mini|Jordan Peterson (2018)rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image notpageimage Jordan Bernt Peterson (* 12. Juni 1962 in Edmonton, Alberta) ist ein kanadischer klinischer Psychologe, Sachbuchautor, politischer Aktivist und emeritierter Professor. Von 1997 bis 2022 lehrte er Psychologie an der University of Toronto. Seine Hauptforschungsgebiete sind die Psychologie des religiösen und ideologischen Glaubens sowie die Verbesserung der Persönlichkeit und der Leistung.

Peterson vertritt konservative und rechte Positionen und wurde durch seine Kritik der Genderpolitik sowie Aufzeichnungen seiner Vorlesungen, Vorträge und öffentlichen Diskussionen bekannt. Über das Internet und seine in zahlreiche Sprachen übersetzten Bücher erreicht er ein großes Publikum. 2018 veröffentlichte er den Lebensratgeber 12 Rules for Life, der zum internationalen Bestseller wurde.

Er ist Initiator und Mitgründer der Alliance for Responsible Citizenship, eines politischen Netzwerks, dessen Konferenzen darauf abzielen, als „Zusammenkunft einflussreicher Intellektueller zu dienen, die das globale rechte Denken prägen“.Badenoch and Farage to vie for attention of Trump allies at London summit. In: The Guardian, 17. Februar 2025. Abgerufen am 26. März 2025.

Leben

Herkunft und Jugend Peterson wuchs in Fairview, Alberta, einer Kleinstadt nordwestlich von Edmonton, als ältestes von drei Kindern auf. Sein Vater Walter Peterson war Lehrer und Konrektor, seine Mutter war Bibliothekarin am Grande Prairie College. Da Literatur in seiner Familie einen hohen Stellenwert genoss, lernte Peterson sehr früh lesen und schreiben. Als Peterson 13 Jahre alt war, weckte Sandy Notley, die Mutter Rachel Notleys und damals Bibliothekarin an seiner Schule, sein Interesse für Literatur von Daniel Defoe, George Orwell, Aleksandr Solschenizyn, Ayn Rand und William Shakespeare. Gleichzeitig begann auch sein politisches Engagement in der New Democratic Party (NDP), der er als Jugendlicher angehörte. Mit 18 Jahren verließ er die sozialdemokratische Partei wieder.

Karriere

Akademische Karriere Peterson studierte Politikwissenschaft zunächst am Grande Prairie College, wechselte jedoch später an die University of Alberta, wo er 1982 mit dem Bachelor of Arts abschloss. Als Student wurde er vom Kalten Krieg und der Gefahr eines Atomkriegs geprägt, was ihn dazu veranlasste, den „menschlichen Drang zur Zerstörung“ untersuchen zu wollen. Nach dem Abschluss reiste er ein Jahr lang durch Europa. Peterson erkannte die „Zerstörungsfähigkeit“ des Menschen, was bei ihm zu Depressionen führte. In seiner Suche nach Antworten vertiefte er sich in die Werke von Carl Gustav Jung, Friedrich Nietzsche und Aleksandr Solschenizyn. Er kehrte an die University of Alberta zurück und erwarb 1984 den Bachelor of Arts in Psychologie. 1985 zog er nach Montreal und wurde bei Robert O. Pihl an der McGill University promoviert.

Von 1993 bis 1998 lehrte Peterson als Assistenzprofessor an der Harvard-Universität und konzentrierte sich auf das durch Drogen und Alkoholismus bedingte Aggressionsverhalten. 1998 wechselte er an die University of Toronto, wo er als Professor lehrte und schwerpunktmäßig zur Persönlichkeitsstruktur, den Big Five, sowie zur Motivation für Studium und Karriere forschte. Im Januar 2022 gab Peterson in einem Beitrag in der National Post bekannt, er habe seinen Lehrstuhl aufgegeben. Als Grund gab er an, sich als akademische persona non grata zu fühlen. Er sei außerdem besorgt, dass seine „qualifizierten und herausragend ausgebildeten heterosexuellen, weißen männlichen Studenten“ aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts und ihrer Verbindung zu ihm keine Jobangebote erhalten würden. Er sehe eine ideologische Gefährdung der Universität, beispielsweise durch Initiativen für mehr Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion.

