mini|Roger Chapman beim Werner Rennen 2018 Roger Maxwell „Chappo“ Chapman (* 8. April 1942 in Leicester, England) ist ein britischer Rocksänger, der zunächst als Sänger der Progressive-Rock-Band Family bekannt wurde. Er arbeitete im Laufe seiner Musikerkarriere mit vielen international renommierten Stars zusammen, wie Mike Oldfield, Box of Frogs, Mike Batt, John Wetton und Alvin Lee. Seit 1979 ist Chapman erfolgreich als Solist tätig. Auffällig ist sein Vibrato in der Stimme, das zu seinem Markenzeichen wurde. Er beeinflusste andere Sänger wie Peter Gabriel.

Chapman spielt auch Mundharmonika und Saxophon.

Leben Roger Maxwell Chapman wurde schon seit frühster Kindheit von seinen Freunden und später von seinen Fans „Chappo“ genannt. Er wuchs in Leicester unter ärmlichen Verhältnissen auf, wurde nach seinen Angaben hin und her geschoben, zeitweise in Heimen untergebracht und schließlich von seinen Großeltern aufgezogen.

In Leicester besuchte er die All Saints Junior Primary School und die Ellis Intermediate Boys School zusammen mit seinem späteren Bandkollegen und Schlagzeuger Rob Townsend. Mit 15 Jahren begann er eine Ausbildung als Maler und Dekorateur, die er nach kurzer Zeit wieder abbrach, versuchte sich als Stahlbetonbauer (Steel Fixer), wo er ebenfalls nach kurzer Zeit entlassen wurde. Grundsätzlich, so Chapman, habe er Schwierigkeiten gehabt, Vorgesetzte als Autoritäten zu akzeptieren. Aus dieser Zeit stamme auch sein LOVE und HATE Tattoo auf seinen Fingerknöcheln. Er habe außerdem einen schlechten Ruf in seinem Wohnviertel gehabt. Sein Verhalten änderte sich erst nach der Genesung eines Halswirbelbruchs, den er sich mit 18 Jahren bei einem schweren Autounfall zuzog. Bis er Profimusiker wurde, hielt er sich als Fabrikarbeiter und anderen einfachen Jobs über Wasser. 1961 mit 19 Jahren heiratete er seine 17-jährige schwangere Freundin und wurde ein paar Monate später Vater. Die Ehe hielt bis 1962.

Musikkarriere mit Family und Streetwalkers mini|Roger Chapman 1974 1958, im Alter von 15 Jahren, versuchte sich Chapman mit Freunden als Straßenmusiker und nahm an verschiedenen Song Contests teil. Sie spielten Lieder von The Coasters, Fats Domino und Jerry Lee Lewis und nannten sich The Searchers. Die nächsten Jahre schloss er sich The Rocking R's an, welche Ray Charles interpretierten. Obwohl Chapman keine Karriere als Musikprofi anstrebte, begann sie schließlich doch, als er Sänger der Band The Farinas wurde, die Vorläuferin von Family. Die damalige Besetzung, der Chapman sich 1966 anschloss, bestand aus John 'Charlie' Whitney (Gitarre), Harry Overnall (Schlagzeug), Jim King (Gesang, Saxofon, Mundharmonika) und Ric Grech (Bass, Violine). Sie trugen in der ersten Zeit bei ihren Auftritten, auf Anraten des Musikmanagers Reg Calvert, Zweireiher Anzüge und Hüte. Der amerikanische Plattenproduzent Kim Fowley besuchte eines ihrer Konzerte und empfand, dass sie wie Mafiosi aussahen und sich daher in Family (eng. für Familie) umbenennen sollten, ein Synonym für Mafia. Mit Family wurde Chapman als Sänger international bekannt. Die Band veröffentlichte bis zu ihrer Auflösung 1973 sieben erfolgreiche Alben. Alle Longplayer schafften in Großbritannien hohe Chartplatzierungen, davon drei Top-10-Alben (Family Entertainment, 1969, Platz 6; A Song for Me, 1970, Platz 4; Anyway, 1970, Platz 7). In den USA war ihnen der große Durchbruch nach einer enttäuschenden US-Tour 1969 allerdings nicht vergönnt und sie verloren obendrein ihren Bassisten Ric Grech, der zu Blind Faith wechselte. Grech wurde während der Tour durch John Weider ersetzt. Family schafften jedoch zwei Billboard-200-Chartplatzierungen mit Fearless (1971 – Platz 177) und Bandstand (1972 – Platz 183). Nach dem Ende der Band gründete Chapman 1974 mit seinem verbliebenen Bandkollegen Charlie Whitney die Band Streetwalkers, die mit unterschiedlichen Besetzungen schließlich aus finanziellen Gründen und Missmanagement 1977 zerbrach. Es zerbrach auch endgültig die elfjährige musikalische Zusammenarbeit zwischen Whitney und Chapman. Sie blieben dennoch Freunde.

