mini|East New York: Pennsylvania Avenue East New York ist der Name eines Stadtteils am östlichen Rand des New Yorker Bezirks Brooklyn. Ursprünglich ein loser Verbund eingemeindeter Vororte und Flecken, ist East New York heute die gängige Sammelbezeichnung für die im Brooklyn Community Board 5 zusammengefassten Wohnviertel. Die Bevölkerung im Stadtteil besteht zum überwiegenden Teil aus Afroamerikanern, Puertoricanern sowie Hispanics. Die wirtschaftliche Situation ist in weiten Teilen prekär, die soziale von Ghettoisierung sowie überdurchschnittlichen Kriminalitätsraten geprägt.

Gelegen an der Grenze zum Bezirk Queens, ist East New York das flächenmäßig größte Stadtviertel innerhalb von Brooklyn. Mit dem in Queens gelegenen John F. Kennedy International Airport befindet sich einer der beiden New Yorker Großflughäfen in unmittelbarer Nachbarschaft. Wie viele größere New Yorker Stadtteile unterteilt sich auch East New York in kleinere Einheiten und Viertel. Die bedeutendsten davon sind: Cypress Hills im Norden, New Lots im westlichen Zentrum, Starrett City und Spring Creek im Süden und City Line im Nordosten.

Lage und Geografie mini|links|Grenzen, wichtige Straßen und Neighborhoods von East New York mini|Lage der Stadtteile von Brooklyn mini|Landkarte Kings County und Queens County 1859, damaliges New Lots grün hinterlegt links der Mitte mini|Karte 1776 deutet (ganz rechts) Lage der damaligen New Lots südlich der Harbor-Hill-Endmoräne an

Geologie Wie die meisten der in den Jahren 1886 bis 1896 nach Brooklyn eingemeindeten früheren Städte im Kings County liegt auch East New York in der Sander-Ebene südlich der Harbor-Hill-Endmoräne aus der Wisconsin-Eiszeit. Dieser Moränenrücken durchzieht die ganze Insel Long Island an deren Nordseite. Das Moränen-Hügelland markiert zum Teil die Grenze von Queens County und Kings County und separiert in seinen Ausläufern den nordwestlichen Teil Brooklyns von der Jamaica Bay und der Hempstead-Ebene.Hot Rocks: A Geological History of New York City Parks. nycgovparks.org, aufgerufen am 14. Juli 2017 (englisch)

Nach Verabschiedung des 1847 wurden in den Hügeln Parkfriedhöfe für die wachsende Bevölkerung der Insel Manhattan angelegt. An das heutige East New York grenzen dort die Parks und Grünareal-Flächen Highland Park und Cypress Hills Cemetery an.

Geografie Im Osten wird East New York durch die zu Queens gehörenden Stadtteile Woodhaven, Ozone Park und Howard Beach begrenzt. Südliche Grenze ist die Jamaica Bay beziehungsweise die Gateway National Recreation Area südlich des Belt Parkway. Im Westen grenzt East New York an die Brooklyner Stadtteile Canarsie und Brownsville. Die zu Cypress Hills zählende Nordwestecke grenzt im Westen zusätzlich an Bedford–Stuyvesant und Bushwick.. Statistische Angaben bei nyc.gov, aufgerufen am 15. Juli 2017 (englisch; PDF)

East New York untergliedert sich in mehrere Viertel und Nachbarschaften. Den Norden vom Hügelgürtel bis zur Atlantic Avenue nimmt das Viertel Cypress Hills ein. Zusammen mit seinem südöstlichen Zipfel (Bezeichnung: City Line) wird es mitunter auch als eigenständiger Stadtteil geführt. Nach Süden hin schließt sich das eigentliche East New York an – wobei Teile davon nach wie vor unter der älteren Namen New Lots bezeichnet werden. Südlich der Flatlands Avenue schließt sich das Viertel Spring Creek an. Im östlichen Teil besteht sie aus einem großen Einkaufs-, Büroflächen und Brachland-Areal. Der westliche Teil enthält mit dem Viertel Starrett City eines der größten Sozialwohnungsprojekte der USA. Am südlichen Ende wird East New York von der – zwischen Belt Parkway und Jamaica Bay gelegenen Gateway National Recreation Area begrenzt. Eine besondere Enklave ist das 10 Meter unter dem Meeresspiegel gelegene, nur einige Blöcke umfassende und nach Queens hineinragende Areal „The Hole“ im äußersten Osten des Bezirks.

