Gruppe Wagner (, wiss. Transliteration ; westlich medial auch als Putins Schattenarmee genannt) war eine russische paramilitärische Organisation, die von Jewgeni Prigoschin geführt wurde. Formal privatrechtlich organisiert, bestanden enge Verbindungen zwischen der Gruppe und dem russischen Staat. Dieser nutzte die Gruppe zur hybriden Kriegführung und für verdeckte Operationen, um im überwiegend afrikanischen und asiatischen Ausland russische Interessen gewaltsam zu vertreten, ohne dabei offiziell einzugreifen. Die Gruppe Wagner war darüber hinaus mit Desinformations- und Propagandakampagnen im Ausland aktiv, um politisch Einfluss zugunsten Russlands zu nehmen. Seit Februar 2022 nahm sie am russischen Überfall auf die Ukraine teil, bei dem sie offen gemeinsam mit den regulären Streitkräften Russlands kämpfte. Die Gruppe Wagner war mit russischem Militärgerät ausgestattet und verfügte über eigene Luftkampfmittel. Ausrüstung und Kampfkraft entsprachen denen von regulären Streitkräften. Angehörige der Organisation waren meist ehemalige Militärangehörige. Seit spätestens Juni 2022 rekrutierte die Gruppe auch russische Strafgefangene sowie ausländische Söldner. Videoaufnahmen aus dem syrischen Bürgerkrieg und Mali sowie Funksprüche, Augenzeugenberichte und aufgefundene Leichen aus dem Russisch-Ukrainischen Krieg legen nahe, dass die Gruppe Wagner dort Kriegsverbrechen wie Folter und Hinrichtungen begangen hat.

Im Juni 2023 scheiterte ein Aufstand der Wagner-Gruppe, nachdem es zu Streitigkeiten mit regulären Truppen und dem russischen Verteidigungsministerium gekommen war. Zwei Monate später kam es zu einem Flugzeugabsturz, bei dem die Führungsspitze der Gruppe, darunter Jewgeni Prigoschin, zu Tode kam. Der Nachfolger von Jewgeni Prigoschin ist sein Sohn Pawel Prigoschin, er leitet jedoch nur einen Rest der ursprünglichen Gruppe Wagner innerhalb der Nationalgarde.

Nach dem Putsch wurden die Kommandeure der Wagner-Einheiten aus ihrem bisherigen Loyalitätsnetzwerk herausgenommen und dem Verteidigungsministerium unterstelltGrischa Sutterer: Wagner. Die historische Einordnung einer Private Military Company, in: Militär und Gesellschaft. Zeitschrift des Portals für Militärgeschichte (MUG 14 2025), S. 102 f., als eigenständiger Akteur existiert Wagner nicht mehr. Stattdessen wurden seine Kämpfer in Freiwilligenverbände innerhalb der regulären Streitkräfte integriert.

Am 23. November 2023 wurde die in Afrika tätigen Verbände der Gruppe Wagner in Anlehnung an den Afrikafeldzug im Zweiten Weltkrieg in „Afrikanski Korpus“ (auf Deutsch: „Afrikakorps“) umbenannt. Aufgrund der neuen Befehlshierarchie untersteht die ehemals private Gruppe nun als offizielle Einheit dem russischen Verteidigungsministerium.

Aufgaben und Ziele Die Gruppe Wagner bezeichnet sich selbst als ein „privates Sicherheits- und Militärunternehmen“ (PMC; ); sie operiert aber im Auftrag der Regierung der Russischen Föderation. Laut offizieller russischer Rechtsprechung sind PMCs in Russland nicht genehmigungsfähig.

In ihrer Operationsweise, Einsatzzielen und Aufgabenbereichen ist die Gruppe Wagner in vielen Einsätzen im Auftrag der russischen Regierung aktiv und in enger Abstimmung mit dieser, sie dient den außenpolitischen Zielen der Regierung und ähnelt somit eher der ins Heer integrierten französischen Fremdenlegion als einer privaten Sicherheitsfirma.

