mini|Ehingen um 1898 mini|Ehingen an der Oberschwäbischen Barockstraße – hier die Türme von Liebfrauenkirche, Herz-Jesu-Kirche und Stadtpfarrkirche St. Blasius mini|Marktplatz mit Theodulbrunnen und Stadtpfarrkirche

Ehingen (Donau) ist eine Mittelstadt im Südosten Baden-Württembergs, etwa 23 Kilometer südwestlich von Ulm und 67 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Die größte Stadt im Alb-Donau-Kreis ist für die umliegenden Gemeinden ein Mittelzentrum.

Seit dem 1. Januar 1974 ist Ehingen eine Große Kreisstadt. Mit den Nachbargemeinden Griesingen, Oberdischingen und Öpfingen ist die Stadt eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen. Der Teil der Ehinger Gemarkung auf der Albhochfläche (33,8 %) gehört zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb.

Von 1346 bis 1805 gehörten Stadt und Umland zu Vorderösterreich, wovon das Ständehaus am Marktplatz noch heute Zeugnis gibt.

Geographie Lage Ehingen liegt am Südrand der Mittleren Flächenalb, einem Teil der Schwäbischen Alb, am nördlichen Ufer der Donau in einer Flussschleife der Schmiech. Dieser kleine Fluss entspringt rund 20 km nördlich von Ehingen in den Lutherischen Bergen, erreicht das Stadtgebiet bei Berkach, durchquert die Kernstadt und mündet südöstlich von ihr in die Donau.

Die Donau streift die Stadt nur im äußersten Südosten. Von Munderkingen und Rottenacker kommend gelangt sie beim Stadtteil Herbertshofen in das Stadtgebiet, fließt dann in nordöstlicher Richtung vorbei an den Stadtteilen Dintenhofen und Dettingen, zwischen der Kernstadt im Norden und dem Stadtteil Berg im Süden hindurch, bevor sie die Schmiech aufnimmt und anschließend südlich der Stadtteile Nasgenstadt und Gamerschwang verläuft, um schließlich das Stadtgebiet nordöstlich in Richtung Ulm wieder zu verlassen.

Der Stadtteil Rißtissen liegt als Exklave rund acht Kilometer östlich des Stadtzentrums in der Donauebene an der Riß, die nur wenig weiter nördlich in die Donau mündet.

Am Westrand Ehingens steigt das Gelände um über 200 Höhenmeter zur Ehinger Alb und dem Stoffelberg (730 m) an. Auf dieser welligen Hochfläche bis Mundingen verlaufen zahlreiche Wanderwege, die zum Besinnungsweg Ehinger Alb vernetzt sind.

Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden (sie gehören, soweit nichts anderes vermerkt, zum Alb-Donau-Kreis) grenzen an die Stadt Ehingen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden):

Schelklingen, Allmendingen, Altheim, Öpfingen und Griesingen, Laupheim und Schemmerhofen (beide Landkreis Biberach), Unterstadion, Rottenacker, Munderkingen, Untermarchtal und Lauterach sowie Hayingen, Münsingen und – über einen kurzen Grenzabschnitt von nur wenigen Metern – an Mehrstetten (alle drei Landkreis Reutlingen).

Das Gebiet des Stadtteils Rißtissen ist räumlich vom restlichen Stadtgebiet getrennt und grenzt neben Griesingen, Öpfingen, Erbach und Laupheim noch zusätzlich an die Gemeinde Achstetten (letztere zwei Landkreis Biberach).

Stadtgliederung Die Stadt besteht aus der Kernstadt, zu der auch die bereits 1939 eingegliederten Gemeinden Dettingen und Berkach gehören, und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden Altbierlingen, Altsteußlingen, Berg, Dächingen, Erbstetten, Frankenhofen, Gamerschwang, Granheim, Herbertshofen, Heufelden, Kirchbierlingen, Kirchen, Mundingen, Nasgenstadt, Rißtissen, Schaiblishausen und Volkersheim. Die ehemaligen Gemeinden sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben je einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem. In jeder Ortschaft gibt es eine Ortschaftsverwaltung, quasi ein „Rathaus vor Ort“, dessen Leiter der Ortsvorsteher ist. ohne|498px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Stadtteilen der Stadt Ehingen (Donau)|Ortschaften der Stadt Ehingen (Donau)