Bis zur Aufgabe seines Lehrstuhls hatte er 98 Publikationen veröffentlicht. Die bibliographische Datenbank Scopus weist ihm einen Hirsch-Index von 45 zu.

Am 22. November 2022 verpflichtete die Berufsvereinigung der Psychologen in Ontario (College of Psychologists of Ontario) Peterson nach mehreren Ermahnungen zur Teilnahme an einem Kurs, in dem ihm der richtige Umgang mit sozialen Medien beigebracht werden soll. Das College begründete seine Entscheidung damit, dass sich Peterson despektierlich über verschiedene Personen geäußert habe. Peterson ist jedoch der Ansicht, dass ihn das College für kritische Aussagen über den amtierenden kanadischen Premierminister Justin Trudeau und sein Kabinett gemaßregelt und damit seine Meinungsfreiheit verletzt habe. Am 23. August 2023 erklärte der Divisional Court des Ontario Superior Court of Justice die Entscheidung des College für rechtmäßig.jordanbpeterson.com

Als öffentlicher Intellektueller Erste Bekanntheit im Internet erlangte Peterson durch die Nutzung der Plattform Quora, auf der er Nutzerfragen beantwortete. Peterson begann 2013, seine Vorlesungen auf YouTube hochzuladen; das Interesse an ihm wuchs. 2017 hatte sein YouTube-Kanal mehr als eine Million Abonnenten,Simona Chiose: Jordan Peterson and the trolls in the ivory tower. In: The Globe and Mail. 2. Juni 2017, abgerufen am 25. März 2023 (englisch). 2019 waren es mehr als zwei Millionen. Seine Vorträge zum Alten Testament und zur Psychologie wurden 17 Millionen Mal aufgerufen. Er nutzte die Plattform Patreon, um monatliche Spenden zu sammeln (sein Einkommen auf der Plattform überstieg zwischenzeitlich sein akademisches Einkommen), hielt Vorträge im Rahmen der TEDx-Veranstaltungen und hatte Fernsehauftritte in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien. Ein von Cathy Newman geführtes Interview auf Channel 4 mit Peterson verzeichnete auf YouTube mehr als 18 Millionen Aufrufe. Im Dezember 2018 löschte Peterson sein Patreon-Benutzerkonto aus Protest gegen die Löschung von rechten und antifeministischen Benutzerkonten, die laut Patreon deren Regeln bezüglich Hassrede verletzt hätten.

2018 veröffentlichte er den Selbsthilfe-Ratgeber 12 Rules for Life, der zu einem Bestseller in den USA und Kanada wurde. Peterson bot auch Coachings und kostenpflichtige Angebote für Persönlichkeits-Assessment und Optimierung an.

Am 15. März 2019 kam es in Neuseeland zum rassistisch motivierten Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch mit 50 Toten. Peterson hatte im Februar 2019 eine Lesetour durch Neuseeland unternommen. Dabei war ein Social-Media-Foto entstanden, auf dem Peterson mit einem Mann posiert hatte, auf dessen T-Shirt breit und falsch geschrieben stand: Ich bin stolzer Islamophober. Es wurde vielfach weiterverbreitet. Nach dem Terroranschlag boykottierten einzelne neuseeländische Buchhandlungen sowie eine Buchhandelskette wenige Tage lang das Buch, mit dem er auf Lesetour gewesen war. Nachdem Peterson am 18. März 2019 angekündigt hatte, er werde sich mit einem zweimonatigen Gaststipendium an der Universität Cambridge aufhalten, zog die dortige theologische Fakultät ihre Einladung zurück.

Viel Beachtung fand eine Diskussion des erklärten Marx-Gegners Peterson mit dem linken slowenischen Philosophen Slavoj Žižek, die am 19. April 2019 im Sony Centre for the Performing Arts in Toronto stattfand. Žižek nahm an der Debatte teil, da er hoffte, zeigen zu können, dass nicht nur Peterson und die Neue Rechte kritisch zu den „offensichtlichen Übertreibungen der #MeToo-Kultur“ stünden.