Solokarriere Chapman hatte schließlich die „Schnauze voll“ (orig. engl.: pissed off) in einer Band zu spielen, ständig Kompromisse einzugehen und unter Druck und Zeitmangel Alben zu produzieren. 1979 brachte Chapman sein erstes Soloalbum mit dem Titel Chappo heraus, was von seinen Fans positiv aufgenommen wurde. Verschiedene Titel dieses Albums wie Moth to a Flame oder Who Pulled the Nite Down blieben feste Bestandteile seiner Live-Auftritte. Eine anschließende Tour durch Großbritannien 1979 wurde von den Fans und der Presse gelobt. Chapman sei mit seinem Rock-R&B Mix überzeugender denn je und das auf dem Höhepunkt der englischen Punkbewegung. Währenddessen veröffentlichte er die Single Let's Spend the Night Together vom Album Live in Hamburg (1979), eine Coverversion der Rolling Stones. Obwohl von der Kritik positiv aufgenommen, konnte sie sich nicht in den deutschen Charts platzieren, in Großbritannien dagegen wurde der Song regelmäßig im Radio gespielt. Chapman produzierte seine Soloalben mit der Band The Shortlist und ging mit ihnen als Begleitband auf Tour („It’s only an album/tour band, that’s how it’s gonna be.“). Die Band wurde zusammengestellt von Chapmans langjährigen Freund und Streetwalkers-Keyboarder Tim Hinkley und bestand aus ständig wechselnden Musikern, der Gitarrist Whitehorn blieb Chapman als Studio- und Tour-Musiker bis 1986 treu.

Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern Im gleichen Jahr kam es zur Zusammenarbeit mit Mike Batt. Auf dem Album Mike Batt & Friends – Tarot Suite (1979) sang Chapman die Titel Imbecile und Run Like the Wind. Letzterer Titel wurde am 3. August 1979 veröffentlicht und konnte sich international mit unterschiedlichen Platzierungen in die Charts spielen. Chapman nahm 1981 und 1983 mit den Riff Burglars zwei Alben auf, The Riff Burgler Album – The Funny Cider Session – Vol. 1 (1982) und The Riffburglars – Swag (1983). Die Alben sind dem Blues-Rock und Rock ’n’ Roll zuzuordnen. Sie enthielten neu interpretierte Coverversionen klassischer Rock-Songs, aber auch die Eigenkompositionen Big Roll Daddy (Chapman/Seals), was unter anderem von Chapmans Musikidol Jerry Lee Lewis gecovert wurde und Chapman mit Stolz erfüllte. Die Riff Burglars bestanden aus Musikern, die teilweise in renommierten Bands spielten, wie Boz Burrell am Bass (Streetwalkers, King Crimson und Gründungsmitglied von Bad Company), der Saxophonist Nick Pentelow (Wizzard), aber auch der Shortlist Gitarrist Geoff Whitehorn (u. a. für Paul Rodgers, Manfred Mann’s Earth Band). Chapman sang bei den Riff Burglers unter seinem Pseudonym Sonny Spider.

