Die Gupta-Familie (englisch: Gupta family oder kurz Guptas) ist ein Familienverband indischer Abstammung, der seit 1993 in Südafrika lebte und das Land infolge strafrechtlicher Ermittlungen wieder verließ. Zu ihm gehören unter anderem die Brüder Ajay, Atul und Rajesh „Tony“ Gupta und Atuls Neffe Varun Gupta. Sie sind durch ihre wirtschaftlichen Aktivitäten und engen Beziehungen zum früheren südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, dessen Familie und mehreren Politikern bekannt, die häufig als State capture (etwa: „Übernahme des Staates“) bezeichnet werden.
Geschichte Anfänge in Südafrika Die Familie wuchs in relativ bescheidenen Verhältnissen in Saharanpur in der indischen Provinz Uttar Pradesh auf, wo der Vater der drei Brüder als Kleinunternehmer tätig war.Prega Govender: From Sharanpur to Saxonwold. timeslive.co.za vom 27. Februar 2011 (englisch), abgerufen am 20. August 2017 Die drei Brüder und der Neffe zogen 1993, kurz vor den ersten freien Wahlen Südafrikas, nach Johannesburg. Anfangs bauten sie das Unternehmen Sahara Computers auf; in der Folge erwarben oder gründeten sie zahlreiche weitere meist südafrikanische Unternehmen. Laut dem südafrikanischen Autor Pieter-Louis Myburgh hatten sie ab 2000 engere Kontakte zu Präsident Thabo Mbeki und dem Minister des Präsidentenamts Essop Pahad, beide African National Congress (ANC).What was Thabo Mbeki and Essop Pahad’s role in the rise of the Guptas? Mail & Guardian vom 24. April 2017 (englisch), abgerufen am 17. Dezember 2017
2003 traf der spätere Präsident Jacob Zuma erstmals die Gupta-Familie an deren Wohnsitz im Johannesburger Stadtteil Saxonwold. Die Familie unterstützte in den Folgejahren Zuma, der 2009 die Präsidentschaft übernahm, in innerparteilichen Auseinandersetzungen des ANC. Zumas vierte Ehefrau Bongi Ngema-Zuma wurde von den Guptas angestellt.The Guptas and their links to South Africa’s Jacob Zuma. bbc.com vom, 2. November 2016 (englisch), abgerufen am 18. August 2017 Zumas Sohn Duduzane Zuma wurde Direktor von sechs Gupta-Firmen,’Guptagate’ claims against Jacob Zuma spark corruption inquiry by police. The Guardian vom 24. März 2016 (englisch), abgerufen am 18. August 2017 Zumas Tochter Duduzile Zuma wurde Direktorin bei Sahara Computers.
Erste kritische öffentliche Wahrnehmung Im Jahr 2009 wurden die westlichen Geheimdienste MI6 und CIA auf die Guptas aufmerksam, weil sie eines der größten Uranbergwerke Südafrikas kaufen wollten.The brothers who ’hijacked’ a country and ignited a scandal that’s destroyed one of Britain’s top PR firms, tarnished accounting giant KPMG – and set back South Africa’s race relations by years. Daily Mail vom 30. September 2017 (englisch), abgerufen am 30. September 2017 2013 gerieten die Guptas in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sie mit Genehmigung der Regierung mit Hochzeitsgästen aus Indien auf dem streng abgeschirmten Militärflughafen Waterkloof gelandet waren. Zuma, der ebenfalls zur Hochzeit der Gupta-Nichte eingeladen war, sagte aufgrund der Kritik ab.Full report on Gupta Waterkloof landing released. Mail & Guardian vom 22. Mai 2013 (englisch), abgerufen am 18. August 2017 Die zahlreichen Enthüllungen der Einflussnahme der Guptas auf die Staatsgeschäfte werden seither als Guptagate bezeichnet.
2014 erhielten Atul Gupta und sein angeblicher Neffe Essa Omar Aziz – später als Salim Essa identifiziert – Diplomatenpässe des benachbarten Königreichs Lesotho.The Gupta-owned state enterprises. Mail & Guardian vom 24. März 2016 (englisch), abgerufen am 22. Oktober 2017 Sie fungierten dort als Ratgeber der Regierung von Thomas Thabane (All Basotho Convention). Die nachfolgende Regierung unter Bethuel Pakalitha Mosisili erklärte die Pässe im Jahr 2015 für ungültig.Lesotho revokes Gupta passports. City Press vom 27. Juni 2015 (englisch), abgerufen am 19. August 2017
Im Jahr 2015 wurde in Südafrika die Partei Black First Land First (BLF) als Abspaltung der oppositionellen Economic Freedom Fighters (EFF) gegründet. Berichten zufolge wird die BLF von den Guptas finanziert und beeinflusst. Die BLF bestreitet dies. amabhungane.co.za vom 24. Juli 2017 (englisch)
2016 bis April 2017 2016 gaben mehrere ANC-Politiker an, dass ihnen von den Guptas Ministerämter angeboten worden seien. So behauptete Vytjie Mentor, dass sie 2010 anstelle von Barbara Hogan Ministerin für öffentliche Unternehmen (Minister for Public Enterprises) werden sollte,’Guptas offered me ministeraial role’, Vytjie Mentor. enca.com vom 15. März 2016 (englisch), abgerufen am 17. August 2017 falls die Gupta-eigene Jet Airways Flugrechte nach Indien erhielte. Sie lehnte dies ab, Hogan wurde trotzdem kurz darauf entlassen. Ebenso lehnte der stellvertretende Finanzminister Mcebisi Jonas im Jahr 2015 ab, Nhlanhla Nene zu ersetzen;Mcebisi Jonas takes on Ajay Gupta over Saxonworld meeting. fin24.com vom 17. Februar 2017 (englisch), abgerufen am 17. August 2017 Nene wurde ebenso kurz darauf entlassen, während der Gupta-treueNamed: van Rooyen’s two Gupta ’advisors’ who almost highjacked SA treasury. biznews.com vom 15. Februar 2016 (englisch), abgerufen am 18. August 2017 Des van Rooyen kurzfristig Finanzminister wurde. Die Gupta-Familie wies die Vorwürfe zurück.Guptagate: family sells South African holdings after Jacob Zuma influence claims. The Guardian vom 28. August 2016 (englisch), abgerufen am 17. August 2017
Vier Großbanken brachen im Februar 2016 ihre Geschäftsbeziehungen zu den Guptas ab.Fewer friends for the Gupta family. Mail & Guardian vom 28. Juli 2017 (englisch), abgerufen am 18. August 2017 Atul und Varun Gupta gaben daraufhin an, zurücktreten zu wollen, Duduzane Zuma verließ seine Direktorenposten, die Gupta-Brüder kehrten jedoch später von einem längeren Aufenthalt in Dubai nach Südafrika zurück.
Ebenfalls 2016 engagierte die Familie für die Dachgesellschaft Oakbay Investments die britische Public-Relations-Firma Bell Pottinger für eine Image-Kampagne. Im April 2017 beendete Bell Pottinger die Zusammenarbeit, nachdem die Sunday Times berichtet hatte, dass diese Zusammenarbeit zum Schüren rassistischer Spannungen – angeblich herrsche ein „weißer“ Monopolkapitalismus – und zur Vorbereitung eines Kaufs Gupta-kritischer Presseorgane wie der Mail & Guardian genutzt werden sollte.The Bell Pottinger, Gupta saga captures attention of world media. The Sunday Times vom 20. Juli 2017 (englisch), abgerufen am 17. August 2017Project M: the Gupta plan to buy the Mail & Guardian. timeslive.co.za vom 5. Juni 2017 (englisch; Archivversion) Bell Pottinger musste sich im August 2017 für seine Aktivitäten auf Antrag der südafrikanischen Democratic Alliance im Vereinigten Königreich verantworten.Bell Pottinger hearing concludes. ewn.co.za vom 18. August 2017 (englisch), abgerufen am 20. August 2017 Daraufhin musste der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens zurücktreten;Gupta scandal claims scalp of Bell Pottinger chief. Financial Times vom 3. September 2017 (englisch), abgerufen am 16. September 2017 der britische Zweig des Unternehmens musste nach dem Verlust mehrerer Kunden seinen Betrieb einstellen.Final bell tolls for Gupta spin doctors: Bell Pottinger’s UK branch goes bust. timeslive.co.za vom 12. September 2017 (englisch), abgerufen am 17. September 2017
mini|Demonstration von EFF-Mitgliedern im April 2017 gegen Zuma und die Gupta-Familie, hier mit Bild von Atul Gupta 2016 starteten die EFF die Kampagne Zupta must fall, die auf das Zusammenwirken von Präsident Zuma mit der Gupta-Familie abzielt. Sie kritisierte die Gupta-Familie als „kolonialistisch“ und warf Zuma vor, „oberster Kolonialadministrator“ zu sein.Floyd Shivambu: South Africa is under the management of the Guptas. Daily Maverick vom 17. Dezember 2015 (englisch), abgerufen am 20. August 2017 Südafrikas Vizepräsident Cyril Ramaphosa – wie Zuma ANC-Mitglied – wies darauf hin, dass seine Partei „nicht zum Verkauf“ stünde.Sam Sole, Craig McKune, Stefaans Brümmer: The ’Gupta owned’ state enterprises. Mail & Guardian vom 24. März 2016 (englisch), abgerufen am 20. August 2017
Im November 2016 wurde ein Bericht der Public protector Thuli Madonsela veröffentlicht, der die „Übernahme des Staates“ (im Original state capture bzw. gemäß Titel des Berichts state of capture) der Guptas dokumentierte und eine unabhängige richterliche Untersuchungskommission forderte, die spätestens 30 Tage nach Veröffentlichung des Berichts einzurichten sei und binnen weiterer 180 Tagen eine Entscheidung vorlegen solle.Thuli Madonsela: (englisch; PDF) Zuma und van Rooyen versuchten, dies gerichtlich zu verhindern, die Anträge wurden aber zurückgewiesenState capture report: Des van Rooyen application struck down. news24.com vom 1. November 2016 (englisch), abgerufen am 17. August 2017 oder zurückgezogen.