Die Idee zur Gründung der Organisation stamme vom Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation, dies nach einem Vortrag des Söldnerführers und ehemaligen südafrikanischen Offiziers Eeben Barlow am Sankt Petersburger Wirtschaftsforum 2010. Die Idee war, „Illegale“ für spezielle Aufgaben einzusetzen, um die öffentliche Aufmerksamkeit und die Probleme im Falle eines Scheiterns von Aktionen zu minimieren. Nachdem Waleri Gerassimow 2012 zum russischen Generalstabschef ernannt worden war, unterstützte er die Idee. Der dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahestehende Oligarch Jewgeni Prigoschin wurde gewählt, die Gruppe zu leiten – möglicherweise, weil er etwas mehr im Hintergrund stand als andere Putin nahe stehende Personen. Prigoschin persönlich sei das Vorhaben eigentlich zu riskant gewesen, dennoch nahm er den Auftrag an und begann 2013 mit der Bildung des Teams.Privatarmee für den Präsidenten: die Geschichte des heikelsten Auftrags von Prigoschin, The Bell, 29. Januar 2019 Eine der ersten Publikationen über die Gruppe Wagner erschien im Oktober 2015.«Славянский корпус» возвращается в Сирию, Fontanka, 16. Oktober 2015 Prigoschin bestritt noch 2019 nicht nur seine Beteiligung, sondern überhaupt die Existenz der Truppe. Erst 2022 räumte er ein, die Gruppe Wagner gegründet zu haben.

Seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien im September 2015 bemühte man sich, die Gruppe Wagner zu legalisieren. Ein entsprechendes Gesetz geriet im Dezember 2016 aber ins Stocken, da das Verteidigungsministerium weder für das Budget aufkommen noch personelle Verluste als seine eigenen anerkennen wollte. Quellen berichten jedoch von engen Verbindungen in Strategie und bei Operationen mit dem russischen Militärgeheimdienst Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU). Dmitri Utkin, ehemaliger Soldat und Leiter der Gruppe, war anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Tapferkeitsorden im Dezember 2016 im Kreml und wurde mit Putin fotografiert. Bereits 2018 gab es Einschätzungen, dass es sich bei der Gruppe Wagner mehr um eine paramilitärische Organisation als um ein Sicherheitsunternehmen handle. Auch das Conflict Intelligence Team bezeichnete die Gruppe als Quasi-Regierungswerkzeug – es sei schwierig, sie ein privates Militärunternehmen zu nennen.'There's no one to help': Russian mercenary industry's toll on families, The Guardian, 26. August 2019 Wie bei Einsätzen privater Sicherheits- und Militärunternehmen gebe es auch hier für Russland den Vorteil, keine regulären Truppen in sicherheitspolitisch kritische und umstrittene Einsätze schicken zu müssen. Gefallene werden nicht als Angehörige der Streitkräfte gewertet. In einigen Ländern beschränken sich die Aktionen Wagners laut Experten der Global Initiative Against Transnational Organized Crime auf politische Handlungen, wie die Beeinflussung von Wahlen und den Einsatz von russischer Propaganda und Desinformationskampagnen, um etwa Russlands Ansehen zu stärken und anti-westliche Stimmung zu schüren.

Offizielle russische Stellen äußerten sich nicht zur Existenz privater Kombattanten; es existiert eine Aussage von Wladimir Putin (als Ministerpräsident im Jahr 2012), wonach die Gruppe Wagner „ein Werkzeug für die Durchsetzung nationaler Interessen ohne direkte Beteiligung des Staates“ sein könnte.Putin hat die Einrichtung privater Militärunternehmen in Russland unterstützt, RIA, 11. April 2012 Die meisten Informationen stammen aus Recherchen der Mediengruppe RBK. Sie wertete öffentliche Ausschreibungen des Verteidigungsministeriums aus, sprach mit Informanten aus Ministerien und Militär sowie ehemaligen Angehörigen der Gruppe Wagner. RBK arbeitete mit dem Conflict Intelligence Team zusammen, das vor allem soziale Medien auswertet. Informationen zur Existenz und Einsätzen der Gruppe wurden anfangs bei Beerdigungen gefallener Angehöriger sichtbar: Die Zeitung Fontanka veröffentlichte Belege, dass zwei russische Kämpfer der Einheit mit staatlichen Orden ausgezeichnet wurden. Sie starben im Winter 2015 bei der in diesem Zeitraum umkämpften ukrainischen Stadt Debalzewe (siehe Kampf um Debalzewe). Demnach erhielten auch in Syrien getötete Kämpfer der Gruppe Wagner Tapferkeitsorden.

