Revillon Frères war ein französisches, weltweit tätiges Handelsunternehmen für Güter des gehobenen Bedarfs mit dem Hauptartikel Pelzwaren, hervorgegangen aus einer Pariser Kürschnerei. Das Unternehmen betrieb eine der ersten Pelzwarenfabriken Europas.

Geschichte Die Firma Revillon Frères hat ihre Wurzeln in dem von dem Kürschner und Pelzhändler François Givelet gegründeten Betrieb in Paris, 159, Rue Saint-Honoré, der schon bald einer der prominentesten Läden der französischen Hauptstadt wurde. Die Kürschnerei vererbte sich auf den Sohn, überstand die französische Revolution und erlebte eine erneute Blüte unter dem Directoire, einer Zeit des übertriebenen Kleiderluxus.

Im Jahr 1839 erstand Victor Revillon (* 1806; † 1873) die Firma Givelit, mit 116 Jahren inzwischen eines der ältesten und erfolgreichsten Pelzunternehmen von Paris. Sein Vater, der Comte Louis-Victor d'Appreval (* 1806) hatte sich vor der Revolution unter dem Namen Louis-Victor Revillon auf ein von ihm gekauftes Gut nach Boissy-Saint-Léger in Sicherheit gebracht. Aus seiner Ehe stammten elf Söhne und eine Tochter, ein dreizehntes Kind adoptierte er. Einer seiner Söhne hatte ein Pelzgeschäft gegründet, dieser veranlasste, dass der sechste Sohn Victor bei ihm in eine Lehre eintrat.

Im Jahr 1828 übernahm Victor Revillon anstelle des erkrankten Inhabers bis zum Jahr 1830 die Leitung des Pelzhauses Moutier in Rouen (1828–1830). Zurückgekehrt nach Paris arbeitete er bis 1835 im Haus Kerkoff in der Rue Saint-Honoré.

Nach Heirat mit der Kürschnertochter Jancke überließen ihre Eltern ihnen bald darauf ihr Geschäft in der Rue des Fossés-Montmartre (später Rue d’Aboukir), zu dem Victor 1839 das Haus Givelit hinzu kaufte.

mini|links|Eine Loge im Théâtre des Italiens im Jahr 1860 (Pelze Revillon Frères)(Werbe-Postkarte von 1911)

Es geschah dies in einer Zeit, als der Pelz wegen seiner Seltenheit und des dadurch hohen Preises nur den begüterten Kreisen vorbehalten war. Die seinerzeit hauptsächlich genutzten Fellarten waren Zobel, Marder, Iltis, Biber, Hermelin und Feh. Die überaus erfolgreiche Idee des Ehepaares Revillon war es, Pelze dadurch preiswerter zu machen, dass man auch bisher weniger beachtete Fellarten der Verwendung zuführte. Begünstigt wurde das Vorhaben dadurch, dass zu der Zeit viele große Kaufhäuser entstanden, die anfangs zögerlich, aber doch sehr bald die Revillon-Kollektionen in ihr Angebot und ihre Kataloge aufnahmen. 1865 kaufte man die Firma Pouchard, in der Victor Revillon seit 1823 seine Ausbildung vervollkommnet hatte. Ab diesem Zeitpunkt wuchs das Unternehmen weiter, bereits 1855 hatte der Umsatz die beachtliche Höhe von 400.000 Francs erreicht.

Wegen der radikalen Stadtumgestaltung durch Georges-Eugène Haussmann musste Victor Revillon sein Ladengeschäft, inzwischen in der Rue Saint-Honoré 81, aufgeben, er zog auf die Prachtstraße Rue de Rivoli 81. Im Jahr 1858 traten seine beiden ältesten Söhne, Theodore und Albert in die Firma ein, die ihre Waren- und Geschäftskenntnisse in den wesentlichen Welthandelsplätzen für Pelzfelle vervollkommneten, das waren vor allem London und der Leipziger Brühl. Die Geschäftsidee ihres Vaters war erfolgreich, und mehr und mehr schickte man auch Handelsvertreter in die französischen Provinzen. 1865 hatte er die Söhne an der Firma beteiligt, man nannte sich jetzt Revillon Père et Fils. Nach einem kriegsbedingten fatalen Rückschlag und einem, jedoch eingedämmten, Brand des Geschäftshauses nahm auch Revillon an dem nach dem Krieg folgenden, allgemeinen Wirtschaftsaufschwung teil. Zwei weitere Söhne traten in die Firma ein, Leon und Anatole. 1873, die Mutter war bereits tot, starb auch der Vater Victor Revillon.