Zu einigen Stadtteilen gehören noch räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben, oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Solche Wohnplätze sind: in der Kernstadt: Jägerhof, Käshof, Saurücken, Steinhoflehen und Ziegelhof in Altsteußlingen: Briel in Berg: Ernsthof in Erbstetten: Unterwilzingen, Vogelhof in Frankenhofen: Tiefenhülen und Karlshof in Herbertshofen: Dintenhofen in Heufelden: Blienshofen in Kirchbierlingen: Sontheim und Weisel in Kirchen: Deppenhausen, Mühlen, Schlechtenfeld und Stetten in Schaiblishausen: Bockighofen

Raumplanung Ehingen ist ein Mittelzentrum innerhalb der Region Donau-Iller mit der Stadt Ulm als Oberzentrum. Zum Mittelbereich Ehingen gehören neben Ehingen selbst die folgenden Städte und Gemeinden des Alb-Donau-Kreises: Allmendingen, Altheim, Emeringen, Emerkingen, Griesingen, Grundsheim, Hausen am Bussen, Lauterach, Munderkingen, Oberdischingen, Obermarchtal, Oberstadion, Öpfingen, Rechtenstein, Rottenacker, Untermarchtal, Unterstadion und Unterwachingen.

Schutzgebiete

In Ehingen liegen die sechs Naturschutzgebiete Heuhofer Weg, Hungerberg, Blauer Steinbruch, Pfaffenwert, Ehinger Galgenberg, Sulzwiesen-Lüssenschöpfle und Teile der Naturschutzgebiete Gedüngtes Ried, Pfaffenwert und Umenlauh. Die Waldgebiete Mochental und Lautertal-Wolfstal sind als Schonwälder ausgewiesen. Einige Landschaftsteile auf dem Stadtgebiet wurden als Landschaftsschutzgebiet Ehingen ausgewiesen. Die Stadt hat überdies Anteile an den FFH-Gebieten Großes Lautertal und Landgericht, Tiefental und Schmiechtal und Donau zwischen Munderkingen und Ulm und nördliche Iller sowie am Vogelschutzgebiet Täler der Mittleren Flächenalb.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Vorgeschichte und Antike mini|Ehinger Marktplatz mit Blick auf das Rathaus, links das schwäbisch-österreichische Ständehaus Erste Menschen haben sich im Gebiet Ehingens vermutlich schon zur Jungsteinzeit niedergelassen, vereinzelte Funde bestätigen dies. Hinweise auf die Kelten sind spärlich. In der Römerzeit war Ehingen wohl ein wichtiger Durchgangspunkt (Heerstraße).

Frühes Mittelalter Es folgte die alemannische Einwanderung, mit der die Geschichte des Ortes Ehingen (-ingen weist darauf hin) begann. Um 854 war es Teil der Swerzenhuntare. Ein Alemannenfriedhof an der Schmiech zeugt ebenso davon wie bedeutende Funde aus den Jahren 1929 und 1930. Die erste nachgewiesene urkundliche Erwähnung von Ehinga ist in einer Tauschurkunde des Bistums Chur und des Klosters Schwarzach aus dem Jahr 961 enthalten. Die Ansiedlung lag in der Schmiechniederung an der Stelle der heutigen Unteren Stadt.

Von Schelklingen zu Vorderösterreich Die eigentliche Gründung der Stadt geschah durch die Grafen von Berg-Schelklingen neben ihrer Burg über der Schmiech. An sie erinnert das heutige Stadtwappen. Der Ortsteil Berkach wurde bereits im Jahr 787 anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Sehr wahrscheinlich ist auch Ehingen in dieser Urkunde erwähnt, die Ortsbezeichnung Heingen allerdings nicht hinreichend eindeutig.

Nach dem Aussterben des Berger Grafenhauses fiel Ehingen 1346 an das Haus Österreich und somit an deren schwäbische Vorlande. Die finanzschwachen Habsburger verpfändeten die Stadt jedoch bald an verschiedene Adlige. Dieser Umstand sowie der wachsende Wohlstand der Bürger ermöglichten den Erwerb wichtiger Rechte, die an die der Reichsstädte herankamen.

Zwischen 1498 und 1511 hielt sich der spätere Kaiser Maximilian sechsmal innerhalb der Mauern von Ehingen auf. Zu seinem Freundeskreis gehörten die gebürtigen Ehinger Gebrüder Winckelhofer, der Dichter Jakob Locher und der Bildhauer Jörg Muskat.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Ehingen regelmäßig Treffpunkt der schwäbisch-österreichischen Stände; Tagungsort war das Ständehaus am Marktplatz. Von 1689 bis zu seiner Auflösung 1806 war die Stadt auch Sitz des Ritterkantons Donau. Brände von 1688 und 1749 hinterließen deutliche Spuren im Stadtbild.

Um 1790 wurde von diesem Gebiet Vorderösterreichs erstmals durch den Tiroler Bauernkartografen Anton Kirchebner eine genaue Landkarte erstellt. Sie wurde aber wegen der 1793 ausgebrochenen Franzosenkriege nicht mehr gedruckt.

Württembergische Zeit Im Pressburger Frieden 1805 musste das Kaisertum Österreich seine Vorlande an die Verbündeten des Französischen Kaiserreichs abtreten. Ehingen kam nach über viereinhalb Jahrhunderten österreichischer Herrschaft an das neu geschaffene Königreich Württemberg. Bereits im folgenden Jahr wurde die Stadt im Zuge der neuen württembergischen Verwaltungsgliederung Sitz des Oberamtes Ehingen.

Im Hungerjahr 1816 kam die Not nach Ehingen, die dank guter Vorräte im Spitalkasten milder als in anderen Gemeinden und Städten Mitteleuropas verlief. Seit 1717 war zwar eine städtische Feuerspritze vorhanden, jedoch wurde erst am 18. Juli 1861 die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1869 erreichte die Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen die Stadt, womit Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn bestand. Ab Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Gewerbe stark und damit auch die Stadt. Bedeutend waren Brauereibetriebe (21 im Jahr 1890; auch heute noch hat Ehingen fünf Brauereien) und Baugewerbe (Zementwerk von Ehingen 1890–1925).

20. Jahrhundert Die Verwaltungsreformen während der NS-Zeit in Württemberg machten 1934 aus dem Oberamt den Kreis Ehingen, der 1938 im neuen Landkreis Ehingen aufging.

1937 ließ sich die Schwäbische Zellstoff AG (jetzt Sappi) in Ehingen nieder.

Die Stadt gehörte ab 1945 wie der gesamte Landkreis Ehingen zur Französischen Besatzungszone und kam zunächst zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern und ab 1952 zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im neuen Bundesland Baden-Württemberg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Aufstieg der Fa. Schlecker, die mit einer Metzgerei zunächst 1902 in der Tuchergasse begonnen hatte und 1908 in die Bahnhofstraße gezogen war.

Im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg 1973 wurde der überwiegende Teil des Landkreises Ehingen mit dem Landkreis Ulm zum neuen Alb-Donau-Kreis zusammengeschlossen, einige Gemeinden des Kreises Ehingen kamen zum vergrößerten Landkreis Biberach. Damit verlor Ehingen seine Funktion als Kreisstadt. Infolge der Eingliederung von 17 Stadtteilen überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 20.000, und Ehingen wurde zum 1. Januar 1974 zur Großen Kreisstadt erhoben. Einige Aufgaben des Landkreises gingen damit auf die Stadt Ehingen über, so dass der Verlust des Kreissitzes teilweise wieder ausgeglichen war. In Ehingen befindet sich eine Außenstelle des Landratsamtes Alb-Donau-Kreis.

Eingemeindungen Die folgenden Gemeinden wurden in die Stadt Ehingen eingegliedert (sie gehörten vor der Kreisreform alle zum Landkreis Ehingen). 1939: Berkach und Dettingen 1. August 1971: Nasgenstadt 1. Mai 1972: Berg, Kirchen (mit Mühlen, Schlechtenfeld, Stetten, Deppenhausen, Mochental) 1. Oktober 1972: Altsteußlingen (mit Briel), Gamerschwang, Heufelden (mit Blienshofen) 1. Januar 1973: Altbierlingen, Kirchbierlingen (mit Weisel, Sontheim), Schaiblishausen (mit Bockighofen), Volkersheim 1. Dezember 1973: Dächingen, Erbstetten (mit Unterwilzingen, Vogelhof), Frankenhofen (mit Tiefenhülen), Herbertshofen (mit Dintenhofen), Mundingen 1. Januar 1974: Granheim 1. Januar 1975: Rißtissen

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).