mini|hochkant=1.6|Parentationshalle vom Krematorium Meißen Das Krematorium Meißen ist eine Feuerbestattungsanlage mit Sakralgebäude auf der linkselbischen Seite der Stadt Meißen. Es wurde nach einem Entwurf des Baumeisters Carl Vogel aus Meißen erbaut.Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. S. 187.
Lage Das Krematorium liegt auf dem Friedhof der Frauenkirchgemeinde Meißen an der Nossener Straße. Seit 1994 gilt eine Neufassung des Erbbaurechtsvertrags mit der Frauenkirchgemeinde für 99 Jahre. An der Nossener Straße 36 besteht ein gemeinsamer Eingang. Seit 1994 gibt es außerdem eine separate Auffahrt für Fahrzeuge. Mit dem Bestattungswesen und dem eigentlichen Krematorium bestehen zwei Betriebsteile. Der Betriebsteil Bestattungswesen betreibt zudem noch eine Filiale in Nossen und Weinböhla sowie die drei Agenturen in Großenhain, Riesa und RadebeulNach Auskunft vom Städtischen Bestattungswesen Meißen GmbH Krematorium..
Geschichte Vor 1945 Mit der Gründung eines Feuerbestattungsvereins in Meißen im Jahre 1911, als „Verein für Feuerbestattung zu Meißen V. V. a. G.“, der 1912 Mitglied im Landesverband Sachsen der Feuerbestattungsvereine wurde, war auch der Bau eines Krematoriums ins Auge gefasst worden. Zwei Bauentwürfe aus dem Jahre 1914 scheiterten aber an der Finanzierung. Die zahlreichen Einberufungen zum Ersten Weltkrieg ließen dann das Vereinsleben im Jahre 1915 fast ersterben. mini|hochkant|Skulptur an der Außenfassade mini|hochkant|Medaillon mit Phönix über dem Eingang Am 30. November 1920 trat das Sächsische Feuerbestattungsgesetz in Kraft. Um den Bau eines Krematoriums zu finanzieren – über ein Grundstück verfügte der Verein damals noch nicht –, wurde 1921 eine Spendenaktion mit Porzellanmedaillen ins Leben gerufen. Gestaltet wurden die Medaillen zu 20 Mark von Emil Paul Börner. Die Aktion brachte kein Geld ein und die korrekte Abrechnung blieb im Dunkeln. Ab 1923 wurde den Mitgliedern des Vereins eine kostenlose Bestattung garantiert. Im Ergebnis der Inflation war das Geldvermögen des Vereins entwertet und er musste sich organisieren. Er kaufte einen Kremierungsofen für 16 Milliarden Inflationsmark von der Firma J. A. Topf & Söhne in Erfurt und benannte sich in „Feuerbestattungsverein Meißen und Umgebung e. V.“ um.
Eine 1924 veranstaltete Lotterie, um finanzielle Mittel für den Kauf eines Grundstücks und den Bau des Krematoriums einzunehmen, brachte erneut kaum Geld ein. Schließlich fasste der Stadtrat von Meißen den Beschluss, den Bau nebst Finanzierung selbst in die Hand zu nehmen. Der Verein stellte 1925 den vorhandenen Kremierungsofen der Stadt zur Verfügung. Im Jahre 1930 wurde zum Bau der Entwurf von Baumeister Vogel ausgewählt. Ein Mantel- und Erbbauvertrag mit der Frauenkirche wurde geschlossen. Die Grundsteinlegung zum Krematoriumsbau mit Feierhalle erfolgte am 1. November 1930. Finanziert wurde er durch eine Sparkassenhypothek über 100.000 Reichsmark, 40.000 Reichsmark Vereinsrücklagen sowie 30.000 Reichsmark an Anteilscheinen. Die Vorstandsmitglieder bürgten für weitere 35.000 Reichsmark. Emil Paul Börner übernahm die künstlerische Ausgestaltung der Parentationshalle und am 8. Oktober 1931 wurde das Krematorium nach mehreren Unterbrechungen beim Bau eingeweiht. Ein Glockengeläut zunächst mit vier Porzellanglocken baute Emil Paul Börner in den Chorraum ein; es wurde 1938 zum Porzellanglockenspiel mit sechs Glocken erweitert. Die Spielmechanik lieferte die Leipziger Uhrenfabrik Bernhard Zachariä. Im Jahre 1934 wurde mit dem Reichsfeuerbestattungsgesetz im Krematorium Meißen die Zweite Leichenschau eingeführt, um eventuelle unnatürliche Todesursachen auszuschließen. Gleichzeitig wurden Einäscherungen in die staatliche Hand gegeben, um zu garantieren, dass keine illegalen Einäscherungen vollzogen werden. Im Jahre 1936 wurde die endgültige Ausgestaltung der Feierhalle mit einem italienischen Mosaik von Max Helas, nach einem Entwurf von Emil Paul Börner, abgeschlossen. Ein zweiter Ofen wurde 1937 beschafft, ein gleichzeitiger Betrieb beider Öfen war aber noch nicht möglich. Der Zweite Weltkrieg verzögerte die Errichtung von Urnenmauern auf dem Friedhof. Nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurden auch im Krematorium Meißen viele Opfer eingeäschert. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges kam es im März und April 1945 an einer Mauer auf dem Gelände des Krematoriums zu Erschießungen von 16 kriegsgefangenen Zwangsarbeitern aus Frankreich, Italien, Polen und Russland im Namen des nationalsozialistischen Staates. Das Krematorium wurde in den Jahren des Krieges von SS-Truppen bewacht. In dieser Zeit kam es auch zur Hinrichtung von 19 Kriegsgefangenen und Kriegsgegnern aus dem Konzentrationslager Waldheim. Am 10. Mai 1945 wurde das Krematorium von der Stadtverwaltung Meißen beschlagnahmt, allerdings ging der Betrieb am 11. Mai 1945 weiter und es folgte fast zeitgleich der Übergang des Krematoriums an die Stadt Meißen. Damit war der Feuerbestattungsverein praktisch aufgelöst. Am 15. November 1945 wurden in Sachsen alle Versicherungsvereine liquidiert.
Nach 1945 Am 29. Januar 1947 fand die 10.000 Einäscherung statt. Es folgte der endgültige Übergang des Betriebes an die Stadt Meißen. Eine erste Reparatur des Hauptdaches mit Kupfer gab es 1951. Drei Jahre später wurden einige Grundstücke, die im Besitz des Krematoriums waren, an die Wohnungsverwaltung Meißen zur Errichtung von Eigenheimen übergeben. Im Jahre 1962 erfolgte ein Umbau beider Öfen, um den Gasverbrauch bei den Einäscherungen zu verringern. Zur ersten Erweiterung des Krematoriums mit dem Einbau von Sozialräumen für die Feuerbestatter kam es 1966. Fünf Jahre danach wurde eine Generalreparatur des Feierhallendaches durchgeführt. Obwohl es bereits zwei Kremierungsöfen gab, konnte erst durch einen neu erbauten Schornstein im Jahre 1973 und einen Anbau mit neuen Rauchgaskanälen der Zwei-Öfen-Betrieb beginnen. Durch den Übergang zum VEB Dienstleistungsbetrieb der Stadt Meißen, Abteilung Krematorium, verlor das Krematorium 1979 seine Selbständigkeit als eigenständiger Betrieb. Eine umfangreiche Sanierung begann 1985. Nach damaligen Plänen sollte das Krematorium bis in die 1990er Jahre fertig saniert und mit einer Rauchgasreinigung versehen sein.
Im Jahre 1991 wurde der VEB Stadtwirtschaft endgültig aufgelöst und nun dem Amt für Stadtwirtschaft Meißen zugeordnet. Von 1991 bis 1993 wurden einige Bestatter-Filialen eröffnet. Ab 1993 wurden die Verstorbenen mit Computertechnik erfasst, außerdem erfolgte die schrittweise Sanierung des Unternehmens. Erst 1994 endete die Ära mit der Beschäftigung von eigenen Musikern. Mitunter waren fünf Musiker und Gesangsinterpreten beschäftigt. In den Jahren 1995 bis 2000 kam es zu weiteren umfangreichen Erneuerungen und Umbauten bei Öfen, Kühlanlagen sowie Filtertechnik. Die Sanierung der Feierhalle und des Tempelvorbaues wurde 2001 realisiert. Im gleichen Jahr erfolgte die 200.000. Einäscherung. Sämtliche Einäscherungen ab dem Jahre 1931 wurden genau festgehalten und können noch heute nachvollzogen werden. Sämtliche Bücher wurden auf elektronischen Medien gesichert. Weiterhin beschloss in diesem Jahr der Stadtrat den Bau der schon länger geplanten Öfen drei und vier. Die Sanierung der Öfen eins und zwei erfolgte 2002 planmäßig. Weitere Sanierungsarbeiten und Erneuerungen an der Leichenhalle sowie an Kühl- und Filteranlagen gab es in den Jahren 2003 bis 2011. Der Eigenbetrieb wurde 2012 in eine GmbH umgewandelt. Seit 2013 werden in der kälteren Jahreszeit und bei entsprechenden Außentemperaturen die Kühlanlagen automatisch heruntergefahren und mit kalter Außenluft auf der vorgegebenen Temperatur gehalten. Für eine bessere Akustik in der Feierhalle wurden im Jahre 2015 schalldämmende Teppiche aufgehängt, welche dem räumlichen Charakter auch optisch eine besondere Identität verleihen. 2016 erfolgte planmäßig die Erneuerung der gesamten Ofensteuerung. Im Jahre 2018 konnte die Sanierung der Räume auf der Nordseite des Krematoriums abgeschlossen werden. Die Steuerung der beiden Öfen wurde komplett auf ein neues Steuerungs- und Reglungssystem umgestellt.