Im August 2022 wurde Petersons Twitter-Benutzerkonto gesperrt, da er sich über transgender Personen lustig gemacht habe. Im November 2022 verkündete der neue Twitter-Besitzer Elon Musk, Petersons Konto sei wieder freigeschaltet.Twitter entsperrt Account von Trump www.tagesschau.de, 20. November 2022. Infolge der Sperre von Twitter verkündete Peterson außerdem, mit dem von Ben Shapiro gegründeten rechtskonservativen Medium Daily Wire zusammenzuarbeiten.

Privates Peterson heiratete 1989 Tammy Roberts. Die beiden hatten sich bereits in früher Kindheit kennengelernt, und Peterson soll seinem Vater im Alter von elf Jahren angekündigt haben, eines Tages Tammy zu heiraten. Das Paar hat einen Sohn und eine Tochter.

Nach eigenen Angaben folgt Peterson der Carnivore-Diät und ernährt sich ausschließlich von Rindfleisch mit Salz. Angeregt dazu wurde er von seiner Tochter Mikhaila, die selbst einer entsprechenden Diät folgt und diese in sozialen Medien bewirbt. Die Petersons geben an, der Diät aus gesundheitlichen Gründen zu folgen. In einigen konservativen und Alt-Right-nahen Communities, in denen Petersons Ernährung diskutiert wird, wird eine entsprechende Diät aber auch als politisches Signal für Männlichkeit und als Akt gegen Linke und deren Fokus auf Veganismus, Vegetarismus oder Klimaschutz gesehen.

2019 ließ sich Peterson in einer Entzugsklinik in der Nähe von Moskau behandeln, nachdem er nach dem Absetzen von Clonazepam, einem Anxiolytikum, physische Entzugssymptome entwickelt hatte. Clonazepam war ihm zuvor von seinem Arzt verordnet worden, um Angstzustände aufgrund der Krebsdiagnose seiner Frau zu behandeln. Er wurde für neun Tage mithilfe von Propofol in ein Koma versetzt und trug deswegen neurologische Schäden davon. 2020 trat er wieder vor die Kamera und gab bekannt, nun seine Arbeit fortsetzen zu können, er hoffe außerdem, bald zu so etwas wie einem normalen Leben zurückkehren zu können.

Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass Peterson aufgrund einer schweren Lungenentzündung und einer Sepsis mehrere Wochen intensivmedizinisch behandelt werden musste. Nach Angaben seiner Tochter Mikhaila Peterson wurde im Zuge dessen zudem eine Polyneuropathie diagnostiziert.

Politische Positionen Einordnung Während viele Kommentatoren Petersons Ansichten als zum Konservatismus neigend oder als konservativ einordnen und einige die Nähe zu Positionen der Neuen Rechten und des Antifeminismus hervorheben,Part megachurch, part political rally: inside London’s ‘rightwing Davos’. In: Economist, 20. März 2025. Abgerufen am 26. März 2025. beschreibt sich Peterson selbst als klassischen britischen Liberalen („classic British liberal“).

Redefreiheit und Political Correctness Peterson kritisiert den Einfluss der Political correctness auf die Redefreiheit und die Gesamtgesellschaft. Öffentlicher und interner Druck würden zu Selbstzensur im Journalismus führen. Von der kanadischen The Globe and Mail wird Peterson als „selbsternannter Kämpfer gegen die Politische Korrektheit“ bezeichnet. Seiner Ansicht nach sind größtenteils die Universitäten für die „Welle“ der Politischen Korrektheit verantwortlich, die Europa und Nordamerika „überrollt“ habe. Diese würden sich nicht um die Rechte des Individuums kümmern und müssten „gestoppt“ werden. Adrian Daub bezeichnet Peterson wegen seiner auf diesen Themen beruhenden Bekanntheit als „erste[n] Celebrity der Cancel-Culture-Ära“.

Neomarxismus und Postmarxismus Peterson spricht sich sehr deutlich gegen Marxismus und „Neomarxismus“ aus. Diese seien nicht besser als Faschismus und Neofaschismus. Marxismus beruhe, so Peterson, im Kern auf einem Hass auf Menschen, die in der kapitalistischen Wirtschaft erfolgreich seien.