Petermann von Raron (* um 1405; † am 31. Juli 1479 im Toggenburg) war ein Schweizer Freiherr, Herr zu Toggenburg und der letzte Vertreter der Freiherren von Raron. Von der Genealogie her wird er auch als Petermann (II.) von Raron bezeichnet, um ihn von dessen Onkel Petermann (I.) (* vor 1351; † 1387) zu unterscheiden. Bekanntheit und besondere Bedeutung erlangte er für seine über 30-jährige Herrschaft über die Grafschaft Toggenburg sowie durch seine Verstrickung und letztendlichen Teilnahme auf der Seite der Eidgenossen am Alten Zürichkrieg (1436–1450). Durch Bündnisse verpflichtet, nahm er an deren Feldzug gegen Zürich im November 1440 von Osten her teil und kämpfte 1443 bis 1446 als einziger adliger Bündnispartner in exponierter Lage auf eidgenössischer Seite. Später nahm er auch an der Belagerung von Winterthur (1460) sowie am Waldshuterkrieg (1468) teil.

Leben Freiherr Petermann von Raron war der jüngere Sohn von Witschard von Raron aus dessen erster Ehe mit Margareta von Rhäzüns, aus der insgesamt fünf Kinder hervorgingen (davon drei Töchter). Petermanns Mutter Margareta, die mütterlicherseits von den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg abstammte, war ihrerseits in erster Ehe mit Johann II. von Matsch († 1397) verheiratet, so dass das einzige Kind aus dieser Ehe Ulrich VIII. von Matsch (* 1396; † August 1461), Graf von Kirchberg, Petermanns Halbbruder war. Ausserdem hatte er einen weiteren Halbbruder mit dem Namen Petermann [III.], der aus der zweiten Ehe seines Vaters stammte.

Petermann und sein älterer Bruder Hildebrand verfügten als Erben in männlicher Linie über die Stammgüter des Leuker Zweigs der Familie im Wallis, die sein Grossvater Peter zur Blüte gebracht hatte, nebst der Stammlande Raron unter anderem die Herrschaft Anniviers. Durch die Aktivitäten seines Vaters Witschard (* um 1360; † um 1425) und seines Onkels Wilhelm II. (* 1381; † vor 1428) während des Raronkriegs geriet Petermanns und Hildebrands Erbe jedoch in starke wirtschaftliche Bedrängnis, die die Brüder zeitlebens zu Teilverkäufen oder Verpfändungen ihrer Besitzungen zwangen, was Petermanns Leben nachhaltig prägen sollte. Petermann blieb zeitlebens unverheiratet und kinderlos, wodurch er nach dem Tod seines Bruders Hildebrand 1467 als Letzter seines Geschlechts übrig blieb.

Alter Zürichkrieg 1436–1439: Toggenburger Erbschaftsfrage Als 1436 die Streitigkeiten zwischen den eidgenössischen Orten Zürich und Schwyz um die Hinterlassenschaft nach dem Tod letzten toggenburgischen Grafen Friedrich VII. am 30. April ausbrachen, liess Ital Reding der Ältere, Landammann von Schwyz, die ihnen vom Grafen früher vertraglich zugesicherte Obere March mit dem Linthübergang bei Grynau umgehend besetzen. Die Witwe des Grafen, Gräfin Elisabeth von Matsch, die von ihrem Mann 1433 als Alleinerbin eingesetzt wurde, verzichtete am 19. September 1436 auf die vormals österreichischen Herrschaften Feldkirch, Rheineck, Altstätten und das Rheintal, Sargans, Freudenberg, Nidberg, Walenstadt, Weesen und Windegg/Gaster. Am 31. Oktober nahm Elisabeth, welche von Zürich und Österreich als Alleinerbin anerkannt war, Burgrecht in Zürich und übergab die Grafschaft Uznach an die Stadt. Die Leute der Grafschaft verweigerten jedoch Zürich den Huldigungseid und gingen darauf ihrerseits ein Landrecht mit Schwyz und Glarus ein. Die Stadt Zürich begann daraufhin, ihrerseits Truppen an den Grenzen zu Schwyz und der Grafschaft Uznach zusammenzuziehen. Aufgrund der unsicheren Lage versammelten sich die Landleute der toggenburgischen Stammlande im Dezember 1436 ebenfalls zur eigenen Landsgemeinde und traten ebenfalls ins Landrecht von Schwyz und Glarus ein. Umgekehrt verweigerten die Leute von Walenstadt die Rückkehr zu Österreich und gingen ein Burgrecht mit Zürich ein. Die Leute der Grafschaft Sargans – ausgenommen die Stadt Sargans – die über Österreich an Graf Heinrich II. von Werdenberg-Sargans kam, versagten diesem ebenfalls die Huldigung und traten am 21. Dezember ebenso ins Zürcher Burgrecht, worauf der Graf zur Rückgewinnung des Gebietes ins Schwyzer und Glarner Landrecht trat. Am 24. Dezember besetzten letztere die Grafschaft Uznach militärisch. Durch Verhandlungen mit Österreich am Jahresende 1436 gelang es Schwyz und Glarus, Herzog Friedrich IV. dazu zu bewegen, auch noch mit den Leuten des Gaster, unter Vorbehalt der österreichischen Rechte, ein Landrecht abzuschliessen, was am 17. Januar 1437 verbrieft wurde. Ein Jahr später, am 2. März 1438, verpfändete Friedrich den beiden Länderorten diese Herrschaft.Alois Niederstätter: Der Alte Zürichkrieg. 1995.

