mini|Ralph Erskine 1987

Ralph Erskine (* 24. Februar 1914 in Mill Hill/London, Großbritannien; † 16. März 2005 auf Lovön, Gemeinde Ekerö, Schweden) war ein britisch-schwedischer Architekt.

Ausbildung mini|Lådan, die Schachtel 2007 mini|„Villa Erskine“ in Drottningholm mini|Häuser in Gyttorp, Nora mini|Kvarteret Ortdrivaren, Kiruna mini|Myrstuguberget, Huddinge mini|Skanskaskrapan, im Volksmund Läppstiftet genannt, in Göteborg Nach seinem Studium am Regent Street Polytechnic in London kam Ralph Erskine 1939 via Dänemark nach Schweden, „mit Fahrrad, Rucksack und Schlafsack“ (The Times). Angelockt von der Information guter Freunde, dass Schweden geschulte Architekten brauche und dem aufblühenden Funktionalismus im Lande, ließ er sich in der Nähe von Stockholm nieder. Am 29. August 1939 heiratete er Ruth Francis, die aus England nachgekommen war. Drei Tage später brach der Zweite Weltkrieg aus und für den Pazifisten Erskine war das sicherlich auch ein beitragender Anlass, im neutralen Schweden zu bleiben.

Lådan Seine erste eigene Wohnung war schon ein typischer Erskine-Entwurf. Mit minimalen Mitteln baute er im kalten Kriegswinter 1941–1942 südlich von Stockholm, mitten in der unberührten Natur, für sich und seine Familie ein nur 20 m2 großes Häuschen, genannt lådan (die Schachtel). Die kleine Wohnfläche war jedoch optimal genutzt, das Bett der Eltern konnte beispielsweise an die Zimmerdecke gezogen und Erskines Zeichentisch an die Wand geklappt werden. Es gab weder Elektrizität noch fließend Wasser, aber einen Kräutergarten, sechs Bienenstöcke und einen Taubenschlag. Hier verbrachte Ralph Erskine mit Ehefrau Ruth, zwei Töchtern und ein paar Katzen vier Jahre. Lådan verfiel, wurde aber 1989 auf Ekerö wieder aufgebaut und wird heute vom Architekturmuseum betreut und gezeigt.

Werk Eine erste Anstellung im Bereich der Architektur fand Erskine 1937–39 bei dem Gartenstadtarchitekten Louis de Soissons. 1944/45 führte er sein Studium an der Königlichen Kunsthochschule in Stockholm fort. Ab 1942 arbeitete er mit dem Dänen Aage Rosenvold zusammen.

Der ehemalige Quäkerschüler blieb dem Land bis zu seinem Lebensende verbunden. Hier entstand auch ein Großteil seines Werks. Die damals progressive soziale Politik des skandinavischen Landes eröffnete Erskines Architekturvorstellungen eine weit reichende Realisierungsmöglichkeit. Es entstanden Wohnhäuser, Fabriken und städtebauliche Planungen für neue Stadtteile, darunter die Siedlungen Storvik und Gästrike-Hammarby (1947–1948), Sandviken (1951) und Avesta (1950–53). 1963 stand sein eigenes Heim in Drottningholm fertig, die Villa Erskine, mit dazugehörigem Architekturbüro.

Ende der sechziger Jahre erhielt er Bau- und Planungsaufträge in Großbritannien. Er realisierte hier ein Postgraduierten-College in Cambridge (1967) und die wegweisende Wohnsiedlung Byker bei Newcastle upon Tyne (1969), die Erskine auch international bekannt machte.

Erskines neuere Bauten sind unter anderem die Universitätsbibliothek Stockholm (1983), das Göteborger Skanskaskrapan (1989), das Stockholmer World Trade Center (1989), das Bürogebäude „Ark“ in London (1991) und das Millennium Village in Greenwich (seit 1998). Ralph Erskine, der auch als Hochschullehrer vielfältig gewirkt hat, erhielt 1975 die Ehrendoktorwürde der Universität Lund und im Jahre 1987 die Gold-Medaille des RIBA. Der Nordic Found stiftet alle zwei Jahre den Ruth and Ralph Erskine Prize für soziale und ökologische Innovationen. Erskine war Ehrenmitglied im Bund Deutscher Architekten. 1985 wurde er als Ehrenmitglied in die Royal Academy of Arts aufgenommen.

Bauten um 1940: Villa und Skihütte in LissmaDeutsche Bauzeitung. Heft 3/1983 1941–1952: Haus Erskine in Lissma 1945–1955: Stadtteil in Gyttorp, Nora 1947–1948: Haus Nilsson in Storrik 1947–1948: Weberei in Köping ab 1947: Siedlung für Kopparfors in Gästrike-Hammarby 1948: Touristenhotel in Borgafjäll 1950–1953: Siedlung in Fors 1951: Siedlung für Kopparfors in Jädraas 1954: Villa Tesdorpf in Skövde 1954: Einkaufszentrum in Luleå 1955–1956: Haus in Lisö bei Stockholm 1950–1955: Kartonfabrik in Fors 1961–1962: Kvarteret Ortdrivaren in Kiruna 1961: Haus Ström in Stocksund 1961: Haus Gadelius in Lidingö 1960–1968: Stadtquartier Brittgarden in Tibro 1962–1968: Stadtteil „Der Barbier“ in Sandviken 1963 Villa Erskine auf Lovön, Gemeinde Ekerö 1969–1970: Stadtquartier esperanza in Landskrona 1969–1981: Stadtteil Byker in Newcastle, England 1969: Brotfabrik in Malmö 1970–1976: Siedlung Studland Park in Newmarket, England 1973: Resolute Bay in Kanada 1977–85: Myrstuguberget in Vårby, Huddinge 1979–1983: Universitätsbibliothek Stockholm 1981: Allhuset für die Stockholmer Universität Frescati 1984: Wasa-Terminal in Stockholm 1991: Juristernas hus für die Stockholmer Universität 1997: Aula Magna der Stockholmer Universität 1986–89: Skanskaskrapan, auch Läppstiftet (der Lippenstift) genannt, im Hafengebiet Lilla Bommen in Göteborg

Literatur Ralph Erskine, arkitekt, Byggförlaget, Stockholm 1988 Mats Egelius: Wege eines Baumeisters. In Deutsche Bauzeitung. Heft 3/1983

Weblinks

Internetpräsenz Erskine Tovatt Arkitekter AB (en/se) Ausführliche Biografie (en)

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt der Postmoderne Kategorie:Architekt (Schweden) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Lund Kategorie:Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts Kategorie:Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Kategorie:Träger der Litteris et Artibus Kategorie:Schwede Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1914 Kategorie:Gestorben 2005 Kategorie:Mann