Gert Kaiser (* 18. Juni 1941 in Hardheim, Odenwald; † 27. Mai 2026) war ein deutscher Altgermanist und Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Werdegang Kaiser studierte in Heidelberg und München Germanistik, Geschichte und Romanistik. 1964 promovierte er in Heidelberg mit einer Arbeit über Minnesang bei Peter Wapnewski. Nach einem Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft habilitierte er sich 1970 in Heidelberg mit einer Arbeit über die Artusliteratur. 1973 wurde er zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt. 1977 wurde er auf den Lehrstuhl für Ältere Germanistik an der Universität Düsseldorf berufen, die seit 1988 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf heißt. Kaiser forschte und lehrte hauptsächlich zu Themen der klassischen mittelalterlichen Literatur: die Artusromane, den Minnesang, das Nibelungenlied, Walther von der Vogelweide, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg. Seine Habilitationsschrift über Artusromane und Ministerialität erschien in zwei Auflagen.Gert Kaiser: Die Artusromane Hartmanns von Aue. 2. Auflage. Wiesbaden 1978, ISBN 3-7997-0690-9.
1983 wurde er zum Rektor der Universität Düsseldorf gewählt. Er hatte das Amt zwanzig Jahre inne. In seiner Amtszeit wurden zwei neue Fakultäten gegründet, die Wirtschaftswissenschaftliche und die Juristische Fakultät. Auch wurde 1988 die Universität nach längerem internen und öffentlichen Streit in Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf umbenannt.Gert Kaiser über den Verlauf der Namensgebung online Er setzte 1994 dem Namenspatron der Universität ein Denkmal.
Seit 1988 war er im Nebenamt Präsident des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, einer Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft.
1987–1989 war er Vizepräsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, von 1991 bis 1992 Mitglied des Gründungssenats der Universität Potsdam. Er lehrte zweimal an der University of California, Davis (1991 und 2007). 1996 erhielt er den Ruf als Gründungsrektor des Hanse-Wissenschaftskollegs in Delmenhorst/Niedersachsen (abgelehnt). 2001–2005 war er Beirat des Franz Rosenzweig-Zentrums an der Hebrew University in Jerusalem, seit 2003 Vorsitzender des deutschen Freundeskreises des Interdisciplinary Center in Herzliya (Israel), von 2005 bis 2007 Präsident des Deutsch-Italienischen Hochschulzentrums. Nach dem Ausscheiden aus dem Rektoramt war er von 2004 bis 2014 Präsident der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich Heine Universität Düsseldorf.Siehe: Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e. V. online Er war Vorsitzender des Vorstands der Meyer-Struckmann-Stiftung und Vorsitzender des Stiftungsrates des Neanderthal Museums.Gert Kaiser auf der Homepage der Meyer-Struckmann-Stiftung: onlineGert Kaiser auf der Homepage der Stiftung Neanderthal Museum: online Er gehörte der SPD an.
Kaiser verfasste neben wissenschaftlichen Schriften Artikel zu aktuellen Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur.
Er starb am 27. Mai 2026 im Alter von 84 Jahren.
Ehrungen 1990: Goldene Ehrenplakette der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf 1991: Bundesverdienstkreuz am Bande 1992: Französischer Staatsorden „Officier dans L’Ordre des Palmes Académiques“ 1993: Minerva-Preis des Forschungszentrums Jülich 1996: Ehrendoktor der University of Reading (Großbritannien) 1997: Französischer Staatsorden „Chevalier dans L’Ordre national du Mérite“ 2001: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen 2001: Josef Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf 2002: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 2002: Jan-Wellem-Ehrenring der Stadt Düsseldorf 2003: Brückenschlag-Preis der Moe-Radzyner-Stiftung 2004: Italienischer Staatsorden „Commendatore dell’Ordine al Merito della Repubblica Italiana“ 2004: Japanischer Staatsorden „Orden der Aufgehenden Sonne mit Sternen, goldene und silberne Strahlen“ 2005: Honorary Fellow des Interdisciplinary Center Herzliya (Israel) 2008: Ehrendoktor der Juristischen Fakultät der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf
Schriften (Auswahl) Beiträge zu den Liedern des Minnesängers Rubin, Wilhelm Fink Verlag München 1969 Die Artusromane Hartmanns von Aue, 2., neubearb. Aufl. Wiesbaden 1978, ISBN 3-7997-0690-9 Der tanzende Tod. Mittelalterliche Totentänze. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert, 8. Aufl. Frankfurt 2001 (Insel-Taschenbuch), ISBN 3-458-32347-3 Der Tod und die schönen Frauen. Ein elementares Motiv der europäischen Kultur, Frankfurt/New York 1995, ISBN 3-593-35363-6 Vénus et la Mort. Un grand thème de l’histoire culturelle de l’Europe, Paris 1999 (Editions de la Maison des sciences de l’homme Paris) ISBN 2-7351-0824-4 Werktagebuch. Düsseldorfer Kolumnen, Düsseldorf 2015, ISBN 978-3-7700-1536-8
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Einzelnachweise
Kategorie:Mediävist Kategorie:Hochschullehrer (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) Kategorie:Rektor (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) Kategorie:Träger des Ordens der Aufgehenden Sonne (Großoffizier) Kategorie:Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Komtur) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Träger des französischen Nationalverdienstordens (Ritter) Kategorie:Träger des Ordre des Palmes Académiques (Offizier) Kategorie:Ehrendoktor der University of Reading Kategorie:Ehrendoktor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Kategorie:Absolvent der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann