Butschatsch ( und ; , , türkisch Bucaş) ist eine ukrainische Stadt mit etwas mehr als 12.500 Einwohnern. Sie liegt in der Oblast Ternopil 65 km südlich der Oblasthauptstadt Ternopil an beiden Ufern des Flusses Strypa auf der Podolischen Platte.
Geschichte mini|links|hochkant=1.3|Blick über den Ortmini|Stadt vor dem Ersten WeltkriegButschatsch wurde im 13. Jahrhundert gegründet und war ab 1349 ein Teil des Fürstentums Halytsch-Wolodymyr. Am Ende des 14. Jahrhunderts,Butschatsch. In: Enzyklopädie der modernen Ukraine. Vol. 3 : Біо — Бя, Kiew 2004. ISBN 966-02-2682-9, S. 674. (ukrainisch) eine polnische Quelle nennt das Jahr 1393,Adam Smulski: Mój Buczacz. Światowid, Kielce 2014, ISBN 978-83-62509-03-4, S. 5 (polnisch). erhielt die Ortschaft das Magdeburger Stadtrecht.
Spätestens seit dem Jahr 1500 siedelten sich Juden an, die Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellten. Daneben gab es starke ukrainische, polnische und armenische Minderheiten.
Die Stadt wurde 1260 zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Sie gehörte zunächst zum Halitscher Land in der Woiwodschaft Ruthenien im Königreich Polen.Aleksander Jabłonowski: In: Polska XVI wieku pod względem geograficzno-statystycznym, drukarnia Piotra Laskanera i S-ki, Warszawa 1903, vol. XVIII , S. 75, . (polnisch) Nach der Union von Lublin befand sich die Stadt von 1569 bis 1772 in der Woiwodschaft Ruthenien,Aleksander Jabłonowski. In Polska XVI wieku pod względem geograficzno-statystycznym, drukarnia Piotra Laskanera i S-ki, Warszawa 1903, T. XVIII , S. 201. (polnisch)manchmal – in der Woiwodschaft Podolien → sehen: Rizzi Zannoni, Karta Podola, znaczney części Wołynia, płynienie Dniestru od Uścia, aż do Chocima y Ładowa, Bogu od swego zrzodła, aż do Ładyczyna, pogranicze Mołdawy, Woiewodztw Bełzkiego, Ruskiego, Kiiowskiego y Bracławskiego.; 1772 (polnisch) einer administrativen Einheit der Adelsrepublik Polen-Litauen, wo sie bis zur Ersten Teilung Polens verblieb.
Im 17. Jahrhundert kämpften Polen, Türken und ukrainische Kosaken um die Stadt. 1672 und 1675 wurde die Stadt vom osmanischen Heer erobert, was aber nicht von Dauer war. Die jüdische Bevölkerung schloss sich den Polen an. Von 1772 bis 1918 gehörte Butschatsch, wie das Großherzogtum Krakau und die Herzogtümer Auschwitz und Zator zum Königreich Galizien und Lodomerien innerhalb der Habsburgermonarchie.
Der Pädagoge Naftali Herz Homberg gründete ein von 1788 bis 1806 bestehendes jüdisches Lehrerseminar. Für die Juden im Ort war Butschatsch ein Schtetl. Die Haskala verbreitete sich unter ihnen. Väter, die ihrerseits meist noch Jiddisch sprachen, schickten ihre Söhne zum weiteren Studium nach Wien, damit sie dort nicht Österreicher, sondern „Deutsche“ würden.
Unter dem polnischen Namen Buczacz gehörte sie bis 1918 zum österreichischen Galizien und war von 1850/1854 bis 1918 Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirks Buczacz,Reichsgesetzblatt vom 8. October 1850, Nr. 383, Seite 1741Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1854, XXXIX. Stück, Nr. 111: „Verordnung der Minister des Innern, der Justiz und der Finanzen vom 24. April 1854“ ab 1867 zudem der Sitz eines Bezirksgerichtes. Zwischen Polen und Ukrainern herrschte oft Abneigung. Die Bauern im Umland waren überwiegend Analphabeten, viele Antisemiten.
mini|links|Russische Truppen im zerstörten Butschatsch, 1916
1884 bekam die Stadt durch die Eröffnung der Bahnstrecke Stanislau−Husiatyn (heute noch verkürzt als Bahnstrecke Butschatsch–Jarmolynzi erhalten) unter der Führung der Galizischen Transversalbahn einen Bahnanschluss. 1891 wurde ein modernes Krankenhaus unter Leitung von Dr. Fabius Nacht eröffnet, einem Mitglied der Polnischen Sozialistischen Partei. Buczacz erhielt ein Gymnasium im Stil des Habsburgerreiches. 1905 wurde das Haus des polnischen Sport- und Kulturverbandes Sokół errichtet. Butschatsch galt auch seit einiger Zeit als „eine Stadt der Sozialisten“. Anselm Mosler führte die jüdische sozialistische Bewegung an und versuchte auch die Polen und Ukrainer zu mobilisieren, musste jedoch enttäuscht aufgeben.
