mini|Die Gründer Arthur Koppel (li) und Benno Orenstein mini|Anzeige von Orenstein & Koppel in der Zeitschrift Der Bautechniker aus dem Jahr 1892 mit Werbung für „Eisenbahnen für Industrie- und Bauzwecke“, Räder, Radsätze sowie „Vermiethung ganzer Anlagen für Hand-, Pferde und Locomotiv-Betrieb“ mini|Aktie über 50 DM der O & K Orenstein & Koppel AG vom Juli 1986 mini|Siegelmarke der Orenstein & Koppel Aktiengesellschaft mini|Waggonschild „Orenstein & Koppel“ des Werkes Berlin-Spandau aus dem Jahr 1934 mini|Fabrikschild der Lokomotive Nr. 20473, Typ RL7 mini|Lokschild der O&K 7685 von 1919 mini|5000. Lokomotive von O&K (1913)

Orenstein & Koppel (kurz O&K) war ein deutsches Unternehmen des Maschinenbaus, das am 1. April 1876 gegründet und 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. O&K lieferte zunächst Feldbahnbedarf wie Loren, Gleise und Weichen und stellte danach, neben Lokomotiven und Waggons für den Güter- und Personenverkehr, eine breite Palette von Baumaschinen, vor allem Bagger verschiedener Auslegung, aber auch Straßenhobel, Kipper und Autokrane her.Orenstein und Koppel bei werkbahn.de, abgerufen am 10. Juni 2014. Die Firma produzierte außerdem Rolltreppen, Rollsteige, Getriebe, Gabelstapler, Kompressoren, Raupenlader, Radlader, Muldenkipper, U- und S-Bahn-Fahrzeuge, Omnibusse, Traktoren, Straßenwalzen sowie Frachtschiffe, Passagierschiffe, Bordkräne und Schiffsentladeanlagen. Das Unternehmen hatte verschiedene Produktionsstandorte in Deutschland, einen hohen Exportanteil und ein weltweites Niederlassungsnetz. Es wurde 1999 aufgelöst.

Geschichte Anfang in Schlachtensee bei Berlin mini|hochkant|O&K-Feldbahnlokomotive mini|Lokomotive mit Wagen der indischen PSMT-Monorail-Bahn

Das Unternehmen wurde am 1. April 1876 von Benno Orenstein und Arthur Koppel als offene Handelsgesellschaft (oHG) in Schlachtensee bei Berlin gegründet. Es war ursprünglich ein reines Handelsunternehmen für Feldbahnen, das Bahnschienen, Kipploren und dergleichen weiterverkaufte.

Im Jahr 1876 brachte Benno Orenstein 3000 Mark als Darlehen eines Onkels ein. Von Arthur Koppel als ehemaligem Prokuristen der Eisenhandlung G. E. Dellschau kamen 15.000 Mark. Am 15. Mai des Gründungsjahrs wurde der reguläre Handel aufgenommen. Das Unternehmen entwickelte sich zunächst vergleichsweise langsam, und im Jahr 1885 trennten sich die beiden Partner einvernehmlich. Sie teilten ihren Markt für fünf Jahre in Ausland und Inland auf, und Koppel gründete das Unternehmen Arthur Koppel, das im Ausland erfolgreicher blieb.

Zwischenzeitlich beteiligte Orenstein zwei andere Kaufleute sowie seinen Bruder Max OrensteinDer Ingenieur Max Orenstein gründete im Jahr 1890 in Schlachtensee die Märkische Lokomotiv-Fabrik. und erwarb im Jahr 1886 den Standort Tempelhofer Ufer 23–24 in Berlin. In wenigen Jahren um 1895 entstanden Zweigwerke von O&K in Dorstfeld (bei Dortmund), Prag und Budapest. Niederlassungen errichtete das Unternehmen auch in Buenos Aires, Durban und Johannesburg, auf Java und in Kalkutta. Im Jahr 1897 wurde die Gesellschaft mit der Dresdner Bank als Hausbank in die Aktiengesellschaft für Feld- und Kleinbahnen-Bedarf, vormals Orenstein & Koppel umgewandelt. Es folgten Fabriken bei Potsdam und Warschau, sowie in Spandau, und die Herstellung von Fahrzeugen für die Normalspur ab dem Jahr 1900. Das Werk in Schlachtensee wurde 1898 geschlossen und die Produktion nach Babelsberg verlagert.Märkische Lokomotiv-Fabrik, Max Orenstein. Auf: Albert-Gieseler.de, abgerufen am 29. Dezember 2023.

