Atilius (auch Attilius und Atilius Comicus) war ein römischer Dramatiker der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr., der sowohl Komödien als auch Tragödien verfasste.
Seine genauen Lebensdaten sind unbekannt, doch wird er von Varro und Volcacius Sedigitus zusammen mit Dichtern der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. genannt. Namentlich bekannt sind von ihm zwei Stücke: eine Electra als Übersetzung der gleichnamigen Tragödie von SophoklesCicero, De finibus bonorum et malorum 1,5. sowie eine Komödie mit dem Titel Misogynus, vielleicht in Anlehnung an den Misogynos des Menander.Cicero, Tusculanae disputationes 4,25: odium mulierum, quale in Atili est Hinzu kommen drei Fragmente, von den zwei in Varros De lingua Latina,Varro, de lingua Latina. 7,90: Cape, caede, Lyde, come, condi („pack es, schlacht es, Lydus, putz es, würz es)“; 7,106: Per laetitiam liquitur / animus („der Geist zerfließt mit Fröhlichkeit“) – letzteres möglicherweise aus der Electra. eines bei Cicero überliefert sind.Cicero, ad Atticum 14,20,3: ‚suam quoique sponsam, mihi meam; suum quoique amorem, mihi meum‘ – non scite, hoc enim Atilius, poeta durissimus („jedem seine Braut, mir meine; jedem seine Geliebte, mir meine – nicht geschickt (gesagt), ist nämlich von Atilius, einem überaus holprigen Dichter“).
Varro nennt ihn nach Trabea und vor Caecilius Statius als Beispiel eines Komödiendichters, der die Gefühlsregungen der Zuschauer () besonders leicht zu erregen verstand.Varro Frg. 40 aus de lingua Latina bei Charisius 1,241,28. Volcacius Sedigitus weist ihm in seinem Kanon der Palliatendichter den fünften Platz zu, hinter Licinius Imbrex, aber vor Terenz.Volcacius Frg. 1,9.
Cicero hielt Atilius trotz mancher Schwächen für lesenswert, obgleich sein Stil hartCicero, ad Atticum 14,20,3. und er nach Meinung des Porcius Licinius, des Autors eines literaturhistorischen Gedichtes aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr., ein „eiserner Autor“ (ferreus scriptor) gewesen sei.Porcius Licinus bei Cicero, De finibus bonorum et malorum 1,5. Bei den Feierlichkeiten für Caesars Leichenbegängnis wurde aus seiner Electra ein Klagelied aufgeführt,Sueton, Iulius 84,2. was für eine überdauernde Bekanntheit spricht. Ob er mit dem Palliatendichter Aquilius gleichgesetzt werden muss,Teresa Mantero: Il poeta drammatico Atilio. In: Tetraonyma. Miscellanea Graeco-Romana (= Pubblicazioni dell’Istituto di filologia classica dell’università di Genova. Band 25). Università di Genova, Genua 1966, S. 181–209. ist nicht zu entscheiden.
Literatur Jürgen Blänsdorf: Atilius. In: Werner Suerbaum (Hrsg.): Die archaische Literatur. Von den Anfängen bis Sullas Tod (= Handbuch der lateinischen Literatur der Antike. Band 1). C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-48134-5, S. 256.
Teresa Mantero: Il poeta drammatico Atilio. In: Tetraonyma. Miscellanea Graeco-Romana (= Pubblicazioni dell’Istituto di filologia classica dell’università di Genova. Band 25). Università di Genova, Genua 1966, S. 181–209 Gesine Manuwald: Römisches Theater. Von den Anfängen bis zur frühen Kaiserzeit. Francke, Tübingen 2016, ISBN 978-3-8252-4581-8, S. 211.
Otto Ribbeck: Die römische Tragödie im Zeitalter der Republik. Teubner, Leipzig 1875, S. 608–610 (Digitalisat).
Anmerkungen
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur der Antike Kategorie:Literatur (Latein) Kategorie:Geboren im 3. oder 2. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann