mini|Büste am Grab im Cimitero Monumentale Mailand Franco Corelli (* 8. April 1921 als Dario Franco Corelli in Ancona; † 29. Oktober 2003 in Mailand) war ein italienischer Opernsänger (Tenor). Er gilt gemäß der italienischen Stimmfach-Einteilung als tenore lirico spinto und tenore drammatico. Er sang Partien des italienischen und französischen Opernrepertoires des 19. und 20. Jahrhunderts und galt als der bedeutendste Tenor seiner Zeit.
Leben Jugend und Ausbildung Dario Franco Corelli wurde als Sohn des Leiters einer Logistikabteilung der Werft in Ancona, Remo Corelli, und dessen Frau Natalina als jüngstes von drei Kindern geboren. In seiner Familie wurde viel gesungen. Corellis Großvater Augusto war ursprünglich als Werftarbeiter und später im Management tätig, bevor er im Alter von 38 Jahren Operntenor wurde.René Seghers: Franco Corelli. Prince of tenors. 2008, S. 3–4. In der nächsten Generation der Familie finden sich Chorsänger und Baritone; Corellis Bruder Ubaldo Corelli wurde ebenfalls Sänger (Bass), seine Schwester Liliana durfte den Beruf der Sängerin nicht ergreifen.
In seiner Jugend nahm Corelli als Leistungsschwimmer an Landes-Schwimmmeisterschaften in der 100 m-Freistil-Disziplin der italienischen Jugendstaffel teil.René Seghers: Franco Corelli. Prince of tenors. 2008, S. 20–21. Nach Beendigung der Oberschule Scuola Media Statale „Francesco Podesti“ im Jahr 1936 absolvierte er eine Ausbildung zum Geometer und Schiffsmaschinenmeister am Francesco-Podesti-Institut in Ancona.Jens Malte Fischer: Große Stimmen: Von Enrico Caruso bis Jessye Norman. Erste Auflage. Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1995, S. 471. 1940 erhielt er eine kriegsbedingt befristete Anstellung als Schiffszeichner und schrieb sich 1940 gemäß den Wünschen seines Vaters zum Studium des Schiffsingenieurswesens an der Universität Bologna ein. Während des Zweiten Weltkriegs diente er ab 1941 bei der Luftwaffe; ein Jahr später wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus der Armee entlassen.René Seghers: Franco Corelli. Prince of tenors. 2008, S. 24. Von der Stadt Ancona erhielt er eine Anstellung im Rahmen des Wiederaufbaus der im Krieg zerstörten Gebäude.
Corelli entschied sich bereits während seines Ingenieurstudiums, nach dem Besuch einer Vorstellung der Oper L’amico Fritz von Pietro Mascagni mit dem Bariton Tito Gobbi im Jahr 1940, für die Laufbahn des Sängers. Nach ersten autodidaktischen Studien mithilfe von Schallplattenaufnahmen und Gesangsversuchen gemeinsam mit seinem Jugendfreund Carlo Scaravelli begann er 1946 eine Gesangsausbildung am Rossini-Konservatorium in Pesaro bei Maria Pavoni. Dort als Tenor eingestuft, brach Corelli, der sich für einen Bariton hielt, seine dortige Ausbildung nach kurzer Zeit wieder ab, da er mit der vermittelten Gesangstechnik nicht zu den erwünschten Fortschritten gelangte.
Ursprünglich wollte Corelli am Konservatorium Gesangsunterricht bei dem Bariton Arturo Melocchi, dem Gesangslehrer des Tenors Mario Del Monaco, nehmen, der insbesondere seine stimmliche Eingliederung in das neue Stimmfach Tenor fachlich anleiten sollte. Carlo Scaravelli, der bereits Schüler von Melocchi war, betreute ihn zeitweise gesangstechnisch und gab seine Unterrichtserfahrungen bei Melocchi an ihn weiter. Corelli orientierte sich fortan an den stimmlichen Eigenschaften seiner Vorbilder Enrico Caruso, Aureliano Pertile, Beniamino Gigli, Giacomo Lauri-Volpi und Miguel Fleta, die er ausgiebig studierte.
1950 sang er Beniamino Gigli vorRené Seghers: Franco Corelli. Prince of tenors. 2008, S. 42–43. und im selben Jahr erfolgte ein Vorsingen für den Intensivierungskurs des Maggio Musicale Fiorentino am Teatro Comunale di Firenze, bei dem der Jury-Vorsitzende Ildebrando Pizzetti auf Corellis außergewöhnlich eindrucksvolle, jedoch noch wenig ausgebildete Stimme aufmerksam wurde. Corelli erhielt ein Stipendium für ein 3-monatiges Gesangsstudium in Florenz. Dort ergaben sich für Corelli wichtige, nachhaltige Erstkontakte zur Sängern und Theaterleitern, darunter auch ein erstes Vorsingen für Tullio Serafin, das er jedoch vor Lampenfieber, das sich hier erstmals dokumentierte und mit dem er während seiner gesamten Karriere stark zu kämpfen hatte,Franco Corelli: Heldentenor mit Lampenfieber. Deutschlandfunk. Beitrag vom 25. März 2021. Abgerufen am 8. Juni 2021. nicht absolvieren konnte.
