Good Time ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm der Brüder Benny und Josh Safdie. Das Filmdrama feierte am 25. Mai 2017 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes seine Weltpremiere.
Handlung Die Anfangsszene zeigt den schwer geistig behinderten Nick in einer gerichtlich angeordneten Therapiesitzung. Nach einigem Nachhaken seitens des Psychiaters öffnet Nick sich schließlich und erzählt von seiner gewalttätigen Großmutter, bei der er im New Yorker Stadtteil Queens wohnt. Er berichtet, dass er nicht weiß, wie er seinen Zorn und die sozialen Folgen seines Handelns kontrollieren kann.
Die Sitzung endet abrupt, als Nicks mehrfach vorbestrafter älterer Bruder Connie hereinplatzt, den Psychiater wüst beschimpft und Nick gewaltsam aus dem Raum zerrt.
Später am selben Tag nimmt Connie seinen Bruder zu einem Banküberfall mit. Die beiden erbeuten eine größere Geldsumme, mit der Connie Nick aus den Fängen der gewalttätigen Großmutter befreien und mit ihm verschwinden will.
Während der Flucht im Wagen platzt eine Farbbombe in der Geldtasche, wodurch der angemietete Fahrer einen Unfall verursacht. Connie lässt das Auto stehen und flüchtet mit Nick zu Fuß in einen Pizza Hut. Auf der Toilette waschen sie die Farbe notdürftig ab und Connie versteckt das Geld dort, um es später abzuholen, sobald die Luft rein ist.
Auf dem Heimweg versucht Connie, unauffällig zu bleiben. Als ein Polizist die beiden anhält, gerät Nick jedoch in Panik, rennt weg und löst damit eine Verfolgungsjagd aus. Connie entkommt, doch Nick wird gefasst.
Im Gefängnis Rikers Island wird der behinderte Nick rasch zum Opfer der anderen Häftlinge. Weil er auf dem Gemeinschaftsfernseher seine Lieblingssendung schauen will und die Mitgefangenen dabei beleidigt, wird er brutal zusammengeschlagen und landet im Krankenhaus.
Connie möchte derweil mit der Beute aus dem Überfall Nicks Kaution bezahlen, doch durch die Farbbombe ist der Großteil des Geldes unbrauchbar und es fehlen ihm noch 10.000 Dollar. Zuerst versucht Connie, seine wesentlich ältere (Cougar-)Freundin Corey die Kaution übernehmen zu lassen, was scheitert, weil Coreys Mutter ihre Kreditkarte gesperrt hat. Außerdem erfährt Connie, dass Nick gar nicht auf der Kautionsliste steht, da er sich im Krankenhaus befindet.
Daraufhin beschließt Connie, Nick eigenhändig aus dem Krankenhaus zu holen. Als er glaubt seinen schwerbandagierten Bruder gefunden zu haben, entführt er diesen im Rollstuhl und sucht bei der jungen Crystal, die bei ihren Großeltern lebt, für die Nacht Unterschlupf.
Es stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei dem entführten Patienten nicht um Nick, sondern um den Drogendealer Ray handelt, welcher erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Connie überredet Crystal, Ray mit dem Auto ihrer Großeltern nach Hause zu bringen. Während Crystal bei White Castle Essen holt, erzählt Ray von einer Flasche LSD und einer großen Geldsumme, die er vor seiner erneuten Verhaftung im Adventureland-Vergnügungspark versteckt hat.
Dort angekommen brechen die beiden ein und durchsuchen die Geisterbahn. Sie finden nur das LSD, bevor ein Sicherheitsmann Ray stellt und im Büro fesselt. Connie überwältigt den Wachmann und befreit Ray. Vor der eintreffenden Polizei gibt Connie sich als Sicherheitsmann aus und stellt den echten Wachmann – dem Ray zuvor eine große Dosis LSD eingeflößt hat – als drogenberauschten Einbrecher dar. Kurz darauf wird Crystal, die allein zurückgelaufen ist, vor dem Park aufgegriffen. Auf Connies Aussage hin wird sie als Komplizin verhaftet.
Nachdem die Polizei abgezogen ist, flüchten Connie und Ray in die Wohnung des Sicherheitsmannes, wo sie den Rest der Nacht verbringen. Während Ray sich sofort über den Alkoholvorrat hermacht, behält Connie das LSD ein und verlangt, dass Ray es ihm am nächsten Morgen abkauft. In derselben Nacht kommt es auch zu weiteren Streitigkeiten zwischen den beiden.