Am 9. März 1437 entschied ein eidgenössisches Schiedsgericht in Luzern, dass Glarus und Schwyz ihre Bündnisse mit Uznach und dem Toggenburg zwar nicht aufzulösen hätten, doch Uznach an Elisabeth zurückzugeben hätten, bis die Erbangelegenheit geklärt sei. Elisabeth, die mit Petermanns Mutter Margaretha von Rhäzüns verschwägert war, überschrieb ihr Erbe im April 1437 ihrem Bruder Ulrich VI. († 1444) und ihrem Vetter Ulrich von Matsch mit der Auflage, es gerecht aufzuteilen. Dadurch fielen die sich im Schwyzer und Glarner Landrecht befindlichen Grafschaften Toggenburg und Uznach über Margaretha an Petermann und Hildebrand. Die beiden Brüder bestätigten 1439 die Landrechte mit den beiden eidgenössischen Orten.

Da Petermann ins Toggenburg zog und Hildebrand im Wallis verblieb und die Brüder über die jeweiligen Gebiete herrschte, erfolgte eine Quasi-Hausteilung des Hauses Raron, auch wenn die Brüder wichtige Dokumente zumeist zusammen unterschrieben und die Hausgüter als Familienbesitz erhalten blieben. Am 29. April 1437 erklärte Zürich Herzog Friedrich IV. den Krieg und eroberte in der Folge mit Hilfe des Churer Bischofs und den Sarganser Landleuten Sargans und die Herrschaften Nidberg und Freudenberg. Die Herrschaft Uznach verpfändete Petermann etappenweise in vier Pfandbriefen, zuerst am 25. Mai 1437 für 1000 Rheinische Gulden und im gleichen Jahr für weitere 200, dann am 5. August 1438 für 1153 Gulden und 1440 noch 410 Gulden an Schwyz und Glarus, welche die insgesamt 2763 Gulden aus Bern erhielten. Die Raron übernahmen am 14. November 1437 bei der Toggenburger Erbteilung offiziell die Grafschaft Toggenburg und die Herrschaft Uznach. Petermann residierte fortan in Lichtensteig oder Lütisburg. Am 15. März 1440 traten die beiden Herren von Raron schliesslich selbst ins Landrecht der beiden Kantone ein und nahmen so politisch Partei gegen Zürich.Thomas Faßbind: Geschichte des Kantons Schwyz. 1833.