Im Ersten Weltkrieg lag die Stadt im Bereich der Ostfront. Etwa die Hälfte der Häuser wurde bei Kämpfen zerstört oder schwer beschädigt. Bei Kriegsende im November 1918 war die Stadt nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie kurzzeitig Teil der Westukrainischen Volksrepublik. Im Polnisch-Ukrainischen Krieg besetzte Polen im Juli 1919 auch die letzten Teile der Westukrainischen Volksrepublik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz für die Dauer von 25 Jahren Ostgalizien Polen zu.
mini|Woiwodschaft Tarnopol bis 1939, Lage der Stadt Buczacz südlich von Tarnopol Nach der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit lag der Ort von 1921 bis September 1939 in der Woiwodschaft Tarnopol. Infolge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes und des geheimen Zusatzprotokolls wurde Butschatsch im September 1939 von sowjetischen Truppen besetzt und lag daraufhin von 1939 bis 1941 in der Oblast Ternopol in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
Im Juli 1941 besetzten deutsche Truppen den Ort. Die Sowjets sprengten beim Rückzug den Eisenbahntunnel, den jüdische Zwangsarbeiter unter deutscher Besatzung wieder aufbauen mussten. Zwei Dutzend Deutsche, unterstützt von 300 ukrainischen Polizisten und dem jüdischen Ordnungsdienst, deportierten etwa 5000 Juden in das Vernichtungslager Belzec und ermordeten bei Massenerschießungen etwa genauso viele direkt in der Stadt und Umgebung. Die mehrheitlich nicht gekennzeichneten Massengräber befinden sich auf dem nahen Berg Fedor, wo die Massenerschießungen durchgeführt wurden. Ein Mitte der 1940er Jahre aufgestellter Gedenkstein nennt 450 am 27. August 1941 an dieser Stelle ermordete Juden. Die Deutschen deportierten die Patienten im jüdischen Krankenhaus ins KZ Belzec, wer zu krank war, um deportiert zu werden, wurde im Krankenbett erschossen.
Als die Rote Armee im März 1944 die Stadt befreite, waren noch etwa 800 Juden am Leben, die die deutsche Besetzung in Verstecken und mit Hilfe nichtjüdischer Bewohner überstanden hatten. Etwa 700 von ihnen wurden ermordet, als die Deutschen Butschatsch kurz darauf zurückeroberten. Mánko Świerszczak, ein Friedhofsarbeiter, konnte vier Juden retten, indem er sie fast zwei Jahre lang bei sich versteckte.
Die Männer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) beteiligten sich zu einem großen Teil an den Morden an Juden und der ethnischen Säuberung gegen Polen, bevor sie vergeblich dem Vormarsch der Roten Armee Widerstand leisteten. Endgültig von der deutschen Besatzung befreit wurde die Stadt erst im Juli 1944.
Die Sowjetmacht errichtete auf dem Berg Fedor ihr Heldengedenken. Nach dem Zerfall der Sowjetunion liegt Butschatsch seit 1991 in der Oblast Ternopil in der unabhängigen Ukraine. Der UPA gedenkt heute ein großes Kreuz auf dem Berg Fedor und ein ihr gewidmetes Museum, das Oresta Synenka Anfang der 1990er Jahre in den ehemaligen Räumen der sowjetischen Geheimpolizei eingerichtet hat. Auch dem Holodomor gedenkt inzwischen ein Mahnmal.
Mit einer allgemeinen Spendensammlung wurde ein Denkmal für Stepan Bandera, ein Politiker der OUN-B, errichtet, auch wenn sich dieser an den Morden an Juden in Ostgalizien aktiv beteiligt hatte, und im Januar 2006 sein Andenken in einer öffentlichen Veranstaltung gefeiert. Die Stadtverwaltung hat zugleich kulturelle Initiativen für das Gedenken an den jüdischen Schriftsteller Samuel Agnon unterstützt und eine Straße nach ihm benannt.
Stadtgliederung Die Stadt wird gegliedert in die Stadtteile Harwonez, Jurydyka, Koroliwka, Muljarka, Nahirjanka (ukrainisch Нагірянка, polnisch Nagórzanka – ehemaliges Dorf seit 1934 eingemeindet) und Piwdennyj.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Butschatsch (), zu dieser zählen auch noch die 36 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer,Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 724-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Тернопільської області" bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Butschatsch (Бучацька міська рада/Butschazka miska rada) im Zentrum des Rajons Butschatsch.