Ab den 1950er Jahren wurde er stimmlich von seiner späteren Ehefrau Loretta di Lelio betreut, die ihn mit der traditionellen Belcantoschule Antonio Cotognis vertraut machte, was zu einer Systematisierung von Corellis Gesangstechnik führte. In der Zeit von 1958 bis 1962 erfolgte eine intensive Zusammenarbeit mit dem Belcanto-Tenor Giacomo Lauri-Volpi, bei dem Corelli letzten „Feinschliff“ seiner Belcanto-Technik und Interpretationskunst erhielt. Außerdem zählte der Bariton Luigi Borgonovo zu seinen Lehrern, der ihn an der Opernschule der Mailänder Scala unterrichtete.
Frühe Jahre als Sänger, 1951–1960 Ab 1950 sang Corelli im italienischen Rundfunk und an kleineren Bühnen. 1951 nahm er am Gesangswettbewerb des Centro Sperimentale di Spoleto teil, wo er als ersten Preis eine dreimonatige Einstudierung der Tenor-Hauptpartie des Don José in Carmen mit Aufführung am dortigen Teatro Communale gewann. Diese Partie wurde in seiner gesamten Laufbahn zur meistgesungenen. Im Herbst 1951 folgte ein Engagement als festes Ensemblemitglied am Teatro dell’Opera di Roma, wo er am 31. Januar 1952 in der Titelrolle in Giulietta e Romeo von Riccardo Zandonai an der Seite von Maria Caniglia und Tito Gobbi debütierte. Die Auftritte als Romeo und im selben Jahr als Maurizio in Adriana Lecouvreur zeigten Folgen einer stimmlichen Überforderung, weshalb eine professionelle Arbeit an der Gesangstechnik notwendig wurde.René Seghers: Franco Corelli. Prince of tenors. S. 55–56. In Rom kam es bei der Adriana Lecouvreur-Produktion auch zur Begegnung mit seiner späteren Ehefrau, der Sopranistin Loretta di Lelio,René Seghers: In Memorial Loretto Corelli (1918-2013). Nachruf auf www.francocorelli.nl. Abgerufen am 9. Juni 2021. die ihn als Managerin und Stimmtrainerin förderte und seine Engagements begleitete, insbesondere nach Beendigung ihrer eigenen Karriere im Jahr 1959. Die Hochzeit fand 1961 statt.
Nach einem ersten erfolglosen Vorsingen 1953 folgte 1954 sein Debüt an der Mailänder Scala als Licinius in La Vestale an der Seite von Maria Callas. Ab 1955 gastierte Corelli regelmäßig an den großen italienischen Opernhäusern und zudem von 1955 bis 1961 jährlich bei den Opernfestspielen in Verona und beim Maggio Musicale Fiorentino. Ab 1955 sang er auch im Ausland. Sein Debüt an der Wiener Staatsoper hatte er 1957 als Radames in Aida und gastierte dort in Folge mehrfach bis Ende 1970. Auch am Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon trat er mehrfach auf. Und er gastierte im Juni/Juli 1958 als Cavaradossi in Tosca in Deutschland, mit Auftritten an der Stuttgarter Staatsoper, am Staatstheater Wiesbaden und in München.Franco Corelli. Opera Voices (mit ausführlicher Biografie). Abgerufen am 7. Juni 2021. Mit besonderem Erfolg sang er beim Abschlusskonzert der Weltausstellung 1958 in Brüssel. 1959 erhielt er sein Engagement als festes Ensemblemitglied der Scala.
Corelli gab von 1952 bis 1960 in Italien und Europa insgesamt 473 Vorstellungen an bedeutenden Opernhäusern; unter anderem in Rom, Triest, Sanremo, Turin, Florenz, Bozen, Neapel, Spoleto, Ravenna, Piacenza, Modena, Parma, Pavia, Bologna, Mailand, Rovigo, Catania, Venedig, Bergamo, Verona, Pisa, Lissabon; Madrid, Bilbao, Wien, Genf, Lausanne, Nizza, London, Wiesbaden, Stuttgart, München und Monte-Carlo. Dabei sang er 30 Hauptpartien, darunter die Titelrollen in Andrea Chénier, Don Carlos und Ernani, Turiddu in Cavalleria rusticana, Rodolfo in La Bohème, Sextus in Julius Caesar und Grigori in Boris Godunow. Mit Maria Callas trat Corelli mehrfach gemeinsam auf; so in Rom in Norma (1953, 1958), an der Scala in La vestale (Debüt 1954), in Fedora (1956), in Il pirata (1958), in Poliuto (1960) sowie später in Paris in Tosca und Norma (1964).
