mini|Burg Falkenberg mini|Konnersreuth Der Landkreis Tirschenreuth ist der nördlichste Landkreis des Regierungsbezirks Oberpfalz in Ostbayern. Kreisstadt ist die gleichnamige Stadt Tirschenreuth. Der Landkreis ist Mitglied der Metropolregion Nürnberg.
Geografie Lage Das Landschaftsbild des Landkreises Tirschenreuth wird bestimmt von zahlreichen Fischweihern in den Tälern und Senken sowie von Fichtenwäldern auf den Höhen. Fast die Hälfte der Fläche ist mit Wald bedeckt. Im Westen und Norden des Landkreises steigen die zum Fichtelgebirge gehörenden Höhenzüge des Steinwaldes und Kohlwaldes empor. Im Südwesten liegt der Hessenreuther Wald, im Osten und Südosten der Oberpfälzer Wald.
Die höchsten Erhebungen im Steinwald sind die Platte (946 m) und der Plößberg (820 m) und im Oberpfälzer Wald der Entenbühl (901 m) und der Steinberg (802 m).
Die größten Flüsse sind die Waldnaab und die Fichtelnaab. Daneben gibt es mehrere Bäche, wie die Wondreb, den Muglbach, den Seibertsbach, den Sauerbach und die Kössein.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt gegen den Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Wunsiedel im Fichtelgebirge, Bayreuth und Neustadt an der Waldnaab. Im Osten grenzt er an die tschechischen Verwaltungsbezirke Pilsen (Plzeňský kraj) und Karlsbad (Karlovarský kraj).
Geschichte Landgerichte Das Gebiet des Landkreises Tirschenreuth gehörte vor 1800 als Stiftland zum Großteil zum Kloster Waldsassen und kam 1803 zu Bayern. 1803 wurden die Landgerichte Waldsassen und Kemnath, 1804 das Landgericht Tirschenreuth errichtet. Sie gehörten bis 1810 zum Naabkreis, dann zum Mainkreis, der 1817 in Obermainkreis umbenannt wurde. 1838 kamen sie zum Regenkreis, der damals in Oberpfalz und Regensburg (später nur noch Oberpfalz) umbenannt wurde. 1849 wurde aus Gemeinden der Landgerichte Kemnath, Neustadt an der Waldnaab, Waldsassen und Tirschenreuth das neue Landgericht Erbendorf gebildet.
Bezirksämter Das Bezirksamt Tirschenreuth wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Tirschenreuth und Waldsassen gebildet. Ebenso wurden die Landgerichte Erbendorf und Kemnath zum Bezirksamt Kemnath zusammengefasst.
Am 22. März 1871 trat das Bezirksamt Kemnath die Gemeinde Voit(h)enthan an das Bezirksamt Tirschenreuth ab.
Am 1. Januar 1931 gab es einige Grenzveränderungen. Dabei gab das Bezirksamt Kemnath einige Gemeinden an das Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab sowie die Gemeinden Bärnhöhe, Friedenfels, Helmbrechts, Hohenhard und Poppenreuth an das Bezirksamt Tirschenreuth ab.
Landkreise Am 1. Januar 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Kemnath und Tirschenreuth.
Landkreis Tirschenreuth Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 der Landkreis Tirschenreuth vergrößert. Neu zum Landkreis kamen der größte Teil des aufgelösten Landkreises Kemnath sowie die Gemeinden Erbendorf, Grötschenreuth, Hauxdorf, Krummennaab, Reuth bei Erbendorf, Röthenbach am Steinwald, Thumsenreuth, Wetzldorf und Wildenreuth aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Das restliche Gebiet des Landkreises Kemnath kam zum Landkreis Bayreuth in Oberfranken und zum Landkreis Neustadt an der Waldnaab.Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971
Am 1. Juli 1976 trat der Landkreis Tirschenreuth die Gemeindeteile Manzenberg, Pfaffenreuth und Reutlas der Gemeinde Lengenfeld bei Groschlattengrün an den oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge ab. Die drei Orte wurden in die Stadt Marktredwitz eingemeindet. Am 1. Januar 1978 wechselte die Gemeinde Hessenreuth in den Landkreis Neustadt an der Waldnaab und wurde nach Pressath eingemeindet.
Seit März 2020 trat die COVID-19-Pandemie im Landkreis Tirschenreuth mit den vorübergehend relativ höchsten Fallzahlen (Infektionen und Todesfälle) Deutschlands als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie in Erscheinung.Landratsamt des Landkreises Tirschenreuth: . 11. März 2020. Online unter www.kreis-tir.de. Abgerufen am 5. April 2020.ONetz: Söder kündigt Corona-Studie für den Landkreis Tirschenreuth an. 4. April 2020. Online unter www.onetz.de. Abgerufen am 5. April 2020. Als wesentliche Ursache wurde ein Starkbierfest vermutet, das am 7. März in Mitterteich stattgefunden hatte.Katarina Amtmann, Bayerischer Landkreis ist Coronavirus-Hotspot - und stellt sogar New York in den Schatten, merkur.de, 8. April 2020
Einwohnerentwicklung 400x400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Tirschenreuth (Datenquelle: Zensus 2011https://ergebnisse2011.zensus2022.de/datenbank/online/ Datenbank Zensus 2011, Kreis Tirschenreuth, Alter und Geschlecht.)
