Operational Mentoring and Liaison Teams (OMLT) war das NATO-Äquivalent der US Embedded Training Teams (ETT) und war in Afghanistan tätig.

Die OMLT waren kleine Teams (10 bis 50 Soldaten) und bestanden aus Führungskräften und Spezialisten. Sie wurden als Ausbilder und Militärberater der afghanischen Streitkräfte (ANA) eingesetzt, begleiteten und berieten die afghanischen Soldaten bei ihren Einsätzen gegen Aufständische. Eine weitere Aufgabe war, neben Begleiten und Beraten, die Koordinierung der Planung von Operationen zwischen ANA- und ISAF-Kräften. Bei gemeinsamen Operationen reichte die Unterstützung von medizinischer Evakuierung bis Luftschlägen. Neben der Afghanischen Nationalarmee arbeiteten sie noch mit verschiedenen Geheimdiensten, der Afghanischen Nationalpolizei und der Afghan Border Force zusammen. Deshalb benötigten OMLT-Mentoren eine erweiterte Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen („Ü3“).

mini|OMLT Abzeichen

Auftrag mini|OMLT Militärberater im OCCP (Operations Coordination Center-Provincial) in Kunduz. Im OCCP gab es regelmäßig Treffen zwischen ISAF, OMLT, ANA, Geheimdienste und Afghan Border Force. mini|OMLT Militärberater mit einem PSL-Scharfschützengewehr (Scharfschützengewehr auf Dragunow Basis) bei der Ausbildung eines ANA-Soldaten. 2009 in Kunduz/Afghanistan

Von Juli 2006 bis 2021 bestand das afghanische nationale Armee-Trainings-Kommando (ANATC), das eng mit ISAF und dem Generalstab der ANA zusammenarbeitete.

Hauptziel der Ausbildung war, dass die ANA zukünftig selbstständig für die Sicherheit des Landes sorgen konnte. Die Bundeswehr setzte zuletzt ein Operational Mentoring and Liaison Teams (OMLT) in der nordafghanischen Stadt Masar-e Scharif ein. Vor 2013 hatte die Bundeswehr noch OMLT Teams in Kunduz und Faizabad. Der Einsatz lief bis 2014 unter ISAF, ging dann 2015 in die Folgemission Resolute Support über und endete 2021.

Einsatz von Sprachmittlern

Die Kommunikation mit den afghanischen Einheiten fand in englischer Sprache mittels Terps (interpreter), die in der Regel nicht aus der Region kamen in der sie eingesetzt wurden, statt. Man wollte, so weit wie es geht, verhindern, dass die Terps durch Entführung von Angehörigen unter Druck geraten. Damit der Terp nicht zusätzlich in seiner Freizeit bzw. außerhalb seines Dienstes gefährdet wurde, fand die Kommunikation in der Regel über SMS statt, damit seine Funktion für die einheimische Bevölkerung nicht wahrnehmbar war. Deshalb war u. a. eine zwingende Voraussetzung für OMLT Militärberater die englische Sprache in Wort und Schrift auf B2 Niveau.Sprichst du Deutsch, bleibst du hier, auf augengeradeaus.net Eine weitere Gefährdung der Terps bestand in der Tatsache, dass sie mit ca. 300 Dollar Lohn pro Monat weit über dem afghanischen Lohnniveau verdienten. Bei höherer Sicherheitsstufe erhöhte sich auch der Lohn nochmals deutlich. Im Vergleich dazu verdiente ein afghanischer Soldat oder Polizist nur ca. 70 bis 90 Dollar im Monat (Stand 2010).Afghanische Polizisten foltern Kinder und Jugendliche Deutsche Ausbilder in der Pflicht?, domradio.de, 21. Oktober 2008Nicolas Scheidtweiler: Wir haben in Afghanistan eine reiche Helferkaste geschaffen, auf welt.de, 30. August 2021

Ausbildungsprobleme und Desertationen

Die hohe Analphabetenquote der jungen Soldaten von bis zu 90 % war eines der Hauptprobleme bei der Ausbildung. Dies stellte die Ausbilder vor besondere didaktische Probleme. Die Ausbilder mussten zum Teil mit Figuren und Fotos arbeiten. Die meiste Zeit wurde mit Vormachen und Nachmachen oder Learning by Doing gearbeitet.

