut. Auf dem Abschnitt Elmshorn–Itzehoe ist die Marschbahn seit 1998 elektrifiziert. Für die Intercity-Züge Richtung Westerland ist damit ein Lokwechsel in Itzehoe notwendig, wo auf Doppelbespannung mit Dieselloks der Baureihe 218 gewechselt wird. Bei EuroCity-Zügen wurde dieser Lokwechsel in Hamburg Hbf vollzogen. Der Streckenast nach Tondern wurde 2007 für Geschwindigkeiten von 80 km/h ausgebaut. Damit verkürzte sich die Reisezeit auf diesem Stück der Marschbahn um rund zehn Minuten. Zwischen Juni 2024 und Januar 2025 wurden bei einer Totalsperrung zwischen Niebüll und Uphusum die etwa 120 Jahre alten, auf Eichenpfählen gegründeten Brücken über den Bosbüller Sielzug und den Dreiharder Gotteskoogstrom durch neue Bauwerke aus Stahlbeton ersetzt.

Geplante Ausbauten

Für einen neuen Haltepunkt in Bosbüll mit einem 50 Meter langen Bahnsteig mit geplantem Baustart im Oktober 2026 und voraussichtlicher Fertigstellung im Sommer 2027 wurde im Juli 2026 ein Förderbescheid des Landes Schleswig-Holstein an die Norddeutsche Eisenbahn Niebüll in Höhe von gut 540.000 Euro übergeben.

Den Ausbau des Abschnittes zwischen Niebüll und Klanxbüll kündigte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann für 2007 an. Seitdem waren nur Vorbereitungsmaßnahmen zu sehen. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 sind die Elektrifizierung des Abschnittes Itzehoe–Wilster (und weiter bis Brunsbüttel) sowie der zweigleisige Ausbau der Abschnitte Niebüll–Klanxbüll und Tinnum–Morsum vorgesehen.