1983 kam es zur Zusammenarbeit mit Mike Oldfield an dessen Album Crises. Oldfield beauftragte einen Freund, Chapman in seiner Stammkneipe anzusprechen, ob er nicht Lust hätte einen Song für sein neues Album einzusingen. Chapman habe lapidar zugesagt „klar, das könne man machen“. Im Studio zeigte sich, dass Oldfield bestimmte Vorstellungen von dem Song Shadow on the Wall hatte, jedoch unzufrieden mit den Ergebnissen war und ihn immer wieder einsingen ließ, bis Chapman sich schließlich beschwerte. Shadow on the Wall wurde mit Ausnahme von Großbritannien (Peak Position 95) europaweit ein Top-10-Hit. Besonders jedoch im deutschsprachigen Raum, wo er in Deutschland Platz 3 belegte, Platz 1 in Österreich und Platz 4 in der Schweiz. Trotz des Erfolges kam es zu keiner weiteren Zusammenarbeit zwischen Mike Oldfield und Roger Chapman. Man habe den Song aufgenommen, ein paar Fernsehauftritte absolviert und das war’s, so Chapman im Interview mit Tommy Millhome (2007). Sie seien nie Busenfreunde gewesen. Mike Oldfield habe sich einmal, vor seiner Solokarriere, bei Family als Bassist beworben und sei damals nicht genommen worden. Das habe er ihm bis heute übelgenommen.

Die Band Box of Frogs entstand durch den Zusammenschluss der drei ehemaligen Yardbirds-Musiker Chris Dreja, Paul Samwell-Smith und Jim McCarty mit John Fiddler als Frontmann. Chapman sang auf deren Album Strange Land (1986), was mit hochkarätiger Besetzung (Steve Hackett, Jimmy Page, Rory Gallagher) eingespielt wurde, die Neufassung der Yardbirds-Single Heart Full of Soul und den Albumtitel Strange Land.

Weiter arbeitete er auch mit dem Blues-Gitarristen Rainer Baumann zusammen und sang zwei Stücke auf dessen Album Adorig Jimmy Reed (1982). Mit dem Wiener Jazzmusiker Karl Ratzer nahm Chapman den Song The Lucky Man Blues (1995) auf und ist auf dem All-Star-Band-Album SAS Band (1998) zu hören. Dort teilt er sich auf dem Stück Thats the Way God Planned It den Gesang mit Chris Thompson (Manfred Mann’s Earth Band) und Roger Taylor (Queen).

Die 1980er Jahre Die 1980er Jahre waren die kommerziell erfolgreichsten Jahre für Roger Chapman. Die beiden Alben Mail Order Magic (1980) und Hyenas Only Laugh for Fun (1981) mit dem ehemaligen Family- und King-Crimson-Mitglied John Wetton am Bass wurden von den Fans und Kritikern positiv aufgenommen, erreichten aber keine Top-100-Chartplatzierungen. Chapman wurde jedoch 1982 mit einem deutschen Musikpreis als bester „nicht-deutsch-sprachiger Sänger“ ausgezeichnet und das Album Hyenas Only Laugh for Fun zum Rock-Album des Jahres gekürt.

Am 18. Oktober 1981 morgens um 2:00 Uhr hatte Roger Chapman & The Shortlist einen Auftritt in der 9. Rockpalast Nacht. Das Konzert wurde europaweit in 14 Länder zeitgleich in Radio und Fernsehen live übertragen und erreichte 25 Millionen Zuschauer, was Chapman europaweit bekannt machte und ihm endgültig zum Durchbruch verhalf.

Die Alben Mango Crazy (1983), The Shadow Knows (1984), Zipper (1986) und Walking the Cat (1989) kamen beim Publikum gut an und hielten sich wochenlang in den deutschen Charts. Auch bei diesen Alben setzte Chapman nicht nur auf seine Begleitband The Shortlist, sondern arbeitete mit den international bekannten Rockmusikern Alvin Lee (Gitarre, Ten Years After) und Mick Rogers (Gitarre, Manfred Mann’s Earth Band) zusammen. Das Album The Shadow Knows enthielt zudem die Single How How How. Sie hielt sich sieben Wochen in den Charts mit der höchsten Platzierung auf Rang 48. Sie blieb seine einzige selbstveröffentlichte Single in den Top-100-Single-Charts. In Großbritannien, wo Roger Chapman seit seiner Zeit mit Family als Rock-Ikone betrachtet wurde, konnten sich keine seiner Alben und Singles platzieren.

Nach der Produktion Zipper trennte sich Chapman von seinem Gitarristen Whitehorn, da ihm zuletzt seine Alben zu sehr nach Metal klangen, er jedoch den R&B vorzog. „I’m not blaming Geoff for anything, but I’m more into the R&B, even Country end of things, but not the heavier side of Rock ‘n’ Roll…“ „…but not Metal…“ – (Chapman)

Die 1990er Jahre bis heute mini|Roger Chapman & The Shortlist (Vienna Jazz Festival, 2007)