Obwohl die Gruppe Wagner als Ganzes keine klare Ideologie verfolgt, pflegen Teile der Organisation Verbindungen zu Neonazis und Rechtsextremisten. In das Netzwerk der Gruppe Wagner ist die Einsatzgruppe Russitsch eingegliedert, die auf das in der rechtsextremistischen Szene beliebte Valknut-Symbol zurückgreift. Sie soll nach Belltower.News von Alexei Miltschakow und Jan Petrowski (seit Dezember 2022 von der EU sanktioniert) im Jahr 2014 gegründet worden sein. Zuvor nahmen diese an einem paramilitärischen Ausbildungsprogramm der „Russischen Reichslegion“ teil. Vertreter von Russitsch posieren in sozialen Netzwerken mit Hitlergruß. Ihr Gründer Miltschakow ist ein bekennender Neonazi, der durch Leichenschändungen während des Russisch-Ukrainischen Krieges aufgefallen ist. Unter anderem schnitzte er Hakenkreuze in die Gesichter von getöteten ukrainischen Soldaten. Laut einem internen BND-Dokument, über das Der Spiegel am 22. Mai 2022 berichtete, soll Russitsch spätestens Anfang April Teil der Kampfhandlungen auf ukrainischem Territorium geworden sein.Fidelius Schmid: Geheimdienstbericht: Zahlreiche Neonazis kämpfen in der Ukraine für Russland. In: Der Spiegel. 22. Mai 2022 (Paywall)„Entnazifizierung“ der Ukraine? Zahlreiche Neonazis sollen auf russischer Seite kämpfen. In: stern.de. 22. Mai 2022.Bericht: Zahlreiche russische Neonazis kämpfen für Putin in der Ukraine. In: RND. 22. Mai 2022.

Organisation mini|Prigoschin (links) und Utkin (rechts)

Entstehung Der Oberstleutnant der Reserve (Podpolkownik) Dmitri Utkin schied 2013 aus dem aktiven Militärdienst aus. Zuvor hatte er eine Speznas-Einheit des Militärgeheimdienstes Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU) befehligt. Seit 2014 kommandierte er eine private Einheit der Söldnergruppe Slawisches Korps und war einer der Überlebenden des Syrien-Einsatzes. Utkin, der als ein großer Bewunderer des „Dritten Reichs“ und Adolf Hitlers galt, führte den Kampfnamen Wagner, nach dem deutschen Komponisten Richard Wagner, den Hitler sehr schätzte. Das neue Militärunternehmen wurde nach ihm benannt. Laut dem US-think-tank Institute for the Study of War (ISW) versuchte sich die Gruppe Wagner wiederholt von den Fähigkeiten der regulären russischen Streitkräfte abzugrenzen, um nicht Verantwortung für das Verfehlen militärischer Erfolge übernehmen zu müssen. Dies ging auch mit Ausrüstungsspenden an das russische Heer einher.

Rekrutierung, Ausbildung mini|Russische Söldner in Ouham-Pendé Die Angehörigen der Gruppe Wagner sind meist frühere Angehörige der Streitkräfte Russlands. Die Auswertung bekannt gewordener Todesfälle ergab, dass ehemalige Soldaten vom Dienstgrad eines Gefreiten bis hin zum Oberstleutnant (Podpolkownik) für die Gruppe Wagner kämpfen. Laut RBK werden sie auf dem Truppenübungsplatz beim Dorf Molkino im Süden Russlands auf ihre Einsätze vorbereitet. Ein ehemaliger Kämpfer berichtete, das Einsatztraining dauere ein bis zwei Monate und werde professionell durchgeführt. Weiter sagte er dem britischen Sender Sky News, die Organisation würde alle Personalunterlagen ihrer Mitglieder einbehalten. Er habe Schwierigkeiten gehabt, diese zurückzufordern, da es die Gruppe Wagner in Russland offiziell nicht gibt. Die Besoldung eines Angehörigen der Gruppe Wagner liegt laut The Moscow Times zwischen 80.000 Rubel pro Monat (1.380 US-Dollar) für den Dienst in einer Basis in Russland und 250.000 Rubel (4.300 US-Dollar) für den aktiven Kampfeinsatz in Syrien. Zur Anwerbung nicht-russischer Staatsangehöriger im Zuge des Russisch-Ukrainischen Krieges soll der Sold 2022 verdoppelt worden sein. Angehörige erhalten beim Tod eines Kämpfers eine Wiedergutmachung.