Im Jahr 1905 vereinigten O&K und die Arthur Koppel AG ihren Vertrieb, und nach Koppels Tod im Jahr 1908 wurden sie im Jahr 1909 fusioniert zur Orenstein & Koppel – Arthur Koppel AG.

In den frühen 1910er Jahren war O&K ein Vorbild der Fertigungstechnik. Im Jahr 1911 wurde eine Interessengemeinschaft mit der Lübecker Maschinenbau Gesellschaft vereinbart, die auch Baufahrzeuge herstellte.

Um 1911 kam es ebenfalls zum Abschluss einer Interessengemeinschaft mit dem französischen Unternehmen Société Nouvelle des Établissements Decauville Ainé. Der auf zwanzig Jahre geschlossene Vertrag bezweckte eine Aufteilung der Absatzgebiete. Orenstein & Koppel übernahm das belgische Decauville-Werk in Val-Saint-Lambert und überließ dafür Decauville sein Werk in Fives (Nordfrankreich).Société Anonyme Décauville bei albert-gieseler.de, abgerufen am 30. April 2019Léon Daudet (1867–1942): Hors du joug allemand, mésures d'après-guerre.

Im Jahr 1913 feierte das Unternehmen die Fertigstellung seiner 5000. Lokomotive. Um 1913 hatte das Unternehmen ein Dutzend Fabriken und fast hundert Niederlassungen weltweit; fast 15.000 Mitarbeiter waren beschäftigt. Von dieser wirtschaftlichen Blüte zeugt auch das 1914 fertiggestellte Hauptverwaltungsgebäude in Berlin.

Zeit des Nationalsozialismus Ab den 1930er Jahren wurden neben Feldbahnen auch normalspurige Schienenfahrzeuge in größeren Stückzahlen gebaut, vor allem Rangierdiesellokomotiven und die Einheits-Dampflokomotiven der Baureihen 44, 50 und 64 für die Deutsche Reichsbahn. 1931 wurde die O&K Fabriknummer 12272 gebaut. In Spandau wurden Seilbagger und Schaufelradbagger gefertigt.

Der Firmengründer Benno Orenstein und sein Kompagnon Arthur Koppel waren Juden.Alfred Gottwaldt: Benno Orenstein: Ein jüdischer Lokomotivbauer. Centrum Judaicum (Jüdische Miniaturen: Herausgegeben von Hermann Simon), 1. April 2015. 1933 entsandte die Dresdner Bank daher einen Nationalsozialisten und alten Kameraden Hermann Görings als Aufsichtsratsmitglied von O&K, der die sogenannte Arisierung betrieb. Er organisierte sogleich ein „Gleichschaltungsabkommen“, das ihm das Stimmrecht für die 16 % der Aktien übertrug, die der jüdischen Familie Orenstein gehörten. Im August 1933 beschloss die Aktionärsversammlung eine Kapitalherabsetzung um rund 45 %. Im Jahr 1935 wurde der Vorstandsvorsitzende Alfred Orenstein in Haft genommen, trat zurück und ging ins Exil nach Johannesburg, wo er bis Oktober 1938 für die dortige Niederlassung von O&K in Südafrika arbeitete. Im Februar 1940 erfuhr das Unternehmen eine Kapitalerhöhung und nannte sich Maschinenbau und Bahnbedarf Aktiengesellschaft, vormals Orenstein & Koppel. An die Stelle der Abkürzung O&K trat MBA. Ab November 1940 nannte die Firma die jüdischen Gründer Orenstein und Koppel nicht mehr, und zum folgenden Jahreswechsel übernahm die Hoesch AG die Aktienmehrheit. Das Unternehmen setzte auch Zwangsarbeiter ein.

Eine Urenkelin Benno Orensteins und Bundesrichterin der USA erfuhr 1993 von ihrer jüdischen Herkunft und klagte im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts auf Entschädigung. Ihre Großmutter, die ein Viertel der Aktien Benno Orensteins erbte, ließ 1950 um eine Aufstellung ihres Aktienvermögens durch die Deutsche Bank bitten, erhielt aber keine Antwort, und es gibt nur einen Zahlungsbeleg über knapp 38.000 RM für Aktien an Alfred Orenstein.

Nachkriegszeit mini|O&K Feldbahn-Dampflokomotive In Westdeutschland firmierte das Unternehmen ab 1949 wieder unter Orenstein & Koppel AG; der Name wurde nach dem Zusammenschluss mit der Lübecker Maschinenbau AG (LMG) 1950 in Orenstein-Koppel und Lübecker Maschinenbau AG geändert. Der Sitz der Aktiengesellschaft war Berlin. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die Hauptverwaltung allerdings nach Dortmund verlegt; sie bezog ein auf dem Dortmunder Werksgelände neu errichtetes Gebäude. Bis Mitte der 1970er Jahre wuchs das Unternehmen beständig.