Im März 2017 kam es zu einer Kabinettsumbildung, bei der unter anderem Finanzminister Pravin Gordhan ersetzt wurde. Er galt als Gegner des umstrittenen Projekts zum Bau von acht Atomkraftwerken in Südafrika durch den russischen Konzern Rosatom. Von dem Bau hätte auch die Gupta-Familie über ihre Uranbergwerke profitiert.South Africa’s controversial nuclear power plans. Deutsche Welle vom 7. April 2017 (englisch), abgerufen am 22. Oktober 2017
Veröffentlichungen von E-Mails („Guptaleaks“) und weitere Enthüllungen Im Mai 2017 wurden durch Whistleblower zahlreiche E-Mails veröffentlicht, die die Einflussnahme der Guptas auf die Besetzung von Kabinettsposten, darunter die Förderung von Mosebenzi Zwane, inzwischen Minister für mineralische Rohstoffe (Minister for mineral resources), auf Entscheidungen maßgeblicher Politiker sowie auf Staatsunternehmen wie Eskom und Transnet dokumentieren.Here they are: the e-mails that prove the Guptas run South Africa. timeslive.co.za vom 28. Mai 2017 (englisch), abgerufen am 17. August 2017Exposed: explosive Gupta e-mails at the heart of state capture. timeslive.co.za vom 28. Mai 2017 (englisch), abgerufen am 20. August 2017 So ergab sich aus den E-Mails, dass Zwane in seiner Zeit in der Provinzverwaltung des Freistaats Mittel aus einem Milchversorgungsprojekt nutzte, um damit die Hochzeit der Gupta-Nichte im Jahr 2013 mitzufinanzieren.Neo Goba: We will not keep quiet on Guptaleaks: Ramaphosa. The Sowetan vom 12. Juli 2017 (englisch), abgerufen am 20. August 2017 Außerdem flog er den E-Mails zufolge kurz nach seiner Ernennung zum Minister in die Schweiz, um den Kauf von Optimum Coal von Glencore durch das Gupta-Unternehmen Tegeta Exploration and Resources einzufädeln. Die mit dem ANC verbündete South African Communist Party (SACP) verbat sich daraufhin Zumas Teilnahme am Parteitag im Juli 2017; stattdessen kritisierte dort Ramaphosa die Vorfälle scharf und forderte eine Untersuchung.
Ein anschließendes Misstrauensvotum gegen Zuma im August 2017 überstand dieser, obwohl etwa 25 bis 30 der 249 ANC-Parlamentarier gegen ihn gestimmt hatten.Jacob Zuma narrowly survives no-confidence vote in South African parliament. The Guardian vom 8. August 2017 (englisch), abgerufen am 20. August 2017
Im August 2017 beendete das staatliche südafrikanische Rüstungsunternehmen Denel seine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen VR Laser Asia, das von Salim Essa geführt wurde.Rene Vollgraaff: Denel exits venture with Gupta-linked VR Laser Asia. moneyweb.co.za vom 25. August 2017 (englisch), abgerufen am 21. Dezember 2017 Auch die indische Bank of Baroda plante 2017, ihre Verbindung mit den Gupta-Unternehmen zu beenden und das Land zu verlassen. Sie wurden aber im Oktober zur Fortsetzung verpflichtet, da die Unternehmensgruppe sonst keine inländische Bank zur Ausübung ihrer Geschäftstätigkeiten gehabt hätte.Kyle Gowan: Bank of Baroda ordered not to close Gupta accounts. timeslive.co.za vom 9. Oktober 2017 (englisch), abgerufen am 21. Dezember 2017 Im März 2018 wurde der Bank gerichtlich gestattet, ihre Geschäftstätigkeit in Südafrika einzustellen. economictimes.indiatimes.com vom 12. März 2018 (englisch), abgerufen am 13. März 2018