Als Internetpranger (auch: Digitaler Pranger, Virtueller Pranger oder Online-Pranger) wird ein moderner Pranger im Internet bezeichnet.
Im Kontext von Veröffentlichungen von Straftäter-Dateien wird auch von Internetprangern gesprochen.Mareike Fröhling: Der moderne Pranger. Von den Ehrenstrafen des Mittelalters bis zur Prangerwirkung der medialen Berichterstattung im heutigen Strafverfahren. Tectum-Verlag, Marburg 2014, ISBN 978-3-8288-3380-7, S. 158. So sprach sich 2010 die Deutsche Polizeigewerkschaft für einen „Internet-Pranger für Triebtäter“ aus. Auf der Webseite der Polizei einsehbar sollten „der Name, ein Foto, Wohnort, Straße und die Hausnummer des Gewaltverbrechers“ sein.Zit. n. Hans-Dieter Schwind: Kriminologie. Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen (= Grundlagen). 22., neubearbeitete und ergänzte Auflage, Kriminalistik, Heidelberg u. a. 2013, ISBN 978-3-7832-0809-2, Rn. 63.
Muslimfeindliche Portale wie Madrasa of Time – Time of Counterdjihad, Politically IncorrectKlaus J. Bade: Kritik und Gewalt. Sarrazin-Debatte, "Islamkritik" und Terror in der Einwanderungsgessellschaft (= Positionen). Wochenschau-Verlag, Schwalbach 2013, ISBN 978-3-89974-893-2, o. S. und Nürnberg 2.0Patrick Gensing: Polemik, Islamfeindlichkeit und Radikalismus – Über das öffentliche Klima im Internet, das Fremdenhass erzeugt. In: Michael Haller (Hrsg.): Rechtsterrorismus in den Medien. Der Mörder Breivik in Norwegen und die Terrorzelle NSU in Deutschland – wie die Journalisten damit umgingen und was sie voneinander lernen können (= Medien. Bd. 32). Lit, Berlin u. a. 2013, ISBN 978-3-643-12297-1, S. 61–70, hier: 65. werden in der Literatur als Internetpranger bezeichnet. Letzteres bietet Steckbriefe über missliebige Personen an.Friedmann Eißler: Zivilcourage und aktive Toleranz – Auseinandersetzung mit extremistischen Einstellungen. In: Volker Meißner, Martin Affolderbach, Hamideh Mohagheghi, Andreas Renz (Hrsg.): Handbuch christlich-islamischer Dialog. Grundlagen – Themen – Praxis – Akteure (= Schriftenreihe der Georges-Anawati-Stiftung. Nr. 12). Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2014, ISBN 978-3-451-33337-8, S. 345–351, hier: S. 349. Umstritten ist in diesem Zusammenhang die von der Heinrich-Böll-Stiftung ins Leben gerufene Seite Agent*In. Die Seite führte sogenannte antifeministische Organisationen und Personen auf. Nach überwiegend negativer Kritik wurde die Seite wieder vom Netz genommen.
Das Weiße Haus unterhält seit 2025 einen offiziellen Internetpranger, in dem missliebige Medien vorgeführt werden, und deren Behauptungen nach Art eines Faktenchecks mit amtlichen „Wahrheiten“ über die US-Regierung konfrontiert werden. In einer „Offender Hall of Shame“ (Schandhalle der Missetäter) werden namentlich als besonders regimekritisch gelistet: The Washington Post, MSNBC, CNN und CBS News; aber fast alle namhaften Medien haben entsprechende Einträge.Whitehouse.gov: Mediabias
Für die freie Wirtschaft ist eine Publikation von Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch eine Art Internetpranger, da nach Lutz Bertling „erhebliche finanzielle Einbußen bis hin zur Existenzgefährdung“ möglich seien.Lutz Bertling: Erlaubt-Verboten. In Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. 13. Auflage, Behr, Hamburg 2013, ISBN 978-3-95468-021-4, S. 388.
Literatur Stephan Beukelmann: Der Internetpranger. NJW-Spezial 2011, 504. Bijan Moini: Staatliche Warnungen vor entlassenen Straftätern. Verfassungsrechtliche Zulässigkeit einer umstrittenen Präventivmaßnahme (= Schriften zum öffentlichen Recht. Bd. 1247). Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-14123-4. Winfried Hassemer: „Internetpranger“. Kommunikative und rechtliche Vernunft. In: Uwe Hellmann, Christian Schröder (Hrsg.): Festschrift für Hans Achenbach. Müller, Heidelberg u. a. 2011, ISBN 978-3-8114-5428-6, S. 107–116. Lukas Ströbel: Persönlichkeitsschutz von Straftätern im Internet. Neue Formen der Prangerwirkung (= Schriften zum Medien- und Informationsrecht. Band 17). Nomos, Baden-Baden 2016, ISBN 978-3-8487-2991-3.
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