Das Soratfeld oder SauerfeldVgl. Hermann Bannasch: Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen Rethar und Meinwerk (983–1036) (= Klemens Honselmann (Hrsg.): Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte. Bd. 12). Paderborn 1972, S. 360, 361. ist eine Landschaftsbezeichnung für den südöstlichen Teil des Kreises Paderborn. Sie wird als alter Gauname betrachtet, wobei es umstritten ist, ob er dies im Sinne einer Landschaft, einer Grafschaft oder eines Gos ist.Vgl. Wilhelm Spancken: Zur Geschichte des Soratfeld und der Go- und Freigerichte im paderborner Lande. Westfälische Zeitschrift 40, 1882, S. 5 und Hermann Bannasch: Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen Rethar und Meinwerk (983–1036) (= Klemens Honselmann: Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte. Bd. 12). Paderborn 1972, S. 32 Anm. 112.
Name Der Name Soratfeld soll „trockenes“ oder „dürres“ Feld bedeuten und mit dem Namen des bei Atteln in die Altenau mündenden Baches Sauer, früher Sore zusammenhängen, die im Sommer hinter Lichtenau regelmäßig trockenfällt.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 70–73. Wilhelm Spancken: Zur Geschichte des Gaues Soratfeld und der Go- und Freigerichte im paderborner Lande. Westfälische Zeitschrift 40, 1882, S. 3. Ferdinand Holthausen: Altsächsisches Wörterbuch (= William Foerste (Hrsg.): Niederdeutsche Studien. Bd. 1). Köln/Graz 1967, S. 69. Vgl. Beate Hennig (Hrsg.): Kleines Mittelhochdeutschen Wörterbuch. Berlin/Boston 2014, S. 310: Eintrag sûr, sûwer. Eine analoge Bezeichnung hat sich für die sogenannten trockenen Dörfer der Paderborner Hochfläche eingebürgert, die sich in früheren Zeiten nur durch in den Boden gegrabene, in der Region „Saut“ genannte Zisternen mit Wasser versorgen konnten. Hierzu gehören auch einige Orte im Soratfeld wie z. B. Eggeringhausen, wo der Holtsaut erhalten ist.Wolfgang Leesch, Paul Schubert, Wilhelm Segin: Heimatchronik des Kreises Paderborn (= Heimatchroniken der Städte und Kreise des Bundesgebietes, Bd. 37). Köln 1970, S. 38 f.
Naturräumliche Gliederung Teillandschaft von Paderborner Hochfläche oder Eggegebirge Die historische Landschaft Soratfeld ist mit der naturräumlichen Gliederung nicht ganz in Übereinstimmung zu bringen und es gibt auch hinsichtlich der Naturräume verschiedene Zuordnungen.
Wie die Paderborner Hochfläche der südöstliche Teil der Westfälischen Bucht ist, kann das Soratfeld als der südöstliche Teil der Paderborner Hochfläche betrachtet werden, der im Westen vom Tal der Altenau zum Sintfeld hin und im Osten und Süden vom Eggegebirge begrenzt wird. Die Landschaft wird dann als Lichtenauer Bergebene bezeichnet. Diese Zuordnung findet sich heute eher in der Heimatliteratur und stimmt ungefähr mit der historischen Landschaft überein.Vgl. Schulamt für den Kreis Paderborn (Hrsg.): Entdeckungsreise durch den Kreis Paderborn – Ein Heimat- und Sachbuch für die Grundschule. Paderborn 1992, S. 25.