Die mäßige Entlohnung und Motivation der afghanischen Soldaten führte zum Teil zu Desertationen. In der Erntezeit erreichte die Desertationsquote teilweise bis zu 40 % bei verschiedenen Einheiten. Ein Soldat galt in der afghanischen Armee endgültig als Desertiert, wenn er zum Zahltag nicht mehr erschien. Neben der „normalen“ Desertion gab es noch das Überlaufen zur Gegenseite. Dieses Überlaufen hatte mehrere Gründe. Zum Teil wurden die Soldaten oder deren Angehörige unter Druck gesetzt oder die Gegenseite zahlte für einen gut ausgebildeten Soldaten deutlich mehr Sold. Ein afghanischer Soldat erhielt ca. 70 bis 90 Dollar Sold im Monat (Stand 2010). Auch die Unterwanderung der afghanischen Streitkräfte durch die Taliban führte zu Desertationen, denn oft ließen sich Afghanen vom Westen zu Kämpfern ausbilden, um danach zu desertieren. Nicht nur das deutsche OMLT beklagte sich über „die Unzuverlässigkeit der afghanischen Soldaten.“Konflikte Report: Mühsamer Aufbau von Polizei und Armee, auf focus.dehttps://www.reservistenverband.de/magazin-die-reserve/verrat-brachte-deutschen-soldaten-den-tod/

Ein weiteres Problem waren auch die verschiedenen Rechtsauffassungen der afghanischen Armee, Polizei und Afghan Border Force (ABF) im Vergleich zu den westlichen Beratern. Diese liefen oftmals nicht konform mit westlichen Werten bzw. Gesetzen. Bei „robusten“ Verhören kam es regelmäßig zu psychischer sowie physischer Gewalt bis hin zur Folter. Die Misshandlung von Häftlingen bzw. Taliban Kämpfern waren an der Tagesordnung. Auch dies war ein Grund, weshalb die afghanische Armee und Polizei eine Hauptzielscheibe für Anschläge der Taliban und anderer Aufständischer waren. Die Problematik war, dass westliche Polizei und Militärberater keine direkte Befehlsgewalt in den jeweiligen Einheiten hatten. Diese wurde ausschließlich von afghanischen Unteroffizieren oder Offizieren ausgeübt.

Die Todes/Verlustrate bei Gefechten war unter den afghanischen Soldaten im Vergleich zu ISAF Soldaten signifikant höher. Die hohen Verluste sind zum Teil auch auf den Drogenkonsum innerhalb der afghanischen Armee zurückzuführen, welche den betroffenen Soldaten seine militärische Ausbildung vergessen ließ. Laut einer französischen Militärstudie wurde angenommen, dass über 50 % der afghanischen Soldaten Drogen konsumiert haben.Armee im Chaos und Drogen für Polizei, Frankfurter Rundschau, 4. Februar 2019

Operationen & Gefechte mit OMLT Einsatz (Auswahl)

mini|Distrikte südlich der Provinzen Chahar Dara und Aliabad mini|Das Umland von Kunduz, in dem 2009/2010 fast täglich heftige Kämpfe stattfanden mini|Distrikte in der Provinz Kundus (Stand 2005).Char Dara südwestlich von Kundus

mini|OMLT Fuchs Panzer bei der Sicherung des OCCP in Kunduz während der Wahl 2009 mini|Ein Soldat der afghanischen Nationalarmee feuert einen Raketenwerfer, während eines Feuergefechts im Distrikt Sangin in der Provinz Helmand, ab. mini|Luftangriff auf Taliban Stellungen in der Provinz Helmand. mini|Kuk Chenar Brücke, die während der Operation Taohid von den Alliierten erobert wurde. mini|Taliban-Kämpfer ergeben sich während der Operation Taohid. mini|Schlacht von Sangin: US Marines bei der IOD Räumung auf der Route 611.

Bei allen Operationen bei der die Afghanische Armee mit einem größeren Kontingent (über Kompaniegröße) beteiligt war, waren OMLT Militärberater in der Regel mit im Einsatz. Bei Kompaniegröße oder darunter meist nur wenn afghanische Spezialisten mit im Einsatz waren.

