mini|Friedrich Carl Gröger, Christian Frederik Hansen, dänischer Architekt, Christiansborg Schlosskirche
Christian Frederik Hansen (* 29. Februar 1756 in Kopenhagen; † 10. Juli 1845 ebenda) war ein dänischer Architekt und gilt als „der wohl einflussreichste Architekt des klassizistischen Stils“ im nördlichen Europa.Christoph Timm: Altona-Altstadt und –Nord. Denkmaltopographie Hamburg-Inventar. Christians Verlag, Hamburg, 1987, ISBN 3-7672-9997-6.
Hansen war Vorbild für mindestens einen von zwei gleichnamigen (nicht mit ihm verwandten) ebenfalls bedeutenden dänischen Architekten: Hans Christian Hansen und dessen um zehn Jahre jüngeren Bruder Theophil Hansen sowie für seinen ebenfalls in Altona tätigen Neffen und Architekten Johann Matthias Hansen.
Leben Christian Frederik Hansen begann sein Studium bereits als Zehnjähriger an der Königlich Dänischen Kunstakademie seiner Geburtsstadt, wo der Franzose Nicolas-Henri Jardin und Caspar Frederik Harsdorff seine Lehrer waren. Zu dieser Zeit begann auch seine Zusammenarbeit mit Joseph Christian Lillie. 1782–1784 unternahm Hansen gefördert von König Christian VII. eine Studienreise nach Italien, insbesondere nach Rom, wo er sich mit der Antike, der Renaissance und dem Manierismus auseinandersetzte. Auf der Hin- und Rückreise im Veneto beschäftigte er sich u. a. intensiv mit den Arbeiten des einflussreichen Baumeisters Andrea Palladio.Hermann Reemtsma Stiftung (Hrsg.): Das Landhaus Baur von Christian F. Hansen in Altona. Deutscher Kunstverlag, München Berlin, 2005, ISBN 3-422-06541-5, S. 22.
1784 übernahm er die Stelle des Landbaumeisters für Holstein und Altona/Elbe. Altona war seinerzeit die größte Stadt im Herzogtum Holstein, das zur dänischen Monarchie gehörte, und das norddeutsche Zentrum der Aufklärung. Ende März 1785 wurde Hansen Mitglied Königlich Dänischen Kunstakademie.Copenhagen, 29. März. In: Hamburger Relations-Courier. 5. April 1785, S. , (Digitalisat)
Unter den Hamburger Kaufleuten fand er zahlungskräftige Auftraggeber, als erste die Brüder Johan Cesar (1742–1818) und Peter Godeffroy (1749–1822), für die er in den Elbvororten Landhäuser errichtete, die über mehrere Jahrzehnte während der Sommermonate bewohnt wurden. Zwischen 1789 und 1806 baute er insgesamt neun Landhäuser. Davon sind fünf erhalten, u. a. das Landhaus J. C. Godeffroy, das Landhaus P. Godeffroy auch bekannt als „Weißes Haus“ (heute Elbchaussee 547), und das Landhaus Baur. Von dem Landhaus Thornton,John Thornton war ein Schwager von Peter Godeffroy. das über viele Jahre Johann Heinrich Schröder und dessen Nachkommen bis zum Verkauf und Abriss 1913 gehört hatte, stehen noch die als „Halbmond“ benannten Stallgebäude.
Anfang April 1791 wurde Christian Frederik Hansen zum Professor für Architektur ernannt.Schreiben aus Copenhagen vom 10. April. In: Kaiserlich privilegirte Hamburgische neue Zeitung. 4. Mai 1791, S. , () 1792 heiratete er Anne Margrethe Rahbek. Im selben Jahr erhielt er den ersten Auftrag für ein öffentliches Gebäude, das Waisenhaus in Altona in der Königsstrasse. Es wurde 1946 abgerissen.
Beiderseitig der Palmaille ließen sich Altonaer Kaufleute Wohnhäuser errichten. Von den zwischen 1795 und 1804 erbauten Stadthäusern sind noch fünf erhalten, insbesondere das 1801 für Georg Friedrich Baur erbaute Stadtpalais (Nr. 45–51). In seiner Zeit war er der führende Architekt in Altona, dessen Stadtbild und das Bild der Landsitze an der historischen Elbchaussee er prägte. Diesen Bauten sind die unterschiedlichen Einflüsse seiner „Lehrjahre“ anzusehen: neben französischen und italienischen Elementen griff Hansen auch auf antike Vorbilder (Tempelbauten) zurück, zudem verwendete er teilweise Materialien wie Reet, die für das ländlich strukturierte Dänemark kennzeichnend sind.