Metropolitan Opera, 1961–1975 1961 wurde Corelli an die Metropolitan Opera verpflichtet und debütierte dort im Januar als Manrico in Il trovatore an der Seite von Leontyne Price als Leonora, die ebenfalls ihr Debüt gab.Il Trovatore. Metropolitan Opera House: 01/27/1961. Besetzungsliste. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 6. Juni 2021. Bis 1975 war er Ensemblemitglied in New York, wo er in fünfzehn Spielzeiten 19 Partien in 361 Vorstellungen sang. Darunter waren die Titelpartie in Andrea Chénier, Enzo in La Gioconda, Maurizio in Adriana Lecouvreur, Canio in Pagliacci und Romeo in Roméo et Juliette.Franco Corelli. Vorstellungen. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 6. Juni 2021.
Corellis Sängerkarriere befand sich Anfang der 1960er Jahre auf dem Höhepunkt, unter anderen mit den Hauptpartien als Chénier in Andrea Chénier, Cavaradossi in Tosca, Canio in Pagliacci, Radames in Aida, Don José in Carmen, Manrico in Il trovatore, Calàf in Turandot, als Poliuto in Poliuto, Rodolfo in La Bohème und als Werther in Werther.
Von 1961 bis 1975 gab er neben den 368 Vorstellungen an der MET weltweit Gastspiele; unter anderem in Washington DC, Philadelphia, Cleveland, Atlanta, St. Louis, Chicago, Minneapolis, Boston, San Francisco, Los Angeles, New Orleans, Miami, Detroit, Toronto, Lissabon, Barcelona, Paris, Wien, Salzburg, Lugano, London, Berlin, Hamburg, Belgrad; Venedig, Verona, Mailand, Neapel, Rom, Tokyo, Osaka, Seoul, Manila und Hongkong.
Späteres Leben, 1975–2003 In den 1970er Jahren gastierte Corelli in München unter Nello Santi mit einem Arienabend, kurz darauf an der Deutschen Oper Berlin als Don José unter Lorin Maazel. Seine letzte Vorstellung an der Wiener Staatsoper gab er Ende 1970 als Don Carlo, 1971 verpflichtete ihn die Hamburgische Staatsoper für zwei Galakonzerte mit Werken von Puccini gemeinsam mit Mirella Freni, Fiorenza Cossotto und Ilva Ligabue unter Nello Santi – weiterhin als Radames in Aida sowie für den Tenorpart in Verdis Messa di Requiem.
1975 absolvierte er Gastspiele in den USA und in Japan. Stresswirkungen zusammen mit ersten Empfindungen leichter, stimmqualitativer Reduktion bewirkten Corellis Rückzug im Alter von 55 Jahren von der Bühne. Seinen Abschied von der Bühne gab er 1976 beim Puccini Festival in Torre del Lago als Rodolfo in La Bohème Er sang 1981 in Stockholm ein letztes Konzert zu Ehren von Birgit Nilsson.
Nach Beendigung seiner Bühnenlaufbahn wirkte Corelli als Stimmdiagnostiker und Gesangspädagoge in Meisterklassen sowie als Juror von Wettbewerben. Unter seinen Schülern waren unter anderem Yusif Eyvazov und Andrea Bocelli.
Am 29. Oktober 2003 starb Corelli in Mailand nach einem Schlaganfall. Er wurde dort auf dem Cimitero Monumentale bestattet.
Wichtige Stationen 1951: José Carmen von Georges Bizet, Debüt in Spoleto 1952: Offizielles Theaterdebüt in Giulietta e Romeo von Riccardo Zandonai am Teatro dell’Opera di Roma 1953: Krieg und Frieden von Sergei Prokofjew, italienische Erstaufführung am 26. Mai in Rom 1953: Enea von Guido Guerrini (1890–1965), Uraufführung am 11. Februar in Rom 1954: Agnes von Hohenstaufen von Gaspare Spontini, italienische Erstaufführung am 6. Mai in Florenz 1954: Licinius in La vestale von Gaspare Spontini, Debüt an der Mailänder Scala mit Maria Callas (Mitschnitt) 1958: Pollione in Norma von Vincenzo Bellini, mit Maria Callas in Rom (Mitschnitt) 1959: Hercules von Georg Friedrich Händel, italienische Erstaufführung am 29. Dezember an der Mailänder Scala mit Elisabeth Schwarzkopf 1961: Manrico in Il Trovatore von Giuseppe Verdi; Debüt an der Metropolitan Opera mit Leontyne Price 1961: Kalaf in Turandot von Giacomo Puccini mit Birgit Nilsson an der Metropolitan Opera und im Royal Opera House Covent Garden (Mitschnitt)