Am Morgen taucht Rays herbeigerufener Freund Caliph auf, um das LSD zu kaufen. Connie fordert nun einen viel höheren Preis, was Caliph nicht bereit ist zu zahlen. Caliph täuscht vor, das restliche Geld von der Bank zu holen, plant in Wirklichkeit aber, eine Waffe zu besorgen und Connie zu erschießen. Ray soll Connie währenddessen bewachen.
Connie wittert aber die Gefahr, überwältigt Ray mithilfe des Hundes des Sicherheitsmanns und flieht. Vor der Tür des Wohnhauses wird er jedoch bereits von der Polizei erwartet und verhaftet.
Ray sieht das ganze vom Fenster der Wohnung aus und unternimmt ebenfalls ein offensichtlich aussichtslosen Fluchtversuch aus dem Fenster, rutscht ab und stürzt in den Tod. Connie sieht dies, bevor er im Streifenwagen abtransportiert wird.
In der letzten Szene sehen wir Nick, welcher nun in Gruppentherapie ist, allerdings auch wieder in der Obhut seiner Großmutter.
Produktion mini|Im September 2017 stellte Robert Pattinson den Film beim Festival des amerikanischen Films vor Stab und Besetzung Regie führten die Brüder Benny und Josh Safdie. Letzterer schrieb gemeinsam mit Ronald Bronstein auch das Drehbuch zum Film. In einem Interview mit Arte sagten die Regisseure, sie seien von Texten von Norman Mailer sehr beeinflusst worden, besonders von seinen Büchern Gnadenlos und In the Belly of the Beast. Auch die US-amerikanische Reality-TV-Serie COPS sei eine Inspiration gewesen. Dem Film scheine die Zeit auszugehen, und so wollten die Brüder die Geschwindigkeit in Good Time zu einer eigenen Figur machen.'Good time' – Interview mit Joshua und Ben Safdie In: arte.tv. Abgerufen am 13. August 2017. (Video)
Robert Pattinson spielt im Film Connie Nikas, Benny Safdie, einer der Regisseure des Films, übernahm die Rolle seines geistig zurückgebliebenen Bruders Nick. Peter Verby spielt dessen Psychiater Peter, und Jennifer Jason Leigh ist in der Rolle von Corey Ellman zu sehen. Der Rapper Necro übernahm im Film mit Caliph eine kleinere Rolle.
Dreharbeiten und Beleuchtung Die Dreharbeiten fanden in allen fünf Bezirken von New York statt, so unter anderem in Flushing, Rego Park, Forest Hills und im Vergnügungspark von Long Island. Als Kameramann fungierte Sean Price Williams. Der Film wurde in 35-mm-Scope gedreht, wobei zwei einzelne Aufnahmen für ein Bild entstanden. Man arbeitete während der Dreharbeiten mit Mischlicht, bestehend aus Tages- und Kunstlicht, um verschiedene Farbtemperaturen in den Film zu bekommen, da New York so eine gemischte Stadt sei, so Josh Safdie. Der Regisseur erklärte weiter, oft habe man mit nur einzelnen Lichtquellen gearbeitet, da dies heutzutage im Leben oft der Realität entspreche, wie in einer im Film gezeigten Szene im Haus der Großmutter, die lediglich von einem laufenden Fernsehgerät erhellt wird. Sein Bruder Ben erklärte, man habe die vorhandenen Lichtquellen künstlich erweitert, so ein rotes Licht an einem Bus, bei dem die ganze Szene in künstliches rotes Licht getaucht wurde, um das Mindestmaß an Beleuchtung zu erhalten, die für die Herstellung von analogem Filmmaterial notwendig ist.
Filmmusik und Sounddesign
Die Filmmusik komponierte Oneohtrix Point Never alias Daniel Lopatin.http://www.indiewire.com/2017/06/good-time-soundtrack-robert-pattinsons-cannes-oneohtrix-point-never-listen-1201841524/ Im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes wurde Lopatin im Februar 2017 für seine Arbeit als bester Filmkomponist ausgezeichnet.Adam Bychawski: Oneohtrix Point Never wins Cannes Soundtrack Award In: factmag.com, 27. Mai 2017. Der Soundtrack zum Film umfasst 13 Musikstückehttp://filmmusicreporter.com/2017/06/08/good-time-soundtrack-announced/ und wurde am 11. August 2017 als Doppel-LP, CD und Download veröffentlicht. In: warp.net, 7. Juni 2017. Das Sounddesign von Ryan M. Price sei von Filmen wie in Pickpocket von Robert Bresson inspiriert gewesen, so die Regisseure. So erfolgten Aufnahmen in der Totalen, bei der beispielsweise das Klimpern der Münzen zu hören ist, wodurch diese wie eine Nahaufnahme wirken soll. Eine gelöschte Traumsequenz, in der die beiden Brüder es nach Virginia schafften, und Connie eine Kreatur erschlagen muss, wurde etwas verändert als Musikvideo zum Soundtrack-Song The Pure and the Damned verwendet.Sean O’Connell: Robert Pattinson Says Good Time Cut A Scene Where He Slays A Demon. In: cinemablend.com, 3. November 2017, abgerufen am 10. Juni 2020.Oneohtrix Point Never: The Pure and the Damned (Official Video from Good Time Soundtrack). In: YouTube, 5. September 2017, abgerufen am 10. Juni 2020.