Im Jahr 1804 begann er mit dem Bau der Villa Kuhlmann in Lübeck, deren Bauherrin Margaretha Kuhlmann eine Cousine der Gebrüder Baur war. Im selben Jahr kehrte Hansen nach Kopenhagen zurück, wo große Bauaufgaben gelöst werden mussten: Christiansborg war 1794, ein Teil der Stadt 1795 abgebrannt. Während der Napoleonischen Kriege wurde Kopenhagen 1807 schwer bombardiert. 1805 wurde Hansen zusätzlich zum Landbaumeister des Herzogtums Schleswig ernannt und 1808 in kurzer Folge auf den Architektur-Lehrstuhl an der Königlichen Akademie, zum Oberbaudirektor des dänischen Königreichs sowie zum Direktor der Akademie berufen. Er wurde so zum bedeutendsten Architekten in Dänemarks Goldenem Zeitalter.
1831 erkrankte er schwer, arbeitete aber bis 1844 (Rücktritt von allen Ämtern) weiter. Hansen wurde in der Kapelle der Holmens Kirke beigesetzt, wo sich sein Grabstein auch heute noch befindet.
Christian Frederik Hansen war ein Mitglied im Bund der Freimaurer.Jørgen Kjeldsen (Hrsg.): I Guld og Himmelblaat – Frimureriet i Danmark gennem 250 år, 1743–1993. 2. oplag, 1993, S. 164.
Ehrungen 1773 Kleine silberne Medaille der Mahler-, Bildhauer- und Bau-Akademie (=Kunstakademie) in der ArchitekturAn der Mittwoche, den 31sten März… In: Altonaischer Mercurius. 8. April 1773, S. , (Digitalisat) 1780 Große goldene Prämie der Mahler-, Bildhauer- und Bau-Akademie in der Baukunst, mit Joseph Christian LillieAm 31sten März begnadigte … In: Reichs-Post-Reuter. 14. April 1780, S. , (Digitalisat) 1997 wurde die Christian-F.-Hansen-Straße in Hamburg-Nienstedten nach ihm benannt (ehemals Teil der Georg-Bonne-Straße). 1983 veranstaltete das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum im Schloss Gottorf ein Symposium anlässlich der C. F. Hansen-Ausstellung mit dem Titel: Der Architekt C. F. HANSEN – Reden – Referate – Diskussionsbeiträge.Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, 1. Gottorfer Gespräch, hrsg. von Gerhard Wietek, Schleswig 1983, 108 S.
Bauten (chronologische Reihenfolge) Altona (Holstein) mini|Palmaille 116 in Altona, zweites Haus von rechts, Wohnhaus von Christian Frederik Hansen mini|Villa Eschenburg in Lübeck, beherbergt heute das Brahms-Institut der Musikhochschule Lübeck mini|Administratorenwohnhaus Schlossinsel Barmstedt mini|Kremper Kirche mini|Frauenkirche in Kopenhagen mini|Schlosskirche Christiansborg in Kopenhagen mini|Herrenhaus Krummbek
Landhaus J. C. Godeffroy (1789–1792), Elbchaussee 499Nienstedten, Elbchaussee 499, Cesar Godeffroy's Landhus, Inv. nr. 1671 a-d, (online); Seitenfassade und Rückseite, Inv. nr. K.S. 51, (online), Fassade, perspektivische Ansicht, etc., Inv. nr. 1671 a-d, (online), Etagenplan und Fassadenansichten, Inv. nr. 9359 a-b, (online) und Cesar Godeffroys hus havefacade, Inv. nr. 13315, (online), Sammlung von Architekturzeichnungen in der Nationalen Dänischen Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek,(online)).Landhaus Godeffroy, Hamburg, Nienstedten, Elbchaussee 499, Bildarchiv Foto Marburg, (online) Landhaus P. Godeffroy (1790–1792), auch „Weißes Haus“ genannt, Elbchaussee 547Elbchaussee 547, Blankenese, Peter Godeffroy's hus, Fassade, (online), Tyskland, Hamburg, Blankenese, Elbchaussee 547, Peter Godeffroy's Hus, perspektivische Fassade, Inv. nr. 1680 a-c, (online), Etagenpläne, (online), Hamburg, Blankenese, Elbchaussee 547. Peter Godeffroys hus, Innen, Etagenpläne, (online), Sammlung von Architekturzeichnungen in der Nationalen Dänischen Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek).
