Beale Street (Originaltitel: If Beale Street Could Talk) ist ein Filmdrama von Barry Jenkins, das auf einem gleichnamigen Roman von James Baldwin (dt. Titel: Beale Street Blues) basiert. Seine Weltpremiere feierte der Film am 9. September 2018 beim Toronto International Film Festival.

Wie bereits Moonlight, der im Rahmen der Oscarverleihung 2017 als bester Film ausgezeichnet wurde, produzierte Adele Romanski den Film. Zudem arbeitete der Regisseur abermals mit dem Kameramann James Laxton sowie den Filmeditoren Joi McMillon und Nat Sanders zusammen, ferner komponierte auch Nicholas Britell wieder die Filmmusik.

Im Rahmen der Verleihungen der Golden Globe Awards 2019 sowie der Oscarverleihung 2019 wurde Regina King als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Handlung In den 1970ern in Harlem. Der 22-jährige Kunsthandwerker Alonzo Hunt, genannt Fonny, und die 19-jährige Verkäuferin Clementine Rivers, genannt Tish, sind ein Liebespaar. Als Fonny fälschlicherweise beschuldigt wird, die Puertoricanerin Victoria Rogers vergewaltigt zu haben, obwohl er ein Alibi hat und er sich demnach gar nicht in der Nähe des Tatortes befunden haben kann, muss er ins Gefängnis. Dort besucht ihn Tish und erzählt ihm, dass sie schwanger ist. Mit großer Zuversicht erklärt sie ihm, dass sie ihn rausbringen werde, bevor das Baby geboren wird. Tishs Mutter Sharon, ihr Vater Joseph und ihre ältere Schwester Ernestine nehmen die Nachricht von der Schwangerschaft positiv auf. Anders sieht es bei Fonnys Familie aus, als sie sie darüber informieren. Es kommt zum Streit zwischen Tishs Familie und Fonnys Mutter Alice und den beiden Schwestern Sheila und Adrienne, bei dem viele böse Worte fallen. Fonnys Mutter hält Tish für nicht gut genug für ihren Sohn und glaubt, das Kind sei in Sünde gezeugt worden.

Zwar können Tish und Daniel ihm für den Abend ein Alibi geben, doch sein bester Freund landet immer wieder im Gefängnis. Durch ihn hatte Fonny bereits gehört, wie leicht man als Afroamerikaner grundlos im Gefängnis landen kann und dass auch dort die Gewalt kein Ende hat. Nun erfährt Fonny dies am eigenen Leib und verzweifelt immer mehr. Tishs Familie und Fonnys Vater Frank versuchen mit allen Mitteln, seine Unschuld zu beweisen. Nachdem Joseph und Frank durch den Verkauf gestohlener Kleider genügend Geld verdient haben, fliegt Sharon nach Puerto Rico, wohin das Vergewaltigungsopfer Victoria Rogers geflüchtet ist, um sie von ihrer Zeugenaussage abzubringen. Dies misslingt und Victoria taucht daraufhin unter, was den Prozess gegen Fonny weiter verzögert. Sharon hilft ihrer Tochter, einen Sohn zur Welt zu bringen. Fonny verständigt sich mit der Staatsanwaltschaft auf eine reduzierte Strafe und bekennt sich schuldig, denn nun steht seine Aussage gegen die von Officer Bell, dem zweiten Hauptzeugen.

Auch Jahre später hat Tish die Beziehung nicht beendet, und mit dem gemeinsamen Sohn Alonzo besucht sie Fonny regelmäßig im Gefängnis.

Produktion Literarische Vorlage

mini|hochkant|Der Film basiert auf dem Roman If Beale Street Could Talk von James Baldwin Der Film basiert auf dem Roman If Beale Street Could Talk von James Baldwin aus dem Jahr 1974. Als Inspiration diente Baldwin der Fall seines Freundes Tony Maynard, der eines Mordes angeklagt wurde, den er nicht begangen hatte, und sechs Jahre im Gefängnis verbringen musste. Baldwin war der Überzeugung, dass das US-Gefängnissystem in gewisser Hinsicht eine Fortsetzung der Sklaverei mit anderen Mitteln darstellt.Marietta Steinhart: James Baldwin: Gegen Finsternis hilft nur die Liebe. In: Zeit Online, 13. August 2018.

Die Schriftstellerin Joyce Carol Oates erklärte in der New York Times kurz nach der Veröffentlichung von Baldwins Roman, dieser habe als Schriftsteller eine Karriere gehabt, die eigentlich keine war. In den letzten Jahren sei er sowohl gelobt als auch aus den falschen Gründen angeprangert worden. In einigen Kreisen sei seine Arbeit sogar gelobt worden, möglicherweise ohne gelesen worden zu sein, was das schlimmste Schicksal für einen ernsthaften Schriftsteller sein muss, so Oates. Baldwins Geschichte basiere so offensichtlich auf der Realität, dass sie als zeitlos empfunden wird, so Oates. If Beale Street Could Talk sei eine sehr bewegende Hommage an die Liebe, nicht nur die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, sondern auch die Liebe zwischen den Mitgliedern einer Familie. Die schlanke Erzählung schaffe es, vieles gleichzeitig zu sein, sei fast poetisch konstruiert und könne sicherlich als eine Art Allegorie gelesen werden, die konventionelle Gewaltausbrüche ablehnt und es vorzieht, die vergängliche Natur unseres Lebens zu betonen, so Oates weiter.

Ein 22-jähriger schwarzer Mann, ein Bildhauer, wird im Roman verhaftet und wegen eines angeblichen Verbrechens, der Vergewaltigung einer Frau aus Puerto Rico, inhaftiert, obwohl er die Tat nicht begangen hat. Bei einer Gegenüberstellung ist er der einzige Schwarze in einer Reihe von Männern, und die verstörte Frau, die ihn identifiziert, scheint von einem weißen Polizisten beeinflusst worden zu sein. Der Umstand, dass seine Verlobte Tish schwanger ist, bewahrt den Mann davor, völlig zu verzweifeln. Am Ende des Romans wird Fonny auf Kaution freigelassen und sein Prozess auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun ist er weder frei noch inhaftiert, kann aber wenigstens in die Welt der Lebenden zurückkehren. Fast zur gleichen Zeit, als Fonny freikommt, begeht sein Vater Selbstmord.

Trotz des in Teilen tragischen Endes sei der Roman letztlich von Optimismus geprägt, so Oates, da er die starken Bande zwischen Mitgliedern einer unterdrückten Minderheit, besonders zwischen Familienmitgliedern betont, was sie in glücklicheren Zeiten wahrscheinlich so nicht erlebt hätten, glaubt Oates: „Wenn die Gesellschaft im kollektiven Sinn zerfällt, wird die kleinere menschliche Einheit immer wichtiger.“Joyce Carol Oates: If Beale Street Could Talk. In: The New York Times, 19. Mai 1974. Thomas Schultze von Blickpunkt:Film bemerkt, natürlich sei If Beale Street Could Talk eine Anklage, ein Plädoyer für die Bedeutung von black life lange vor Black Lives Matter, aber mehr noch gehe es um den Kitt, der alles zusammenhält, die Bedeutung von Familie angesichts unüberwindbarer Hürden.Thomas Schultze: TIFF Tag 7: Letzte Höhepunkte. In: mediabiz.de, 13. September 2018.

Der Roman wurde 1994 unter dem deutschen Titel Beale Street Blues in einer Übersetzung von Nils Thomas Lindquist von Rowohlt veröffentlicht. Am 20. Juli 2018 wurde er von der dtv Verlagsgesellschaft in einer Neuübersetzung von Miriam Mandelkow ebenfalls mit dem deutschen Titel Beale Street Blues veröffentlicht.Stefan Maelck: Neuübersetzt: Die Werke eines Vorreiters. In: ndr.de, 17. Juli 2018.

