mini|Vor und nach Haartransplantation (Mini-/Micrografts-Methode) Die Haartransplantation oder auch Haarverpflanzung bezeichnet die Verpflanzung von Körperhaar. Haartransplantationen kommen vor allem bei Haarausfall zur Anwendung,T. Dirschka u. a.: Leitfaden ästhetische Medizin. Elsevier, Deutschland, 2002, ISBN 3-437-23090-5, S. 248–284. sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Der Eingriff wird – insbesondere bei Männern – als emotional besetztes Thema gesellschaftlich diskutiert.

Geschichte Seit dem 18. Jahrhundert wird von – unterschiedlich erfolgreichen – Versetzungen behaarter Hautteile bei Tieren und Menschen berichtet. Als erste Arbeit zur Haartransplantation gilt die 1822 erschienene Dissertation des deutschen Mediziners Johann Friedrich Dieffenbach.

Bis zum 20. Jahrhundert gab es diesbezüglich keine bedeutenden Weiterentwicklungen. 1939 beschrieb erstmals der japanische Arzt Shōji Okuda () die Durchschlagstechnik (Punchtechnik) in der Haarversetzung.Kenichiro Imagawa, Shigeki Inui: A visit to the house of Dr. Shoji Okuda. In: Hair Transplant Forum International. Band 19, Nummer 6, 2009, S. 200–202.

Er benutzte kleine Durchschläge (engl. punches), um behaarte Hautteile in andere Bereiche der Kopfhaut sowie in Augenbrauen und Schnurrbärte zu verpflanzen. Die verpflanzten behaarten Hautteile produzierten auch in ihrer neuen Position erfolgreich Haare.A. Berger u. a.: Plastische Chirurgie. Springer, 2004, ISBN 3-540-00129-8, S. 13. () Allerdings sah Okuda diese Vorgehensweise nur für Brandopfer vor. Er dachte noch nicht an die Möglichkeit, seine Technik gegen den weitverbreiteten androgenetischen Haarausfall einzusetzen, der auch als erblich bedingter Haarausfall bezeichnet wird. In den 1960er Jahren wurden die Techniken durch Norman Orentreich wesentlich erweitert. 1986 stellte der Münchener Arzt Manfred Lucas auf dem VII. International Congress of Dermatologic Surgery in London die flächendeckende Behandlung mit Mini- bzw. Micrografts vor und war damit weltweit einer der Ersten, die dieses Verfahren propagierten.

Die neueste Methode, die Entnahme einzelner Haarfollikel, wurde erstmals vom Japaner Masumi Inaba beschrieben.Damkerng Pathomvanich, Kenichiro Imagawa: Hair Restoration Surgery in Asians Springer. Springer Science & Business Media, 2010, ISBN 978-4-431-99659-0, S. 133. Diese Methode wurde 2002 von William R. Rassman verfeinert und Follicular Unit Extraction genannt.W. R. Rassman, R. M. Bernstein, R. McClellan, R. Jones, E. Worton, H. Uyttendaele: Follicular unit extraction: minimally invasive surgery for hair transplantation. In: Dermatologic Surgery Band 28, Nummer 8, August 2002, S. 720–728, PMID 12174065.

Die verschiedenen Techniken unterscheiden sich stark, wobei vergleichende kontrollierte Studien weitgehend fehlen. Für ein gutes Endergebnis ist entscheidend, dass der Haaransatz natürlich ist (etwa mit Wirbeln und Wellen).

Der ästhetische Chirurg Werner Mang meinte 2024, seit sich Fußballtrainer Jürgen Klopp und Finanzminister Christian Lindner geoutet haben, dass sie eine Haartransplantation vorgenommen haben, sei in diesem Bereich „ein richtiger Boom entstanden“.Werner Mang im Interview mit Kaja Klapsa, „Kinder verweigern Essen, bis sie eine Schönheitsoperation bekommen“, in: Die Welt vom 4. Januar 2024

Methoden der Haarverpflanzung

Punch Die Punch- oder auch Stanztechnik ist die älteste Methode. Shōji Okuda verpflanzte mit 4-mm-Zylindern behaarte Hautteile. Die gewonnenen Transplantate erzeugten sehr unnatürliche, büschelartige Ergebnisse.R. Azar: Minimalinvasive Haartransplantation. Springer, Deutschland, 2015, ISBN 978-3-642-54559-7, S. 22.

Streifen & Einsetzung Mini/Micrografts (MMG) Diese Methode ist in Deutschland die am häufigsten anzutreffende Haarverpflanzungs-Methode. Dabei wird aus dem Haarkranz ein behaarter Hautstreifen entnommen und in sogenannte mittlere Hautteile und kleinere Hautteile mit Haarwurzeln zergliedert. Man nennt diese einzelnen Haare oder Haarinseln auch Mini- bzw. Micrografts. Danach werden dann die Grafts in die vorher vorbereiteten Gebiete eingesetzt.A. Meves u. a.: Intensivkurs Dermatologie. Elsevier, Deutschland, 2006, ISBN 3-437-41162-4, S. 392–395. () Die Prozedur wird sitzend in örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert zwischen 3 und 9 Stunden, wobei ein Großteil der Zeit zur Vorbereitung der Transplantate benötigt wird.

Streifenentnahme & Einsetzung follikularer Einheiten (FUI bzw. FUT) Diese Methode ist die Weiterentwicklung der Mini/Micrograft-Technik. Hier wird auch ein behaarter Hautstreifen aus dem Haarkranz entnommen. Jedoch wird dieser unter einem hochauflösenden Mikroskop in die natürlichen Bündelungen des Haares (Follikulare Einheiten) zergliedert. Diese follikularen Einheiten (Follicular Unit = FU) werden dann in die vorher vorbereiteten Gebiete eingepflanzt.

Follicular Unit Extraction (FUE) mini|Hohlnadeln für FUE Haartransplantation Die Follicular Unit Extraction (FUE), die Gewinnung follikularer Einheiten, bezeichnet die Entnahme, die Zwischenlagerung (Storage) und die Implantation (Insertion) follikularer Einheiten (FU). Die Einheiten sind natürliche Gruppierungen von ein bis vier (in seltenen Fällen auch fünf) Haaren, sogenannte Grafts. Diese Methode zählt zu den zurzeit modernsten Möglichkeiten der Haarverpflanzung.

Für die Haarverpflanzung sind diese follikularen Einheiten von großer Bedeutung, da Haare nicht einzeln, sondern in natürlichen Bündelungen wachsen. Bei einer FUE-Transplantation werden diese Haargruppierungen (meist aus einer Kleinstgruppe von etwa 1–5 natürlich zusammengehörenden Wurzeln) mit einer Hohlnadel aus dem Haarkranzbereich entnommen und in die entsprechenden Bereiche eingesetzt. Zum Eingriff werden Extraktionsnadeln verwendet, die Grafts in einer Größe von 0,5 mm bis 1 mm, manche sprechen auch von 0,6 mm bis 0,9 mm, entnehmen können. Vor dem Verpflanzen erfolgt eine Prüfung auf die Gesundheit der Gruppe. Bis zur Implantation werden die Transplantate in einer Nährlösung aufbewahrt. Anschließend transplantiert der Arzt die follikularen Einheiten in die kahlen Kopfareale. Das Einsetzen erfolgt meistens mit der Pinzette in einen kleinen Hautschlitz, der mit speziell angefertigten Klingen mit einer Breite von 0,6–1,5 mm erreicht wird. Es kann auch eine Injektionskanüle verwendet werden. Zu beachten ist der richtige Winkel des Haares und eine zum Empfängerareal passende Dichte.R.Azar: Minimlainvasive Haartransplantation. Springer, Deutschland, 2015, ISBN 978-3-642-54559-7, S. 79–84

Großer Vorteil ist, dass die Entnahmestelle nicht genäht werden muss, sie verschließt sich eigenständig noch am selben Tag. Nach der Operation können etwa eine Woche lang kleinere Krusten sichtbar sein. Auch wenn der Verbleib kleiner punktförmiger Narben wahrscheinlich ist, sind diese mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Ein weiterer großer Vorteil dieser Methode ist die Möglichkeit, auch Körperhaare zu transplantieren. Bei der Transplantation von Körperhaaren muss allerdings beachtet werden, dass diese meist eine andere Struktur und Farbe als Kopfhaare haben. Nachteil der FUE-Methode ist der erhöhte Zeitaufwand bei der Einzelentnahme. Der Arbeitsaufwand für solch eine Behandlung ist sehr intensiv. Inzwischen gibt es Hohlnadeln, bei denen die Drehbewegung durch einen Motor erfolgt. Sie ermöglichen dadurch eine wesentlich schnellere Entnahme. Während man anfangs noch davon ausging, dass das höhere Gewicht und die größere Geschwindigkeit dieser Geräte das Risiko von Schäden am Haar oder umliegenden Gewebe mit sich bringen, ist heute zwischenzeitlich wissenschaftlich nachgewiesen worden, dass eine motorbasierte Entnahme nicht nur schneller geht (6 Minuten für 100 Grafts gegen­über 14,2 Minuten), sondern sich auch die Transsektionsrate auf ein Drittel deutlich reduziert. Das Weltforum für Haarchirurgie (ISHRS) sieht die Verwendung des Micromotors als selbstverständlich an.

Saphirklingen Seit etwa 2016 werden bei der FUE-Methode zunehmend Klingen aus synthetischem Saphir (Korund, Mohs-Härte 9) zur Erstellung der Empfangskanäle eingesetzt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stahlklingen erzeugen Saphirklingen V-förmige statt U-förmige Inzisionen, was eine geringere Gewebetraumatisierung und eine dichtere Graft-Platzierung ermöglichen soll.M. Ahmad, M. Ismail: Effect of different shapes of recipient site creation micro-blades at varying angles and wound injury. In: Journal of Cosmetic Dermatology. Band 20, Nr. 11, 2021, S. 3610–3615, , PMID 33599101. (PubMed). Eine mathematische Modellierung der Gewebeschädigung verschiedener Klingengeometrien zeigte, dass spitz zulaufende Klingen bei einem Einsetzwinkel von 30° signifikant weniger Wundfläche erzeugen als rechteckige Klingen. Eine prospektive Beobachtungsstudie an 1.000 Patienten berichtete eine Graft-Überlebensrate von 94,7 % bei Saphirklingen gegenüber 88,9 % bei Stahlklingen; die Heilungszeit war in der Saphir-Gruppe kürzer.Accuracy in Hair Repair: Assessing Sapphire FUE, Forceps Methods and Treatment Times in Contemporary Hair Transplantation. Prospektive Beobachtungsstudie, n = 1.000, 2025. (Volltext auf ResearchGate). Randomisierte kontrollierte Studien, die ausschließlich das Klingenmaterial als Variable isolieren, liegen bislang nicht vor.

Crosspunch-Methode Mehrfach wurde in der Literatur berichtet, dass ein ästhetisch ansprechenderes Behandlungsergebnis erzielt werden kann, wenn bei der Implantation der Transplantate der Insertionswinkel berücksichtigt wird.

Da lockiges Haar grundsätzlich die darunterliegende Kopfhaut besser kaschiert als dies bei glattem Haar der Fall ist, wird im Zuge der Crosspunch-Technik versucht, auch für glattes Haar eine bessere optische Abdeckung der Kopfhaut zu erzielen. Hierzu werden die Bohrungen in der Empfängerfläche in leicht gegeneinander abgestuften Winkeln von etwa 5 bis 8° gesetzt, sodass die später eingesetzten Transplantate ebenfalls einen leichten Neigungswinkel zueinander aufweisen. Auf diese Weise wird der Effekt einer besseren Kopfhautabdeckung, den lockiges Haar von Natur aus bereits mit sich bringt, auch für glattes Haar ermöglicht.

Um ein natürlich wirkendes Resultat zu erzielen, muss beachtet werden, dass bei der Rekonstruktion der Haarlinie die natürliche Wuchsrichtung der Haare berücksichtigt wird und die Crosspunch-Technik erst nach der Rekonstruktion der Haarlinie eingesetzt wird.

Haarausfall bei Frauen Der Haarausfall bei Frauen hat oft genetische Ursachen, wobei Schilddrüsenkrankheiten oder hormonelle Veränderungen oft die Auslöser sind. Nicht nur der Haarverlust selbst, sondern auch immer dünner werdende Haare können die Folge sein. Hierbei ist eine medikamentöse Behandlung meist ausreichend. Ursachen für den Haarverlust können körperliche oder psychische Belastungen sein. Folgende Faktoren können einen Verlust der Kopfbehaarung auslösen: hormonelle Veränderungen (Menopause), Hautkrankheiten, Operationen, Schilddrüsenprobleme, Schwangerschaft, extremer Stress.

Medikation und Postoperatives Schmerzmanagement Vor einer OP wird zur prämedikamentiven Angstlösung häufig ein mittellang wirksames Benzodiazepin wie Lorazepam oder Alprazolam verabreicht. Während der OP wird zur Schmerzausschaltung der Spender- und Haareinsetzbereich weitreichend mit einer Lidocain-Adrenalinkomposition (ähnlich einer Zahnarztnarkose) lokal anästhesiert. Eine Vollnarkose ist nicht nötig, gerade da der Vorgang, z. B. im Vergleich zu den meisten Liposuktionen, weniger invasiv ist, allerdings kann für den Patienten ein 'Dämmerschlaf' die Prozedur angenehmer gestalten. Hierbei bieten sich vor allem niedrige Dosen aus Propofol, Midazolam, Fentanyl oder auch Ketamin an, welche intravenös verabreicht werden, wobei letztere beide Substanzen ebenfalls analgetisch wirken können, sollte die Schmerzausschaltung mittels Lidocain nicht genügen.