Die historischen Leuchter in der Feierhalle wurden im Jahre 2019 durch stabilere originalgetreue Nachbauten ersetzt. Die neuen Leuchter sind nun aus Edelstahl gefertigt. Die Originalleuchter werden weiterhin im Krematorium aufbewahrt.Nach Auskunft vom Städtischen Bestattungswesen Meißen GmbH Krematorium vom 16. September 2021.
Am 2. November 2020, fast genau 90 Jahre nach der Grundsteinlegung vom Krematoriumsbau, erfolgte die Grundsteinlegung für eine weitere unterirdische Leichenhalle. Die Kapazität wird dabei um 17 Stellplätze ausgebaut. Die notwendigen Beschlüsse vom Stadtrat liegen dafür seit den Jahren 2001 und 2002 vor. Die Finanzierung des Bauprojekts von rund 1,5 Millionen Euro erfolgt dabei ausschließlich aus erwirtschafteten Eigenmitteln.Peter Anderson: Mehr Platz für Tote im Krematorium Meißen, in Sächsische Zeitung vom 28. Oktober 2020, S. 14.tvM Meissen Fernsehen: Leichen im Bierkeller – Grundsteinlegung für unterirdische Leichenhalle am Meissner Krematorium, vom 2. November 2020.
Die Auswirkungen der Coronapandemie waren auch im Krematorium Meißen zu spüren. Der Höhepunkt begann im November 2020 und dauerte bis März 2021. In dieser kurzen Zeit wurden 1.700 Verstorbene mit einer Coronadiagnose zusätzlich zu den an anderen Diagnosen Verstorbenen eingeäschert. Die Verstorbenen mussten in dieser Zeit auch in der kühlfähigen Feierhalle gelagert werden. Der Spitzenwert von aufbewahrten Verstorbenen lag bei 432 an einem Tag. In dieser Zeit wurden mit den zwei Einäscherungsöfen im Krematorium Meißen fast ein Drittel aller sächsischen Verstorbenen eingeäschert. In Sachsen gibt es aktuell noch 16 weitere Einäscherungsöfen. Im Jahre 2021 hat man die Stromverteilung neu konzipiert, die Büroräume modernisiert und neu aufgeteilt.Auskünfte vom Städtischen Bestattungswesen Meißen GmbH Krematorium vom 17. September 2024.
mini|hochkant=1.4|Baustelle Krematorium Meißen 2022
Bau der unterirdischen Leichenhalle ab 2020 Anlässlich des 90. Jahrestages der Grundsteinlegung wurde am 2. November 2020 der Grundstein für die geplante unterirdische Leichenhalle gelegt. Die erste Gestaltungskonzeption nach neoklassizistischem Vorbild entstand auf Grundlage einer Idee von Charlotte Rademacher, welche die optische Linienführung mit Treppen und einem Säulenabschluss konzipierte.
2021 Mit dem Bau der unterirdischen Leichenhalle wurde im April begonnen. Dieser Gebäudeteil war entscheidend für den innerbetrieblichen Transport der Verstorbenen in drei Ebenen (Erdgeschoss, Keller 1 und Keller 2). Von hier aus konnten die Erweiterungsbauten in alle Richtungen erfolgen. Begonnen wurde mit dem Fundament für den Baukran. Die ins Erdreich eingebrachten 78 Stück und 14 Meter langen Bohrpfähle (12 Meter im Lehm und 2 Meter in der Kiesschicht) stützen dabei die vorhandene alte Leichenhalle ab. Die Bohrpfähle wurden 18 Meter vertikal unter der Leichenhalle verankert.
2022 Die Bodenplatte für die unterirdische Leichenhalle wurde im April gegossen und im Juli konnte die zweite Kelleretage errichtet werden. Im September folgte das erste Kellergeschoss und im November war der ebenerdige Aufbau als Rohbau abgeschlossen. Im Notfall konnte nun schon die erste Kellerebene mit Verstorbenen belegt werden. Ab Oktober folgte schrittweise der Innenausbau in der zweiten Kellerebene. Vorrangig ging es dabei um den Anschluss der Versorgungsmedien und den Bau der Sozialräume mit Sanitäreinrichtungen.