Wichtigste Begrenzungsstraßen sind der im Norden des Bezirks beginnende und Highland Park und Cypress Hills Cemetery umfassende Jackie Robinson Parkway, der in Richtung Queens weiter nach Long Island verläuft und der Belt Parkway im Süden, welcher zum John F. Kennedy International Airport führt. Westliche Straßengrenzen sind die E 108th Street, ab Höhe Linden Boulevard die Eisenbahn-Trasse „Bay Ridge Branch“ parallel zur Van Sinderen Avenue bis hin zur Atlantic Avenue. Östliche Begrenzungsstraßen sind die 78th Street und der Conduit Boulevard. Wichtige Verkehrsadern in Ost-West-Richtung sind (von Norden nach Süden): Atlantic Avenue, Pitkin Avenue, Sutter Avenue, New Lots Avenue, Linden Boulevard und Flatlands Avenue. Wichtige Verkehrsadern in Nord-Süd-Richtung sind (von Westen nach Osten): Van Sinderen Avenue, Pennsylvania Avenue, Elton Street und Fountain Avenue. Bedeutendster Verkehrsknotenpunkt des Stadtteils ist der von mehreren Nahverkehrsnetzen bediente Bahnhof Broadway Junction in der Nordwestecke an der Atlantic Avenue.Siehe Stadtteil-Markierung für „East New York“ (ohne Cypress Hills) bei Google Maps. Aufgerufen am 15. Juli 2017.

Geschichte Bis 1900 mini|Battle of Long Island (1776) mini|New Lots, Gebiet nahe der Meadow Lane (1874) mini|Landkarte New York und Umgebung, zweite Hälfte 1880er Jahre mit Stadt­grenzen, East New York rechts mittig. Eisenbahnen schwarz gezeichnet. mini|Haus nahe Highland Park (1936)

Die südlichen, gelegentlich auch als Flatlands bezeichneten Teile des Gebiets bestanden ursprünglich aus Salzwiesen und Bächen. Ursprüngliche Bewohner waren die Carnasee- und Rockaway-Indianer, welche das Terrain als Fischgründe nutzten.Spring Creek Park. nycgovparks.org, aufgerufen am 14. Juli 2017 (Engl.) Ab 1650 begannen die Niederländer, die östliche Peripherie des späteren Gebiets von Brooklyn mehr und mehr zu besiedeln. Neben Flatbush und Bushwick gehörte auch New Lots, der Vorläufer von East New York zu diesen Ansiedlungen. Wirtschaftlich war die erste Besiedlung von Farmbetrieben geprägt – zuerst unter der Ägide der Niederländer, nach der Übergabe der Kolonie Nieuw Nederland 1664 an die Engländer als Bestandteil der Dreizehn Kolonien.Walter Thabit: How East New York Became a Ghetto. New York University Press, New York 2005, ISBN 978-0814782675; S. 9 ff. (Engl.) Auszugsweise Online bei Google Books. Im 18. Jahrhundert erfolgte eine stärkere Anbindung der Bay-Area an das nördliche Hinterland. Der Übergang über die heutige Anhöhe Highland Park/Cypress Hills firmierte zeitweilig unter der Bezeichnung „Jamaica Pass“. 1776, während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, wurde die Gegend von East New York Schauplatz eines flankierenden Gefechts der Schlacht von Long Island: Washingtons Kontinentalarmee musste in dessen Zug einen Überraschungsangriff englischer und hessischer Soldaten parieren und sich im Verlauf der Auseinandersetzung zurückziehen.. Erstellt im Auftrag des NYC Department of City Planning, November 2008. „Introduction“, S. 10 (Engl.; PDF)

Eine stärkere wirtschaftliche Integration erfolgte ab den 1830er-Jahren. 1835 kaufte der aus Connecticut stammende Kaufmann John Pitkin das Land der Stadt New Lots nördlich der New Lots Avenue und eröffnete eine Schuhfabrik an der Ecke Williams Street/Pitkin Avenue. Um es als das östliche Ende von New York auszuzeichnen, gab Pitkin dem Terrain den Namen East New York. Mit dem Auftreten von Pitkin intensivierte sich die gewerblich-industrielle Nutzung des Gebiets. Pitkins ursprüngliches Ziel war, New Lots als eigenständige Stadt auf Augenhöhe mit New York zu positionieren. Aufgrund wirtschaftlicher Rückschläge, unter anderen durch die Wirtschaftskrise 1837, blieben diese Pläne jedoch unverwirklicht. Eine Folge der von Pitkin angestoßenen Erschließung des nordwestlichen Stadtteil-Areals war die, dass die alte Stadtbezeichnung „New Lots“ zunehmend durch den Namen „East New York“ ersetzt wurde.