Im Jahr 1972 produzierte O&K in fünf Werken: Berlin (West), Dortmund, Hagen, Hattingen/Ruhr und Lübeck, unterhielt einen zentralen Ersatzteildienst in Bochum, 24 Niederlassungen und Verkaufsbüros in der Bundesrepublik sowie Vertretungen in allen fünf Erdteilen. Im gleichen Jahr hatte das Unternehmen 8550 Beschäftigte, der Umsatz betrug 622 Mio. DM, der Exportanteil lag bei 31 %.

1986 erwarb O&K die Aktienmehrheit an den FAUN-Werken, deren Baumaschinenproduktion in Lauf an der Pegnitz, Kissing und Batavia (USA) zum 1. August 1986 in die O&K Baumaschinen und Gewinnungstechnik integriert wurde. Die Übernahme war für O&K von großer Wichtigkeit, da zu den bisher gefertigten großen Hydraulikbaggern nun auch passende Muldenkipper und große Radlader angeboten werden konnten.Ulf Böge: Jahrbuch Baumaschinen 2020. Podszun-Verlag, 2019, ISBN 978-3-86133-934-2, Seite 107. Nach der Übernahme führte O&K daher die Produktion von Muldenkippern, Radladern und Gradern in den drei Werken fort. Die Herstellung der Faun-Hydraulikbagger dagegen wurde eingestellt, da O&K hier bereits ausreichend eigene Modelle anzubieten hatte.

Im Jahr 1990 verkaufte O&K das Werk in Lauf, das sich zu diesem Zeitpunkt auf die Fertigung von Fahrzeugkränen spezialisiert hatte, an den japanischen Kranhersteller Tadano. Zudem trennte sich O&K 1992 von der Radladerproduktion in Übersee durch die Stilllegung der Produktion im US-amerikanischen Werk Batavia.

1996 ging die Fertigung von Rolltreppen an die KONE Corporation. Am 1. April 1998 wurde auch die Herstellung schwerer Hydraulikbagger für den Tagebergbau abgegeben. Neuer Eigentümer war der US-amerikanische Konzern Terex (seit 19. Februar 2010 Bucyrus International bzw. ab dem 8. Juli 2011 Caterpillar). Wegen anhaltender Verluste von O&K verkaufte Hoesch-Krupp die verbliebenen Reste der Baumaschinensparte zum Jahresende 1998 schließlich an das FIAT-Tochterunternehmen New Holland (ab 1999 CNH Global), und der italienische Getriebehersteller Carraro übernahm im Jahr 2000 den Achsen- & Getriebebau in Hattingen.

Die Baumaschinenproduktion in Deutschland wurde nach dem Verkauf an New Holland schrittweise zurückgefahren und nach Italien verlagert. 1999 kam es zur Stilllegung der Produktion im Kissinger Werk. Auf die Schließung des Standortes in Spandau wurde jedoch zunächst, nicht zuletzt aufgrund massiver Proteste der verbliebenen rund 500 Mitarbeiter, verzichtet. Nach und nach verlagerte CNH aber auch diese Produktion nach Italien, so dass dort 2015 nur noch knapp 100 Mitarbeiter im Vertrieb tätig waren.Ulf Böge: Jahrbuch Baumaschinen 2020. Podszun-Verlag, 2019, ISBN 978-3-86133-934-2, Seite 112.

Durch Beschluss der Hauptversammlung vom 3. September 2003 wurde die O & K Orenstein & Koppel Aktiengesellschaft in die O & K Orenstein & Koppel GmbH formwechselnd umgewandelt. Am 22. Februar 2019 wurde der Sitz der Gesellschaft nach Heilbronn verlegt.

Standorte

Werk Drewitz, Werk Neuendorf, Werk Babelsberg In der Nähe des Bahnhofs Drewitz nahm die eigens hierfür gegründete Tochtergesellschaft Märkische Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel oHG am 1. April 1899 ein Zweigwerk mit einer umfangreichen Kesselschmiedeanlage in Betrieb. Es lag allerdings offiziell nicht in Drewitz, sondern auf der benachbarten Gemarkung von Neuendorf, das später in Babelsberg aufging. Ab 1938 wurde die Lokomotivfabrik als „Werk Babelsberg“ bezeichnet.

Dort wurden später u. a. Einheitslokomotiven der Baureihen 41, 44, 50 und 64 sowie die Kriegslokomotiven der Baureihe 52 gebaut.

mini|Dampflokomotive der DR-Baureihe 50.35