Altonaer WaisenhausTyskland, Königstrasse 149, Vajsenhus, 1794, Fassade, Inv. nr. 9317, (online), Fassade und Etagenpläne, Inv. nr. 9324 a-b, (online), Fassade, Treppenhaus (Schnitt), Inv. nr. 4141 a-c, (online), Sammlung von Architekturzeichnungen in der Nationalen Dänischen Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek). Landhaus Blacker (1794/1795) (heute: „Goßlerhaus“), Blankeneser Landstraße 34Tyskland, Hamburg, Blankenese, Blankeneser Landstrasse 34, Blacker’s Landhus, Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek), Fassade (online), (online), (online), (online) Landhaus (John) Thornton (1795/1796), Elbchaussee 228, später benannt Landhaus Schröder, nach 1913 abgerissenArchitekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Othmarschen, Elbchaussee 215, Thorntons Landhus (online)Abbildung in: dazugehörige Stallgebäude „Halbmond“ (1792(?)), Elbchaussee 228.Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Othmarschen, Elbchaussee 228, Thorntons Landhus, Staldbygning, Halbmond (online) Nach einem Brand 1820 wurde das Stallgebäude von Johann Matthias Hansen, einem Neffen des Architekten, wieder aufgebaut.Halbmond & Landhaus Thornton im Bildarchiv Foto Marburg, (online) Der Name des Stallgebäudes ist durch seine Form begründet. Landhaus Abbéma,Balthasar Elias Abbéma (1739–1805), Gesandte der Batavischen RepublikOttensen, Rainviller Terrasse, Abbémas Landhus, perspektivische Fassade und Etagenpläne, Inv. nr. 1682 a-c, (online), Pläne, Inv. nr. 9322 a-b, (online), Pläne, Inv. nr. 9314 a-d, (online), Pläne, Inv. nr. K.S. 38 a-b, (online), Sammlung von Architekturzeichnungen in der Nationalen Dänischen Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek). später Rainville (1795/1796), 1867 abgerissen. Landhaus Böhl (1797/98), Elbchaussee, 1945 durch Bomben zerstört.Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Othmarschen, Elbchaussee 190, Böhls Landhus, (online) Wohnhaus (1795/1796), Palmaille 108, teilweise von C. F. Hansen bewohntArchitekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Tyskland, Palmaillen 108 (online), (online) Wohnhaus Salomon Dehn (1797/1798),Salomon Dehn, Bankier in Altona und Teilhaber in Israel, Dehn & Comp., verstorben 1837 in Stockholm Palmaille 112Altona, Palmaillen 118, Dehn's hus, Fassade, Inv. nr. K.S.49, (online), Fassade und Etagen, Inv. nr. 1669 a-b, (online) und Etagenplan, Inv. nr. 9357, (online), Sammlung von Architekturzeichnungen in der Nationalen Dänischen Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek). Landhaus Lawaetz (fertig 1798), Elbchaussee 190 (1943 durch Bomben zerstört)Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Ottensen, Elbchaussee 101, Lawätz' Landhus (online) Palais Baur (1801), Palmaille 45–51Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Tyskland, Palmaillen 49, Baur's Hus, 1801–1805 (online; online) Haus Jarvis (1802), Palmaille 35, 1945 durch Bomben zerstörtArchitekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Tyskland, Palmaillen 35, Jarvis' Hus. (online), Tyskland, Palmaillen 35, Jarvis' Hus (online) Wohnhaus (1802), Palmaille 120 Wohnhaus C. F. Hansen (1803/1804), Palmaille 116, teilweise von C. F. Hansen bewohntArchitekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Tyskland, Palmaillen 116, C. F. Hansens Hus, 1803–1804 (online) Wohnhaus (1803/1804), Palmaille 118Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Altona, Palmaillen 118, Dehn's hus (online) Landhaus Baur (1804–1806), auch „Elbschlösschen“ genannt, Christian-Frederik-Hansen-Straße 19 Landhaus Gebauer (1806), Philosophenweg 18
Hamburg Gänsemarkt 39Architekturzeichnungen aus der National Dänische Kunstbibliothek (Danmarks Kunstbiliotek): Hamburg, Gänsemarkt 39, Worthmann’sche Haus, (online) und (online) Catharinenstraße 40
Schleswig-Holstein Herrenhaus von Alt-Fresenburg (1791) bei Bad Oldesloe Sonnentempel (1792) in Eutin Große Vorwerkscheune (1794) vor der Rantzauer Schlossinsel in Barmstedt, abgerissen 1881 Irrenhaus in Schleswig Herrenhaus (1800) in Perdöl Villa Eschenburg in Lübeck, um 1800 Gutshaus auf Gut Bundhorst (Stolpe in Holstein) erbaut 1800, 1920 teilweise abgebrannt und 1924 abgerissen Herrenhaus (1801–1803) in Kastorf Rathaus (1803–1806) in Bad Oldesloe Administratorenwohnhaus auf der Rantzauer Schlossinsel (1804–07) in Barmstedt Herrenhaus Haseldorf (1804) Marienkirche in Quickborn (1809) – erster Kirchenbau Hansens