Die Söhne verwirklichten jetzt eine weitere Geschäftsidee. Felle wurden bisher ausschließlich zu Pelzfuttern, zu Besätzen und zu Pelzkleinteilen, wie Muffen, Mützen und Schals verarbeitet, vom Modewechsel weitgehend unberührt. Das größte Teil der bürgerlichen Pelzgarderobe war die Palatine, ein kurzer Schulterkragen. Revillon begann, Pelz wie Stoffe zu verarbeiten, zuerst zu Jacken und dann auch zu Mänteln, jeweils mit dem Haar nach außen und nach der neuesten Mode. Diese Angebotserweiterung revolutionierte letztlich das gesamte Kürschnerhandwerk. Die neue Mode wurde ganz besonders in England begeistert aufgenommen. Bereits 1875 errichtete man eine Zweigstelle in London, die bald einen bedeutenden Aufschwung erfuhr. Nach dieser ersten ausländischen Niederlassung expandierten Theodore und Albert Revillon weiter mit Zweigstellen in Asien und vor allem, seit 1878, in Amerika. Auf dem Leipziger Brühl eröffneten sie ebenfalls ein „Comptoire“, geleitet von Carl Grumbach, der durch langjährige Amerikaaufenthalte bereits Erfahrung mit amerikanischen Fellen besaß; nach seinem Tod führte sein Sohn die Filiale weiter. Für das Jahr 1785 berichtete man von der Leipziger Ostermesse: „Bei der in Frankreich immer allgemeiner werdenden Tracht des Pelzwerkes ist in allen Sorten viel dorthin abgesetzt worden“.Karl Buddeus: Leipzigs Rauchwarenhandel und -industrie. Inaugural-Dissertation, Universität Leipzig, 1891, S. 24.

Zu der Zeit begannen die Brüder auch eine Fellart in Frankreich einzuführen, die bisher fast nur in England verkauft wurde (seit etwa 1847), das Fell der Bärenrobbe, das international als Seal oder Sealskin gehandelt wird. Attraktiv werden diese Felle erst dadurch, dass man das steifere Oberhaar ausrupft, so dass eine sehr weiche Unterwolle zum Vorschein kommt. Die Sealskin-Paletots der Revillons fanden großen Anklang, die Mode breitete sich so sehr aus, dass der Bestand der Tierart letztlich gefährdet war und sie international unter Schutz gestellt werden mussten. Zum Gerben und Färben der Felle errichtete Revillon die Pelzzurichterei Espérance (frz. Hoffnung) in der Rue de la Butteaux-Cailles, bald darauf fünf weitere Gebäude in der Rue de la Fédération. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurden viele Fellarten, vor allem Kaninfell, wie Sealskin schwarz gefärbt, zusätzlich geschoren und als Sealimitation angeboten (Sealkanin, Sealbisam usw.).

mini|hochkant|Ausgelassener Nerzmantel auf der Pariser Weltausstellung 1900

Kurz nach dem Tod Alberts, dem tatkräftigsten und genialsten sowie einzigem Kürschner unter den Brüdern, trat der älteste Sohn Thédores in die Firma ein. Unter ihm erfolgte eine weitere Ausweitung des Unternehmens. Die Zahl der Reisenden, die nicht nur ganz Europa, sondern auch die kleinsten Städte Frankreichs besuchten, vergrößerte sich erheblich. Zusätzlich zu dem neben dem Geschäft befindlichen Lager richtete man Räume in der Rue du Pont-Neuf, Rue Bertin-Poirée und Rue de Bourdonnais ein. 1890 wurde das Haus in der Rue de Rivoli aufgestockt, um alle Unternehmensteile hier zusammenzufassen.

Um 1900 spielte der Pelz bereits eine sehr wichtige Rolle in der Mode. Allein in Frankreich gab es etwa 3000 Kürschner, davon etwa 1000 in Paris.Anna Municchi: Ladies in Furs 1900-1940. Zanfi Editori, Modena 1992, S. 28 (englisch) ISBN 88-85168-86-8 Für die ganz erheblichen Expansionen, vor allem auch für den Einkauf der riesigen Fellmengen, wurden bei Revillon große Kapitalmengen benötigt. 1914 wurde deshalb das Unternehmen Revillon Frères in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, das Kapital betrug 30.000.000 Francs. Präsident war Théodore Revillon, Administratoren waren Leon, Anatole, Victor, Paul und Théodore Revillon jun.

Der rapide Anstieg des Pelzverbrauchs und das beständige Anwachsen des Unternehmens ermöglichte bald eine immer größere Aufteilung der einzelnen Arbeitsvorgänge auf geringer zu qualifizierende Arbeitskräfte. Revillon war damit der wesentliche Vorreiter der Spezialisierung in der industriellen Pelzherstellung. Es gab jetzt den Gesellen, der nur schneidet, den Zwecker, die Maschinennäherin-Handnäherin, Ausfertigerin-Fütterin und den Pelzklopfer. Die hier beschäftigten Kürschner trugen ihr Wissen später vor allem in die Pelzindustrie der Vereinigten Staaten weiter.