1440: Feldzug gegen die Grafschaft Kyburg mini|Übersichtskarte Alter Zürichkrieg

Als im Oktober 1440 der Krieg, ausgelöst durch die Eroberung des Sarganserlandes zwischen dem 24. und 28. Oktober und der daraus resultierenden Vertreibung der dortigen Zürcher Besatzung, reihte sich Petermann von Raron gemäss seinem im März erfolgten Bündnis mit den beiden Länderorten nun aktiv in die Gegnerschaft Zürichs ein. Schwyz und Glarus, die Petermann dessen künftige Eroberungen als Besitz versprachen, erklärten Zürich formell am 2. November den Krieg. Ebenfalls am 2. November erhielt Zürich Kriegserklärungen von Gersau und Weggis und – als Unterstützung durch Bern, das es selbst vorerst noch vermied, Zürich abzusagen – Saanen und Frutigen. Petermann und mit ihm die fürstäbtische Stadt Wil sagte am 3. November der Stadt Zürich ab. Die Zürcher fuhren gleichentags mit ihrer Hauptmacht, einem grossen Aufgebot auf 40 Schiffen über den Zürichsee nach Pfäffikon SZ. Die Schwyzer und Glarner eröffneten die Feindseligkeiten am 4. November von Süden her mit etwa 2000 Mann durch Verwüstungen im Gebiet der Höfe. Petermann brach am gleichen Tag mit einem Heer aus 1600 Mann aus Wil und dem Toggenburg von Osten her auf. In seiner Begleitung befand sich der bekannte Ritter Beringer VIII. von Landenberg-Greifensee (sog. Bös-Beringer), der von Zürich abgefallen war. Im Südosten sammelten sich bei St. Gallenkappel die Uznacher Truppen zuzüglich 400 Mann des Grafen Heinrich von Werdenberg-Sargans, um gegen Wald vorzurücken. Durch die für Zürich unerwarteten Kriegserklärungen der Stände Uri und Unterwalden am 4. November (sowie die zu erwartende Parteinahme Berns) sah sich die Zürcher Führung veranlasst, ihre eigentlich überlegene Hauptmacht zur Überraschung ihrer Gegner vorzeitig über den See nach Uerikon (Gemeinde Stäfa) und bald darauf nach Zürich zurückzuziehen. Die Absagen der Stände Luzern und Zug am 5. November zwangen Zürich weiter in die Defensive, so dass die Zürcher Landschaft sich der nun von verschiedenen Seiten folgenden Invasion nur schwer erwehren konnte und Zürich bereits vor dem 9. November Bern ersuchte, die Schlichtung des Streits zu übernehmen.

Petermanns Heer, das er persönlich befehligte, wandte sich zuerst gegen das im südlichen Thurgau gelegene Lommis, das dem im Zürcher Diensten stehenden Ulrich von Lommis gehörte (Hauptmann der Zürcher Truppen im Gefecht am Etzel) und liess den dortigen Turm niederbrennen. 1443 zog Petermann von Raron Lommis schliesslich ganz an sich. Ulrich von Lommis reagierte darauf mit der Verlegung von 800 Mann in das Städtchen Elgg, die er bald auf Rudolf Stüssis Befehl aus Sorge um die Bedrohung der Stadt Zürich wieder abziehen musste, so dass Petermann mit seinem Heer bald vor Elgg erschien und die Übergabe der Stadt und der dortigen Burg sowie die Huldigung der Bürger erzwang. Ab da wandte er sich gegen die gesamte Grafschaft Kyburg und überzog diese mit Brand und Plünderung, wobei bereits die Androhung von Gewalt auf fruchtbaren Boden fiel. Andelfingen, Ossingen, Pfäffikon ZH, Kloten, Bülach und andere Orte ergaben sich Petermann und huldigten ihm. Der Feldzug brachte eine grosse Anzahl Kriegsgefangene für spätere Lösegeldsforderungen und bewog zahlreiche Adlige zum Abfall von Zürich, etwa die Ritter Albrecht von Landenberg (Wetzikon), Kaspar von Bonstetten (Uster) sowie Hertdegen und Friedrich von Hinwil (Greifenberg). Während der Belagerung des zürcherischen Machtzentrums Kyburg wurde Petermann von den Schwyzern und Glarnern bei deren Belagerung von Grüningen um Zuzug gemahnt. Dabei beging er den Fehler, den Grossteil seiner Mannschaft mitzuführen und lediglich 200 Mann zurückzulassen. Als die Zürcher nun mit Macht plündernd ins Kyburger Amt zum Entsatz anrückten, gelang es 500 Mann mit einigen Berittenen unter Führung von Heinrich Schwend, nach Mitternacht Petermanns Verschanzungen vor Kyburg zu überfallen und 40 Toggenburger gefangen zu nehmen. Die übrigen nutzten die nächtliche Dunkelheit zur Flucht. Trotz Zürichs Ersuchen erklärte nun Bern gemeinsam mit seinen verburgrechteten Adligen, unter ihnen Heinrich von Werdenberg-Sargans, schliesslich am 11. November Zürich den KriegPeter Niederhäuser, Christian Sieber: Ein «Bruderkrieg» macht Geschichte. 2006., doch bereits am 12. November wurden die Kampfhandlungen offiziell eingestellt und es folgten von verschiedenen Reichsstädten vermittelte Friedensverhandlungen, die am 18. November endeten; doch noch am Tag des Abschlusses beklagten die Zürcher, «der von Raron», die Wiler und Bös-Beringer läge nach wie vor auf ihrem Gebiet und schädige ihre Leute. Der für Zürich ungünstige Kilchberger Friede wurde am 1. Dezember 1440 in Luzern verbrieft.Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. 2004.

1441–1442: Ruhephase