Lindsey Caroline Vonn geb. Kildow (* 18. Oktober 1984 in Saint Paul, Minnesota) ist eine US-amerikanische Skirennläuferin. Sie gehört zu den besten Athletinnen des alpinen Skisports und wurde in den Saisons 2007/08, 2008/09, 2009/10 und 2011/12 Gesamtweltcupsiegerin. Hinzu kommt der 16-malige Gewinn einer Weltcup-Disziplinenwertung. Sie ist Olympiasiegerin in der Abfahrt und gewann bei Weltmeisterschaften bisher zweimal Gold, dreimal Silber und dreimal Bronze. Vonn startet in allen Disziplinen; am erfolgreichsten ist sie in der Abfahrt. Sie gehört seit Oktober 2011 auch dem kleinen Kreis jener Läuferinnen an, die in allen fünf Disziplinen Weltcupsiege feierten. Mit bisher 84 Erfolgen ist sie hinter Mikaela Shiffrin die zweiterfolgreichste Skirennläuferin der Weltcupgeschichte. Am 18. Januar 2015 überbot sie mit ihrem 63. Sieg den 35 Jahre lang währenden Rekord von Annemarie Moser-Pröll und übernahm die Führung in der ewigen Bestenliste des Damenweltcups. Ihr Rekord wurde von Shiffrin im Januar 2023 eingestellt und überboten.

In der Saison 2024/25 gab sie nach fünfeinhalb Jahren im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2026 ihr Comeback im Weltcup. Jedoch erlitt sie etwa eine Woche vor den Spielen einen Kreuzbandriss, startete aber trotzdem im olympischen Abfahrtsbewerb. Dabei blieb sie wenige Sekunden nach dem Start an einem Tor hängen und stürzte schwer. Die Folge davon war u. a. ein komplexer Bruch ihres linken Unterschenkels.

Biografie Jugendjahre Lindsey Vonn wuchs zusammen mit zwei Brüdern und zwei Schwestern (die Brüder und Laura sind Drillinge) bei ihren Eltern in Burnsville auf, einem südlichen Vorort von Minneapolis. Sie erlernte im Alter von zwei Jahren das Skifahren auf dem Buck Hill, einem 93 Meter hohen Hügel unweit ihres Wohnorts. Ihr Vater Alan Kildow, Rechtsanwalt und früherer US-amerikanischer Jugendmeister, erkannte das Talent seiner Tochter. Er ließ sie dort von Erich Sailer trainieren, einem gebürtigen Österreicher, aus dessen Skirennschule unter anderem auch Kristina Koznick hervorgegangen ist.

Jeweils im Winter nahm Vonn in Colorado an einem speziellen, von Sailer organisierten Förderungskurs teil. Als sie elf Jahre alt war, leitete der Vater die Übersiedlung der gesamten Familie in den Wintersportort Vail (Colorado) in die Wege, um seine Tochter noch gezielter fördern zu können. 1997 gewann sie den Riesenslalom des Whistler Cups und 1999 siegte sie als erste Nordamerikanerin überhaupt beim Trofeo Topolino in Italien. Trotz der frühen Erfolge hatte der große Ehrgeiz des Vaters auch negative Auswirkungen: Die Ehe der Eltern wurde geschieden und das Verhältnis zum Vater war so stark zerrüttet, dass sie jeglichen Kontakt mit ihm mied. Sie warf ihm vor, er sei ganz auf ihre spätere Karriere fixiert gewesen und habe ihr keine Zeit für andere Interessen gelassen. Seit der Trennung von ihrem Ehemann Thomas Vonn im Jahr 2011 besserte sich das Verhältnis allerdings stetig. Mittlerweile haben sie wieder regelmäßigen Kontakt; der Vater besucht sie auch bei diversen Skirennen.

Karrierebeginn Der frühere US-amerikanische Mannschaftstrainer Chip Wood förderte ihr Talent für die schnellen Disziplinen Abfahrt und Super-G. Im November 1999 nahm sie erstmals an FIS-Rennen und an Rennen des Nor-Am Cups teil. Als 15-Jährige wurde sie Zweite der US-Abfahrtsmeisterschaft; es folgten die ersten Einsätze bei Juniorenweltmeisterschaften. Im April 2000 gewann sie ihr erstes FIS-Rennen, im November 2000 das erste Nor-Am-Rennen.

Am 18. November 2000 nahm Vonn zum ersten Mal an einem Weltcuprennen teil. Beim Slalom von Aspen konnte sie sich jedoch nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren. Auch bei den vier folgenden Slalom-Einsätzen im Weltcup gelang ihr das nicht. In der Saison 2001/02 folgten sporadische Weltcupeinsätze in allen Disziplinen. Die ersten Weltcuppunkte gewann sie am 15. Dezember 2001 mit Platz 26 beim Super-G von Val-d’Isère.

Vonn qualifizierte sich für die Olympischen Winterspiele 2002. In der Kombination fuhr sie auf den sechsten Platz und unterbot damit ihre bisherige Bestleistung im Weltcup deutlich. Spätestens ab diesem Zeitpunkt galt sie als eines der hoffnungsvollsten US-amerikanischen Skitalente. Aufgrund kleinerer Verletzungen blieb in der Saison 2002/03 die erhoffte Steigerung im Weltcup noch aus. Vonn schaffte auch nicht die Qualifikation für die Weltmeisterschaften 2003. Sie gewann jedoch bei den Juniorenweltmeisterschaften mit dem zweiten Platz in der Abfahrt ihre erste Medaille.

Aufstieg zur Weltspitze mini|Lindsey Vonn in Aspen, 2006

Der endgültige Durchbruch gelang Vonn in der Saison 2003/04. So fuhr sie am 18. Januar 2004 auf der Tofana in Cortina d’Ampezzo, einer der schwersten Abfahrten der Welt, auf den dritten Platz und erzielte damit ihren ersten Weltcup-Podestplatz. Hinzu kamen zwei weitere Medaillen bei den Juniorenweltmeisterschaften 2004 in Maribor (Silber in der Abfahrt, Bronze im Riesenslalom) sowie zwei US-amerikanische Meistertitel in denselben Disziplinen. Am 3. Dezember 2004 siegte Vonn erstmals in einem Weltcuprennen, der Abfahrt von Lake Louise. Mit fünf weiteren Podestplätzen etablierte sie sich endgültig in der Weltspitze. Bei den Weltmeisterschaften 2005 verpasste sie die Medaillenränge knapp; sie wurde in der Abfahrt sowie in der Kombination jeweils Vierte.

Nach zwei weiteren Siegen zu Beginn der Weltcupsaison 2005/06 gehörte sie zu den meistgenannten Favoritinnen für einen Medaillengewinn bei den Olympischen Winterspielen 2006. Beim Training auf der Banchetta-Piste in San Sicario stürzte sie aber schwer und musste per Hubschrauber in ein Krankenhaus in Turin geflogen werden. Entgegen ersten Befürchtungen zog sie sich lediglich heftige Prellungen zu. Unter starken Schmerzen nahm sie an den olympischen Rennen teil; ihr gelang ein siebter Platz im Super-G und ein achter Platz in der Abfahrt, wofür sie mit dem U.S. Olympic Spirit Award ausgezeichnet wurde.

In der Weltcupsaison 2006/07 konnte sie drei Rennen für sich entscheiden. Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Åre gewann sie im Super-G und in der Abfahrt die Silbermedaille, jeweils hinter der überlegenen Anja Pärson. Beim Slalomtraining in Åre erlitt sie einen Anriss am Kreuzband, so dass sie die Saison vorzeitig beenden musste.Kildow kann WM abhaken Am 29. September 2007 heiratete sie in Deer Valley bei Park City ihren langjährigen Freund, den ehemaligen Skirennläufer Thomas Vonn (* 1975). Seitdem fährt sie nicht mehr unter ihrem Geburtsnamen Kildow, sondern unter dem Nachnamen ihres Ehemannes. Dieser wiederum gehörte bis zur Trennung Ende 2011 zu ihrem Betreuerstab.

Zu Beginn der Saison 2007/08 gelang ihr mit dem Sieg in der Abfahrt von Lake Louise ein erfolgreiches Comeback. Sie hatte sich keiner Knieoperation unterzogen und fuhr weiterhin mit angerissenem Kreuzband. In diesem Winter feierte sie fünf Abfahrtssiege, oft mit großem Zeitvorsprung auf die Zweitplatzierte, und entschied den Abfahrtsweltcup bereits beim drittletzten Rennen der Saison für sich. Sie war in dieser Disziplin nie schlechter klassiert als auf Platz fünf. Schon vor dem letzten Rennen der Saison stand sie als Siegerin des Gesamtweltcups fest. Sie war die zweite US-Amerikanerin nach Tamara McKinney (Saison 1982/83), der dies gelang.

Beginn ihrer Dominanz Zu Beginn der Saison 2008/09 feierte Vonn in Levi ihren ersten Slalomsieg (mit zwei Laufbestzeiten), womit ihr nur noch ein Sieg im Riesenslalom fehlte, um zum kleinen Kreis der Siegerinnen in allen Disziplinen zu gehören. Im Slalom folgten ein zweiter Sieg und drei weitere Podestplätze, im Riesenslalom erreichte sie mit dem vierten Platz in Aspen ihr bisher bestes Ergebnis. Sie gewann zwei Abfahrten und im Super-G vier Rennen hintereinander.

Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Val-d’Isère wurde Vonn ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G die Goldmedaille. In der Super-Kombination führte sie nach dem Abfahrtslauf, beging jedoch im Slalom einen Torfehler und wurde (als vorerst Zweitplatzierte) disqualifiziert. Bei der Siegesfeier für die WM-Abfahrt schnitt sie sich an einer zersplitterten Champagnerflasche die Beugesehne am Daumen durch, die genäht werden musste. Den Riesenslalom konnte sie nicht bestreiten, beim WM-Slalom ging sie gehandicapt an den Start und fiel im zweiten Durchgang aus.

Vonn wurde mit ihrem Sieg im Super-G von Tarvis am 22. Februar zur erfolgreichsten US-Läuferin der alpinen Weltcup-Geschichte (bisher war es Tamara McKinney mit je 9 Siegen in Slalom und Riesentorlauf) und krönte die Saison 2008/09, als sie bereits drei Rennen vor Schluss zum zweiten Mal in Folge den Gesamtweltcup klar gewann. Sie hatte sich in dieser Saison zur komplettesten Allrounderin entwickelt. Sie gewann zum zweiten Mal den Abfahrtsweltcup, dazu noch den Weltcup im Super-G, wurde im Super-Kombinationsweltcup Zweite, im Slalomweltcup Dritte und im Riesenslalomweltcup Achte. Bei insgesamt 34 ausgetragenen Weltcuprennen feierte sie neun Siege, sie war 16 Mal auf dem Podest und fuhr 26 Mal unter die ersten Zehn. Von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten (AIJS) wurde sie 2009 mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet.

Olympiagold und dritter Gesamtweltcupsieg in Folge Vor der Saison 2009/10 wechselte Vonn ihren Ausrüster. Ihr bisheriger Partner Rossignol sah sich angesichts der Wirtschaftskrise dazu gezwungen, das Fixgehalt sämtlicher Athleten um die Hälfte zu kürzen. Vonn akzeptierte diese Entscheidung nicht und wechselte daraufhin zu Head. Sie wechselte überdies als erste Frau im alpinen Weltcup von Frauen- auf Männerski, die nach Meinung von Fachleuten schwieriger zu fahren sind und eine bessere Athletik erfordern. Außerdem ist die Verletzungsgefahr höher.

Vonn war erneut die erfolgreichste Skiläuferin, vor allem in den Speed-Disziplinen. In der Abfahrt gewann sie sechs von acht Rennen, davon fünf in Folge. Im Super-G feierte sie vier Siege, davon drei in Folge, und war in allen Saisonrennen auf dem Podest. Vonn gewann eine der beiden ausgetragenen Super-Kombinationen und war einmal Dritte. In den technischen Disziplinen konnte sie jedoch nicht an die Erfolge aus dem Vorjahr anschließen. Im Riesenslalom schied sie in fünf von sieben Rennen aus, als bestes Ergebnis stand ein neunter Platz zu Buche. Eine ähnlich hohe Ausfallquote hatte sie im Slalom, als Zweite in Levi stand sie aber einmal auf dem Podest.

mini|Siegerehrung Abfahrt, Olympische Winterspiele 2010 (von links): Julia Mancuso, Lindsey Vonn und Elisabeth Görgl

Beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver, gewann Vonn vor ihrer Teamkollegin Julia Mancuso die Goldmedaille in der Abfahrt. Hinzu kam die Bronzemedaille im Super-G. In den übrigen Rennen schied sie hingegen aus, wobei sie in der Super-Kombination nach dem Abfahrtsteil noch geführt hatte und sich bei ihrem Sturz im Riesenslalom bei schlechter Sicht einen Finger brach. Vonn hatte in der Woche vor den Olympischen Spielen beim Slalomtraining eine schmerzhafte Schienbeinprellung erlitten und war unsicher, ob ein Start möglich sein würde. Zugute kamen ihr dann aber die Rennverschiebungen, die eine längere Regenerationszeit ermöglichten.