Nach dem ersten Engagement in Amerika begann man im Jahr 1905 auf Initiative des jungen Victor Revillon hin Niederlassungen in Russland zu errichten. Durch den Beginn des Ersten Weltkrieges (1914–1918) wurden jedoch alle Pläne zunichtegemacht, drei Viertel der Angestellten wurden eingezogen, die Häuser in London und New York standen vor dem Konkurs. Anfang des Jahres 1915 starb außerdem Leon Revillon, der damals begonnen hatte, Pelze mit dem Haar nach außen zu konfektionieren. Im Oktober desselben Jahres fiel Albert Revillon jun., Doktor des Rechts, der seit einigen Jahren die finanziellen Belange der Firma in der Hand hatte. Im Januar 1916 starb Anatole Revillon.

Erneute finanzielle Probleme gab es nach dem Ende des Krieges, als man sich vor einem Preissturz mit erheblichen Mengen neuer Felle versorgt hatte. Bereits 1920 hatte sich das Unternehmen so weit erholt, dass die Zurichterei in der Rue de la Fédération erheblich erweitert wurde, sie umfasste jetzt eine Fläche von 7000 Quadratmetern. In der Rue de Presles wurde ein weiteres Kühlhaus zur Konservierung von Fellen und Pelzen errichtet. Theodore Revillon, der letzte Überlebende der vier Brüder, schied im selben Jahr nach 62-jähriger Tätigkeit aus der Firma aus.

Das Atelier der Revillons wurde bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs über einige Jahre hinweg von deutschen Kürschnern stark beeinflusst, Werkstattmeister und Leiter des Verkaufs war Paul Larisch, gebürtig in Schlesien.Rudolf Garbe: 80 Jahre Rudolf Garbe. Das war mein Leben. Mode in Pelz, Leder und Strick. Eigenverlag, Bad Kissingen ca. 1994, ISBN 3-925722-08-4. Siehe Franz Garbe. Im Jahr 1900 beschäftigte die Werkstatt 129 Kürschnergehilfen, davon waren 54 Franzosen, 47 Deutsche und 28 Gesellen anderer Nationalitäten. Larisch schreibt im Jahr 1928 über seine ehemaligen Arbeitgeber, dass es ihnen gelungen war, „das größte und berühmteste Kürschnerhaus ihrer Zeit zu schaffen mit dem besten Arbeitsapparate, den die Welt je gekannt hat“.

Auf der Pariser Weltausstellung zeigte Revillon Frères 1900 die ersten Großteile aus ausgelassenen Nerzfellen, darunter ein bodenlanger Mantel aus 164 kanadischen Nerzfellen und einem Otterfell.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. 1. Jahrgang Nr. 1 + 2, Oktober/November 1902, Selbstverlag, Paris, S. 4. Die erstmals in dieser radikalen Form angewandte Arbeitstechnik des Auslassens, Felle wurden, nur durch Schneiden und Nähen, bis auf Abendmantellänge verlängert, veränderte die Pelzmode und beeinflusst sie bis heute.

Revillon in London mini|Feuer in den Geschäftsräumen Queen Victoria Street, London (1889) mini|Revillon Frères, London, Regent Street 180 (Datum unbekannt)

Léon Revillon, einer der Befürworter der Auslandsexpansion, mietete für die Firma im Jahr 1869 die ersten Räumlichkeiten in London an, einen kleinen Laden in Red Lion Court im Herzen der Stadt. Manager war ein Mr. Archer, er beschäftigte einige Büroangestellte. Das Geschäft entwickelte sich gut und sechs Jahre später zog man um auf die Queen Victoria Street. Als Mr. Archer 1886 in den Ruhestand ging, übernahm H. R. Cross die Führung der wachsenden Londoner Dependance. In dieser Anfangszeit bereiste er die auf dem Land wohnenden Kunden noch selbst. Im Winter 1889 suchte eine gewaltige Feuersbrunst das Stadtviertel heim, die auch das Geschäftshaus der Revillons zerstörte. Es war so kalt, dass das Löschwasser als Eiszapfen an dem Gebäude hing. Unter Lebensgefahr brachte das Personal Bücher und Dokumente in Sicherheit, der größte Teil des Lagers wurde jedoch ein Opfer der Flammen. Mit Hilfe und in Räumen der Pelzgroßhandelsfirma C. W. Martin & Sons überstand man die 18 Monate bis zur Wiederherstellung der Geschäftsräume auf der Queen Victoria Street.