Stab und Filmaufbau Regie führte Barry Jenkins, der für den Film auch Baldwins Roman adaptierte.Jen Yamato: ‘Moonlight’ director Barry Jenkins will take on James Baldwin novel for his next film. In: Los Angeles Times, 10. Juli 2017. Wie bereits dessen Moonlight wurde der Film von Adele Romanski produziert. Eric Kohn von IndieWire erklärt, die dynamische Charakterisierung des schwarzen Lebens durch Baldwin basierte auf einer unverwechselbaren Sprache und präzisen Bildsprache, die seine scharfe kritische Stimme definierten und sich auch in Jenkins Film widerspiegelten.Eric Kohn: ‘If Beale Street Could Talk’ Review: Barry Jenkins Turns James Baldwin Novel Into a Masterful Poetic Romance. In: indiewire.com, 10. September 2018. Der Regisseur lässt den Film mit einem Zitat von Baldwin beginnen. In einer Einblendung im Vorspann ist zu lesen: „Jeder Schwarze in den USA ist in der Beale Street geboren worden, im Schwarzenviertel irgendeiner amerikanischen Stadt – ob in Jackson, Mississippi oder Harlem, New York: Die Beale Street ist unser Erbe.“

Wie die Romanvorlage folgt auch der Film Tishs Perspektive, wobei ihre Off-Stimme durch eine Geschichte voller Zeitsprünge führt.Esther Buss: Beale Street / If Beale Street Could Talk. In: kinofenster.de, 4. März 2019. So enthält der Film zahlreiche Rückblenden, die Tishs und Fonnys bisheriges gemeinsames Leben zeigen, Szenen aus ihrer Kindheit, als sie in der Badewanne sitzen, wie sie spazieren, wie er liebevoll ihr erstes Mal vorbereitete, wie sie über den jüdischen Makler Levy zu ihrer ersten gemeinsamen Wohnung gekommen waren und in dieser Nacht ihr Kind zeugten. Einige Male sind im Film Schwarzweißfotos zu sehen, die das Aufeinandertreffen von Afroamerikanern und weißen Polizisten zeigen. Jenkins erklärte im Gespräch mit Philipp Bühler von kinofenster.de, ihre visuelle Recherche zum Film habe sich zum großen Teil auf Fotografien, wie etwa die Werke von Gordon Parks und Roy DeCarava bezogen, und so seien sie auch auf das Schwarzweißfoto namens „Ellen Crying“ aus einer Fotoserie von Parks für das Magazin LIFE gestoßen, das im Film Tishs Erzählung von den „Kindern unserer Zeit“ illustriert. Die zweite Fotostrecke im Film sollte andeuten, was mit diesen Kindern geschehen ist, so Jenkins: „Sie wurden zu den Männern und Frauen, die jetzt gegen das System kämpfen.“Philipp Bühler: Interview: „Es gibt einen Mangel an schwarzen Geschichten“. In: kinofenster.de, 4. März 2019.

Während sich Fonnys Vater im Roman letztlich umbringt, entschied sich Jenkins dafür, dies in seinem Film wegzulassen. Oswald Iten vom Filmbulletin findet, es sei folgerichtig, dass Jenkins das melodramatische Finale des Romans durch einen Epilog ersetzte und den Film eher versöhnlich denn ironisch mit Billy Prestons Soulversion der inoffiziellen amerikanischen Hymne My Country, ’Tis of Thee enden lasse, mit deren Freiheitsversprechen Let freedom ring! schon Martin Luther King Jr. seine berühmteste Rede vor dem Lincoln Memorial abschloss.Oswald Iten: If Beale Street Could Talk. In: filmbulletin.ch, 12. Februar 2019, Printausgabe 2/2019. Jenkins erklärte, das Buch sei wesentlich bitterer und wütender als der Film, in dem er sich mehr auf der Seite der Liebe, der Familie und der Romantik begeben habe. Ein Teil schwarzen Lebens in den USA sei auch im Buch immer Familie, Liebe und Gemeinschaft gewesen: „Das ist die Idee hinter der Beale Street als einem Ort in Memphis, New Orleans, Los Angeles oder Harlem. Baldwin sagt damit letztlich, dass es eben diese Liebe ist, die Schwarzen in Amerika den Aufbau von Gemeinschaften ermöglicht hat.“

Besetzung, Dreharbeiten und Filmschnitt mini|hochkant=0.85|Stephan James übernahm im Film die Rolle von Fonny Hunt