Veröffentlichung Der Film feierte am 25. Mai 2017 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes seine Weltpremiere. Am 11. August 2017 kam der Film in ausgewählte US-amerikanische Kinos. Ebenfalls im August 2017 wurde der Film beim Internationalen Filmfestival von Locarno vorgestellt. In: pardo.ch, abgerufen am 6. August 2017. (PDF; 12,1 MB) Im Oktober 2017 wurde der Film beim London Film Festival gezeigt.All films in the 2017 BFI London Film Festival In: bfi.org.uk, abgerufen am 31. August 2017. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 2. November 2017.Starttermine Deutschland In: insidekino.com, abgerufen am 13. August 2017.
Rezeption Altersfreigabe In Deutschland ist der Film FSK 12. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film ist mit zahlreichen genretypischen Mitteln erzählt, bemüht sich aber auch um eine realistische Darstellung von Milieu und Charakteren. Insbesondere der Protagonist ist zwischen Solidarität mit seinem Bruder und Skrupellosigkeit ambivalent gezeichnet. Diese Ambivalenz sowie einige Darstellungen von Gewalt und Sexualität könnten bei jüngeren Kindern eine sozialethische Desorientierung zur Folge haben.“Freigabebegründung für Good Time In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, abgerufen am 2. November 2017.
Kritiken und Einspielergebnis Der Film konnte bislang 92 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,6 von möglichen 10 Punkten. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 80 von 100 möglichen Punkten.Good Time. In: Metacritic. Abgerufen am 1. Oktober 2024.
Michael Sennhauser von Radio SRF 2 Kultur sagt, der Film sei verblüffend gut gemacht: „Kamera und Schnitt, die atemlos schnelle, peitschende Dramaturgie, die reine erzählerische Energie sind bewundernswert und ziemlich einzigartig. Das ist ein Film wie ein höchst disziplinierter, kontrollierter Trip.“ Die Handlung könnte, so Sennhauser, mit etwas weniger Gewalt und Brutalität allerdings auch eine Komödie antreiben, und einzelne Szenen seien durchaus als Kabinettstückchen zu würdigen. Zudem übernehme der elektronische Bombast-Sound von Oneohtrix Point Never alias Daniel Lopatin hin und wieder komplett den Film, wodurch er diesen fast zum Videoclip degradiere, so Sennhauser.Michael Sennhauser: 'Good Time' beschert Filmfans keine gute Zeit In: Radio SRF 2 Kultur, 26. Mai 2017.
Pascal Blum vom Tages-Anzeiger meint: „Es ist ein unfassbarer Trip, eine Art Fiebertraum, so wie die Safdies diese Nacht in New York darstellen, die auf den Banküberfall folgt: mit hochgepeitschten Szenen auf höchster Nervositätsstufe, wo andauernd die Polizei an die Tür hämmert und der schmierige elektronische Sound von Oneohtrix Point Never eine Nacht befeuert, die auf eine Weise ausartet, die man nur crazy nennen kann.“
Frank Schnelle von epd Film sagt, trotz der durchaus stringenten, »hässlichen« Ästhetik gelinge es dem Film nicht, uns wirklich für die Alptraumreise des Protagonisten zu interessieren: „Die Kamera rückt ihm zwar fortwährend auf den Leib, er bleibt uns aber trotzdem fremd. Das mag auch an Robert Pattinsons ausdruckslosem Spiel liegen. Im Vergleich zu seinen früheren Arbeiten in physischer Hinsicht kaum wiederzuerkennen, schafft er es nicht, die Low-Life-Rolle mit echtem Leben zu füllen. Seine leere Mimik taugt allenfalls als Projektionsfläche.“Frank Schnelle: Kritik zu 'Good Time' In: epd Film.