Von 1988 bis 2008 sank die Einwohnerzahl im Landkreis Tirschenreuth um rund 1600 Einwohner bzw. um rund 2 %. Seit Ende der 1990er Jahre nochmals ein Höchststand von gut 80.000 Einwohnern erreicht wurde, ist die Tendenz wieder rückläufig.
Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 77.582 auf 72.504 um 5.078 Einwohner bzw. um 6,6 %. 19 von 26 Landkreisgemeinden verzeichneten einen negativen Einwohnersaldo bis zu 16 % im genannten Zeitraum. Die höchsten Einwohnerzuwächse hatte dabei der Raum Kemnath im westlichen Landkreis.
Volkszählung bzw. Zensus Einwohner 1. Dezember 1840 47.465 1. Dezember 1871 47.978 1. Dezember 1900 52.147 16. Juni 1925 60.994 17. Mai 1939 62.535 13. September 1950 86.032 6. Juni 1961 80.964 27. Mai 1970 83.757 25. Mai 1987 77.875 9. Mai 2011 74.867 15. Mai 2022 72.531 Jahr(31. Dezember) Einwohner 1970 83.852 1975 81.124 1980 77.860 1985 76.346 1990 79.451 1995 80.524 2000 79.993 2005 77.729 2010 74.802 2015 73.314 2020 71.696 Jahr(31. Dezember) Einwohner 2025 71.768
Politik Kreistag Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl 2026 wie folgt:
Die Wahlbeteiligung betrug 74,8 %.
Parteien und Wählergemeinschaften2026 2020 2014 2008 2002 1996%Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern35,118 42,0 21 42,6 26 48,5 30 50,3 31 44,8 27 FW Freie Wähler Bayern20,010 21,0 11 21,5 13 21,0 13 21,0 12 21,1 13AfDAfD Bayern13,67—————————— SPD SPD Bayern11,66 13,3 7 19,0 11 22,3 13 24,5 15 27,2 16 ZLT Zukunft Landkreis Tirschenreuth10,75 10,2 5 8,8 5 – – – – – – Grüne Grüne Bayern5,93 9,0 4 6,2 4 5,1 3 4,2 2 – – FDP FDP Bayern0,8— 2,4 1 1,9 1 3,1 1 – – 1,9 1LinkeDie Linke Bayern2,41—————————— ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei—— 2,1 1 – – – – – – – – Grüne/ÖDP Grüne Bayern/Ökologisch-Demokratische Partei—— – – – – – – – – 5,0 3 gesamt100,050 100,0 50 100,0 60 100,0 60 100,0 60 100,0 60 Wahlbeteiligung74,8 % 71,2 % 70,0 % 72,5 % 75,2 % 79,8 %
Bezirksamtsvorstände (bis 1938) und Landräte (ab 1939) Bis 1938 war die Bezeichnung Bezirksamtsvorstand, besetzt bis 1926 mit einem Bezirksamtmann (später Bezirksoberamtmann), ab 1939 dann Landrat. 1946 wurde der Landrat erstmals vom Kreistag gewählt und 1952 wurde die Direktwahl des Landrats eingeführt. Adolf Hezner (1909 – 1914) (1931–1936 Senatspräsident am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof) Hermann Hellert (1914 – 1919) Wilhelm Wüst (1920 – 1933, mit Unterbrechungen) Benno Mergenthaler (1920 – 1923) (DDP) Karl Durst (Juni 1923 – April 1928) Adam Vogl (Juni 1933 – September 1944) (seit 1935 NSdAP, ab 1939 Landrat, 1942 Abordnung zum Regierungsbezirk Düsseldorf) Max Kuttenfelder (Mai 1945 – Mai 1946) (SPD) Hans Fridrich (Mai 1946 – Juli 1946) (CSU, Wahl wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht nicht bestätigt) Max Kuttenfelder (Juli 1946) (SPD) Otto Freundl (August 1946 – Juli 1948) (CSU) Franz Sproß (Juli 1948 – März 1964) (CSU) Otto Freundl (März 1964 – 1972) (CSU) Franz Weigl (1972 – 1991) (CSU, erster Landrat nach der Gebietsreform) Karl Haberkorn (1991 – 2008) (Freie Wähler) Wolfgang Lippert (2008 – 2020) (Freie Wähler) Roland Grillmeier (2020 – 2026) (CSU)
Hubert Schicker seit 2026 (FW)
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Tirschenreuth Platz 233 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko-Mix“ für die Zukunft.
Der Landkreis war und ist bekannt durch seine Porzellan- und Glasindustrie, die in Mitterteich, Waldsassen, Wiesau, Tirschenreuth, Erbendorf, Waldershof und Krummennaab angesiedelt war. Einer der letzten verbliebenen Betriebe, welcher im Landkreis produziert, ist die Firma Seltmann Weiden mit dem Werk in Erbendorf mit zugehörigem Werksverkauf. Verblieben sind die Werksverkäufe der Porzellanfabrik Tirschenreuth und der Porzellanfabrik Mitterteich, beide in Mitterteich. (Die Marken bestehen noch, werden aber beide nicht mehr in Deutschland produziert) Die Glasindustrie gibt es nur noch in Waldsassen und Mitterteich. Die Waldsassener Glashütte Lamberts ist in Deutschland der einzige Hersteller von mundgeblasenem Flachglas und liefert es in die ganze Welt. Die Schott AG ist mit ihrem Werk Mitterteich ein bedeutender Hersteller von Glasröhren und einer der größten Arbeitgeber im Landkreis.
Ferner ist die Textilindustrie mit der Hatico Mode GmbH in Tirschenreuth vertreten. Die Knopfindustrie hatte sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Bärnau entwickelt, ist seit den neunziger Jahren aber fast ganz verschwunden. Eines der bekanntesten Unternehmen des Kreises ist die Hamm AG in Tirschenreuth. Es ist der älteste noch produzierende Hersteller von Straßenwalzen in Deutschland. Kunststoffverarbeitung gibt es in Wiesau mit Wiesauplast, in Waldsassen, Tirschenreuth, Plößberg und Immenreuth, Metallindustrie in den Städten Waldershof, Mitterteich und Kemnath (Siemens Sector Healthcare). In Plößberg sind mit Ziegler Holzindustrie und dem Liebensteiner Kartonagenwerk weitere Unternehmen anderer Wirtschaftszweige angesiedelt.
Eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung hat die Fischzucht und Fischereiwirtschaft. 900 Fischereibetriebe bewirtschaften insgesamt mehr als 4000 Weiher. Die meisten sind Hobby-Teichwirte, die zusammen ca. drei bis vier Hektar Teichfläche bewirtschaften. Etwa 2800 Hektar teilen sich 50 größere Betriebe; zehn davon betreiben ausschließlich Karpfen- und Forellenzucht.Alles dreht sich um den Fisch, in Nordbayerischer Kurier vom 3. Mai 2012, S. 31
Verkehr Knotenpunkt des Schienenverkehrs ist der Bahnhof Wiesau, der an der 1864 von der AG der Bayerischen Ostbahnen eröffneten Hauptbahn Weiden-Mitterteich liegt, die 1865 Eger erreichte und weiter nach Mitteldeutschland führte. Von Weiden aus hatte die Ostbahn bereits ein Jahr zuvor eine Verbindung nach Bayreuth geschaffen, die den Bahnhof der ehemaligen Kreisstadt Kemnath bediente. Zweiter Bahnhof mit Regional-Express-Halt ist Waldershof im Norden des Landkreises mit Anbindungen an Nürnberg, Bayreuth und die Nachbarstadt Marktredwitz.
Im Jahre 1872 kam die Strecke Wiesau – Tirschenreuth hinzu. Diese wurde 1903 durch die Bayerischen Staatseisenbahnen bis Bärnau verlängert. Die 1878 ebenfalls von diesem Unternehmen eröffnete Hauptbahn Schnabelwaid – Marktredwitz berührte im Nordwesten des Kreises die Stationen Waldershof und Neusorg; von dort gab es ab 1890 eine Stichbahn nach Fichtelberg.
Wiesaus Bedeutung wuchs, als 1882 eine Strecke von Marktredwitz her in die Ostbahn einmündete. Damit war es möglich, von Sachsen nach Bayern zu fahren, ohne österreichisches Territorium bei Eger zu durchqueren. Südlich von Wiesau, im Bahnhof Reuth, zweigte seit 1909 eine Lokalbahn zur Stadt Erbendorf ab; ferner gab es dort eine Güterbahn nach Friedenfels.
In den Jahren 1972 bis 1976 und 1986 bis 1989 wurde auf den Lokalbahnen mit 58 Kilometer Länge der Personenverkehr eingestellt. Es verblieb die Hauptstrecke Weiden–Oberkotzau, auf der der alex Wiesau mit München, Regensburg und Hof verbindet. Die Oberpfalzbahn bedient zusätzlich die kleinen Bahnhöfe in Reuth bei Erbendorf und Pechbrunn.