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons Tschortkiw.Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Butschatsch Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Barysch Бариш Барыш Barysz Beremjany Берем'яни Беремяны Beremiany Biljawynzi Білявинці Белявинцы (Beljawinzy) Bielawińce Bobulynzi Бобулинці Бобулинцы (Bobulinzy) Bobulińce Browari Броварі Бровары (Browary) Browary Dobropole Доброполе Доброполе Dobropole Duliby Дуліби Дулибы Duliby Jaslowez Язловець Язловец Jazłowiec Kurdybaniwka Курдибанівка Курдыбановка (Kurdybanowka) Kurdwanówka Kydaniw Киданів Киданов (Kidanow) Kujdanów Lischtschanzi Ліщанці Лещанцы (Leschtschanzy) Leszczańce Mateuschiwka Матеушівка Матеушовка (Mateuschowka) Mateuszówka Nowi Petlykiwzi Нові Петликівці Новые Петликовцы (Nowyje Petlikowzy) Petlikowce Nowe Nowosilka Новосілка Новосёлка (Nowosjolka) Nowosiółka Jazłowiecka Oserjany Озеряни Озеряны Jezierzany Ossiwzi Осівці Осовцы (Ossowzy) Osowce Peredmistja Передмістя Предместье (Predmestje) Przedmieście Perewoloka Переволока Переволока Przewłoka Pidlissja Підлісся Подлесье (Podlessje) Podlesie Pidsamotschok Підзамочок Подзамочек (Podsamotschek) Podzameczek Pomirzi Помірці Помирцы (Pomirzy) Pomorce Porochowa Порохова Порохова Porchowa Poschescha Пожежа Пожежа Pożeże Puschkari Пушкарі Пушкари Puszkary Ripynzi Ріпинці Репинцы (Repnizy) Rzepińce Rukomysch Рукомиш Рукомыш Rukomysz Salischtschyky Заліщики Залещики (Saleschtschiki) Zaleszczyki Małe Sarywynzi Заривинці Зарывинцы (Sarywinzy) Żurawińce Schnyborody Жнибороди Жнибороды (Schniborody) Żnibrody Schysnomyr Жизномир Жизномир (Schisnomir) Żyźnomierz Selena Зелена Зелёная (Seljonaja) Zielona Soroky Сороки Сороки (Soroki) Soroki Stari Petlykiwzi Старі Петликівці Старые Петликовцы (Staryje Petlikowzy) Petlikowce Stare Subrez Зубрець Зубрец Zubrzec Swenyhorod Звенигород Звенигород (Swenigorod) Dźwinogród Werbjatyn Верб'ятин Вербятин (Werbjatin) Wierzbiatyn
Wissenschaft und Bildung mini|170px|Wolodymyr-Hnatjuk-Gymnasium Wolodymyr-Hnatjuk-Gymnasium Collegium des hl. Josaphat Liceum Agro-College Berufsbildende Schule Weiterführende Schulen (Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3) Kindermusikschule Kinderkunstschule Kindersportschule
Kultur mini|hochkant|Rathaus von Butschatsch aus dem 18. Jahrhundert mini|Das Kloster des Mönchsordens der Basilianer mini|hochkant|Marienstatue Bauwerke
Ehemalige Heilig-Kreuz-Kirche (römisch-katholisch) Dreifaltigkeitskirche (etwa 1610, orthodoxe Kirche, von 1652 bis 1808 römisch-katholische Verklärung-des-Herrn-Kirche) Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche (etwa 1700, hölzern) Mariä-Geburt-Kirche (hölzern) Die 1728 errichtete und im Zweiten Weltkrieg beschädigte Große Synagoge (Groyse Schul) wurde in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre abgerissen. Um Platz für ein neues Einkaufszentrum zu schaffen, wurde 2001 das jüdische Studienhaus (Beit Hamidrash) niedergerissen. Schloss der PotockiLeon Potocki: Urywek ze wspomnień pierwszej mojej młodości, Posen 1876, S. 36–43. (polnisch)
Erhaltene In Butschatsch sind trotz der Kriege des 20. Jahrhunderts einige ältere Gebäude erhalten geblieben. Dazu gehören: Festung Butschatsch St.-Nikolaus Kirche (etwa 1610), die älteste Steinkirche in Butschatsch, Orthodoxe Kirche der Ukraine (zwischen etwa 1665 und 1946 gehörte sie zur Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche (UGKK))