Das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands zählt das Gebiet hauptsächlich zum Eggegebirge. Die historische Landschaft Soratfeld ist dabei auf folgende Naturräume aufgeteilt: Naturraum 362.0 Borchener Platten in der Haupteinheit 362 Paderborner Hochfläche: Die nördlich von Sauer und Schmittwasser gelegenen Teile des Soratfelds außer Herbram werden diesem Naturraum zugeordnet. Naturraum 362.1 Sintfeld in der Haupteinheit 362 Paderborner Hochfläche: Der Bereich um die Wüstung Marschallshagen zählte zum Soratfeld. Naturraum 363.01 Altenbekener Kalkbergland in der Untereinheit 363.0 Westliches Egge-Vorland in der Haupteinheit 363 Eggegebiet: Vom Soratfeld wird Herbram hierzu gerechnet. Naturraum 363.02 Lichtenauer Becken in der Untereinheit 363.0 Westliches Egge-Vorland der Haupteinheit 363 Eggegebiet: Dieser Naturraum wird durch Altenau, Sauer und Schmittwasser von der Paderborner Hochfläche getrennt. Die heutigen Orte im Altenautal gehörten nicht zur historischen Landschaft Soratfeld, die den Flusslauf nur streckenweise erreichte. Naturraum 363.11 Neuenheerser Egge in der Untereinheit 363.1 Egge der Haupteinheit 363 Eggegebiet. Das Waldgebiet der Egge wurde nicht zum Soratfeld gerechnet. Die Abgrenzung ist daher unklar. Naturraum 363.12 Kleinenberger Mulde in der Untereinheit 363.1 Egge der Haupteinheit 363 Eggegebiet. Ein Teil des Gebiets gehörte zum Waldgebiet der Egge.Sofie Meisel: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 98 Detmold. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1959. Online-Karte (PDF; 5,4 MB)
Gewässer Im Soratfeld fließt die Sauer mit ihren Nebengewässern Bach von Kleinenberg, Odenheimer Bach und Schmittwasser. Die Sauer entspringt bei Kleinenberg, fließt zunächst nach Westen, ab Gut Bülheim nach Nordwesten, ändert ihre Richtung zwischen Iggenhausen und Grundsteinheim nach Südwesten und mündet nach ca. 30 km bei Atteln in die Altenau. Dabei durchquert sie Fischteiche bei Schönthal und Gut Bülheim.
Ein linksseitiger Zufluss ist der 5,6 km lange Bach von Kleinenberg. Rechts mündet noch in Lichtenau der Odenheimer Bach mit 6,3 km Länge. Oberhalb Grundsteinheims mündet rechts das 8,8 km lange Schmittwasser.
Als rechte Zuflüsse des Schmittwassers sind Glasewasser und Emderwaldbach zu nennen.
Die Sauer fällt im Sommer regelmäßig trocken. Ihr versickerndes Wasser speist durch Färbversuche gesichert die Paderquellen in Paderborn und Quellen bei Kirchborchen.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 26, 70 f. und Kartenbeilage.
Historische Landschaft mini|hochkant=1.5|Ungefähre Lage der mittelalterlichen Gaue in Ostwestfalen-Lippe, rot: westfälische Gaue, schwarz: ursprünglich engrische Gaue, blau: ostfälische Gaue. Das Sorathueld wurde schon 1001 und 1021 genutzt, um die Lage von Grafschaften zu beschreiben.Hermann Bannasch: Das Bistum Paderborn unter den Bischöfen Rethar und Meinwerk (983–1036) (= Klemens Honselmann (Hrsg.): Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte. Bd. 12). Paderborn 1972, S. 31, 38, 77, 121, 308 f. Zumeist wird der Name als ältere Gaubezeichnung verstanden. Die Abgrenzung erfolgt denn auch in Abhängigkeit von der Erstreckung des Gogerichts Masenveldt und der Urpfarrei im heute wüsten Kerktorp bei Lichtenau. Vom Sintfeld wird das Soratfeld durch das Tal der Altenau abgegrenzt, dass wie das Waldgebiet der Egge nicht mehr zum Soratfeld gehört. In Abgrenzung zum Padergau im Norden wird angenommen, dass Eggeringhausen und Herbram zum Soratfeld zu rechnen waren.Vgl. Wilhelm Spancken: Zur Geschichte des Soratfeld und der Go- und Freigerichte im paderborner Lande. Westfälische Zeitschrift 40, 1882, S. 3–5. Wichtigster Verkehrsweg war die von Warburg über Kleinenberg und Lichtenau nach Paderborn führende Holländische Straße, aus der anderen Perspektive Hessenweg genannt, der heute die B68 entspricht.Heinrich Schoppmeyer: Der Bischof von Paderborn und seine Städte zugleich ein Beitrag zum Problem Landesherr und Stadt (= Klemens Honselmann: Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte. Bd. 9). Paderborn 1968, S. 31.
Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Siedlungsentwicklung bis zum Spätmittelalter Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. dünnte die Besiedlung des späteren Hochstifts Paderborn aus, ohne ganz abzubrechen. Erst ab dem 7. Jahrhundert kam es zu Neuansiedlungen durch früher als sächsisch bezeichnete Gruppen, deren Zuordnung heute ein Forschungsproblem darstellt.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 89 f. Daniel Bérenger, Wulff E. Brebeck (Hrsg.): Führer zur Vor- und Frühgeschichte der Hochstiftkreise Paderborn und Höxter. Band 3 Römische Kaiserzeit und Frühmittelalter (= Kirsten John-Stucke (Hrsg.): Historische Schriften des Kreismuseums Wewelsburg. Bd. 8). Paderborn 2014, S. 76 f., 79 f. Im Soratfeld sollen in dieser Zeit die Orte mit Hausen-Namen entstanden sein, die an den Rändern des Gebiets oder schon außerhalb liegen: Iggenhausen, Eggeringhausen, Ebbinghausen, Rozinchusen und Husen. Hierzu gehören auch die Orte Hidessen, Ekwardessen, Sewardissen, Elverssen, wüst bei Blankenrode, und Sirexen, wüst bei Blankenrode, bei denen das Grundwort -hausen nicht mehr unmittelbar zu erkennen ist. Dies sind ca. 26 % der mittelalterlichen Orte des Soratfelds. Einzelne dieser Siedlungen können später entstanden sein, gehören aber doch noch dem Frühmittelalter an.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 90, Karte S. 192. Vgl. Rudolf Bergmann: Die Wüstungen des Geseker Hellwegraumes (= Bendix Trier (Hg.): Bodenaltertümer Westfalens, Bd. 23). Münster 1989, S. 167.
In den Jahren von 772 bis 804 unterwarf Karl der Große Sachsen und gliederte das Soratfeld ins Frankenreich ein. Den Annales regni Francorum zufolge war die Gegend im Jahre 794 einer der Herde des letzten Sachsenaufstandes.Albert K. Hömberg: Westfälische Landesgeschichte. Mehren & Hobbeling, Münster 1967, S. 28. In der Folge kam es einerseits zu Deportationen Aufständischer, andererseits zu einem Siedlungsausbau. Die Ortsnamen, die mit Ortsangaben und dem Grundwort -heim gebildet sind, werden als „Siedlungssystem zur Sicherung und Befriedung Sachsens“ interpretiert. Sie bilden häufig Siedlungsinseln um einen Zentralort, für den häufig Reichsgut nachgewiesen werden kann. Im Soratfeld liegen um die spätere Stadt Lichtenau die Orte Nordheim, (Grund-)Steinheim, Masenheim, Sudheim, Holtheim, Bülheim, wo schon im 9. Jahrhundert Besitz des Klosters Corvey nachgewiesen ist, und Otishem. Zentral liegt mit Kerktorp der Sitz der UrpfarreiLudwig August Theodor Holscher: Die ältere Diözese Paderborn, nach ihren alten Grenzen, Archidiakonaten, Gauen und alten Gerichten. In: Westfälische Zeitschrift 43, 1885, S. 51 f. und am Nordrand von Lichtenau verweist der Name Königshof auf Reichsgut.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 192 f. Auch das Kilianspatrozinium der Kerktorper Pfarrkirche ist typisch für die Zeit der Würzburger Mission im späteren Bistum Paderborn um 800.Hans Jürgen Brandt, Karl Hengst: Das Bistum Paderborn im Mittelalter (= Hans Jürgen Brandt, Karl Hengst: Geschichte des Erzbistums Paderborn. Bd. 1 = Karl Hengst u. a. (Hrsg.): Veröffentlichungen zur Geschichte der Mitteldeutschen Kirchenleitung). Paderborn 2002, S. 66. Ebenso ist die Lage an einer Fernverbindung wie hier der Holländischen Straße / Hessenweg typisch für solche Siedlungsinseln. Damit gehört ein Drittel der mittelalterlichen Orte dieser Landschaft in diese Zeit. Da diese Orte einen Großteil des Soratfelds in zentraler Lage umfassen, liegt die Vermutung nahe, dass das Soratfeld als Konzept eines Siedlungsraums erst in dieser Zeit entstand.Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 90–92, 192–194. Rudolf Bergmann: „-heim“-Orte: Strukturelemente einer karolingischen Siedlungspolitik im südöstlichen Westfalen. auf der Seite , abgerufen am 29. Juli 2017.
Auch der Ortsname Amerungen mit dem Ortsnamen-Suffix -ing, verweist auf eine Entstehung noch im Frühmittelalter.Vgl. Adolf Bach: Die Deutschen Ortsnamen (= Deutsche Namenkunde. Bd. 2). Heidelberg 1953/54.