Salischtschyky (; , deutsch auch Hinterwalden) ist eine ukrainische Stadt mit knapp 10.000 Einwohnern in der Oblast Ternopil. Sie liegt in einer Schleife des Dnister und ist für ihr mildes Klima berühmt. mini|links|Panoramablick auf Salischtschyky mini|links|Kirche St. Stanislaw
Geographie Salischtschyky liegt südlich der Stadt Tschortkiw und der Bezirkshauptstadt Ternopil. Auf dem gegenüberliegenden Ufer des Dnister befindet sich die Siedlung städtischen Typs Kostryschiwka.
Geschichte Königreich Polen Zaleszczyki wurde im Jahr 1340 erstmals als Siedlung im Königreich Polen erwähnt. 1569 erfolgte die Zuordnung zur Woiwodschaft Podolien, einer administrativen Einheit der Adelsrepublik Polen-Litauen.A. C. A. Friederich: Historisch-geographische Darstellung Alt- und Neu-Polens. 1839, S. 399.
Seit dem späten 17. Jahrhundert gehörte Zaleszczyki der Adelsfamilie Poniatowski. Um 1750 siedelten sich auf dem Gebiet des alten Dorfes auf Einladung von Fürst Stanisław Poniatowski Tuchweber aus Schlesien an und nannten die Ortschaft Hinterwalden. 1759 wurde die erste deutsche evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Galizien gebildet.K. Völker: Die Anfänge der evangelischen Gemeinde zu Zaleszczyki in Galizien. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. Wien 1909, S. 157–174. Die Kirche St. Philippi wurde jedoch am anderen Ufer des Dnister im Fürstentum Moldau errichtet, da ein Kirchenbau in Polen für Protestanten nicht möglich war. Erster Pfarrer wurde Johann Jakob Scheidemantel.
In der Nähe des alten Dorfes wurde die Siedlung Neu-Zaleszczyki gegründet. 1754 wurde ihr von König August III. das Recht auf vier Märkte im Jahr gegeben. Im Jahr 1766 wurde das Magdeburger Stadtrecht verliehen.
Österreichische und russische Herrschaft Mit der Ersten Teilung Polens ging Zaleszczyki 1772 an die Habsburgermonarchie. Es war ab 1854 Sitz der Bezirkshauptmannschaft Zaleszczyki im Kreis Tarnopol im Kronland Königreich Galizien und Lodomerien. Ab 1867 kam noch ein Bezirksgericht dazu.mini|Briefmarke Poststempel von Zaleszczyki, 1876 Von 1810 bis 1815 gehörte es zum Kaiserreich Russland und war Hauptstadt des Bezirks Saleschtschiki im Tarnopoler Kreis.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verloren die Tuchwebermanufakturen an Bedeutung. Die deutschsprachigen Bewohner verließen den Ort (teilweise nach Kanada) oder assimilierten sich mit der polnisch-ruthenischen Bevölkerung.
1890 waren von 5751 Einwohnern 4513 Juden, 799 Polen, 303 Ruthenen (Ukrainer) und 110 Deutsche.Słownik Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich, Band XIV. Warschau 1895, S. 345.
1898 wurde in Zaleszczyki ein Bahnhof der von der Aktiengesellschaft der ostgalizischen Lokalbahnen betriebenen Lokalbahn Białaczortkowska–Zaleszczyki eröffnet.
Zwischen den Weltkriegen Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 wurde die Stadt Teil der Westukrainischen Volksrepublik. Im Polnisch-Ukrainischen Krieg besetzte Polen im Juli 1919 auch die letzten Teile der Westukrainischen Volksrepublik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz Ostgalizien für eine Zeitdauer von 25 Jahren Polen zu.
mini|Passstempel aus Zaleszczyki, 15. September 1939 Ab 1919/1921 war die Stadt Teil der Woiwodschaft Tarnopol in der Republik Polen. Zaleszczyki lag nun an der Grenze zu Rumänien. Hier befanden sich Grenzübergänge sowohl im Schienen- als auch im Straßenverkehr. Während der Zwischenkriegszeit entwickelte sich die Stadt zu einem landesweit bekannten Kurort, der für sein mildes Klima, die attraktive landschaftliche Lage und den breiten, zum Baden geeigneten Flussstrand berühmt war. Für den Ort wurde mit den Begriffen „Polnische Riviera“ und „Polnisches Meran“ geworben. Es bestanden Bahnverbindungen mit dem Schnelltriebwagen Luxtorpeda in weitere Städte in ganz Polen. Hier verbrachte unter anderen der Polnische Staatspräsident und Marschall Józef Piłsudski seinen Urlaub. Entlang des Flussufers befanden sich Promenaden und Villen, in der gesamten Stadt bestand eine auf den Fremdenverkehr ausgerichtete Wirtschaft.
Zweiter Weltkrieg und sowjetische Ära Am 17. September 1939 wurde Salischtschyky infolge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes und der sowjetischen Besetzung Ostpolens der Ukrainischen Sowjetrepublik der UdSSR angegliedert. 1941 marschierten deutsche Truppen ein und besetzten die Stadt und die Region. Ein Großteil der jüdischen Bewohner der Stadt wurden im Holocaust ermordet.