In den Folgejahrzehnten verdichtete sich die städtische Struktur. 1836 eröffnete die Brooklyn and Jamaica Railroad eine erste Strecke in der Gegend, aber noch ohne eine Station im damaligen New Lots. Bald darauf wurde diese Anbindung in das Streckennetz der Long Island Rail Road (LIRR) integriert, die von Queens über Brooklyn führte und in East New York endete. Durch offizielle Abtretung der Stadt Flatbush wurde New Lots 1854 eine selbständige Einheit. 1865 wurde die Linie der LIRR verlängert durch die Strecke der Brooklyn and Rockaway Beach Railroad, die heute Teil der BMT Canarsie Line ist, über den bisherigen Endpunkt Broadway Junction hinaus geführt. Die Gegend um Broadway Junction sowie der nördliche Teil von New Lots entwickelten sich in der Folge zu einer typischen Eisenbahnstadt. Ein früher Knotenpunkt war Bahnstation Howards House, die auch als Hotel und Bar genutzt wurde. Parallel zu dieser Entwicklung bildete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Durchgangsstraßen-Raster aus, welches für die Gliederung des Bezirks bis heute bestimmend ist. Letzte Etappen der stadtentwicklerischen Verdichtung waren die Eingemeindung zu Brooklyn (1886) und der Zusammenschluss von Manhattan mit The Bronx, Queens, Richmond und Brooklyn zu New York City (1898).

1900 bis 1970 mini|Reihenhaus-Bebauung im Stadtteil Cypress Hills Um 1900 setzte ein genuiner Boom ein. Er basierte auf zwei Entwicklungen: a) der fortschreitenden Verkehrsanbindung durch das Hochbahn- und entstehende Subway-Netz sowie flankierenden Trolleybus-Linien, b) lokalen Migrationsbewegungen, vor allem aus der überfüllten Lower East Side sowie den westlichen Brooklyner Stadtteilen. Zu der alteingesessenen Bevölkerung, darunter viele deutschstämmige Kleinhandwerker, stießen Italiener, Polen, Russen und – seit 1906 – zunehmend auch Juden. In den 1930er-Jahren war der nördliche Teil des heutigen Bezirks geschlossen besiedelt. Bewohnt war der Stadtteil hauptsächlich von Italienern, Juden, Deutschen und Russen. Die Prägung durch die christlich-orthodoxen Bräuche der slawischen Bewohnerschaft war stark. Herkunftsorte der neuen Bewohner waren vorwiegend Brownsville, Bushwick sowie andere bereits überfüllte Stadtteile in Ost-Brooklyn.

Der nordwestliche Quadrant des Stadtteils war zur Mitte des 20. Jahrhunderts infrastrukturell am meisten erschlossen. Bis in die 1950er wurde mehr als die Hälfte des Gebiets industriell genutzt. Auch der kleingewerbliche Bereich hielt sich oberflächlich betrachtet weiter. Der Wohnungsbestand allerdings hatte sich in der Zwischenzeit deutlich verschlechtert. Eine Ursache waren lokale Abwanderungsbewegungen: Viele Altbewohner versuchten nach dem Zweiten Weltkrieg, ihren Lebensstandard zu verbessern und zogen um in Ein- oder Zweifamilienhäuser – zunächst östlich der Pennsylvania Avenue gelegene Viertel innerhalb des Stadtteils. In den 1960er-Jahren schließlich setzte eine massive Neuzusammensetzung der Bewohnerschaft ein. Folge war, dass die überwiegend weiße Mehrheit der Stadtteil-Bewohner binnen weniger Jahre durch zuziehende Afroamerikanern und Puerto-Ricaner ersetzt und anteilsmäßig in den Hintergrund gedrängt wurde. Die Veränderung vollzog sich dabei binnen weniger Jahre: Waren 1960 von den rund 100.000 Bewohnern des Kernstadtteils 85 % weißer Hautfarbe, waren 1966 80 % afroamerikanischer oder puerto-ricanischer Herkunft.Walter Thabit: How East New York Became a Ghetto. New York University Press, New York 2005, ISBN 978-0814782675; S. 11 ff. (Engl.) Auszugsweise Online bei Google Books.