Operation Medusa 2006

Operation Medusa war eine von kanadischen Streitkräften geführte Offensive der NATO und afghanischer Streitkräfte, die vom 2. bis zum 17. September 2006 in Afghanistan gegen die Taliban durchgeführt wurde. Anlass der Offensive war der starke Widerstand, der der NATO bei der Übernahme des Kommandos der in Afghanistan stationierten Truppen überraschend entgegenschlug. Die Operation konzentrierte sich auf das Gebiet des Bezirkes Panjwai. Das Gebiet liegt in der Nähe von Kandahar. Insgesamt wurden 200 Talibankämpfer, zwölf NATO-Soldaten kanadischer und jeweils ein NATO-Soldat niederländischer und amerikanischer Herkunft getötet. 14 britische Soldaten kamen bei einem Flugzeugabsturz im Rahmen von Aufklärungs- und Versorgungsmaßnahmen ums Leben.https://web.archive.org/web/20090814202503/http://www.parl.gc.ca/information/library/PRBpubs/prb0719-e.htm#strategicDavid Fraser: Operation Medusa: The Furious Battle That Saved Afghanistan from the Taliban, McClelland & Stewart 2018

Operation Mountain Fury 2006/2007

Operation Mountain Fury war eine NATO-geführte Operation, die im Anschluss an Operation Medusa die Taliban aus den östlichen Provinzen Afghanistans vertreiben sollte. Die Operation startete am 16. September 2006 und ging bis 15. Januar 2007. Im Verlaufe der Operation erlitten die Taliban schwere Verluste in direkten Kämpfen mit den Koalitionsstreitkräften. Die Verluste der Taliban beliefen sich auf 1.131 Gefallene und die Koalitionstruppen hatten 71 Soldaten der Afghanischen Armee und 37 ISAF Soldaten zu beklagen.

Operation Achilles 2007

Operation Achilles war der Deckname für eine Frühjahrsoffensive der NATO im Krieg in Afghanistan. Sie begann am 6. März 2007 und war bis zum Beginn der Operation Muschtarak am 12. Februar 2010 die größte Operation der NATO, seitdem sie den Befehl im Süden Afghanistans übernommen hatte.https://www.spiegel.de/politik/ausland/kampf-gegen-taliban-nato-startet-fruehjahrsoffensive-in-afghanistan-a-470062.html

Operation Harekate Yolo 2007

Operation Harekate Yolo (persisch für „Korrektur der Front“) war die erste größere militärische Kampagne im Norden Afghanistans zur Bekämpfung der aufständischen Taliban im Oktober und November 2007. Sie endete nach mehreren Wochen mit der Rückeroberung der erst kurz zuvor von den Taliban besetzten Gebieten im Norden durch alliierte afghanische und NATO-Truppen. Daneben war sie die erste offensive Militäroperation unter deutschem Kommando seit dem Zweiten Weltkrieg.Rolf Clement: Codename „Harekate Yolo II“, in: Loyal. Magazin für Sicherheitspolitik, Nr. 2, 2008, S. 26f.

Schlacht von Chora 2007

Die Schlacht von Chora fand vom 15. bis zum 19. Juni 2007 innerhalb der sowie um die Stadt Chora in der afghanischen Provinz Urusgan statt. Die Gefechte wurden um die Kontrolle einer wichtigen Versorgungsstraße zwischen Truppen der ISAF und deren afghanischen Verbündeten auf der einen und den Taliban auf der anderen Seite geführt.https://web.archive.org/web/20071225150215/www.volkskrant.nl/binnenland/article438392.ece/Infanteristen,_commando_s_iedereen_vecht_tegen_Taliban

Schlacht von Musa Qala 2007

Die Schlacht von Musa Qala (auch Qaleh oder Qal'eh) war eine von Großbritannien angeführte Militäraktion in der südafghanischen Provinz Helmand. Die Mission wurde am 7. Dezember 2007 von der afghanischen Nationalarmee und der International Security Assistance Force (ISAF) gegen die Taliban gestartet. Nach drei Tagen intensiver Kämpfe zogen sich die Taliban am 10. Dezember in die Berge zurück. Musa Qala wurde am 12. Dezember offiziell als erobert gemeldet, als afghanische Armeetruppen in die Innenstadt eindrangen. Es war die erste Schlacht im Krieg in Afghanistan, in der afghanische Armeeeinheiten die Hauptkampftruppe waren. Deshalb waren sowohl britische wie amerikanische OMLT Militärberater und Ausbilder beteiligt. Die Talibanverluste beliefen sich auf ca. 100 Mann. Bei der afghanischen Zivilbevölkerung gab es 2–40 Tote. Eine genaue Zahl konnte nicht ermittelt werden, da bei asymmetrischer Kriegsführung die Übergänge oftmals fliesend oder wechselnd sind. Unter den Gefallenen der Koalitionstruppen war der OMLT Zugführer Sergeant Lee Johnson.https://www.gov.uk/government/fatalities/sergeant-lee-johnson-of-2nd-battalion-the-yorkshire-regiment-killed-in-afghanistan

Char Dara Offensive 2008