Im Juli 1941 versenkten Funktionäre des NKWD mehrere Eisenbahnwaggons mit überwiegend polnischen Gefangenen, die aus den Gefängnissen von Tschortkiw und Kolomyja herbeigebracht worden waren, im Dnister und ermordeten damit eine unbekannte Zahl von Menschen.
In den Jahren 1943–1945 war die Stadt eine Zuflucht für polnische Bevölkerung aus den umliegenden Dörfer vor den Angriffen der ukrainischen Nationalisten während des Genozids an der polnischen Bevölkerung.Henryk Komański, Szczepan Siekierka: Ludobójstwo dokonane przez nacjonalistów ukraińskich na Polakach w województwie tarnopolskim 1939–1946. 2. Auflage. Nortom, Breslöaz, 2006, ISBN 978-83-89684-61-5, S. 448. 1944 wurde Salischtschyky mit dem Einmarsch der Roten Armee wieder Teil der UdSSR.
Ukraine Seit dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 gehört Salischtschyky zur Ukraine. Von den früheren Fremdenverkehrseinrichtungen und der Promenade sind nur noch geringe Reste erhalten.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Salischtschyky (), zu dieser zählen auch noch die 29 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer, bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Salischtschyky (Заліщицька міська рада/Salischtschyzka miska rada) im Südwesten des Rajons Salischtschyky.
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons Tschortkiw.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Salischtschyky Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Bedrykiwzi Бедриківці Бедриковцы (Bedrikowzy) Bedrykowce Berestok Бересток Бересток Berestek Blyschtschanka Блищанка Блищанка (Blischtschanka) Błyszczanka Chartoniwzi Хартонівці Хартоновцы (Chartonowzy) Chartanowce Dobriwljany Добрівляни Добровляны (Dobrowljany) Dobrowlany Dswynjatsch Дзвиняч Дзвиняч (Dswinjatsch) Dźwiniacz Duniw Дунів Дунев (Dunew) Duninów Duplyska Дуплиська Дуплиска (Dupliska) Dupliska Hluschka Глушка Глушка (Gluschka) Hłuszka Holihrady Голігради Голограды (Gologrady) Holihrady Horodok Городок Городок (Gorodok) Gródek Iwane-Solote Іване-Золоте Иване-Золотое (Iwane-Solotoje) Iwanie Jakubiwka Якубівка Якубовка (Jakubowka) Jakubówka Kasperiwzi Касперівці Касперовцы (Kasperowzy) Kasperowce Kolodribka Колодрібка Колодробка (Kolodrobka) Kołodróbka Kulakiwzi Кулаківці Кулаковцы (Kulakowzy) Kułakowce Lyssytschnyky Лисичники Лисичники (Lissitschniki) Lesieczniki Nowosilka Новосілка Новосёлка (Nowosjolka) Nowosiółka Kostiukowa Petschorna Печорна Печорна Pieczarna Schtschytiwzi Щитівці Щитовцы (Schtschitowzy) Szczytowce Selenyj Haj Зелений Гай Зелёный Гай (Seljony Gai) Żeżawa Sosulynzi Зозулинці Зозулинцы (Sosulinzy) Zazulińce Stawky Ставки Ставки (Stawki) Stawki Uhryńkowskie, Stawki Uhryńkowieckie Synkiw Синьків Синьков (Sinkow) Sińków Torske Торське Торское (Torskoje) Torskie Uhrynkiwzi Угриньківці Угриньковцы (Ugrinkowzy) Uhryńkowce Wyhoda Вигода Выгода (Wygoda) Wygoda Wynohradne Виноградне Виноградное (Winogradnoje) Kościelniki Wynjatynzi Винятинці Винятинцы (Winjatinzy) Winiatyńce
Sehenswürdigkeiten mini|Ehemalige Synagoge Sakralbauten Kirche St. Stanisław, 1763, römisch-katholisch Kirche Mariä Schutz, 1873 ehemalige Synagoge, 19. Jahrhundert, heute Elektrostation
Profanbauten Königliche Kasematten, 18. Jahrhundert Palast der Adelsfamilie Poniatowski, spätes 18. Jahrhundert, 1831 umgebaut Rathaus, 18. Jahrhundert Villa Piłsudski, 20. Jahrhundert, Aufenthaltsort von Józef Piłsudski 1933
Persönlichkeiten Leopold von Neumann (1811–1888), österreichischer Jurist und Staats- und Völkerrechtslehrer Leon Ritter von Biliński (1846–1923), polnischer Politiker, österreichischer und polnischer Finanzminister Felician Myrbach (1853–1940), österreichischer Maler Marian Alma (1860–1937), polnischer Opernsänger und Schauspieler Angela Balka (1875–1904), österreichische Missionsschwester und Märtyrin Rachmiel Levine (1910–1998), amerikanischer Mediziner Dmytro Firtasch (* 1965), ukrainischer Geschäftsmann, seit 2012 Ehrenbürger der Stadt Iryna Wikyrtschak (* 1988), Schriftstellerin, Dichterin und Kulturmanagerin
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Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Ternopil Kategorie:Ort am Dnister Kategorie:Ersterwähnung 1340 Kategorie:Rajon Tschortkiw